{"id":3388,"date":"2018-11-27T22:53:58","date_gmt":"2018-11-27T21:53:58","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=3388"},"modified":"2018-11-27T22:08:26","modified_gmt":"2018-11-27T21:08:26","slug":"dazu-gehoeren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=3388","title":{"rendered":"Dazu geh\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele Menschen, ist es gar kein Thema:\u00a0Sie geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>Zu einer Familie, zu einem Sportverein, zu einem Freundeskreis, zu einem Waswei\u00dfich.\u00a0Ist auch egal, aber sie geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr sie Fakt, Status und Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<h4>Eine besondere Begegnung<\/h4>\n<p>Am vergangenen Donnerstag fiel mir in der Schule ein kleines M\u00e4dchen auf, das bitterlich weinend auf einer Bank im Flur sa\u00df. Ich sprach sie an und wollte sie tr\u00f6sten. Mit Englisch und Deutsch kam ich nicht weiter, aber sie presste sich weinend an mich und kletterte auf meinen Scho\u00df, als ich mich neben sie setzte. Ich war \u00fcberrascht und ger\u00fchrt zugleich. Immer noch von Schluchzern gesch\u00fcttelt konnte sie inzwischen Worte bilden, die mir franz\u00f6sisch vorkamen. Ein Strahlen ging durch ihr Gesicht, als sie merkte, dass ich nun in ihrer Sprache mit ihr redete.<\/p>\n<p>Und so erz\u00e4hlte sie mir, dass sie neu in der Schule ist und sooooo gerne dazu geh\u00f6ren w\u00fcrde. Aber sie sprach weder Deutsch noch Englisch, konnte also weder mitreden noch mitspielen. Doch ohne die Spielregeln zu verstehen, traute sie sich auch nicht, einfach mitzumachen. Wir sprachen lange.<\/p>\n<p>Sie hatte so viele Fragen zum t\u00e4glichen Ablauf in der Schule, aber sie wollte die Lehrerin und ihre Eltern (mitten im Umzugsstress) damit nicht behelligen. Ich beantwortete einige ihrer Fragen und erz\u00e4hlte ihr, dass ich mindestens vier franz\u00f6sische Kinder in der Schule kenne und wollte ihr grade vorschlagen, ihre Lehrerin nach Sch\u00fclern in ihrem Alter zu fragen, als diese &#8211; wie auf&#8217;s Stichwort &#8211; um die Ecke kam.<\/p>\n<p>Sie hatte das M\u00e4dchen schon auf dem Schulhof in bei den Toiletten gesucht und war gl\u00fccklich, es gefunden zu haben. Mit dem Versprechen, ihr sofort in der n\u00e4chsten Pause franz\u00f6sischsprachige Kinder vorzustellen, brachte sie das M\u00e4dchen dazu, wieder mit in die Klasse zu kommen.\u00a0Ich wei\u00df nicht, wie das ausgeht, aber ich hoffe auf ein Happy End f\u00fcr dieses M\u00e4dchen, das einfach nur dazu geh\u00f6ren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&#8222;Jaja, was soll es, das ist doch immer so, wenn man irgendwo neu ist&#8220;, werdet ihr sagen. &#8222;Warte &#8218;mal ein paar Wochen, dann hat sie bestimmt Freunde gefunden und f\u00fchlt sich auch in der Klasse dazugeh\u00f6rig&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist dies alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Ich habe es anders kennengelernt. Und das, obwohl ich nie mitten im Schuljahr in eine neue Klasse kam, geschweige denn mit Sprachbarriere. Ich wei\u00df, wie es ist, denn als Kind (und auch jetzt noch) war ich \u00f6fter au\u00dfen vor, als Teil einer Gruppe zu sein.