Wie war euer Juli? Wir blicken auf einen Monat zurück, den wir nie im Leben vergessen werden.

Leider hatte ich in diesem Monat keine Zeit für einzelne Artikel, deshalb kommt hier jetzt alles geballt:

Im Juli 2021 haben wir

  • gezittert: an den Starkregentagen schauten wir immer wieder mit Sorge in den Keller, denn der Boden war so gesättigt, dass das Wasser im Garten stand
  • gelegt: eine Notleitung zu den Nachbarn, denn am Unglücksabend fiel schon um 17 Uhr in allen Häusern auf der anderen Straßenseite der Strom aus. Unserem Beispiel folgten auch die anderen Nachbarn, sodass am späten Abend alle Häuser in der Siedlung zumindest je eine Stromquelle hatten.
  • gestaunt: wie gut die WhatsApp Gruppe in unserer Siedlung funktioniert. Um 20:27 Uhr kam die Nachricht der ersten Nachbarin, dass Wasser in ihren Keller läuft. Die ganze Siedlung stürzte in den Keller und konnte sofort handeln.
  • gerettet: Viele Erinnerungsstücke und andere Schätze aus dem Keller. Oma griff sofort zum Gummiwischer und schob das Wasser beherzt in den Bodenablauf. Wir dankten Gott dafür, dass unsere Sumpfpumpe fleißig ihre Arbeit tat. Wie gut, dass die Kinder schon groß genug für eine Menschenkette sind. Also stand ich in der braunen Brühe und reichte ihnen möglichst viele Dinge an. Wir konnten auf diese Weise viele Sachen retten.
  • durchwacht: nachdem alles Trockene (und die uns wichtigen nassen Sachen) ins Erdgeschoss gerettet war, schickte ich meinen Helfertrupp in den Feierabend und kümmerte mich selbst um das nachlaufende Wasser. Die ganze Nacht habe ich das Wasser geschöpft, geschoben, gewischt, gewrungen – und verflucht!
  • gesorgt: habe ich mich um meine Kinder. Denn sie wiederum hatten (und haben) sich sehr gesorgt um die vielen Menschen, die in anderen Regionen ihr Zuhause verloren haben oder sogar ums Leben kamen. Vor solchen Nachrichten kann ich sie nicht verschonen, das bekommen sie leider mit und machen sich viele Gedanken. Sie kennen die B265 und malen sich aus, wie es gewesen wäre, wenn wir dort langgefahren wären, als das Bach-Aquädukt alles überflutete. Sie kennen Bad Münstereifel, Gemünd, die Steinbachtalsperre, die Dreilägerbachtalsperre und das Ahrtal, nun trauern sie um die vielen zerstörten Häuser, Geschäfte und Cafés. Sie fragen sich aus, wie viele Tiere gestorben sind – und ob Schafe und Hühner schwimmen können. Sie kennen die Erft vom Paddeln und malen sich aus, uns hätte die Flutwelle hinterrücks erwischt. Sie haben die Sorge, dass beim nächsten Starkregen wieder der Keller überflutet wird und diesmal größere Schäden entstehen. Aurelia hatte in der Schule einiges über Greta Thunberg und Fridays for Future gehört und fragt sich nun, ob es geholfen hätte, wenn die Politiker früher auf die Schüler gehört hätten. Die Kinder wollen nun mit aller Macht das Schwimmen lernen, weil sie im Fernsehen Menschen gesehen haben, die auf den Dächern ihrer Häuser saßen. Und sie machen sich unfassbar viele Gedanken um Kinder in ihrem Alter, die nun ohne Spielzeug, Schulsachen, Kuscheltiere, Lieblingskleid,… in fremden Betten schlafen müssen und diesen Horrortag in ihren Träumen immer wieder und wieder und wieder durchleben müssen. Nach außen zeigen Sie sich taff. Aber innen brodelt es ihn ihnen. So viele traurige Gedanken für so kleine Mäuse. Wir verbringen viel Zeit mit Reden und Erklären.
  • entrümpelt: Als gelernte Optimistin habe ich versucht, auch positive Aspekte zu sehen. Auf diese Weise konnte ich einige Kisten mit Chaoskram, die ich zum Sortieren in den Keller geräumt hatte, einfach ungeprüft wegwerfen und freue mich darüber, dass mir etliche Entscheidungen abgenommen wurden.
  • entsorgt: leider waren etliche Bücher, Fotoalben, Schallplatten, Erinnerungs-Kuscheltiere, meine Sauna-Hifianlage, die externe Festplatte mit allen Sicherungsdateien, die Bohrmaschine, die Gästematratze, der teure Fein-Multimaster, zwei Teppiche, zwei Koffer, drei Reisetaschen, zwei Regale, die neu gekauften Schulranzen für die Zwillinge und gefühlte 1000 andere Sachen nicht mehr zu retten. Die Jungs auf dem Bauhof schauten jedes Mal ganz mitleidig, wenn ich wieder mit einer Ladung ankam.
