{"id":4250,"date":"2018-07-08T23:46:37","date_gmt":"2018-07-08T21:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=4250"},"modified":"2018-07-08T23:46:37","modified_gmt":"2018-07-08T21:46:37","slug":"die-groessten-abenteuer-beginnen-mit-einem-simplen-satz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=4250","title":{"rendered":"Die gr\u00f6\u00dften Abenteuer beginnen mit einem simplen Satz"},"content":{"rendered":"<h4>Wandern in Gesellschaft<\/h4>\n<p>Bei der Schneeschuhwanderung im Fichtelgebirge fragte mich Paolo, ein italienischer Gast, <em>ob ich lieber allein oder in Gesellschaft wandere<\/em>. Im Fr\u00fchling h\u00f6rte ich dieselbe Frage in kurzer Folge sowohl im Kottenforst und als auch in der Luxemburgischen Schweiz. Auch im Mai in Wales wurde ich auch danach gefragt. Und letzte Woche auf dem K\u00f6lnpfad. Das Thema hatten wir ja hier schon einmal bei Elkes\u00a0<a href=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2119\">Wanderfragen<\/a>, ich will aber noch einmal darauf zur\u00fcck kommen.<\/p>\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Beides hat Vor- und Nachteile &#8211; aufregender ist es aber in jedem Fall in Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong><em>Denn die gr\u00f6\u00dften Abenteuer beginnen mit nur einem simplen Satz<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Derer gibt es viele, ich habe euch im Folgenden meine drei Lieblingss\u00e4tze notiert.<\/p>\n<p>Platz 3:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ich habe Wander-Erfahrung!<\/strong><\/p>\n<p>Ich wirke nach au\u00dfen nicht so, als k\u00f6nnte ich weite Strecken wandern. Das f\u00fchrte schon \u00f6fters dazu, dass ich auf meine gut gemeinte Frage &#8222;Hast du Erfahrung mit dem Wandern?&#8220; mit einem &#8222;Ja, sischer datt!&#8220; oder &#8222;Ich bin schon gewandert, da konntest du noch nicht krabbeln!&#8220; oder &#8222;DU&#8220; &#8211; absch\u00e4tziger Blick an mir herunter &#8211; &#8222;wirst ja wohl eher Hilfe von mir ben\u00f6tigen als andersherum!&#8220; belegt wurde.<\/p>\n<p>Dazu einige kurze Erinnerungen:<\/p>\n<p>(wir wollen ja Freunde bleiben, daher anonymisiere ich lieber und nenne alle Wanderburschen <em>Paul <\/em>und alle Wanderm\u00e4dels <em>Paula<\/em>)<\/p>\n<ul>\n<li>Vor der offiziellen Er\u00f6ffnung des Eifelsteigs von Aachen nach Trier gab es in der Nordeifel einen viert\u00e4gigen Rundwanderweg gleichen Namens. Meine Bookcrossing-Freunde <em>Paula<\/em> und <em>Paul <\/em>begleiteten mich auf dem &#8222;kleinen Eifelsteig&#8220;. Bei einem Vortreffen in Pauls Haus schaute Pauls Frau an Paula und mir herab und wies ihren Gatten an, blo\u00df nicht auf die Idee zu kommen, den Gentleman zu spielen und uns Frauen den Rucksack zu tragen. Ach, das wollten wir doch auch gar nicht, denn wir sahen dies als Vortour f\u00fcr unsere Wanderung auf dem Offa&#8217;s Dyke Path im nahenden Sommer. Schon kurz nach dem Verlassen der Jugendherberge in der Burg Blankenheim stellte sich heraus, dass Paul bis Mittag so richtig Gas gab, um dann nach der Mittagspause hinter uns her zu humpeln und \u00fcber starke Schmerzen in beiden F\u00fc\u00dfen zu klagen. Am Ende des zweiten Wandertages war klar: Paul wird die komplette Wanderung nicht laufen k\u00f6nnen. Sein Schwiegervater holte ihn in der Jugendherberge Rurberg ab und wir erfuhren am n\u00e4chsten Tag, dass er wegen falscher Schuhe und schlechter k\u00f6rperlicher Verfassung einen Erm\u00fcdungsbruch (Marschfraktur) im Mittelfu\u00dfknochen erlitten hatte und dadurch sein Fu\u00dfgew\u00f6lbe eingesunken war.