<\/p>\n<h4>Familie<\/h4>\n<p>Mein Vater starb, als ich drei Jahre alt war. Geschwister habe ich keine. Mehr als die H\u00e4lfte meiner weiteren Verwandtschaft war durch die innerdeutsche Grenze von meiner Mutter und mir getrennt &#8211; und schwierig erreichbar. Nach dem Tod der einzigen Gro\u00dfmutter, die ich \u00fcberhaupt kennen lernte, zerstritt sich der westdeutsche Teil meiner Sippe. Ich kenne also kein Leben in einer vollst\u00e4ndigen Familie.<\/p>\n<h4><strong>Schulzeit<\/strong><\/h4>\n<p>In der Schule durfte ich wegen meiner Chlorallergie nicht am Schwimmunterricht teilnehmen und wurde entsprechend gar nicht gefragt, ob ich mitkomme, wenn sich andere nachmittags f\u00fcrs Freibad verabredeten.<\/p>\n<p>Noch brutaler war die Nikotinallergie, wegen der ich in meinem Leben noch keine Disko von innen gesehen habe. Jeder riet mir als junges M\u00e4dchen davon ab, weil dort so viel geraucht wurde.<\/p>\n<p>Und das Schlimmste: Der Verzicht auf Diskobesuche hat sich nicht einmal gelohnt, ich leide trotzdem unter COPD, einer Lungenkrankheit, die sich eigentlich am liebsten starke Raucher als Opfer sucht.<\/p>\n<p>Wobei ich allerdings gar nicht wei\u00df, ob und was ich in den Diskos verpasst haben k\u00f6nnte: ich tanze so grazil wie ein gestrandeter Pottwal. Aber ich kam mir ziemlich ausgegrenzt vor, wenn die anderen im Schwimmbad oder in der Disko waren.<\/p>\n<h4>Naturfreundejugendgruppe<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5355 alignright\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012a-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012a-300x300.jpg 300w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012a-200x200.jpg 200w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012a.jpg 599w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Jugendgruppe bei den Naturfreunden war kurzzeitig eine heile Welt f\u00fcr mich. Ich geh\u00f6rte dazu. Obwohl die anderen deutlich \u00e4lter waren, f\u00fchlte ich mich als vollwertiger Teil einer Gemeinschaft. Wir kochten zusammen, standen zusammen in der Dunkelkammer, lachten kreischend \u00fcber Woody Allens &#8222;Was Sie schon immer \u00fcber Sex wissen wollten&#8220;, bereiteten riesige Karnevalsfeiern vor, formulierten gemeinsam Kriegsdienstverweigerungen, markierten Wanderwege, halfen im Naturfreundehaus bei der G\u00e4stebetreuung, f\u00fchrten Wasseruntersuchungen durch, malten Plakate f\u00fcr die Osterm\u00e4rsche und fuhren jedes Wochenende im Sommerhalbjahr zum Zelten und Paddeln an die Rur. Nach der Teestube radelten wir im Sommer zum Bleibtreusee, um im Mondlicht schwimmen zu gehen. Viel zu schnell zerstreute sich diese Gruppe, weil unsere Studien- und Arbeitsorte \u00fcber das ganze Bundesgebiet verteilt lagen und einige Gruppenmitglieder schon fr\u00fch Familien gr\u00fcndeten.