„Mama“, fragte mich heute Vormittag Aurelia, „Mama, wo wachsen eigentlich Birnen?“

Ich stutzte und sah von der Zeitung auf. „Auf Bäumen.“

„MAMMMA! Das weiß ich doch! In welchem Land?“

Ich entschuldigte mich und antworete: „In Deutschland, in den meisten Nachbarländern und in vielen anderen Ländern auf der Welt.“

„Auch in Hürthland?“, hakte sie nach.

„Ja“, bestätigte ich, „auch hier in Hürth.“

„Wie weit ist denn Südafrika weg von unserer Stadt?“ kam die Anschlussfrage.

„Warum willst du denn das wissen?“ Ich wurde neugierig.

„Weil Oma mir gestern beim Einkaufen erklärt hat, dass die Äpfel aus Chili kommen und die Birnen aus Südafrika. Die wollte sie da nicht kaufen, sondern ich muss warten, bis wir am Sonntag wieder im Gertrudenhof sind.“

Wir hatten noch ein langes Gespräch über den Unterschied von Chili und Chile, über regionale Produkte und Lebensmittelglobalisierung. Erstaunlich, wie schlau doch eine Vierjährige sein kann, denn mit dem Satz „Dann warte ich lieber mit den Äpfeln und Birnen, bis sie bei uns fertig sind. Dass die so weit fliegen, ist doch Quatsch! Ich esse einfach, was hier fertig gewachsen ist.“ Sprach es, nahm sich eine Tupperdose und ging im Garten Himbeeren pflücken.


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Kann man mit einem Apfelpflücker auch Birnen pflücken?
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Igittigittigitt, Vitamine!
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Ich habe wieder eine gefangen!

Eine Stunde später kam meine Mutter zur Tür herein und erzählte, dass sie unseren Nachbarn getroffen hat: „Heinz lässt ausrichten, dass schon einige Birnen vom Baum gefallen sind und wir ernten kommen können.“ Warum Aurelia und ich uns kaum noch beruhigen konnten vor Lachen, verstand sie erst nach einigen verkicherten Erklärungsversuchen. Dann aber zogen wir mit Schubkarre, Apfelpflücker und Leiter auf die andere Straßenseite und ernteten alles,

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Geschafft!

was wir erreichen konnten. Regional, lokal, bio – besser geht’s aus Umweltschutzsicht gar nicht. Noch dazu schmecken selbst geerntete Birnen direkt vom Baum einfach viel besser, als ihre Kollegen mit wochenlanger Anreise. Und für die Kinder war die Ernte ein echtes Abenteuer.

 


Hach, nun in Ruhe am Rechner regt sich Fernweh in mir. Südafrika und Chile, in die Herkunftsländer des Discounter-Obstes möchte ich gerne einmal reisen. Von Südafrika habe ich ja durch meine Reisen mit Dirk nach Namibia, Simbabwe und Botswana schon ein ungefähres Bild. Aber Chile stelle ich mir auch faszinierend vor. Ich würde es mit einer Reise auf die Falkland-Inseln kombinieren. Die Falklands sind mein Traumreiseziel Nummer 3 nach Kanada und Neuseeland. Ich stelle mir die Falklands ganz ähnlich vor wie die Orkney Inseln, nur mit Pinguinen.

1 thought on “So nah und doch so weit

  1. So richtig schizophren wird es, wenn das Obst nicht aus der direkten Nachbarschaft kommt, sondern zB aus dem Alten Land bei Hamburg, dann kann es leicht sein, das der Apfel aus Chilli *ggggg* oder Südafrika die bessere Ökobilanz hat. Da der Apfel aus dem Alten Land mit dem LKW quer durch Deutschland reist.

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