{"id":4306,"date":"2018-01-17T10:10:22","date_gmt":"2018-01-17T09:10:22","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=4306"},"modified":"2018-01-17T10:10:22","modified_gmt":"2018-01-17T09:10:22","slug":"glucken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=4306","title":{"rendered":"Glucken"},"content":{"rendered":"<p>Aurelia ist die Au\u00dfenseiterin in ihrer Klasse. Schuld daran bin ich. Das Schlimme ist: ich kann es nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Situation ist folgenderma\u00dfen: ab 8:00 Uhr d\u00fcrfen wir die Kinder in ihre Klassenzimmer bringen, bis 8:30 Uhr muss Aurelia da sein, bis 8:40 die Zwillinge. Nun ist es aber leider so, dass meine M\u00e4use morgens nicht besonders schnell in die G\u00e4nge kommen. Aurelia und Cari sind noch m\u00fcde, meine Fr\u00fchaufsteherin Nele ist schon wieder m\u00fcde. Also kommen wir nie Punkt 8 Uhr an der Schule an. Aurelia bringt gerne ihre kleinen Schwestern noch in die Gruppe und wir kommen 2-5 Minuten vor halb neun in ihrer Klasse an. Zu sp\u00e4t waren wir in all den Jahren noch nie.<\/p>\n<p>Nun hat sich aber in Aurelias Klasse in den letzten Monaten etwas sehr merkw\u00fcrdiges eingespielt: Die M\u00fctter geben ihre Kinder nicht mehr einfach vor der Klasse ab und gehen zur\u00fcck zum Auto, sondern bleiben in der Klasse. Sie spielen mit ihren Kindern, quatschen mit anderen M\u00fcttern, herzen j\u00fcngere Geschwister. Alles klar, ist doch sch\u00f6n, oder?<\/p>\n<p>Naja, ich bin zwiegespalten.<\/p>\n<p>Zum einen sehe ich, dass einige der Kinder (5-6 Jahre alt) Tr\u00e4nen in den Augen haben oder &#8222;Mama, geh nicht!&#8220; sagen, wenn die Lehrerin alle M\u00fctter um halb neun vor die T\u00fcr setzt. Solchen Abschiedsschmerz zeigten exakt diese Kinder im vergangenen Jahr nicht, als wir sie noch alle an der Klassenzimmert\u00fcr abgaben und es gibt ihn auch in keinem anderen Jahrgang. Selbst bei den Zweij\u00e4hrigen nicht, wo wir unsere Kinder beim Abschied noch einmal herzlich umarmen und k\u00fcssen, dann noch einmal winken und ein gut gelauntes Kind zur\u00fcck lassen, das oft schon im Spiel versunken ist, bevor wir au\u00dfer Sicht sind.<\/p>\n<p>Zum zweiten sehe ich meine Tochter und zwei-drei Klassenkameraden, die selten oder gar nicht von ihren M\u00fcttern bis halb neun bet\u00fcddelt werden. Das ist keine b\u00f6se Absicht oder Lieblosigkeit. Doch manch eine Mutter muss mit ihrer Zeit haushalten und sich nach dem Verlassen der Schule sputen, um p\u00fcnktlich am Arbeitsplatz zu sein. Diese Kinder sind zum Teil traurig, weil ihre M\u00fctter vor Unterrichtsbeginn keine Zeit mit ihnen verbringen, oft aber einfach nur irritiert, weil die anderen Kinder mit ihren M\u00fcttern statt miteinander spielen.<\/p>\n<p>Gestern morgen haben Aurelia und ich auf dem Flur vor dem Klassenzimmer lange dar\u00fcber gesprochen, denn wir waren etwas fr\u00fcher dran als sonst und kamen nicht zur T\u00fcr herein, weil dort eine Traube M\u00fctter stand und quatschte.<\/p>\n<p>Ich bot ihr an, zuk\u00fcnftig zuerst sie in die Klasse zu bringen und bis halb neun bei ihr zu bleiben, dann erst die Kleinen in ihre Gruppe zu bringen. &#8211; &#8222;Nein, Mama, es macht mir so viel Spa\u00df, die Kleinen zu den Little Dragons zu begleiten.&#8220;<\/p>\n<p>Ich bot ihr an, fr\u00fcher zuhause zu starten, um unsere Routine um zehn Minuten zu verschieben. &#8211; &#8222;MAMA! Nein, blo\u00df nicht! Dann muss ich ja noch fr\u00fcher aufstehen!&#8220;<\/p>\n<p>Ich bot ihr an, zumindest die letzten 2-5 Minuten mit in die Klasse zu kommen. &#8211; &#8222;Och n\u00f6, das ist doch albern, ich bin doch kein Baby mehr und f\u00fcr die paar Minuten lohnt es sich doch nicht!&#8220;<\/p>\n<p>Aha, andere L\u00f6sungen fallen mir jetzt aber spontan nicht ein. Das sagte ich ihr auch.\u00a0 Sie umarmte und k\u00fcsste mich, schob mich dann in den Flur und sagte: &#8222;Raus mit dir, Bathida wartet im Auto auf ihre Hunderunde!&#8220;<\/p>\n<p>Meine kluge, starke, lebenspraktische Tochter! Ich muss Tr\u00e4nchen herunterschlucken, w\u00e4hrend ich das schreibe. Sie f\u00fchlt, dass M\u00fctter nicht ins Klassenzimmer geh\u00f6ren, wenn Kinder noch ein paar Minuten bis zum Unterrichtsbeginn haben. So sehe ich es auch.<\/p>\n<p>Sollte sie aber den Wunsch versp\u00fcren, von mir in den letzten Minuten vor der ersten Stunde in die Klasse begleitet zu werden, mache ich das gerne. Nicht, weil ich es f\u00fcr richtig halte, an einem Erstkl\u00e4sslerpult neben meiner Tochter zu sitzen und mit ihr Spiele zu spielen, die sie nach der Vorstellung ihrer Lehrerin mit ihren Mitsch\u00fclern spielen sollte. Sondern weil ich es f\u00fcr wichtig halte, ihr zu zeigen, dass ich sie liebe und mit all ihren Bed\u00fcrfnissen und W\u00fcnschen ernst nehme. Ob dann die Kleinen zu sp\u00e4t in ihre Gruppe kommen oder Bathida ihre Hunderunde ohne die anderen Hunde machen muss, mit denen wir sonst immer laufen, ist mir dann egal. Aber wer wei\u00df, ob es \u00fcberhaupt so weit kommt.<\/p>\n<p>Heute jedenfalls hat sie erst einmal ihre Lehrerin umarmt und sich daran gefreut, diese f\u00fcr sich zu haben, w\u00e4hrend die anderen Kinder noch bei ihren M\u00fcttern sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aurelia ist die Au\u00dfenseiterin in ihrer Klasse. Schuld daran bin ich. Das Schlimme ist: ich kann es nicht \u00e4ndern. 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