<\/p>\n<h4>Studium<\/h4>\n<p>Kurz vor dem Examen lernte ich im Repetitorium einige Frauen kennen und wir schlossen uns zum Pauken zusammen. Diese Lerngruppe traf sich auch nach dem Examen regelm\u00e4\u00dfig weiter. Hier h\u00e4tte ich gut und gerne weiter Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchle hegen k\u00f6nnen, wenn mir die Gespr\u00e4che nicht so schnell auf den Wecker gegangen w\u00e4ren. Bei der Begr\u00fc\u00dfung wurden wenige Minuten lang ein paar Neuigkeiten ausgetauscht, wer hat sich wo beworben &#8211;\u00a0 eine Stelle bekommen &#8211; ist schwanger geworden &#8211; ins Ausland gegangen?<\/p>\n<p>Doch der eigentliche Schwerpunkt lag auf dem allmonatlichen Wiederk\u00e4uen vieler &#8222;Wei\u00dft du noch?!&#8220;-Anekdoten. Das langweilte mich an manch einem Abend, manchmal \u00e4rgerte es mich aber auch, weil sich von Mal zu Mal die Erz\u00e4hlungen weiter vom tats\u00e4chlich Erlebten entfernten. Musste ich wegen meiner beruflichen Abwesenheit mehrere Male in Folge aussetzen, erkannte ich Geschichten nicht mehr wieder, in denen ich selbst angeblich die Hauptrolle spielte. Ich nahm immer seltener teil und nannte es innerlich &#8222;Zombietreffen&#8220;.<\/p>\n<h4>DRK<\/h4>\n<p>N\u00e4chster Versuch: Deutsches Rotes Kreuz. Dort bin ich zwar seit \u00fcber 30 Jahren Mitglied, hatte aber nur ganz selten das Gef\u00fchl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Viel zu oft bekam ich Sonderstellungen in Leitungsfunktionen oder als Ausbilderin aufgeschwatzt, als ich einfach nur eine von vielen h\u00e4tte sein wollen. Ich scheue die Verantwortung in einer F\u00fchrungsposition nicht, aber als einfache Kradmelderin oder Sanit\u00e4tshelferin hatte ich viel mehr Spass an meinen DRK-Diensten als sp\u00e4ter als Kreisbereitschaftsleiterin oder Fachdienstleiterin f\u00fcr den Betreuungsdienst. Bl\u00f6d nur, dass mir all diese Aus- und Weiterbildungen auch Spass machten, weil ich dann als Kursteilnehmerin kurzzeitig wieder Teil einer Gemeinschaft war. Am Ende konnte ich zwar sogar Teilnahmebescheinigungen f\u00fcr Stromversorgung im Einsatz, Trinkwasseraufbereitung und Psychosoziale Notfallversorgung vorweisen, war auch nicht h\u00e4ufiger in einem Einsatz, der mir ein Gruppengef\u00fchl vermittelte. Auch hier war ich viel zu selten Teil der Gruppe, die Abk\u00fcrzung <em>DRK = <strong>D<\/strong>ie <strong>R<\/strong>etten <strong>K<\/strong>einen<\/em> traf also auch auf mich zu.<\/p>\n<h4>Bookcrossing-Stammtisch<\/h4>\n<p>Vor Aurelias Geburt war ich sieben Jahre lang ziemlich aktive Bookcrosserin. Ich habe B\u00fccher nicht nur ausgewildert, sondern mich auch mit Gleichgesinnten einmal monatlich in K\u00f6ln und mehrfach pro Jahr zu regionalen oder \u00fcberregionalen Veranstaltungen getroffen. Am Bookcrosssing-Stammtisch lernte ich sehr nette Menschen kennen, mit denen ich gut quatschen konnte und die zum Teil sogar meine Leidenschaft f\u00fcrs Wandern und\/oder Geocaching teilten. Sogar bei meiner vorletzten Offa&#8217;s Dyke Wanderung machten wir einen zweit\u00e4gigen Abstecher nach Shrewsbury, um dort an einem Bookcrossing-Treffen teilzunehmen.<\/p>\n<p>Aber wie es so geht: ein paarmal war ich noch mit dem Baby bei den Meetings. Als es nicht mehr brav auf dem Scho\u00df sitzen blieb und die anderen Caf\u00e9besucher mit seinem Gekrabbel und Gebrabbel bel\u00e4stigte, blieb ich lieber zuhause. Wie sch\u00f6n, dass einige dieser Kontakte dennoch fortleben und wir gegenseitig unsere Blogs lesen und kommentieren. Witzig, das ist ein ziemlich loser Haufen, aber hier f\u00fchle ich mich zugeh\u00f6rig, obwohl ich mich seit Jahren nicht mehr sehen gelassen habe. Verr\u00fcckt, oder?