{"id":2388,"date":"2017-04-19T14:13:32","date_gmt":"2017-04-19T12:13:32","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2388"},"modified":"2017-04-19T14:13:32","modified_gmt":"2017-04-19T12:13:32","slug":"nix-mit-frohe-ostern-oder-doch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2388","title":{"rendered":"Nix mit &#8222;Frohe Ostern&#8220; &#8211; oder doch?!"},"content":{"rendered":"<p>Nach unserer Heimkehr am Karfreitag wollten meine Mutter und ich am Samstagvormittag im H\u00fcrth-Park noch schnell einige Besorgungen machen. Sie hatte auf Mallorca ihr Eau de Toilette aufgebraucht, die Minim\u00e4use ben\u00f6tigen f\u00fcr ihre flott wachsenden Beinchen neue Hosen, wir wollten noch einige Osterleckereien kaufen und auf Mallorca gemachte Fotos ausdrucken lassen.<\/p>\n<p>Dieser Ausflug endete nach dem Kauf des Duftwassers. Meine Mutter sank bewusstlos hinter dem Buggy zusammen, nachdem sie vorher kurz \u00fcber einen starken Druck am unteren Rippenbogen geklagt hatte.<\/p>\n<p>Zwar stand ich (als Tochter) ziemlich unter Schock, doch 30 Jahre DRK-Erfahrung\u00a0gaben mir (als Ersthelferin) die n\u00f6tige Gelassenheit und \u00dcbersicht, um schnell alle n\u00f6tigen Schritte zu veranlassen. Ruckzuck war der Notruf abgesetzt und die Zwillinge in der Obhut einer sympathischen Passantin. Die beiden Herren, die mir beim Tragen halfen, schauten sich staunend an, als sie sahen, dass ich allein mit dem richtigen Griff den Oberk\u00f6rper meiner Mutter ohne Anstrengung getragen bekam, obwohl sie sich zu zweit damit vergebens abgem\u00fcht hatten.<\/p>\n<p>Die Patientin kam zu sich, w\u00fcnschte sich Schocklage und klagte \u00fcber \u00dcbelkeit und Drehschwindel. Sie war zeitlich und \u00f6rtlich vollkommen desorientiert, konnte sich nicht einmal daran erinnern, dass wir vorher im Drogeriemarkt gewesen waren. Dem zwischenzeitlich eingetroffenen Notarzt konnte sie leider auch nicht alle Medikamente aufz\u00e4hlen, die sie einnimmt.<\/p>\n<p>Also trennten sich unsere Wege. Sie fuhr mit dem Blaulichttaxi ins Dorfkrankenhaus, ich mit den Minim\u00e4usen nach Hause. Dort durfte ich sie bei der besten Nachbarin der Welt abgeben, w\u00e4hrend ich mit Mamas Medikamentenliste wieder in die Klinik eilte. Dort traf ich sie im Schockraum an, wo sie immer wieder eintr\u00fcbte und erst nach einer ganzen Weile so stabil war, dass sie auf die Intensivstation verlegt werden konnte. Dort schlief sie gut verkabelt und am Tropf sofort wieder ein, hatte mich schon vor die T\u00fcr gesetzt, als der Oberarzt mich aufhielt, weil er schon unterwegs zur ersten Visite war. Einen Befund hatte er noch nicht f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2394 alignright\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130311_resized-300x169.jpg\" alt=\"20170415_130311_resized\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130311_resized-300x169.jpg 300w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130311_resized-768x432.jpg 768w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130311_resized-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130311_resized.