<\/li>\n<li><em>Paula<\/em> und ich traten also gut vorbereitet zur Wanderung auf dem Offa&#8217;s Dyke Path an und erlebten ein Dej\u00e0 vu. Eine weitere Bookcrosserin (<em>Pauline<\/em>) und die neue Frau meines Exmannes (14 Jahre j\u00fcnger als ich, 10 Jahre j\u00fcnger als Paula und Pauline, deshalb hier <em>Paulinchen<\/em>) machten unser Vier-Weiber-Team komplett. Auch von ihr h\u00f6rte ich vor der Tour mehrfach &#8222;ich habe Wandererfahrung&#8220;. So wunderte es uns nicht, dass sie morgens\u00a0 immer voraus rannte, als sei der Teufel hinter ihr her, gegen Mittag f\u00fcr eine gemeinsame Rast auf uns wartete und sich nachmittags st\u00f6hnend und jammernd hinter uns her schleppte. Unsere Vorschl\u00e4ge, morgens ein langsameres Tempo zu w\u00e4hlen, wurden so lange ignoriert, bis sie nach vier Tagen bei der Mittagsrast aufgab, zum Tagesziel trampte und ein halbes Verm\u00f6gen daf\u00fcr ausgab, um vorzeitig nach Hause zu fliegen.<\/li>\n<li>Ebenfalls auf dem Offa&#8217;s Dyke Path, aber ein paar Jahre zuvor, hatte mir (ein anderer) <em>Paul<\/em> vor dem Start zur ersten Etappe auch wortreich und \u00fcberzeugend erkl\u00e4rt, dass er viel Wandererfahrung hat. Wandertempo und Wanderschritt lie\u00dfen bei mir auch keine Zweifel aufkommen, bis der Weg nach dem Erreichen eines H\u00fcgelr\u00fcckens (H\u00fcgelr\u00fccken, sagt man das? Es war definitiv kein Berg!) bergab f\u00fchrte. Nicht besonders steil, eher so, wie beim Skifahren ein Kinder-Anf\u00e4nger-H\u00fcgel &#8211; mit dem Schlitten w\u00fcrde man mangels Schwung sogar stecken bleiben. Doch offensichtlich zu steil f\u00fcr Paul. Er stand da oben, wurde abwechselnd bleich und gr\u00fcnlich, hielt sich an mir fest und rutschte auf dem Hosenboden diesen Hang hinab. Es stellte sich heraus, dass der geb\u00fcrtige D\u00fcsseldorfer bislang nur in den Rheinauen und bei seinem Vater am Niederrhein &#8222;wandern&#8220; war. Er war vorher noch nie im Mittelgebirge wandern gewesen und kam mit schiefen Ebenen nicht klar. An etlichen Stellen musste er sich an w\u00e4hrend der weiteren Wanderung an einem Baum, Pfahl oder mir festhalten, weil er ansonsten vor lauter Drehschwindel gest\u00fcrzt w\u00e4re.<\/li>\n<li><em>Paul<\/em> (ein dritter) war richtig krabbig geworden, als ich ihn vor unserer ersten gemeinsamen Wanderung nach seiner Wandererfahrung gefragt hatte. Er habe sogar alpine Wandererfahrung und w\u00fcrde sich gerne bremsen, damit ich nicht die ganze Zeit hinterherhecheln m\u00fcsse. Stolz zeigte er mir bei unserem n\u00e4chsten Treffen seine Wanderstiefel, die in der Tat schon benutzt aussahen. Dass der letzte Gebrauch schon einige Jahre zur\u00fcck lag, verrieten mir die Treter nicht. Vermutlich hatte deren Besitzer nicht mehr in Erinnerung, welche Socken er damals getragen hatte, sprach aber mit mir nicht dar\u00fcber. Als er sah, dass ich unter meine eigentlichen Wandersocken d\u00fcnne Untersocken zog, tat er es mir gleich. Von seinem Stapel zurechtgelegter Tennissocken nahm er sich zwei Paare, zog sie \u00fcbereinander, knurrte als Antwort auf meine zaghafte Frage &#8222;Ist das nicht zu eng?&#8220; ein &#8222;nein, so ist es besser gepolstert!