<\/p>\n<h4>Mamigruppen<\/h4>\n<p>Andere Schwangere machten etliche Kurse, in denen sie schon Kontakte f\u00fcr die Babyzeit kn\u00fcpften. Sie wurden von ihren Freundinnen und\/oder Arbeitskolleginnen mit einer Babyshower-Party \u00fcberrascht. Ich habe keine Freundinnen, keine Arbeitskollegen und nahm nicht an einem einzigen Geburtsvorbereitungskurs teil, in dem ich andere Frauen h\u00e4tte kennen lernen k\u00f6nnen. Aus den verschiedenen Krabbelgruppen oder beim Babyschwimmen gelang es mir nicht, eine Freundschaft zu kn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Bei Treffen der Pekipgruppe nach Abschluss unseres Kurses nahm ich gerne teil, so lange sie noch tags\u00fcber f\u00fcr die Kinder waren. Als sich aber die M\u00fctter abends zum Cocktailtrinken trafen, war ich nur einmal mit dabei. Alle anderen Kinder wurden von den V\u00e4tern ins Bett gebracht und geh\u00fctet. Der Vater meines Kindes rief mich schon in der ersten Stunde mehrfach wegen Nichtigkeiten an, bis mir die Lust verging und ich nach Hause fuhr. Damit hatte sich das Ausgehen mit anderen M\u00fcttern f\u00fcr mich auch erledigt.<\/p>\n<p><strong>FEG<\/strong><\/p>\n<p>Ein &#8211; in der R\u00fcckschau &#8211; von Anfang an aussichtsloser Versuch war es, mir eine Glaubensgemeinschaft zu suchen, zu der ich geh\u00f6re. In die Katholische Kirche hineingeboren, drohte mir der Dorfpastor mit Exkommunikation, als ich eine zweite Ehe ins Auge fasste. Ich kam ihm zuvor, indem ich aus der Kirche austrat.<\/p>\n<p>Die evangelische Kirche fand ich ganz interessant, kannte sie auch von Freunden recht gut, aber es fehlte mir vor Ort eine Gemeinde, in der ich mich zuhause f\u00fchlen konnte.<\/p>\n<p>Der Vater meiner Kinder steht der Freien evangelischen Gemeinde nahe, also begleitete ich ihn in den ersten Jahren zu den Gottesdiensten. Ich habe selten solche plumpen und grenz\u00fcberschreitenden Menschen kennengelernt, wie in den FEGs in Friedberg, K\u00f6ln und Br\u00fchl: Als Neuling wurde man (nein: Mann) als erstes gefragt, was man beruflich macht. Frauen wurden nach der Zahl der Kinder gefragt &#8211; oft noch vor dem Austausch von Tageszeiten und Namen! Damals ungl\u00fccklich ungewollt kinderlos hatte ich schon nach der Einstiegsfrage die Nase voll. Ddenn es tat mir sehr weh, wildfremden Menschen zu sagen, dass ich keine Kinder habe, aber gerne welche h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Glaubensregeln waren streng, herzlos und zum Teil bizarr, der Umgang mit mir schwankte zwischen eloquenter Missionierung und vollkommener Ablehnung meiner Glaubensgrunds\u00e4tze. Man nahm uns sogar mit auf eine Gemeindefahrt, machte mir aber in jedem Workshop und bei jeder Mahlzeit deutlich, dass ich meine Einstellung zur Bibel schleunigst \u00e4ndern m\u00fcsse. Jede Woche <em>betete<\/em> die Gemeinde f\u00fcr neue Mitglieder, brachte es aber auch nach Jahren nicht fertig, uns (oder zumindest den richtiggl\u00e4ubigen Herrn) auf eine Mitgliedschaft anzusprechen.