Wie seid ihr ins neue Jahr gekommen? Uns wie läuft es an?

Bei uns eher schleppend, mit einer Prise Übermut und einer gesalzenen Portion Frust.

Im Januar 2021 haben wir:

  • recherchiert: im Rheinland, im Westerwald und in der Eifel und dabei
  • gestaunt: der Lockdown öffnet uns fernwehkranken Menschen die Augen für Exotik vor der Haustür, z.B. Palmen gegenüber vom Hermes*-Lager oder Olivenbäume am ehemaligen Kloster.
  • gestritten: um meine Kamera, ich werde wohl ab sofort zu jeder Recherche mit vier Kameras starten müssen.
  • geschrieben: an Manuskripten zu einem Bildband, zwei Wanderführern und einem Ausflugsführer
  • geschmunzelt: über den Wunsch einer Verlegerin an alle Autor*innen, nun genderneutral zu formulieren. Einerseits soll ich Platz sparen und streiche deshalb alle Geocaches und Futterkrippen, andererseits wird nun das Buch durch Leser*innen, Wander*innen, Gastgeber*innen, Pilger*innen und Busfahrer*innen aufgeplustert. Hoffentlich schreibe ich nicht aus Versehen von Wegweiser*innen und Kinder*innen. Das hatte ich schon seit Jahren kommen sehen und so sehr es mir selbst auch beim Lesen auf den Zeiger geht, werde ich es doch ab sofort in allen meinen Manuskripten umsetzen. Tja, wä de Musik bestellt, bestimmt wat se spillt! Nur eine Frage bleibt offen: Fühlen sich mitwandernde Hündinnen diskriminiert, wenn ich an Gitterrosten und anderen Gefahrenstellen nur allgemein von Hunden schreibe, oder muss ich auch da von Hund*innen (?) – Hünd*innen (?) -Rüden/Hündinnen schreiben?
  • geplant: und die Pläne wieder verworfen. Wann lerne ich endlich, dass sich planen nicht lohnt?
  • den Kopf hängen lassen: mit meinen Manuskripten geht es nicht weiter. Was schon geschrieben ist, stellt keinen der Beteiligten zufrieden. Wandern ist nicht, wenn ich nicht übernachten kann. Fotografieren ist in dieser grauen Zeit nicht schön, ich warte auf das erste grün. Bildbandrecherche geht nicht, wenn alle Burgen und Archive zu sind. Schreiben kann ich knicken, so lange wir noch im Homelearning sind. Und welche Ausflüge kann ich bei Dauerregen um den Gefrierpunkt recherchieren? Alles doof!
  • gecacht: an unserer letzten Wanderstrecke lag ein schöner Geocache.
  • reduziert: unsere Kontakte. Auch im gesamten Januar hatten wir (abgesehen von Ärzten und Einkaufen) ganze vier Treffen mit Menschen außerhalb unseres Haushaltes.
  • geweint: denn schon wieder erhielten wir mehrere Todesnachrichten. Und manchmal tut es auch gut, aus Wut zu heulen, wenn nichts klappt und alles nervt.
  • besucht: einige Spielplätze, einen davon sogar bei Schnee.
  • geklönt: mit einer unerwarteten Besucherin.
  • genossen: die Kälte, die uns jeden Tag ein Feuerchen ermöglicht hat.
  • uns gefreut: über ein unerwartetes Carepaket mit Seife aus unserem Lieblingshotel. Bei unserem letzten Besuch hatten wir einen großen Bund Lorbeerzweige mitgebraucht, nun erhielten wir eine Kostprobe der ausgereiften Lorbeerseife.
  • geübt: Cari hat keine Lust auf die Leseübungen im Homelearning, weil sie sieht, dass in Neles Lesegruppe spannendere Sachen gemacht werden. Nun übt sie selbst mit allem, was sie findet, weil sie in Neles Gruppe aufsteigen will. Da wird mir aus heiterem Himmel erklärt, dass meine Bonbons „Husten“ heißen, auf meiner Wand „ein Stein“ steht (ein Zitat von Albert Einstein als Wandtatoo) und auf meinem Teebeutelschildchen „Frieden ist in dir“. Da kann eine Autofahrt schon mal zu Missverständnissen führen, wenn das Kind „STOP!“ ruft, ich anhalte, es fragend ansehe und die Erklärung folgt: „…stand da auf dem Schild neben der grünen Ampel.“ Oder ich bekomme die Anweisung, langsam zu fahren, damit es auch lange Worte wie Klettenberg und Nievenheim von einem Schild ablesen will und die Schwester mault: „Mama, bieg rechts ab, da geht es nach Zons, das ist kürzer!“ (wie gut, dass ich ohnehin nach Zons wollte)
  • gelernt: zuhause. Nach den Ferien ging es weiter wie vor den Ferien. Wir sind jetzt schon bei Homelearningtag 94.
  • verweigert: damit die Kinder nicht 27 Stunden am Tag vor den Homelearning-Aufgaben sitzen, streiche ich inzwischen bei den Kleinen eigenmächtig diejenigen Aufgaben, die mit zu viel Zeit und Frust verbunden sind. Welchen Sinn soll es haben, Fünfjährige dazu zu zwingen, an zwei Tagen in Folge insgesamt vier Seiten aus der Fibel abzuschreiben? Gibt es einen pädagogischen Grund dafür, Erstklässlern an einem Tag vier Videos zu schicken, in denen Lehrerinnen ihnen Bücher vorlesen? (Ohne Hörverständnisfragen o.ä.) Mir will sich auch kein Grund dafür zeigen, dass ein und dasselbe Arbeitsblatt an drei verschiedenen Tage gemailt wurde, obwohl es schon am ersten Tag vollkommen richtig ausgefüllt zurückgeschickt wurde.
  • geschraubt: Alle Kinder haben jetzt eigene „richtige“ Schreibtische und die entsprechenden Schreibtischstühle.
  • gebaut: einige Schneemänner und ein zweistöckiges Doppelhaus im Kinderzimmer
  • gewartet: ganze sechs Tage, bis wir mit allen Schritten im Verfahren der Impfterminvergabe für meine Mutter fertig waren.
  • gefeiert: nichts.
  • geschnitten: Aurelia hat meine Haare geschnitten – und sogar sehr gut. Was im Lockdown nicht alles geht!
  • genäht: vier Masken, vier Seifenetuis – und ein Täschlein, in dem die FFP2-Maske transportiert werden kann. Das kam gut an, ich werde also noch einige mehr davon nähen.
  • gemalt: erneut unfassbar viele Bilder, darunter das Beitragsbild von Aurelia, es war eine Kunst-Schulaufgabe
  • geerntet: Lorbeer für die nächste Seife, Salbei für den nächsten Tee, und eine Olive.
  • geflucht: über die Vergabe der Impftermine. War es für die Programmierer wirklich nicht vorhersehbar, dass in den ersten Tagen mehr als drei Leute pro Stunde anrufen oder auf die Homepage zugreifen? Selbst wenn dann die Server in die Knie geht, kann man sich doch vorher Fehlermeldungen überlegen, die die Nutzer nicht zusätzlich verärgern oder irritieren. Ich jedenfalls habe mich sehr geärgert, als am Montag um 10 Uhr nach zwei Stunden vergeblicher Versuche, auf die Webseite zu kommen, die Meldung erschien „Alle Termine sind vergeben, es werde bald neue Termine freigeschaltet“. Später stellte sich heraus, dass zu diesem Zeitpunkt gerade erst der erste Impftag ausgebucht war…
  • ermittelt: bei der Mordserie rund um Sherlocks Erben* konnten wir einen Mord verhindern und eine in Köln verschwundene Journalistin bei Spybrain Escape* retten. Aurelia hat sich nun auch für Sherlock Junior angemeldet und bereits zwei Briefe erhalten. Das beginnt aber ziemlich fade, das Kind muss einen langen Text lesen, hat am Ende nur zwei Wahlmöglichkeiten und muss dann wieder auf den nächsten Brief warten. Wenn nicht bald Schwung rein kommt, brechen wir dieses Experiment ab.
  • konferiert: diese Ermittlungen waren wieder mit Videokonferenzen verbunden. Auch die Kinder hängen abwechselnd den ganzen Tag in ihren Homelearning-Konferenzen und verabreden sich auch zu Spielkonferenzen.
  • gespielt: in diesem Monat war es sehr viel freies Spiel, ohne Brett und ohne Spielregel. Das gefällt mir gut.