&#8220; und wir wanderten los. Schon bei der ersten Rast zog er Schuhe und Socken aus, rieb sich die F\u00fc\u00dfe und st\u00f6hnte. Doch es sollte noch bis zum Abend des zweiten Wandertages dauern, bis er mir seine inzwischen mit vielen gro\u00dfen Blasen \u00fcbers\u00e4hten F\u00fc\u00dfe zeigte und um Hilfe bat. Nach einem Besuch in der Dorfapotheke, mit etlichen Blasenpflastern und nur noch einem Socken pro Fu\u00df hielt er es noch zwei weitere Tage durch. Dann setzten wir eine Woche aus, in der er seinen Orthop\u00e4den aufsuchte, sich von diesem erkl\u00e4ren lie\u00df, wie es zu den Blasen gekommen war, sich Einlagen anpassen lie\u00df, neue Wanderschuhe kaufte und sich bei mir entschuldigte. Er hatte immer gedacht, er bekomme Blasen, wenn ein Schuh zu locker sitzt und hatte mir nicht glauben wollen, dass auch zu enge Schuhe Ursache sein k\u00f6nnen. Wie gut, dass er seinem Orthop\u00e4den glaubte und wir dann doch am Ziel ankamen.<\/li>\n<li>Doch es ging nicht immer nur um F\u00fc\u00dfe. Was w\u00fcrdet ihr meinem Mitwanderer <em>Paul<\/em> raten, der an einem hei\u00dfen Tag sein T-Shirt auszog und mit seinen (zugegeben: feschen!) Hosentr\u00e4gern auf der nackten Haut weiter wanderte? Ich fragte nur, ob es nicht scheuert, er verneinte, lie\u00df sich dann aber abends von mir in der Apotheke Popocreme kaufen. Ich musste ihm die blutig gescheuerten Brustwarzen als dicken Salbenverband versorgen, weil er vor lauter Pein nicht selbst Hand anlegen konnte.<\/li>\n<li>Noch ein <em>Paul<\/em> zog meine verwunderten Blicke auf sich, als er beim Start zu einer Viertageswanderung einen Rucksack ausgrub, der gr\u00f6\u00dfer war, als jeder Rucksack, den ich jemals gesehen hatte. Selbst f\u00fcr sechs Wochen Indien oder neun Wochen Jakobsweg hatte ich weniger Gep\u00e4ck dabei. Noch verwunderter war ich aber, als ich sah, wie er ziemlich wahllos Socken, ein Sixpack 0,3 l-Sprudelwasser, Zahnputzzeug, Taschenmesser, Wechselsachen und unendlich viel anderen Kram in den Rucksack warf. Als er fast voll war, wurde er am oberen Rand gepackt, nochmal feste gesch\u00fcttelt, weiter bepackt und es konnte los gehen. Nachdem Paul bei zwei kleineren Kletterstellen von seinem \u00fcbervollen Rucksack nach hinten gezogen worden war und dabei einmal b\u00f6s st\u00fcrzte, erlaubte er mir abends in der Herberge, seinen Rucksack zu sortieren und auszumisten. Ich habe selbst viel mehr Krempel mit, als unbedingt n\u00f6tig. Aber kann mir &#8218;mal jemand erz\u00e4hlen, was man(n) bei einer viert\u00e4gigen Wanderung durch ein deutsches Mittelgebirge mit zwei Romanen von jeweils \u00fcber 800 Seiten, einem F\u00f6n, einer 800 ml-Flasche Shampoo, f\u00fcnf Hosen, zwei Multitools und vier Paar Schuhen vorhat???<\/li>\n<\/ul>\n<p>Platz 2:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Oh, mein Akku ist leer!<\/strong><\/p>\n<p>ist auch ein sch\u00f6ner Satz.<\/p>\n<ul>\n<li>Als es noch keine &#8222;Handys&#8220; gab und Mobiltelefone noch in etwa so viel wie ein Neugeborenes wogen, machte ich mit <em>Paul<\/em> eine zweiw\u00f6chige Fernwanderung durch Wales. Eigentlich hatten wir zu Gunsten unseres Reisebudgets m\u00f6glichst oft wild zelten wollen. Das ging nat\u00fcrlich nicht, weil dieser schwere Kasten jede Nacht an die Stromversorgung angeschlossen werden musste. Also zelteten wir auf Campingpl\u00e4tzen m\u00f6glichst nah am Kloh\u00e4uschen mit seinen Steckdosen f\u00fcr Rasierer und in den G\u00e4rten von netten B&amp;B-Wirten, die dem tragbaren Telefon \u00fcber Nacht Asyl an einer der Steckdosen im Haus gew\u00e4hrten. In der ganzen Zeit haben wir exakt 1 x (in Worten: ein Mal) mit diesem Monstrum telefoniert&#8230;<\/li>\n<li>Bei einer anderen Wanderung in Wales hatte er schon ein kleines Mobiltelefon. Au\u00dferdem hatte er gut vorgesorgt, um nicht wieder alln\u00e4chtlich vom