Ihr Lieben. Hat euch der Coronavirus erreicht oder seid ihr bislang verschont geblieben?

Wir hatten bis zum Freitag, den 13. März (what a day!) viele potentiell gefährliche Kontakte: In der internationalen (!) Schule, beim DRK, bei Recherchen, bei Kinderflohmärkten, bei Arztbesuchen, beim Einkaufen,…

Entsprechend oft haben wir in diesem Monat über die Ansteckungswege von Viruserkrankungen allgemein und den Coronavirus speziell gesprochen. Die Kinder wunderten sich darüber, dass viele Menschen nun über Händewaschen sprachen, einige asiatische Mütter vorsorglich einen Mundschutz trugen und im Eingangsbereich der Schule Spender mit Desinfektinsschaum standen..

Besonders Aurelia ist daran sehr interessiert, weil sie sehr nette Zwillinge in ihre Stufe bekommen hat, die vorher in Shanghai lebten und rein vorsorglich nach ihrer Ankunft in Deutschland zwei Wochen in freiwilliger häuslicher Quarantäne verbrachten.

Dann kam die landesweite Schulschließung und die Situation veränderte sich gravierend.

Manchmal stimmt es mich traurig, dass wir in einer Zeit leben, in der sich Kinder nicht wagen, eine nette Klassenkameradin zu umarmen, weil sie den Virus fürchten und nun wochenlang vollkommen von ihren Freunden abgeschnitten sind.

Ich schwanke zwischen dem rheinischen „Et hätt noch immer jot jejange“ und „Wie kann ich meine Familie am besten schützen?“. Auf die steigende Panik in unserem Umfeld reagiere ich nicht. Die Fragen der Kinder beantworte ich ausführlich.

Und so sehr sich Bathida es auch wünscht: ich plane immer noch keine Hamsterkäufe. Mir reichen der Hund und die Kaninchen!

Im März 2020 haben wir:

