Dieser Monat begann mit einer schlimmen Nachricht, war eher durchwachsen und endete sehr unerfreulich. Die Details gehen nur die Beteiligten etwas an, ich erwähne es nur, damit ihr wisst, wie die Stimmung war.

Im August 2022 haben wir

  • recherchiert: In der Eifel, im Rheinland, im Westerwald und im Bergischen Land.
  • geschrieben: so gut wie nichts. Die Konzentration fällt mir am Rechner noch sehr schwer. Wandern geht auch noch nicht. Aber beim Autofahren brauche ich nicht mehr so viele Pausen.
  • sortiert: Fotos von den restlichen Ferien-Ausflügen und einigen Burgen.
  • beantwortet: die Fragen zweier Verlegerinnen, zweier Lektorinnen, einer Layouterin und einer Kartografin, außerdem drei Leserbriefe
  • gehalten: Bei unserem Besuch im Zoo Neuwied durften die Kinder sogar eine Schlange halten und Erdmännchen aus der Hand füttern.
  • fotografiert: Aurelia wird wohl auch im nächsten Bildband einige Fotos platzieren können, so gut sind sie geworden
  • gestaunt: über die großartige Aufbereitung der Erdgeschichte im Dinosaurierpark* in Erntzen
  • gefröstelt: Was gibt es Schöneres, als an einem 36°C-Tag durch die Teufelsschlucht zu kraxeln? Wie gut, dass wir ein Mutter-Tochter-Gespann in Schlappen/Sandalen dabei hatten, auf diese Weise fiel gar nicht auf, dass ich noch nicht wanderfit bin.
  • amüsiert: Unser schönster Recherche-Ausflug (aus Sicht der Kinder) führte uns in den Eifelpark* in Gondorf. Ich könnte sehr viel darüber schreiben, aber es reicht, Aurelia zu zitieren: „Ein kleines Phantasialand* – aber viel schöner, weil wir nirgendwo Schlange stehen mussten, die Leute viel netter sind und es dort sogar Tiere gibt!“
  • geblasen: Riesige Seifenblasen, sogar ohne Hilfsmittel, einfach mit den Fingern!
  • gewerkelt: Immer noch gehört die Gesenkschmiede Henrichs* in Solingen zu unseren Lieblingsmuseen. Am vorletzten Ferientag haben die Kinder dort am Schraubstock gestanden, gebohrt, gefeilt, gestanzt,… , aber auch mit Scheren hantiert, eine Museumsrallye gemacht, Grußkarten mit Blüten gestaltet und mit Lichtpinseln gemalt.
  • getrauert: mit Silke. Der August begann mit einem Telefonat. Wenn Silke per SMS „dringenden Gesprächsbedarf“ anmeldet, will das echt etwas heißen. Wir zählen beide das Telefonieren nicht zu unseren Lieblingstätigkeiten. Ihr Lebensgefährte Karl hatte morgens über einen schmerzhaften Knubbel im Bein geklagt, lag mittags schon auf der Intensivstation und war abends tot. Eine Thrombose führte zur Lungenembolie – ohne Vorwarnung. Ich bin geschockt. Seine sitzende Tätigkeit am Schreibtisch glich er mit langen Wanderungen und täglichen Spaziergängen aus. Das war aber zu wenig.
  • aufgestellt: Wecker. Die Kinder haben ganz genau nachgefragt, wie ein ziemlich gesunder mittelalter Mann einfach so an einem Tag sterben kann. Wir haben es so genau erklärt, wie unser Laienwissen es zulässt. Jetzt stehen zwei Kinderwecker an wechselnden Plätzen im Haus, die zu für mich unvorhergesehenen Zeiten bimmeln. Zusätzlich hat die Große in meinem Smartphone eine stündliche Weckfunktion mit dem Namen „Mama, beweg dich!“ eingestellt.