Stromnetz in Pesionen und auf Campingpl\u00e4tzenn abh\u00e4ngig zu sein: Er hatte sich ein Solar-Ladeger\u00e4t beschafft. Das war rund um den Jahrtausendwechsel noch verflixt teuer, aber musste offenbar sein. Nun also wurde unsere urspr\u00fcngliche Wanderplanung nicht mehr vom Vorhandensein von Steckdosen am Tagesziel beeinflusst. Daf\u00fcr gingen wir aber keinen direkten Weg durch einen Wald, sondern immer fein au\u00dfen herum, damit das Solar-Panel, das er auf dem Rucksack befestigt hatte, auch wirklich jeden einzelnen Sonnenstrahl auffangen konnte. Die riesigen Umwege hatten erst ein Ende, als wir in eine dreit\u00e4gige Regenfront gerieten und er ohnehin auf &#8222;normalen Steckdosenstrom&#8220; ausweichen musste.<\/li>\n<li>Besonders anf\u00e4llig sind die\u00a0Akkus von Mobiltelefonen und Smartphones, wenn sie gleichzeitig mit GPS-Ortung zur Navigation verwendet werden und mit ihnen fotografiert wird. <em>Paula<\/em>, meine Wanderbegleiterin bei einer Eifelwanderung, hatte f\u00fcr ihr Smartphone zwei Ersatzakkus und ein Powerpack dabei. Auf knapp 11 km Wanderstrecke kamen alle drei Akkus und das Powerpack zum Einsatz. Dennoch lie\u00df sie sich von mir nach der Wanderung meinen mit dem guten alten Garmin aufgezeichneten Track mailen, weil ihr am Ende fast ein Kilometer fehlte.<\/li>\n<li><em>Paul<\/em> weigerte sich eines Tages bei einer Fernwanderung durch Wales, die Fr\u00fchst\u00fcckspension zu verlassen. Er hatte schon im Bad und beim Fr\u00fchst\u00fcck getr\u00f6delt. Nun standen wir in komplettem Wander-Outfit und mit fertig gepackte Rucks\u00e4cken in unserem Bed &amp; Breakfast &#8211; Zimmer und er wiederholte nur best\u00e4ndig &#8222;Moment noch!&#8220;. Erst als ich &#8211; inzwischen ziemlich pampig &#8211; darauf hinwies, dass wir heute 28 km auf dem Programm stehen haben und ich &#8222;diesen bl\u00f6den Moment noch&#8220; nur warte, wenn ich erfahre, auf was ich eigentlich warten soll, gestand er mir kleinlaut, dass er abends vergessen hatte, sein Mobiltelefon zu laden. Das hatte er zwar gleich nach dem Aufstehen nachgeholt, war aber erst bei 86 % &#8211; und das war ihm zu heikel. Also vereinbarten wir, dass ich schon bezahle und gem\u00fctlich loswandere und er mir folgt, wenn das Ger\u00e4t auf 100 % ist. Wir trafen uns an diesem Tag erst abends in der neuen Unterkunft wieder, denn er hatte bis 11:45 Uhr vor seinem ladenden Ger\u00e4t gesessen, bis er erkannte, dass dieses konkrete Modell im britischen Netz nur bis 99 % auflud.<\/li>\n<li>N\u00e4chstes Thema: H\u00f6rger\u00e4t! Okay, da ist es eine Batterie, aber seid ihr schon &#8218;mal mit jemandem gewandert, der stets weit voraus l\u00e4uft, ohne zu wissen, wo der eigentlich geplante Weg entlang f\u00fchrt? Man ruft hinter jeder Wegkreuzung nach ihm, um ihn auf den richtige Weg zur\u00fcck zu locken. Das ging bei mehreren Wanderungen gut, aber bei einer Wanderung trennten sich unsere Wege dauerhaft. Er hatte mich nicht rufen geh\u00f6rt, ich hatte keine Idee, welchen der f\u00fcnf Wege er an dieser Kreuzung genommen haben k\u00f6nnte, wanderte also auf meiner geplanten Route zum Ziel. Als er &#8211; nachdem er mit einer Mischung aus Verzweiflung und \u00c4rger durch die W\u00e4lder des Islek geirrt war &#8211; \u00fcber drei Stunden nach mir am Auto ankam, schrie er mich an &#8222;ICH HABE KEINE ERSATZBATTERIEN F\u00dcR MEIN H\u00d6RGER\u00c4T DABEI!