  • gesucht: einen Bautrockner – leider vergeblich
  • abgeholt: einen Luftentfeuchter, der zwar nicht so stark ist wie ein Bautrockner, aber seit zwei Wochen sehr gute Arbeit leistet. Danke Bibo!
  • uns gefreut: über Rebis spontane Hilfe, als der Keller unter Wasser stand. Sie hätte auch beim Entrümpeln geholfen, aber viel wichtiger war mir, dass die Kinder aus dem Chaos kommen. So hatten sie einen wunderschönen Tag bei Rebi und ich kam im Keller super voran.
  • den Kopf geschüttelt: und zwar über Hilfsangebote, die ich dann doch lieber nicht angenommen habe. Ein Bekannter wollte schon am Tag nach dem Unwetter mit neuem Linoleum kommen und es sofort verlegen (wie jetzt, am dem klatschnassen Boden?). Eine befreundete Mutter bot mir öffentlich bei Facebook großartig Hilfe an, und nannte meine Bitte, mit den Kindern etwas auf den Spielplatz zu gehen, damit ich im Keller weiter komme „angemessen“. (Huh! Was will mir dieses „angemessen“ sagen? War das schon die äußerste Belastungsgrenze und muss ich ihr ewig dafür dankbar sein?)
  • gespendet: am Tag nach dem Starkregen flitzten eine Mikrowelle, 11 Kisten (nach Größen sortierte) Kinderkleidung und einige weitere Sachspenden Richtung Ahr
  • gesammelt: als am Sonntagmorgen eine befreundete Mutter nach Handtüchern für ein Pflegeheim in Rheinbach fragte, schaffte es unsere Siedlung, innerhalb von einer halben Stunde etwa 90 Handtücher (72 gezählte und einen riesigen Müllsack voll) zu sammeln, dazu Waschlappen, Einmalwaschlappen, Trockentücher, Feuchttücher. Großartige Leistung!
  • sortiert: Ein Küchenstudio in Rheinbach hatte spontan sein Lager und seine Ausstellung zur Verfügung gestellt, nachdem mehrere Sattelschlepper mit Sachspenden aus Bayern im Schadensgebiet eingetroffen waren. Nun musste alles sortiert werden: Kleidung, Tiernahrung, Schaufeln, Getränke, Kinderspielzeug, Schubkarren, Linseneintopf, Tauchpumpen, Schuhe, Reisebettchen… Da helfe ich doch gerne.
  • recherchiert: außer Haus nur an zwei Tagen, es gab zu viel am Rechner zu tun für die Bücher – und kaum Zeit dafür, weil das Privatleben in den Vordergrund trat
  • organisiert: Meine Recherche im Habichtswald. Das war gar nicht so einfach. Die Deutschen machen ganz offensichtlich Urlaub in Deutschland, die Unterkunftssuche gestaltete sich extrem kompliziert und langwierig. Jede Unterkunft, bei der ich anfragte, hatte nur für 2-3 Nächte frei, die sich zum Teil sogar überschnitten.
  • abgeliefert: die letzten Autorenkorrekturen am Eifelsteig – um dann festzustellen, dass die Flut alles zu Makulatur gemacht hat, weil nicht einmal die Hälfte der Strecke noch begehbar ist.
  • geschrieben: Lange Listen an Updates zu Büchern zu Wanderwegen, die durch Gebiete führen vom Hochwasser betroffen sind.
  • geseufzt: In meinem Burgenband passen dieses Mal 33 statt 32 Burgen. Aber die eine letzte Burg zu finden, ist gar nicht so einfach. Ich hatte die Kommende Ramersdorf, die Burg Blessem und die Burg Efferen auf meiner Reserveliste. Bei der ersten antwortet niemand, die zweite fiel den Erft-Fluten zum Opfer. Nun hoffe ich seit zwei Wochen auf meine „Heimatburg“ Efferen, leider auch ohne Antwort.
  • beantwortet: Einige bizarre Leserbriefe. Der Tiefpunkt war die Frage einer Leserin auf dem Jakobsweg am Tag nach dem Ahrhochwasser, ob ich ihr bei der Unterkunftssuche in Bad Münstereifel helfen könne, dort wolle sie zwei Tage Pilgerpause zum shoppen einlegen. Ich informierte über die Hochwasserschäden. Als Antwort las ich dann: „Ja, weiß ich doch aus dem Fernsehn, aber es werden doch wohl nicht alle Outlets und Cafés zerstört sein, also werde ich doch da noch irgendwas zum Shoppen finden! Sie sollen mir doch nur eine Unterkunft beschaffen!“ Auf diese Mail habe ich dann nicht mehr geantwortet…
  • überarbeitet: nee, doch nicht, also eigentlich wollte ich meinen Teil der Wanderungen für die Seele zwischen Ahr, Erft und Rhein überarbeiten, weil eine neue Auflage geplant ist. Aber was will ich denn zum Zustand der Wege und zu den Verkehrsanbindungen sagen, ohne die Katastrophenhelfer zu stören? Wie wird es dort in einem halben Jahr aussehen? Ich kann nicht hellsehen, also lasse ich es.