  • gegeben: Ein Interview zu meinen Erfahrungen als Verschickungskind
  • vergessen: Ich bin immer noch so vergesslich, dass ich mir alles aufschreiben muss. Wenn ich dann aber noch vergesse, in den Kalender zu schauen, bin ich verloren. Wie gut, dass ich auch in diesem Monat an nette Menschen geraten bin, die schon 5 Minuten nach der Zeit anrufen und mich erinnern. „Frau Retterath, Sie sind doch IMMER pünktlich oder sogar zu früh. Sind Sie krank?“
  • gelitten: Omas Kiefer-OP wirkte noch den ganzen August nach. Denn die Nebenwirkungen der Medikamente ruinierten ihr ohnehin fragiles Verdauungssystem. Fünf Kilo hat sie in zwei Wochen abgenommen! Das würde ich mir mal wünschen! Aber bei einem Startgewicht von 49 kg ist das alles andere als gesund. Nun päppeln wir sie langsam wieder auf und gehen ihr mit unseren vielen Essensangeboten und Erinnerungen gehörig auf den Wecker.
  • überwunden: Die Angst vor Impfspritzen. Aurelia hielt bei ihrer Vierfachimpfung ganz entspannt den Arm hin. Süße, ich bin stolz auf dich!
  • übernachtet: zwei Nächte in der Jugendherberge Olpe* am Biggesee. Mit Betthupferl auf dem Bettwäschestapel und Getränke-Tablett auf dem Tisch. Und der Knaller: Cocktail-Gutscheine für die Herbergs-Bar. Luxus pur! Wir wurden nicht einmal schräg angesehen, als sich Cari für ihren Cocktail im Schlafanzug an die Bar setzte.
  • erlebt: wir haben uns bewusst in einige Mikroabenteuer begeben, z.B. sind wir ohne Blick auf das Zugschild in eine Bahn eingestiegen und nach 30 Minuten ausgestiegen, haben noch viermal auf dem Trampolin übernachtet – und erlebten außerdem noch einige unvorhergesehene Abenteuer
  • gefahren: auch im August haben wir einige Strecken mit dem 9-Euro-Ticket zurückgelegt. Sogar bei einem Schulausflug zu einer Kindertheater-Generalprobe konnte Aurelia damit Geld sparen. Oma fährt jetzt auch zum Einkaufen, zur Bank und zum Hausarzt mit der Bahn. Schade, dass es bald so teuer wird, dass es sich für unseren mageren Bedarf nicht lohnt.
  • kennengelernt: Liesbert, ein nettes Monster, das Vorlesestunden in Kölner Museen organisiert. Wir hatten den Termin im Sport- und Olympia-Museum* gewählt. Nach dem Vorlesen eines Buchs über Zehnkämpfer gab es noch eine spannende Führung, bei der die Kinder sprinten, rennradeln, boxen,… durften.
  • gebibbert: Mama wollte danach unbedingt auf das Riesenrad, das schon auf dem Hinweg zwischen dem Sport- und Olympia-Museum* und dem Schokoladenmuseum* zu einer Fahrt lockte. Die Kinder bibberten vor Angst, hatten aber nur die Wahl, unten auf mich zu warten oder mitzufahren. Mit klappernden Zähnen stiegen sie ein – und kaum war unsere Gondel an der höchsten Stelle, war die Angst vergessen. Sie quiekten vor Entzücken, lobten die tolle Aussicht und überboten sich gegenseitig mit Entdeckungen. Eine kleine Schrecksekunde noch, als das Rad bei der letzten Runde anhielt. Aber alles gut, wir müssen nicht evakuiert werden, da steigen nur grade weiter unten Leute aus und ein.
  • gewebt: Der Besuch im Handwebmuseum hallte nach. Zwischenzeitlich haben wir uns einen eigenen Wegrahmen beschafft und das Kind webt zur Entspannung nach der Schule immer zwei-drei Reihen.
  • trainiert: Endlich wieder Basketball. Nele kann gar nicht genug davon bekommen und quengelt, wann sie endlich in die U10 kommt und 90 Minuten statt der popeligen 60 Minuten trainieren darf.
  • gespielt: oh, viele neue Spiele, denn wir waren in Montabaur und haben das Ravensburger*-Outlet leer gekauft, z.B. Junior Labyrinth*, 1×1 Drachen*, Invasion of the Cow Snatchers* und The UpsideDown Challenge*. Aber auch Klassiker wie Uno*, MauMau* und Domino*. Hauptsache, wir haben gemeinsame Zeit am Spieltisch.