&#8220; Okay, das erkl\u00e4rte alles, zum Gl\u00fcck schlossen die L\u00e4den im n\u00e4chsten Ort erst in 20 Minuten und wir konnten kurz vor knapp noch Ersatz beschaffen. Sonst w\u00e4re ich auf der Heimfahrt vom seinem Geschrei ertaubt. (Ich frage mich grade, warum Menschen mit H\u00f6rschaden so laut schreien, obwohl ihnen doch bewusst sein sollte, dass ihr Gegen\u00fcber ein normales Geh\u00f6r hat&#8230;)<\/li>\n<li>Zugegeben, GPS-Reciever brauchen auch viel Strom. Ich selbst bin (<a href=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=126\">fast\u00a0<\/a>!) immer mit doppeltem Satz Ersatzakkus unterwegs, um wirklich sicher zu sein, den ganzen Tag lang die zur\u00fcckgelegte Strecke tracken zu k\u00f6nnen. Warum <em>Paula <\/em>bei einer unserer gemeinsamen Wanderungen aber gleich zwei GPS-Reciever plus Navi-App zur Aufzeichnung unseres Weges einsetzte, konnte ich nicht so ganz verstehen. Die Erkl\u00e4rung war: &#8222;sicher ist sicher!&#8220; Na gut, zusammen mit meinem Garmin h\u00e4tte eigentlich nichts schief gehen d\u00fcrfen. Nachdem Smartphone und GPS Eins schon stromlos waren, wanderten wir in dem Bewusstsein weiter, immer noch besser ausgestattet zu sei, als die meisten Wanderer. Wir erz\u00e4hlten angeregt und mussten wohl das Piepen unserer Ger\u00e4te \u00fcberh\u00f6rt haben. Jedenfalls standen wir am Ziel und starrten auf ihr GPS Zwei und mein GPS. Beide hatten sich vor Ende der Wanderung schlafen gelegt, wir mussten also nochmal knapp zwei Kilometer zur\u00fcck, neue Akkus einlegen und den Rest des Weges aufzeichnen. Das zog nat\u00fcrlich eine Extra-Wanderstunde und deutlich st\u00e4rkeren Muskelkater nach sich, als urspr\u00fcnglich geplant.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Platz 1:<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Ich kenne da eine Abk\u00fcrzung!<\/h4>\n<p>Das ist mein allerallerliebster Satz beim gemeinsamen Wandern. Es gibt ihn in leichten Abwandlungen wie &#8222;Ich kenne mich hier aus!&#8220; und &#8222;Hier war ich schon sooo oft, ich bin mit jedem Baum auf &#8222;du&#8220;!&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Pl\u00e4tze 2 und 3 mir bei beiderlei Geschlecht aufgefallen sind, scheint dieser Satz auf dem Y-Chromosom verankert zu sein. Er scheint ferner untrennbar mit dem Satz &#8222;<strong>Lass mich &#8218;mal machen, M\u00e4nner haben die bessere Orientierung!<\/strong>&#8220; verkn\u00fcpft zu sein.<\/p>\n<ul>\n<li>Als Kind und Jugendliche nahm ich an ungez\u00e4hlten Naturfreunde-Tageswanderungen teil. kennt ihr diese typischen Rudelwanderungen? Die M\u00e4nner preschen voraus diskutieren \u00fcber Karten und Schrittz\u00e4hlertechnik. Die Frauen wandern lachend und quatschend hinterher. Im Zeugenstand bei Gericht k\u00f6nnten sie wahrscheinlich nicht einmal sagen, durch welche Orte sie hindurch gekommen sind und welche Sehensw\u00fcrdigkeiten sie passiert haben. Eine fest in unserem Wanderkalender verankerte Wanderung f\u00fchrte vom Naturfreundehaus in Alt-H\u00fcrth nach Witterschlick bei Bonn. Ich habe diese Wanderung gut ein Dutzend Mal mitgemacht. Jedes Mal stritten sich die M\u00e4nner hinter dem Jagdschloss Falkenlust, wie sie weiter gehen. Stets fielen die S\u00e4tze &#8222;Ich kenne da eine Abk\u00fcrzung!&#8220; und &#8222;Ich kenne mich hier aus!&#8220;. Stets liefen wir \u00fcber 30 km, mal 32 km , mal 38 km, mal 34 km. Die Frauen hatten sicherlich schon Jahre vorher resigniert, denn als ich als 15- oder 16-j\u00e4hrige einmal in die Diskussion einstieg, rollten sie nur mit den Augen und sagten &#8222;Vergiss es!&#8220; Mein Einwand mit Blick auf die Karte, &#8222;Wenn wir da lang gehen w\u00fcrden, w\u00e4re es doch k\u00fcrzer!