  • übernachtet: nach der Jurte (Juni) nun in einem Stelzenhaus bzw. einer Wellblechhütte! Wir hatten diesmal ohne Testpflicht zwei großartige Nächte in der Jugendherberge Morsbach*, besser bekannt als Panarbora*.
  • besucht: den Affen- und Vogelpark in Reichshof-Eckenhagen, bei Starkregen, Gewitter und blendender Laune.
  • erkundet: die Tropfsteinhöhle in Wiehl, die Sieg, ein neues Freibad und ein nahes Wäldchen
  • getrauert: Tante Klara ist schon am Tag nach ihrer Einlieferung im Krankenhaus gestorben. So traurig wir über diesen Verlust sind, so gut tut es uns, dass sie nach einem so langen Leben ohne lange Leidenszeit starb. Nach 101 hellwachen Jahren, großartig!
  • gefeiert: Omas Geburtstag. Ganze 90 Jahre ist sie geworden und immer noch gesund und munter. Was für ein Geschenk!
  • gedruckt und gemalt für eine Geburtstagsüberraschung für Oma. Die will ich aber noch genauer vorstellen, weil sie noch gar nicht ganz fertig ist, das ist eine lange Geschichte, erinnert mich bitte daran, wenn ich nächsten Monat nicht darüber geschrieben habe.
  • gebastelt: Abschiedsgeschenke für die beste Lehrerin, die meine drei Töchter bislang hatten. Danke für alles, Miss Wantuch <3
  • gelernt (1): In der Schule nichts mehr, die letzten zwei Schulwochen waren inhaltslose Aneinanderreihungen von Videos, Spielen und kollektiver Langeweile, wenn ich meine Töchter so erzählen höre.
  • gelernt (2): die Kinder holen an jedem Ferientag die Englischbücher heraus. Deutsch gibt es ja ab Mitte August in der neuen Schule, also pflegen sie ihr Englisch.
  • gelernt (3): Wir hatten einen Ferien-Schwimmkurs für die Minimäuse ergattert. Dort im Zollstockbad gibt es zweierlei Seepferdchenkurse: I für blutige Anfänger im Flachwasser und II für Kinder mit Vorerfahrungen sofort im tiefen Wasser. Ich war total verblüfft, dass meine Mädels keine Angst im tiefen Wasser hatten und von Tag zu Tag enorme Fortschritte machten. Nele legte nach vier Kurstagen die einfach mal so die Seepferdchenprüfung ab, noch dazu nicht einfach bei der Schwimmlehrerin, sondern bei einer fremden Schwimmmeisterin. Inzwischen hüpft sie vom 1 m-Brett und schwimmt drei Bahnen ohne Pause. Cari schafft nach Ende des Kurses immerhin schon 10 m im tiefen Wasser ohne irgendwelche Hilfen. Sie könnte auch mehr, aber irgendwie meint sie immer auf halber Strecke, sie könnte das doch nicht. Naja, kommt bestimmt noch.
  • gemalt: ganz viele schöne Bilder, außer dem Beitragsbild, das haben wir diesmal malen lassen:
  • erlaubt: ein Facelifting meiner Gartenmauer. Meine Mutter empfing mich eines Tages mit einer notierten Telefonnummer auf einem Zettel und den Worten „Dieser Mann sagte, ihr habt kürzlich ‚mal darüber gesprochen, dass er auf unsere Gartenmauer einige Graffiti sprühen will.“ Naja, kürzlich würde ich nicht gerade sagen, denn er hatte mich 2009 angesprochen. Egal, da ich meine Meinung noch nicht geändert hatte, konnte er schon am selben Tag mit einem Farbeimer und der passenden Rolle zum Grundieren anrücken. Die Nachbarin fand die Idee ebenfalls gut, wir beide stellten ihm Erlaubnisse aus, damit er nicht von der Polizei wegen Sachbeschädigung hopp genommen wird. Gefallen müssen sie nicht jedem, aber ich finde die neuen Graffiti weitaus schöner, als die bisherigen Kleksereien. Und unsere Nachbarskatze auch.
  • ermittelt: Erneut für Escapemail*.
  • gespielt: vorwiegend unsere neueste Errungenschaft: Schnappt Hubi!
  • gepuzzeltgelesen, Gips gegossen und vieles mehr.
  • beobachtet: einen ziemlich zutraulichen Igel
  • geerntet: Himbeeren, Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Stachelbeeren, Gingkoblätter, Lorbeer, Rosmarin, Marokkanische Minze.
  • gebacken: außer Nussecken für Omas Geburtstag habe ich in diesem Monat überhaupt nichts gebacken bekommen. Drinnen war noch kein Platz zum Auskühlen, also habe ich sie raus gestellt. Leider ist unser Garten zu stark frequentiert…
…erst klaut sich die Nachbarskatze eine ganze Nussecke (dritte Reihe, ganz links)…