<\/p>\n<p>Mit Baby sa\u00df man in einen Glaskasten mit Lautsprecher\u00fcbertragung hinter den anderen Gl\u00e4ubigen, um diese nicht zu st\u00f6ren. Wenn ich dort aber mit meinem Kind spielte, bekam ich ohnehin nichts vom Gottesdienst mit. Manchmal waren andere M\u00fctter (die V\u00e4ter sa\u00dfen lieber ungest\u00f6rt im gro\u00dfen Saal) mit ihren Kleinkindern dort, oft war ich allein. Nach drei Sonntagen in Folge, die ich in diesem kargen und zugigen R\u00e4umchen ganz allein mit Aurelia verbracht hatte, zog ich es vor, mich mit ihr am Sonntagvormittag in unserem kuscheligen Zuhause aufzuhalten und ihr von dem Gott zu erz\u00e4hlen, an den ich glaube und der keinen auf diese ignorante Art ausschlie\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Sozialvertr\u00e4glichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich eins gut kann, dann ist es: Danebengreifen bei der Partnerwahl. \u00c4u\u00dferlich waren die M\u00e4nner, f\u00fcr die ich mich entschied, sehr unterschiedlich. Was sie einte, war ihr Drang, mir meine Freunde schlecht zu reden. Die Menschen, die mich gerne hatten, wurden durch dumme Spr\u00fcche, abf\u00e4llige Bemerkungen oder unfaires Taktieren vergrault.<\/p>\n<p>Immer wenn ich mir wieder einen Freundeskreis aufgebaut hatte und emotional gefestigt genug war, um eine neue Partnerschaft einzugehen, begann es von vorne. Das l\u00e4sst sich nicht mit einem &#8222;er will dich f\u00fcr dich haben&#8220; entschuldigen, wenn er dann mit mir gar nichts unternehmen m\u00f6chte, sondern mich von anderen Sozialkontakten fernh\u00e4lt, selbst aber st\u00e4ndig unterwegs ist.<\/p>\n<p>Mit BiBo hatte ich schon einmal das Thema &#8222;Sozialvertr\u00e4glichkeit von nahestehenden Menschen&#8220;, ich glaube, wir singen fast das gleiche Lied &#8211; nur in unterschiedlicher personeller Besetzung. Irgendwann geht die Lust verloren, Besuch einzuladen, wenn er doof behandelt wird &#8211; von Menschen, die man nicht vor die T\u00fcr setzen kann, weil sie hier wohnen.\u00a0Es kam f\u00fcr mich also keine typische Clique zustande, in der sich 4-6 Paare regelm\u00e4\u00dfig zum Grillen, zu Geburtstagsfeten oder einfach so reihum einladen. Denn irgendwann wurde es den anderen stets zu doof, dass ich immer allein kam und ungern zu mir einlud.<\/p>\n<h4>Wie kommt&#8217;s?<\/h4>\n<p>Ja, ihr habt recht, wenn ihr sagt, dass ich vielleicht zu kritisch und zu w\u00e4hlerisch bin, was Kontakte und Freundschaften angeht. Dass ich meinen jeweiligen Partner deutlicher in seine Schranken weisen m\u00fcsste. Und dass ich mich nicht wundern soll, wenn ich mich nirgendwo dazugeh\u00f6rig f\u00fchle.\u00a0Vielleicht war ich als Kind einfach viel zu oft allein zu Hause und wei\u00df deshalb nichts \u00fcber Kontaktpflege, Freundschaft und Cliquen.