&#8220; wurde dann auch in der Tat mit einem &#8222;Hat hier jemand Kuchen gerufen, dass sich die Kr\u00fcmel melden?!&#8220; und einem &#8222;Lass uns M\u00e4nner das &#8218;mal machen!&#8220; und einem finalen &#8222;Das wirkt nur auf der Karte k\u00fcrzer, ist aber in Wirklichkeit viel l\u00e4nger!&#8220; abgeb\u00fcgelt. Wir wanderten also eine Abk\u00fcrzung und waren nach insgesamt 38 km am Ziel. Ich bin noch viele Jahre mitgewandert, habe aber nie mehr etwas zur Streckenf\u00fchrung gesagt, denn ich kannte solch fantastisch lange Abk\u00fcrzungen ja auch nicht. Mir lie\u00df es aber keine Ruhe und als ich mein erstes GPS hatte, lief ich noch einmal allein vom Naturfreundehaus zu den Tongruben. Einfach nach Karte, den augenscheinlich k\u00fcrzesten Weg. Der Tageskilometerstand war 27,6 km.<\/li>\n<li><em>Paul I. <\/em>lief beim morgendlichen Start in einer Unterkunft und nach jeder Einkehr konstant in die falsche Himmelsrichtung, sobald er durch die T\u00fcr ins Freie trat. Drei Wochen lang. &#8222;Hier ist k\u00fcrzer&#8220; sagte er dann immer, wenn ich ihn bremste oder drei Stra\u00dfen weiter auflas. War es nat\u00fcrlich nicht.<\/li>\n<li>Bei <em>Paul II<\/em>. wurde dieser Lieblingssatz schon vor dem Start zur Wanderung zum Problem. Er wohnte in der Eifel und versicherte mir mehrfach, sich dort auch auszukennen. Auf dem Weg zum Startpunkt einer Wanderung war ich noch mit meinen Wanderkarten und dem GPS besch\u00e4ftigt, mir fiel aber irgendwann aus dem Augenwinkel auf, dass wir eine Stelle bereits das vierte Mal passierten. Dort sa\u00df n\u00e4mlich eine alte Dame auf einer Bank und sch\u00fcttelte den Kopf. Ich machte Paul auf sie aufmerksam und bat ihn darum, kurz anzuhalten, damit ich nach dem Weg fragen kann. Sie erkl\u00e4rte es kurz und knapp &#8211; keine Minute sp\u00e4ter konnten wir auf dem Wanderparkplatz aussteigen. Auf meine Frage &#8222;Gut, du Ortskundiger, welchen Grund hatte es, vorher viermal an dieser Einfahrt vorbeizufahren?&#8220; musste er so lachen, dass ihm die Tr\u00e4nen liefen. Seine von vielen Glucksern unterbrochene Antwort lautete &#8222;Ein echter Mann f\u00e4hrt lieber 50 Minuten hilflos im Kreis als eine Minute anzuhalten und Einheimische nach dem Weg zu fragen!&#8220; &#8211; Aha!<\/li>\n<li><em>Paul III. <\/em>(das ist der, dem weiter oben die Batterien im H\u00f6rger\u00e4t den Dienst quittiert hatten) bescherte mir etliche doppelte Recherchewanderungen. Denn er rennt stets vorneweg, ohne zu wissen, welchen Weg ich \u00fcberhaupt recherchiere. Er kann sich einfach nicht vorstellen, dass ich mir bei der Planung eines Rundweges etwas denke. Wenn ich also bei solchen Touren anmerkte, dass er sich bitte auf der Karte ansehen solle, auf welchen Wegen meine geplante Runde verlaufen soll, lachte er immer nur. Und rannte erneut vorneweg. Anfang bin ich ihm dann hinterher geeilt, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Aber eines Tages musste ich einsehen, dass er der typische Macho-Wanderer ist, der den Weg vorgibt und von einer Frau erwartet, dass sie ihm bedingungslos folgt. Das war der Tag, an dem er meinen Einwand &#8222;Der Verlag ben\u00f6tigt Rundwanderungen&#8220; mit einem &#8222;hin und zur\u00fcck auf demselben Weg ist eben ein extrem platter Kreis&#8220; kommentierte. Vorher hatte er mir schon erz\u00e4hlt, dass seine Exfrau bei Wanderungen immer ganz &#8222;brav&#8220; in seiner N\u00e4he geblieben war, weil sie sich im Wald f\u00fcrchtete und \u00fcberhaupt keinen