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wie fast immer, wenn ich in einem Krankenhaus bin, f\u00fchrte mich mein Weg in die Krankenhauskapelle. Eigentlich nur kurz bei Jesus vorbeischauen und ihm danken, dass er gestern f\u00fcr uns gestorben ist, heute meine Mutter vor dem Schlimmsten bewahrt hat und morgen f\u00fcr uns auferstehen wird. Doch ein Infoblatt lie\u00df mich etwas l\u00e4nger verweilen. Darauf stand n\u00e4mlich:<\/p>\n<blockquote><p>Liebe Mitchristen,<br \/>\nSie befinden sich vor der Kreuzdarstellung unserer Krankenhauskapelle. Sie stammt aus der alten Kapelle, als das Krankenhaus noch von Ordensfrauen gef\u00fchrt wurde.\u00a0Tausende von H\u00fcrthern empfingen unter diesem Kreuz die Taufe&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Daneben gab es vorgefertigte T\u00e4felchen, auf denen die Standardanliegen &#8222;F\u00fcr meine Mutter&#8220;, &#8222;F\u00fcr einen Kranken&#8220;, &#8222;Bitte um Genesung&#8220;, &#8222;Bitte um Trost&#8220;, &#8230; schon bereit lagen und man sie dem Gekreuzigten nur noch vor die F\u00fc\u00dfe legen brauchte. Zuerst musste ich schmunzeln. Ist das ein erster Schritt zur Digitalisierung des Betens? Gibt es bald in Klinikkapellen sogar Touchscreens, auf denen man seinen Gebetswunsch anklicken kann? Ach, wieso eigentlich nicht? Wenn das eine M\u00f6glichkeit ist, den Menschen n\u00e4her zu kommen, die sich nicht trauen, einen Gebetswunsch in das gro\u00dfe Buch auf dem Altar einzutragen, ist das doch perfekte Seelsorge!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2393 alignleft\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130301_resized-300x169.jpg\" alt=\"20170415_130301_resized\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130301_resized-300x169.jpg 300w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130301_resized-768x432.jpg 768w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130301_resized-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170415_130301_resized.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Eine zweite Figur zog meine Blicke auf sich: Die Muttergottes, davor ein Sch\u00e4lchen mit Salz und ein Gef\u00e4\u00df mit Wasser. Dazu die Aufforderung, eine Prise des geweihten Salzes mit meinem Gebetsanliegen in das Wasser zu geben. Denn es gibt im Leben Momente, die sind f\u00fcr die Seele so ungenie\u00dfbar, wie f\u00fcr den Magen eine versalzene Speise. Mit dieser symbolischen Handlung besteht vielleicht die M\u00f6glichkeit, diesen versalzenen Bissen zum Guten zu wenden. Okay, noch eine nette Idee der Betreuer dieser Krankenhauskapelle, die mich aber schon etwas an Voodoo erinnert.<\/p>\n<p>Das Kruzifix und die Gebetst\u00e4felchen gefallen mir besser. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich unter diesem Kruzifix an meinem dritten Lebenstag getauft wurde. Damals war es ja noch \u00fcblich, die Kinder erst aus der Klinik zu entlassen, wenn sie schon getauft waren, damit ihnen auf dem Weg nach Hause nichts passieren konnte.<\/p>\n<p>Als ich die beiden Kleinen bei Diana abholen wollte, sa\u00dfen sie hoch zufrieden vor zwei gro\u00dfen Schalen mit k\u00f6stlicher Rindfleisch-Nudel-Suppe. Auch ich bekam sofort einen Teller dampfender Suppe hingestellt. Danke, liebe Diana, du bist eine Heldin des Alltags, ein Engel!<\/p>\n<p>Aurelia hatte von all dem nichts mitbekommen, denn sie war mit Papa im Schwimmbad gewesen. Wir hatten beide keine Lust mehr auf Herberts Geburtstagsfeier. Ich nahm sie aber mit zur Intensivstation und eine nette spanische Schwester erlaubte ihr sogar, der Oma pers\u00f6nlich das &#8222;Werde-bald-wieder-gesund&#8220;-Gem\u00e4lde zu \u00fcberreichen. Die Beschenkte war schon wieder etwas klarer um die Augen und in der Aussprache, aber immer noch sehr m\u00fcde. Sie bedauerte, am Sonntag nicht mit nach Korschenbroich fahren zu k\u00f6nnen, um Bathida aus ihrem Urlaubsdomizil abzuholen.