<\/p>\n<h4>Bescheidenheit<\/h4>\n<p>Mir reichen in dieser Hinsicht inzwischen ganz kleine, zeitlich kurze Gruppengef\u00fchle, um zufrieden zu sein: Wenn ich gemeinsam mit anderen Eltern den Martinszug begleite, wenn ich beim j\u00e4hrlichen Verlagsfest einen Plausch mit anderen Autoren halte oder wenn ich im Familotel mit einer anderen Mutter mehr als einmal gemeinsam am Aquafitness-Kurs teilnehme. Ich freue mich \u00fcber ein Wir-Gef\u00fchl beim gemeinsamen Sp\u00fclen auf einem Campingplatz oder bei einem einzelnen gemeinsamen Rechercheausflug mit BiBo oder Aurora. Auch die enge Vertrautheit bei gemeinsamen Reisen macht mich gl\u00fccklich. Ich bin aber auch froh, wenn ich danach wieder allein bin.<\/p>\n<h4>Hunderunde<\/h4>\n<p>Wenn ich mich schon vor anderthalb Jahren in einem meiner Blogbeitr\u00e4ge\u00a0selbst als Gruppen-untauglich gezeigt habe, indem ich nicht der Gruppe der <a href=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=4306\">SchulkinderbisaufdenStuhlbegleit<\/a>-M\u00fctter beigetreten bin, hat dies einen guten Grund: Fast jeden Morgen laufen wir M\u00fctter mit Hund nach dem Schul-Shuttle urspr\u00fcnglich zu dritt, inzwischen manchmal sogar zu sechst vom Schulparkplatz durch die Felder und Strebergartenkolonien von Rondorf.<\/p>\n<p>Obwohl wir sonst g\u00e4nzlich verschiedene Lebenskonzepte haben, f\u00fchle ich mich in dieser Gemeinschaft der &#8222;Hungsmad\u00e4mche&#8220; &#8211; so nannte uns &#8218;mal ein Passant &#8211; sehr wohl. Wir stapfen bei jedem Wetter in wasserfesten Stiefeln durch die Felder, freuen uns an unseren Hunden und kommen am Ende stets mit Matschspritzern auf der Hose (von einem Bathida-Sch\u00fcttler) oder Pfotenabdr\u00fccken auf der Jacke (von einem Lena-Hundek\u00fcsschen) an unseren Autos an. Die Lungen mit frischer Luft durchgepustet, guter Laune, dreckig und zufrieden &#8211; Hunde wie Frauchen.<\/p>\n<p><strong>Siedlung<\/strong><\/p>\n<p>Ich lebe in einer Kleinsiedlung, die Anfang der 1950er Jahre gebaut wurde. Alle bauten gemeinsam. Wer mauern konnte, mauerte in allen H\u00e4usern, gleiches galt f\u00fcr Estrichleger, Zimmerleute, Dachdecker, Klempner, Schlosser und Elektriker. Jeder kannte jeden, jeder half jedem. Bis in die 1980er Jahre hinein hatte die Siedlergemeinschaft Bestand. Wir sammelten f\u00fcr Kindstaufen, Goldene Hochzeiten und Beerdigungskr\u00e4nze. Nach und nach starben die eigentlichen Siedler, in ihre H\u00e4user zogen Fremde &#8211; oft nach b\u00f6sen Erbauseinandersetzungen der Kinder. Es war keine Siedlung mehr, sondern nur noch ein Stadtgebiet, in dem alle Stra\u00dfen nach Dichtern benannt sind. Keiner kannte keinen, jeder wurschtelte f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Doch seit einigen Jahren bemerke ich eine Ver\u00e4nderung. Ich bin ja f\u00fcr unsere Stra\u00dfe die<a href=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=1279\"> inoffizielle Packstation<\/a>, komme daher beim Abholen der Pakete mit einigen unserer Nachbarn ins Gespr\u00e4ch. Diana in der n\u00e4chsten Stra\u00dfe kennt viele andere Nachbarn, sie kennt viele der Kinder am anderen Ende der Siedlung. Sie hat auch die Tradition des Sammelns f\u00fcr Todesf\u00e4lle wieder aufgegriffen. Dies wiederum macht die Altsiedler sehr gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Was Kindern, Eltern und Altsiedlern in diesem Jahr gleicherma\u00dfen Spass gemacht hat, waren zwei Beutez\u00fcge: Halloween zogen wir von Haus zu Haus und drohten &#8222;S\u00fc\u00dfes, sonst gibt es Saures!