Orientierungssinn hatte. Zwei Wochen vorher hatte er den von mir speziell f\u00fcr Familien ausgeguckten barrierefreien Weg mit den Worten &#8222;Hier ist eine gute Abk\u00fcrzung&#8220; zunichte gemacht. Bei dieser &#8222;Abk\u00fcrzung&#8220; h\u00e4tte die Familie den Buggy durch mannshohe Brennnesseln schieben, \u00fcber einige umgest\u00fcrzte Baumst\u00e4mme und durch eine knietiefe Furt tragen m\u00fcssen. Dies hatte er mit &#8222;Wandern in der Eifel ist eben kein Spaziergang auf der Schildergasse&#8220; kommentiert. Sicherlich wundert er sich bis heute, warum ich ihn nicht mehr zu Recherchewanderungen mitnehme.<\/li>\n<li>Bei einer Recherche in Tunesien recherchierte ich eine Wanderung in den Bergoasen. Von der Bergoase Mides an der algerischen Grenze suchte ich einen Wanderweg durch die bizarr aufgefaltete Bergwelt hinab zum Wasserfall bei Tamerza. Ich wusste von einem fr\u00fcheren Besuch, dass der Weg durch eine Schlucht f\u00fchrt und fragte in Mides einen Andenkenh\u00e4ndler nach dem Weg. Der telefonierte mit seinem Cousin, der vorgeblich Wanderf\u00fchrer war und keine zehn Minuten sp\u00e4ter mit dem Mofa angeknattert kam, um mir den Weg zu zeigen. Das gefiel mir gut, denn ich hatte wegen der Grenzn\u00e4he doch etwas Angst, versehentlich in Algerien zu langen und verhaftet zu werden. Der Weg, den er einschlug, kam mir aber schon bald merkw\u00fcrdig vor. Ich gab zu bedenken, dass doch schon vor Monaten mit dem Bef\u00fcllen des neuen Stausees begonnen worden sei und dieser in etwa dort geplant sei, wohin uns unser Weg f\u00fchrte. Er verneinte, betonte seine Ortskenntnis und erl\u00e4uterte, dass der See viel weiter \u00f6stlich geplant sei. Wir hingegen liefen <em>eine Abk\u00fcrzung<\/em>. Keine zehn Minuten sp\u00e4ter trafen wir auf den Stausee. Unser Weg endete im Wasser, er st\u00f6hnte auf und sagte mit einem Blick auf den Stausee &#8222;Der war beim letzten Mal noch nicht hier!&#8220; Seine Abk\u00fcrzung f\u00fchrte zu einer unglaublichen Kletterei \u00fcber Findlinge und Felsen, die nat\u00fcrlich nicht in den Reisef\u00fchrer aufgenommen werden konnte. Am n\u00e4chsten Tag startete ich noch einmal f\u00fcr diesen Wanderweg, best\u00e4ndig brummelnd \u00fcber meine Doofheit, mit der ich mit hatte einlullen lassen, obwohl ich es besser wusste und der Typ offensichtlich keinerlei Orientierung hatte.<\/li>\n<li>Im s\u00fcdtunesischen Sperrgebiet hatten wir an einer kleinen Oase Halt gemacht. Nach sieben W\u00fcstentagen, die wir entweder im Auto sitzend oder das festgefahrene Auto ausgrabend verbracht hatten, waren wir froh, uns die Beine vertreten zu k\u00f6nnen. Wir k\u00fchlten unsere F\u00fc\u00dfe in einem Badegumpen, palaverten mit ein paar Polizisten und tranken Tee und Cola. Beides hatte etwa die gleiche Temperatur, ich sch\u00e4tze um die 50\u00b0C. <em>Paul<\/em>, der erfahrenste W\u00fcstenfahrer in unserer Gruppe, lief auf dem R\u00fcckweg voraus. Den Einwand seiner Frau, dass wir besser denselben Weg zur\u00fcck gehen sollten, weil sie schon auf zwei Schildern gelesen habe, dass der Durchgang verboten sei, tat er mit den Worten ab &#8222;Das hier ist aber eine Abk\u00fcrzung. Ich kenne mich hier aus!