<\/p>\n<p>Abends zuhause im Bett nahm ich Aurelia ganz fest in den Arm. Meine Gro\u00dfe hatte Angst, dass Oma stirbt, weil sie ja an einem Monitor hing. Ich erz\u00e4hlte ihr ganz offen, dass ich im H\u00fcrth Park davor auch gro\u00dfe Angst gehabt hatte, als sie bewusstlos in meinen Armen lag. Aber jetzt war sie ja in guten H\u00e4nden und schon wieder auf dem Weg der Besserung. Vor Erleichterung weinten wir beiden etwas\u00a0und freuten uns dar\u00fcber, dass es gut ausgegangen war.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Einschlafen fiel ihr ein, dass sie ja sogar die Notruf-Nummer 112 wei\u00df und wir schon einige Male \u00fcber den Inhalt eines Notrufs gesprochen hatten. Sie bekam doch tats\u00e4chlich alle Ws zusammen!<\/p>\n<p>1.) <strong>Was<\/strong> ist passiert?<br \/>\n2.) <strong>Welche<\/strong> Verletzung\/Krankheitszeichen?<br \/>\n3.) <strong>Wo<\/strong> ist es passiert?<br \/>\n4.) <strong>Wie<\/strong> viele Verletzte\/Kranke?<br \/>\n5.) <strong>Wer<\/strong> ruft an? (Okay, bei ihrem Nachnamen m\u00fcssen wir noch \u00fcben)<br \/>\n6.) <strong>Warten<\/strong> auf R\u00fcckfragen der Leitstelle.<\/p>\n<p>Das hatte ich ihr w\u00e4hrend meiner Zwillingsschwangerschaft beigebracht, weil ich ja durchaus in eine Situation h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen, in der ich allein mit ihr zuhause war und medizinische Hilfe nicht mehr selbst h\u00e4tte rufen k\u00f6nnen. Alle sechs W-Worte hat sie sich zwei Jahre lang gemerkt. Klasse!<\/p>\n<p>Bei unseren Krankenhausbesuchen am Sonntag und Montag waren wir alle nat\u00fcrlich traurig dar\u00fcber, nun nicht gemeinsam Ostern feiern zu k\u00f6nnen. Dass sie aber jammerte, weil sie nicht waschen, b\u00fcgeln, Koffer ausr\u00e4umen, im Garten arbeiten,&#8230; konnte, zeigte mir, dass es ihr wieder besser ging, auch wenn immer noch keine Diagnose gestellt wurde.<\/p>\n<p>Seit Dienstag haben wir so etwas wie Normalit\u00e4t. Eingedeckt mit R\u00e4tselheften und einem dicken historischen Roman l\u00e4sst es sich f\u00fcr sie inzwischen einigerma\u00dfen gut im Krankenhaus leben. Nach der reinen Beobachtung an den Feiertagen wird sie nun von einer Untersuchung zur n\u00e4chsten \u00a0gescheucht, tr\u00e4gt ein Langzeit-EKG und wei\u00df zumindest schon einmal, dass ein Gro\u00dfteil ihrer Blutwerte vollkommen daneben waren, sich aber inzwischen den Normalwerten ann\u00e4hern. Sie traf zuf\u00e4llig auf dem Flur \u00c4nnchen, eine DRK-Kollegin, hat also jemanden zum Quatschen.<\/p>\n<p>Dr\u00fcckt uns bitte die Daumen, dass der Kollaps eine harmlose Ursache hatte, die auch bald gefunden wird.<\/p>\n<p>Sicher habt ihr Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass meine Mallorcaberichte nun mit einiger Versp\u00e4tung ins Blog kommen. Ich habe alle H\u00e4nde voll zu tun. Nicht nur, dass die Hilfe und Ruhe meiner Mutter zuhause entf\u00e4llt, ich bin ja auch 2-3 x am Tag in der Klinik, um nach ihr zu sehen und fehlende Dinge zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach unserer Heimkehr am Karfreitag wollten meine Mutter und ich am Samstagvormittag im H\u00fcrth-Park noch schnell einige Besorgungen machen. 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