  • recherchiert: An der Erft und in der Eifel. Leider bin ich aktuell nicht (wie geplant) eine ganze herrliche Woche unterwegs mit ihr, äh, unterwegsmitmir
  • geschrieben: an den Manuskripten für die Via Coloniensis und für den Pembrokeshire Coast Path, letzterer ist jetzt fertig und im Verlag.
  • uns gefreut: über ein Nachricht aus dem Verlag, dass unsere Wanderungen für die Seele schon ausverkauft sind und ein Nachdruck nötig wird, wir also eventuelle Änderungen noch schnell einreichen können.
  • ambivalent reagiert: auf die zehn Autorenexemplare der Wanderungen für die Seele im Westerwald. Denn das Buch ist aus der Druckerei, draußen ist bestes Wanderwetter und der Verlag hat entschieden, dass die Wanderführer erst in den Verkauf gehen, wenn die Buchläden wieder geöffnet haben. Ich freue mich einerseits über das fertige Buch, aber das freudige Lachen bleibt mir irgendwie im Hals stecken.
  • aufgerufen: zu Rettung kleiner Verlage und Buchhandlungen
  • gestaunt: Über Hamsterkäufer
  • beherbergt: leider niemanden, weil die bereits angesagten Jakobspilger ihren Pilgerweg abgebrochen haben und ich zum Eigenschutz keine neuen aufnehmen würde
  • gesammelt: 55 Ideen für Aktivitäten in den Zwangsferien ohne Ansteckungsrisiko
  • geschmunzelt: Wenn ich in meinen 55 Ideen vorschlage, eine neue Sprache zu lernen und selbst keine Zeit dazu finde, schlägt das Universum hinterrücks zu. Ich bin wohl irgendwie in einen walisischen Verteiler gerutscht, in dem ich Mitte März über „symptomau coronafeirws“ nebst Link informiert wurde und belustigt feststellte, dass sogar jeder von euch nun problemlos sagen kann, über was ich mich dort en detail informieren könnte, wenn mein Walisisch besser wäre…
  • kommentiert: Das Kölsche Grundgesetz für die Coronazeit
  • gereist: und zwar haben wir eine Weltreise im Küchenschrank, im Kleiderschrank und im Rest des Hauses gemacht.
  • gelernt: und zwar zuhause, denn die Schule hat die Kinder schon wochenlang prima auf den Fall der Fälle vorbereitet. Großartige Leistung, zwar den Schulbetrieb einzustellen, aber den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten! Daraus entsteht so nach und nach quasi ein Homelearning-Tagebuch, weil ich momentan jeden Lerntag auf Instagram und Facebook kurz kommentiere. Einen Zwischenbericht mit unseren ersten Erfahrungen mit dem Lernen zuhause hatte ich auch hier im Blog veröffentlicht. Wir alle schlagen uns tapfer und haben das Gefühl, dass wir das auch ohne Blessuren durchstehen, wenn es nach den Ferien noch weiter gehen muss.
  • gebucht: Die Unterkünfte für die Osterrecherche, die Walesrecherchen und den Winterurlaub. Das war in den ersten Märztagen… Für Ostern ist es jetzt storniert, für die anderen drei Touren wartet der Optimist in mir noch ab (und ist sich mit dem Pessimisten und dem Realisten ausnahmsweise sogar einig, denn diese gehen davon aus, dass ich zumindest einen Teil meiner Kosten für Fähre und Unterkunft erstattet bekomme, wenn mein Vertragspartner die Leitung gar nicht mehr anbieten kann)
  • gejubelt: über tausendfache Besuche ratsuchender Eltern. Das müsst ihr euch einmal vorstellen: normalerweise dümpele ich mit etwa 50-100 Seitenbesuchen pro Tag durch das weltweite Netz. An Tagen, an denen ich einen neuen Beitrag poste, können es auch schon ‚mal 150 werden. Aber nachdem ich bei Facebook auf die 55 Tipps hingewiesen hatte, schnellten die Seitenbesuche auf 7516 Besuche hoch. Am nächsten Tag waren es sogar 9573! Wahnsinn! So viele Leute machten sich Gedanken darüber, was sie fünf Wochen mit ihren Kindern anfangen könnten.
  • genossen: die Rückkehr des Blog-Alltags mit meinen gewohnten Leserzahlen. Hätte ich nun immer so hohe Zahlen, wäre mir das fast ein wenig gruselig
  • nachgedacht: über vollkommene Mütter und darüber, dass es mir viel besser damit geht vollkommen unvollkommen zu sein
  • vorgeschlagen: in meinem kleinen Klo-Knigge gebe ich Tipps zum Einsparen unserer aktuell scheinbar kostbarsten Resource
  • gebaut: ein Dendrophon
  • angespornt: zu mehr Mut in Zeiten der Existenzangst
  • appelliert: an das Verständnis für die enorme Belastung eurer Freunde in medizinischen Berufen
  • eingeladen: zur Blutspende
  • entrümpelt: oh ja, dafür ist ja jetzt auch eine gute Gelegenheit. Allerdings ist es auf dem Bauhof momentan immer brechend voll, weil alle auf diese Idee kommen.
  • erhoben: Einspruch gegen die neue Monster-Stromleitung, die genau hinter unser Haus gebaut werden soll. Wer auch dagegen ist, kann noch zwei Wochen lang unterstützen, die beteiligten Bürgerinitiativen haben einen Einspruchs-Generator gebastelt, bei dem man den Einspruch auf seine persönlichen Bedürfnisse zuschneiden kann. Also vom Eigentümer eines Grundstücks über Anwohner und Kinder, die in einen Kindergarten genau unter der neuen Leitung gehen bis hin zu allgemeinen Gegnern dieses Vorhabens, bei dem wir als Versuchskaninchen für eine unausgereifte Technik missbraucht werden. An keiner Stelle wird die Leitung so nah an Wohnbebauung geplant wie hinter unserem Garten. Die Leute in den Hochhäusern auf der anderen Seite der Leitung überlegen schon, ob sie daran dann die Wäsche aufhängen können…
  • gemalt: u.a. das Beitragsbild, diesmal von allen dreien zusammen, nämlich jede ein Regenbogen auf einem kleinen Blatt Papier und dann wurde noch ein riesiges Exemplar über den Rest der Scheibe geklebt.
  • genäht: Behelfsmasken für ein Hilfsprojekt in Erftstadt. Das geht auch auf das Konto der Idioten, die alles horten. Sie schneiden inzwischen auch den Pflegediensten, Apothekern, Altenheimen, Immunschwachen und Menschen mit anderen Krankheiten den Zugang zu den von ihnen dringend benötigten Masken ab.

*Werbung? Ja, durch Nennung von Produkten und Marken. Und zwar ohne Vergütung, aber aus voller Überzeugung!

3 thoughts on “Unser März 2020

  1. Ich überlege ernsthaft, ob ich meine Mutter bitte mir ein paar Stoffmasken zu machen, falls es auch hier zu einer Verpflichtung kommt, beim Einkaufen oder (was selten vorkommt) Busfahren

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