  • betreut: den Schülergarten. Wir haben ihn tatsächlich über die Ferien gerettet und nun hat die Lehrerin einen speziellen Gießdienst eingeführt, damit er weiterhin grünt und blüht.
  • gelernt: ja, hurra, die Schule hat wieder begonnen und die Kinder sind glücklich, ihre Freunde wieder zu sehen.
  • geschrieben: Die Ferientagebücher der Zwillinge wurden erst in der zweiten Schulwoche fertig. Das lag an mir, denn ich hatte in die letzten vier Ferientage so viel Programm gepackt, dass die Kinder nicht mehr zum Schreiben, Malen und Einkleben kamen. Aber Aurelia wollte es unbedingt gleich am ersten Schultag mitnehmen und ihrer Lehrerin zeigen. Also legte sie am letzten Ferientag eine Nachtschicht ein und ging erst schlafen, als alle Ferienabenteuer notiert und bebildert waren. Wollt ihr mal sehen?
  • gefeiert: Das Schuljahr beginnt gleich wieder mit einigen Kindergeburtstagen. Das warme Sommerwetter machte die Programmgestaltung ziemlich leicht, stets stand auf den Einladungen: „Bitte bring Badesachen/Handtuch/Wechselkleidung“ mit und der gemeinsame Sprung in den Pool bzw. die Wasserschlacht war der wichtigste Programmpunkt.
  • gepackt: Beim Sommer-Preisrätsel in unserer Schulzeitung hatten diesmal schon mehr Kinder mitgemacht als im Winter. Ganze 15 Einsendungen waren es diesmal. Da ist natürlich noch Luft nach oben bei einer dreizügigen Grundschule, aber ich habe mich besonders gefreut, dass allein aus der Eulenklasse acht Kinder die richtige Antwort geschickt hatten. Leider konnten sich zwei Personen nicht mehr an ihre Zusage erinnern, Preise für dieses Gewinnspiel spenden zu wollen. Also habe ich etwas tiefer als geplant in die eigene Tasche gegriffen und Preise für alle Teilnehmer beschafft. Denn wer sich in den Ferien bei Dauersonne hinsetzt, um ein Preisrätsel zu lösen, soll auch belohnt werden. Die Kinder halfen zuhause beim Päckchenpacken und natürlich war der Jubel der Klasse groß, als ich mit einem Korb voller Päckchen in der Tür stand.
  • angeschaut: Die Generalprobe eines neuen Stücks im Casamax-Theater*. Die Lehrerin hatte Kontakte aufgebaut. Das war spannend für die Kinder, denn natürlich geht auf der Generalprobe noch so manches schief und man darf nicht (!) lachen, wenn die Intendantin „Licht! Liebe Zuschauer, denkt euch, dass jetzt hier Licht wäre!“ ruft.
  • aufgelehnt: haben wir uns wohl in den Augen einiger Menschen, indem wir die Karl-May-Festspiele* in Elspe besucht haben. Aus meiner Sicht ist nichts Verwerfliches daran zu erkennen, eine solche erfundene Geschichte auf einer Freilichtbühne zu zeigen. Winnetou war der Held meiner Kindheit und habe trotzdem als Jugendliche kapiert, dass Apachen, Sioux, Cree, Mohikaner und allen anderen großes Unrecht getan wurde. Ich wusste schon als Kind, dass ich einerseits Grimms Märchen lieben darf, andererseits jede Art von Gewalt ablehne, also auch keine alten Frauen in Öfen schubse oder Wölfen den Bauch aufschlitze, um Wackersteine hinein zu füllen. Mir war ja auch klar, dass die Brüder Löwenherz nicht wirklich Abenteuer in einem Land nach dem Tod erlebten, trotzdem war es ein tröstliches Buch. Und so bin ich überzeugt davon, dass meine Kinder dort in Elspe etwas für ihre Allgemeinbildung getan haben, als wir uns den Heldenmut der Guten und den Untergang der Bösen angeschaut haben – und danach im Auto lange darüber sprachen, warum die Erwachsenen so oft „so lange es noch nicht verboten ist“ sagten, worum der Streit geht und dass es nichts mit dem Schicksal der indigenen Völker Nordamerikas zu tun hat.