*Werbung? Ja, durch Nennung von Produkten und Marken. Und zwar ohne Vergütung, aber aus voller Überzeugung!

6 thoughts on “Unser Januar 2021

  1. Liebe Ingrid ,

    Über deinen Blog bin ich auf „Verfuxt“ aufmerksam geworden und gestern habe ich es Klara zum Geburtstag geschenkt Danke für den tollen Tipp, ein immer wieder spannendes Spiel welches ich auch gern weiter empfehlen werde.

    Ich würde mich freuen wenn du mal wieder über eure Spiele berichtest.

    Danke

  2. Oje, die Binnen-Is.
    Damals in der Redaktion des ADFC-Hamburg, habe ich nicht nur selbst geschrieben (Touren und Glossen) sondern auch Texte der andern gekürzt und verleserlicht.
    Da war der Finanzbeamte, der schrieb auch so, eben Beamtendeutsch. Beim Verleserlichen wurden aus einem langen Satz gleich drei.
    Unser Feminist lieferte immer Texte mit Binnen-I s an und ich habe die beim Kürzen immer erstmal entfernt. Es gibt übrigens ein paar Tricks, einen Satz zu kürzen unter Vermeidung der Binnen-Is ohne in die maskuline Form zu fallen.
    Ich sage ja immer, wer Binnen-Is braucht hat keine Phantasie. Damals habe ich sogar eine Glosse geschrieben: Rund um das Binnen-I.
    Jedenfalls würde ich nicht Inhalt streichen zugunsten der Genderisierung.
    Ich war übrigens die einzige Frau in der Redaktion.

    1. okay, dann bin ich phantasielos. Oder wortgeizig. Denn alle 1-2 Textseiten weiß ich keine andere Lösung bei der Überarbeitung.

      Hast du mal einen Link zu deinem „Rund um das Binnen-I“?

  3. Ja, Grün lässt noch auf sich warten. Das habe ich gestern beim Gang durch den Garten auch bemerkt. Heute ist es auch wieder schön einheitlich grau. Da Frühblüher auf Licht reagieren und nicht so sehr auf Wärme, kommt da auch noch nix. War wieder nix mit Monte.

  4. Ups…..dachte ich…der Januar ist schon rum. „Müsste“ eigentlich auch einen Monatsrückblick schreiben….. aber lohnt sich das?

    Bei Euch hat es sich gelohnt.

    Bevor ich weiter durch die rheinländischen Burgen wandere, werde ich gleich auch ein paar Zeilen schreiben.

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