&#8220; Die Kinder wurden reich beschenkt, denn wir drohten damit, am darauffolgenden Freitag wieder zu kommen, mit Laternen und &#8211; noch schlimmer &#8211; laut singend! Mehr als einmal h\u00f6rten wir &#8222;Hach, wie sch\u00f6n, dass es wieder Kinder in der Siedlung gibt&#8220; und &#8222;Letztes Jahr habe ich an Halloween UND Martin vergeblich auf Kinder gewartet!&#8220; Eine Siedlerin, der ein paar Tage zuvor der Sohn gestorben war, umarmte mich mit einem dankbaren &#8222;Ich hatte schon gedacht, dass sich gar keiner zu mir traut!&#8220; Was eine Gruppe von sechs Kindern und vier Erwachsenen ausl\u00f6sen kann! Obwohl ich den Halloween-Brauch selbst nicht besonders sch\u00e4tze, gaben wir diese beiden Abende ein unerwartetes Gemeinschaftsgef\u00fchl.<\/p>\n<p><strong>Und jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht bin ich nicht besonders teamf\u00e4hig, was dazu f\u00fchrt, dass ich oft eigene Wege beschreite oder zu gro\u00dfe N\u00e4he meide. Ich habe mich inzwischen damit arrangiert, werde aber die vielen traurigen Momente in meinem Leben nicht vergessen, in denen ich meinen rechten (!) Arm daf\u00fcr gegeben h\u00e4tte, zu einer gro\u00dfen Familie, zu einer Clique oder zu einer anderen Gruppe so richtig dazu zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wichtig ist mir aber, dass ich mir dies bewusst gemacht habe, um meinen T\u00f6chtern beistehen zu k\u00f6nnen, wenn sie in eine \u00e4hnliche Lage kommen.<\/p>\n<p>So wie vor gut einer Woche: Cari brachte aus ihrer Kindergartengruppe einen Virus mit, der sie 24 Stunden erbrechen und weitere 24 Stunden fiebern lie\u00df. Nele h\u00e4ngte sich um drei Stunden versetzt mit den gleichen Symptomen an. Oma und Mama k\u00e4mpften auch mit den Wellen, zum Gl\u00fcck aber nicht so heftig. Entsprechend lie\u00df ich die Kleinen am Freitag daheim und informierte Aurelias Lehrer, damit sie fr\u00fchzeitig bei den ersten Symptomen anriefen, um sie abzuholen. Aurelia blieb gesund. Sie schaute am Samstagmorgen mit einem unerkl\u00e4rlichen Gesichtsausdruck in gr\u00fcnliche, gr\u00e4uliche und blasse Gesichter, als sie mit Papa zum Schwimmen startete. Kaum war sie zur\u00fcck, nahm sie einen Eimer und spuckte zweimal hinein. So wie man einen Kaugummi ausspuckt. Kurz und ohne W\u00fcrgen. Den Eimer drehte sie \u00fcber der Toilette um und sagte uns: &#8222;Jetzt haben wir es alle. Ich habe auch gespuckt!&#8220; Nein, sie ist keine Simulantin. Sie m\u00f6chte nur dazu geh\u00f6ren. Selbst wenn das bedeutet, die grade erst nach dem Schwimmbad gekauften Chips beiseite zu legen und gemeinsam mit uns Zwieback zu knuspern. Und es kam, wie es kommen musste: durch das viele Schmusen mit den kleinen Schwestern &#8222;konnte&#8220; sie dann am Samstagabend auch virusbedingt spucken. Kein Wort der Klage kam \u00fcber ihre Lippen, sie hatte ja quasi schon darauf gewartet. Dabeisein war in diesem Fall wirklich alles.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele Menschen, ist es gar kein Thema:\u00a0Sie geh\u00f6ren dazu. 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