{"id":5603,"date":"2018-12-25T22:51:47","date_gmt":"2018-12-25T21:51:47","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=5603"},"modified":"2025-08-31T13:16:43","modified_gmt":"2025-08-31T11:16:43","slug":"weihnachtsritual-frueher-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=5603","title":{"rendered":"Weihnachts-Rituale &#8211; fr\u00fcher und heute"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach zwei Weihnachtsfesten auf Mallorca und im Fichtelgebirge blieben wir in diesem Jahr zuhause. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Heiligabend wurde der Baum geschm\u00fcckt und die Christmette mit Krippenspiel besucht. Nach unserer R\u00fcckkehr gab es W\u00fcrstchen und Kartoffelsalat. Auch hier sind wir zum Klassiker zur\u00fcckgekehrt, nachdem sich f\u00fcr Fondue oder Raclette keine Mehrheiten fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bescherung war f\u00fcr die Kinder mehr als aufregend. Sie waren fix und fertig, als alle Geschenke ausgepackt waren. So sehr sich Nele auch dar\u00fcber freute, dass das Christkind das kleine Trampolin auf ihrem Wunschzettel entdeckt hatte, so m\u00fcde war sie auch und bat mich darum, es erst am heutigen Morgen aufzubauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Teure Geschenke von Papa und Oma wurden zwar begr\u00fc\u00dft und ausprobiert. Am Ende fand ich aber alle drei vollkommen zufrieden in den bei Aldi zuf\u00e4llig entdeckten Nixen-Schlafs\u00e4cken im Bett. In mein Staunen hinein erkl\u00e4rte mir Cari, dass das Christkind sehr schlau sei: &#8222;Ich mag keinen Schlafanzug und nicht unter der warmen Bettdecke schlafen. Drobsdem ist es in der Nacht manchmal kalt. Daf\u00fcr ist der Schlafsack fein prima.&#8220; Nele nickte nur m\u00fcde und gl\u00fccklich dazu. Aurelia betonte: &#8222;Das ist der perfekte Kompostmist! Uns ist es nicht zu warm und du musst nicht meckern, weil wir ohne Decke liegen!&#8220; Gratuliere! Dann habe ich dieses Geschenk also eher mir als den Kindern gemacht. Und f\u00fcr mich war es eine wahre Weihnachts\u00fcberraschung, dass ausgerechnet diese Schlafs\u00e4cke das Highlight im Geschenkeberg waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Papa hatte f\u00fcr heute morgen zum Brunch eingeladen, danach d\u00fcmpelten wir entspannt durch den Tag. Es wurde gespielt, gelesen, Musik geh\u00f6rt und erstmals gemeinsam der Disney-Film &#8222;Die Eisk\u00f6nigin &#8211; V\u00f6llig unverfroren&#8220; angeschaut. Endlich versteht meine Mutter, was die Kinder meinen, wenn sie &#8222;Ich lass los&#8220; gr\u00f6hlen und von sprechenden Steinen sprechen, die Menschen verheiraten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Stress standen wie durch Geisterhand am Abend alle Koffer fertig gepackt im Flur. Meine Mutter und ich dachten mehrfach an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit zur\u00fcck. Sie verliefen \u00e4hnlich: am Heiligabend gingen wir in die Christmette*, am ersten Weihnachtstag hatten wir Zeit f\u00fcr unsere Geschenke und die Koffer, am 2. Weihnachtstag fr\u00fch ging es dann los Richtung Thuner See, \u00d6tztal oder Tuxertal.<\/p>\n\n\n\n<p>*Damals fuhren wir am 24. Dezember immer zu einer befreundeten Familie und gingen dort in die Christmette. Daraus entstand vorletztes Jahr auch die folgende Geschichte. Wer uns pers\u00f6nlich schon aus meiner Kindheit kennt, kennt sogar alle handelnden Personen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote style=\"text-align:left\" class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Lustiges Baumschm\u00fccken<\/strong><\/p><p> <br>\u201eEndlich wird\u2019s wieder Weihnachten!\u201c rief Maria, als sie aus dem Auto sprang und den Klingelknopf dr\u00fcckte. <\/p><p> <br>\u201eHey, Vorsicht, knall die T\u00fcr nicht so, das ist doch kein Panzer!\u201c st\u00f6hnte G\u00fcnter. Seinen Opel Monza hatte er ganz neu, er wurde gehegt und gepflegt. Gleich nach der Vorstellung auf der IAA  im Herbst 1977 hatte er sich entschlossen, dieses flotte Coup\u00e9 zu kaufen. Nach fast einem Jahr eisernem Sparen, einem kleinen Kredit und schier unertr\u00e4glich langer Lieferzeit hatte er das Auto Anfang Dezember 1979 endlich sein eigen nennen d\u00fcrfen. Das gute St\u00fcck durfte unter gar keinen Umst\u00e4nden einen Kratzer bekommen. Es war daher selbstverst\u00e4ndlich, dass in seinem Heiligt\u00fcmchen weder gegessen noch getrunken werden durfte. Seine Frau Gertrud durfte nicht mit dem Wagen fahren, das hatte er beim Kauf vor einem halben Jahr deutlich gemacht.   <\/p><p> <br>Sie nahm es locker. Zum einen fuhr sie viel lieber mit ihrem kleinen flinken VW K\u00e4fer und nannte den Monza gerne abf\u00e4llig \u201eDas Monster\u201c. Zum anderen war sie sehr geduldig und wusste, dass heute ihr gro\u00dfer Tag war. <\/p><p> <br>Als Kurt die T\u00fcr \u00f6ffnete, st\u00fcrzten Carmen und Inge sofort auf ihre Freundin Maria zu. \u201eEndlich wird\u2019s wieder Weihnachten!\u201c rief diese erneut. \u201eJa, endlich!\u201c stimmten ihr die beiden M\u00e4dchen zu. \u201eKommt doch erst einmal alle herein, wir m\u00fcssen ja erst in einer halben Stunde zur Weihnachtsmette starten\u201c, bat Helga die G\u00e4ste ins Haus. Wie jeden Heiligabend trafen sich die beiden Familien, um in Alendorf gemeinsam zur Christmette zu gehen. Die alte Kirche von 1494 einsam auf dem Berg oberhalb des Dorfes war eben etwas ganz Besonderes, das passte zur Geburt Jesu. <\/p><p> <br>Helga gab jedem eine Tasse mit dampfendem Kaffee oder Kakao in die Hand und schob jeden in den Flur Richtung Wohnzimmer. \u201eHier in der K\u00fcche ist es zu eng f\u00fcr sieben Leute, lasst es uns noch ein paar Minuten gem\u00fctlich machen, bevor wir los m\u00fcssen.\u201c sagte sie. Als sie das Wohnzimmer betraten, schauten G\u00fcnter und Gertrud in die Ecke, wo immer der Weihnachtbaum stand. Beide seufzten\u2013- offenbar aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden. Auf Gertruds Stirn zeigte sich pl\u00f6tzlich eine Zornesfalte, w\u00e4hrend sich G\u00fcnters Gesichtsz\u00fcge vollkommen entspannten. <\/p><p> <br>Noch bevor die Tassen geleert waren, ergriff Kurt das Wort: \u201eWas haltet ihr davon, wenn nur die Frauen und M\u00e4dchen in die Mette gehen. Ich habe es &#8218;mal wieder nicht rechtzeitig geschafft, den Weihnachtsbaum zu schm\u00fccken. Dabei k\u00f6nnte mir G\u00fcnter doch prima helfen.\u201c <\/p><p> <br>Die Frauen warfen sich vielsagende Blicke zu. Helga murmelte leise: \u201eAlle Jahre wieder\u201c. Gertrud drehte sich weg, damit keiner sah, dass sie nur mit M\u00fche ein Lachen unterdr\u00fcckte. Guter Laune h\u00fcpften die drei M\u00e4dchen neben ihren M\u00fcttern her. Sie freuten sich auf das Krippenspiel. Die M\u00fctter genossen den kurzen Spaziergang in der kalten Winterluft. Traditionell mieden sie auf dem Hinweg die Alendorfstra\u00dfe. Stattdessen nahmen sie den Wanderweg neben dem Odenbach und bogen kurz vor der alten M\u00fchle links ab. Ein Pfad f\u00fchrte nun hinauf zum Kalvarienberg. Zwischen den Wacholderb\u00fcschen und Kiefern f\u00fchlten sie sich dem Schauplatz der Weihnachtsgeschichte gleich viel n\u00e4her, selbst mitten im Winter gaben diese Geh\u00f6lze der Landschaft ein mediterranes Flair. Oben an der Kreuzigungsgruppe machen sie eine kurze Verschnaufpause und genossen die Aussicht ins Tal nach Alendorf und hin\u00fcber zur Kirche. Dann rannten die M\u00e4dchen johlend den Berg hinab von einer Kreuzwegstation zur n\u00e4chsten. Jede wollte die erste an der Stra\u00dfe sein. Sie hatten versprochen, dort auf die M\u00fctter zu warten. <\/p><p> <br>W\u00e4hrenddessen holte Kurt den Karton mit Weihnachtskugeln, zwei Gl\u00e4ser und eine Flasche Gin ins Wohnzimmer. \u201eHier, G\u00fcnter, probier &#8218;mal! Dieser Gin aus der Eifel-Destillerie Sch\u00fctz ist der beste, den wir jemals getrunken haben.\u201c sagte er und goss die Gl\u00e4ser voll. \u201eWenn du ihn langsam auf der Zunge zergehen l\u00e4sst, kannst du jede einzelne Kartoffel und jede einzelne Wacholderbeere heraus schmecken.\u201c <\/p><p> <br>Nun folgte das \u00fcbliche Ritual der beiden Freunde. Jede aufgeh\u00e4ngte Christbaumkugel wurde mit einem Glas Gin begossen. Als alle Kugeln am Baum hingen, waren Kurt und G\u00fcnter bester Stimmung. Das wunderte Helga und Gertrud nicht. Ziemlich genau den gleichen Ablauf hatten sie schon in den Vorjahren erlebt. Helga wunderte sich lediglich dar\u00fcber, dass Gertrud dieses Jahr gar nicht so sauer, wie in den Jahren zuvor.   <\/p><p> <br>Als Gertrud und G\u00fcnter sich verabschiedeten, um nach Hause ins benachbarte Ripsdorf zu fahren, legte G\u00fcnter mit h\u00e4ngendem Kopf seinen Autoschl\u00fcssel in die schon ge\u00f6ffnete Hand seiner herzhaft lachenden Frau. So sehr er seinen neuen Monza liebte \u2013 betrunken fuhr er niemals Auto! <\/p><cite>aus: Weihnachtsgeschichten aus der Eifel<br>nach eigenen Erlebnissen aus meiner Kindheit<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Weihnachtsfesten auf Mallorca und im Fichtelgebirge blieben wir in diesem Jahr zuhause. 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