  • probiert: Beim Musikschulfest durften die Kinder Geige, Gitarre, e-Bass, Klavier & Co ausprobieren. Bislang hatten sie ja noch kein Interesse an all meinen Musikangeboten gezeigt, nun regt sich aber der Wunsch, auf Gitarre, Ukulele, Harfe oder e-Bass zu schrappeln. Ich bin noch nicht sicher, ob es echtes Interesse oder nur Neulust ist. Mal sehen, was das kostet, vielleicht spendiere ich ihnen ja ein halbes Jahr Musikschule. Die erste Schnupperstunde haben wir hinter uns.
  • gepaddelt: Nach zwei Paddeltouren auf der Wupper und der Erft wünschten sich die Kinder eine Paddelerfahrung, bei der sie die Strömung nicht fürchten müssen. Also habe ich ein Paddelwochenende in der Jugendherberge Olpe am Biggesee gebucht. Das Paddeln war schön, aber für uns alle zu kurz. Unter einem PaddelWOCHENDENDE verstehe ich 2-3 volle Tage und nicht nur etwa 2,5 Stunden Paddeln und Schatzsuche am Samstag.
  • geschwommen (1): Die Kinder haben jetzt alle drei Schwimmunterricht in der Schule. Aber die beiden Kleinen sind enttäuscht, denn es ist nur ein Lehrschwimmbecken, in dem sie stehen können. Unterrichtsziel ist Wassergewöhnung und in der allerletzten Stunde die Seepferdchenprüfung. Der Großteil der Kinder hat schon das Seepferdchen, zwei sogar schon Bronze und Silber. Aber besser als gar kein Schwimmunterricht.
  • geschwommen (2): Bella hat die Angst vor dem Schwimmen weitgehend abgelegt. Wenn ich sie ins Wasser locke und sie von einem der Kinder einen kleinen Schubs bekommt, schwimmt sie inzwischen schon freiwillig auf mich zu. Beim nächsten Mal nehmen wir Leckerli als weitere Motivationshilfe mit ins Wasser.
  • doof geguckt: Ja, das mache ich ja öfters. Aber diese Szene ist erzählenswert: Ich stehe mit meiner Tochter im Aufzug. Sie sagt: „Aloha mora!“ (oder so ähnlich). – Ich frage: „Wie bitte?“ – Der Mann neben uns raunt ihr zu: „Nicht so laut, das ist ein Muggel!“ – Die Aufzugtür öffnet sich, die beiden grinsen sich an und sie sagt zu mir: „Du musst es doch mal lesen oder ansehen!!!“
  • geerntet: Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Tomaten, Gurken, Feigen, Bohnen, Zucchini, Physalis und viele Gartenkräuter.
  • gekocht: Unfassbare Mengen an Brombeerkonfitüre. Wir waren Anfang des Monats jeden Morgen auf Streifzug und wurden immer fündig!
  • gebacken: Stockbrot, nach Aurelias Spezialrezept.
  • gegessen: in den verschiedensten Ausflugslokalen unterwegs.

*Werbung? Ja sicher! Und zwar aus voller Überzeugung, weil ihr ruhig wissen solltet, wer uns das Leben schwer oder schön macht. Ich werde für die Nennung der Namen, Firmen oder Produkte nicht bezahlt.

2 thoughts on “Unser August 2022

  1. Paddeln könnten wir auch mal wieder. Es gibt bestimmt die Möglichkeit irgendwo Kanus zu leihen, ohne gleich ein Wochenende mit Programm zu buchen.
    Ich habe hier noch kleine Flaschen mit Schraubverschluss stehen für die Gerda.
    Es liest sich wie ein ziemlich normaler Monat im Hause Retterath, trotz der Ankündigung, dass es nicht so gut gelaufen ist.

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