&#8220; Als wir ein weiteres Schild erreichten, auf dem ich mit meinen Minimalkenntnissen in Franz\u00f6sisch &#8222;Schusswaffengebrauch&#8220; las, drehten seine Frau und ich ab und gingen lieber auf dem Hinweg zur\u00fcck. Als ich etwa ein Drittel des Weges gegangen war, h\u00f6rte ich Rufe und einen Schuss. Wieder zur\u00fcck an den Autos sah ich mich einigen kreidebleichen Reisegef\u00e4hrten gegen\u00fcber. Sie waren von Soldaten angesprochen worden, hatten so getan, als w\u00fcrden sie nicht verstehen, dass sie nicht weitergehen d\u00fcrfen und hatten sogar noch die Geschwindigkeit erh\u00f6ht. Ein Warnschuss hatte ihren Lauf dann endlich gestoppt. Einer der Soldaten hatte ihnen auf Deutsch klar gemacht, dass es ihre Lebenserwartung vergr\u00f6\u00dfert, wenn sie sich an die Ge- und Verbote auf den Hinweisschildern halten. Ihre Abk\u00fcrzung f\u00fchrte ausgerechnet durch ein Munitionslager. F\u00fcr den Rest unserer Reise blieben sie kleinlaut, wenn es um Orientierung ging und sie hielten sich strikt an alle Vorschriften. Bis in die Schweiz fuhr keiner von ihnen auch nur einen einzigen Stundenkilometer schneller als er durfte.<\/li>\n<li>Nochmal Tunesien, diesmal zwar allein, aber wegen einer brillanten Idee meines (m\u00e4nnlichen) Lektors:<br \/>\nBetritt man die Medina in Sousse durch das Tor Bab el Finga, so scheint es auf manch einem Stadtplan im Regal meines Lektors, als k\u00f6nne man sich nach links wenden und an der Innenseite der Medinamauer entlang zur Rue Rempart Nord gelangen. Diesen Weg sollte ich in der neuen Auflage des Tunesienf\u00fchrers beschreiben, denn dies w\u00e4re eine echte Abk\u00fcrzung durch die Souks. Ich vertraute einerseits meiner Autorenkollegin Ursel Eckert, die den umst\u00e4ndlicheren Weg beschrieben hatte, aber andererseits k\u00f6nnen sich die Dinge vor Ort ja \u00e4ndern. Also erkundete ich den Weg, denn ich kannte ein pikantes Detail nicht: die beiden gegeneinander versetzten Betonmauern direkt links hinter dem Bab el Finga sch\u00fctzen das Rotlichtviertel von Sousse vor unerw\u00fcnschten Blicken. Alle dahinter liegenden Gassen dort sind Sackgassen, der schmale Durchlass ist der einzige Zu- und Abgang. Klar gemacht haben mir dies die dort arbeitenden Freudenm\u00e4dchen. Ich wurde sehr freundlich und h\u00f6flich empfangen, \u00fcber die Besonderheit dieser Gassen aufgekl\u00e4rt und nach dem obligatorischen Th\u00e9 \u00e0 la Menthe wieder zum Ausgangspunkt geleitet. Hat irgendwie mehr Stil als die Reeperbahn. Dort w\u00e4re ich wahrscheinlich eher mit \u00fcblen Beschimpfungen vertrieben worden&#8230;<\/li>\n<li>Grade heute erst h\u00f6rte ich beim allj\u00e4hrlichen Treffen unseres Zwillingsvereins im Gertrudenhof folgenden Dialog: (Mann mit Zwilling Eins auf dem Arm) &#8222;Wir gehen dann schon &#8218;mal vor!&#8220; &#8211; (Frau, mit Zwilling Zwei auf dem Arm) &#8222;Aber ihr geht in die falsche Richtung!&#8220; &#8211; (Mann) &#8222;Quatsch, hier durch den Blumenverkaufshof ist es viel k\u00fcrzer!&#8220; &#8211; (Frau) &#8222;Ist denn da noch offen? Die Verkaufsbereiche schlie\u00dfen doch fr\u00fcher.&#8220; &#8211; (Mann) &#8222;Unfug!&#8220; &#8211; (Frau) &#8222;Oh, Mann!&#8220; &#8211; es vergehen einige Minuten, der Dialog setzt sich fort: (Frau) &#8222;Wo kommt ihr denn her?&#8220; &#8211; (Mann) &#8222;Warum hast du mir denn nicht gesagt, dass es da nicht durchgeht?&#8220; &#8211; [der Inhalt des nachfolgenden Streits kann nicht ver\u00f6ffentlicht werden, weil Beleidigung und Bedrohung Straftatbest\u00e4nde sind, aber meine Mutter kommentierte es mit &#8222;Besser als Kino!&#8220;]<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wandern in Gesellschaft Bei der Schneeschuhwanderung im Fichtelgebirge fragte mich Paolo, ein italienischer Gast, ob ich lieber allein oder in Gesellschaft wandere. 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