…und dann kackt mir einer unserer gefiederten Gartenbewohner genau neben die Nussecken!

*Werbung? Ja sicher! Und zwar aus voller Überzeugung, weil ihr ruhig wissen solltet, wer uns das Leben schwer oder schön macht. Ich werde für die Nennung der Namen, Firmen oder Produkte nicht bezahlt.

3 thoughts on “Unser Juli 2021

  1. Was ist ein Fein-Multimaster?
    Seid ihr gut versichert?
    Besser neben als auf die Plätzchen gekackt und seid froh, dass es keine Ringeltaube war, die vorher Kirschen gegessen hat.
    Ich hätte noch Majoran anzubieten.
    Dem Aikidoka, der alles verloren hat, habe ich ein Bisschen was überwiesen. Er wird in Norddeutschland neu anfangen.
    In mir hat das Unwetter wohl auch nachgewirkt. Unterwegs habe ich mal geträumt, ein Flugzeug wäre auf mein Haus gefallen. Was hier auf dem Hügel in der Einflugschneise wahrscheinlicher ist, als Hochwasser. Kurz überschlagen: Niemand zu Hause, gut. Und ich stellte fest, dass sich hier im Haus nichts befindet, was unersetzlich wäre, mit Ausnahme der Mieteinnahme. Fahrrad, Perso, Scheckkarten, Kamera hatte ich dabei. Ich würde mir dann wahrscheinlich ein Tiny House in Norddeutschland anschaffen.

  2. Das war ja wirklich ein ereignisreicher Monat und einige Ereignisse hätte man wirklich nicht gebraucht. Ihr seid tapfer und leider zu weit weg, einen Entfeuchter (Zimmer Klimaanlage) hätte ich sonst auch noch gehabt. Die Bilder aus dem Ahrtal sind unfassbar, ich habe am Wochenende mit einem Freund/Kollegen gesprochen der sagt alles ist weg das Ahrtal ist wie ausgefrähsst. Trotz des Umzugs war mein Monat bei weitem nicht so mit Ereignissen angefüllt.

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