{"id":60,"date":"2016-04-18T12:15:46","date_gmt":"2016-04-18T12:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=60"},"modified":"2016-07-28T21:28:02","modified_gmt":"2016-07-28T21:28:02","slug":"mein-kistenspiel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=60","title":{"rendered":"Mein Kistenspiel"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-61 alignleft\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/KLeiderst\u00e4nder-300x169.jpg\" alt=\"KLeiderst\u00e4nder\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/KLeiderst\u00e4nder-300x169.jpg 300w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/KLeiderst\u00e4nder-768x432.jpg 768w, http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/KLeiderst\u00e4nder-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Ich bin ein &#8222;Altr\u00e4ucher&#8220;, wie man im Rheinland so sch\u00f6n sagt. Ich verwahre sehr viele Sachen. Jaja, in der Theorie kenne ich alle Management-Tricks, Feng Shui-Regeln und Magic Cleaning-Ideen, mit denen man entr\u00fcmpeln kann. In der Praxis funktionieren sie bei mir nicht. Ich habe es fr\u00fcher dann einfach wieder auf sich beruhen lassen.<\/p>\n<p>Das ging\u00a0aber nur so lange gut, wie ich allein lebte. Seit ich Familie habe, merke ich, dass ich aussortieren MUSS. T\u00e4glich f\u00fcllt sich das Haus mit zu klein gewordener Kinderkleidung, dem Papa beim Einkaufen abgeschwatzten (und dann doch nie gelesenen) Kinderzeitschriften und Erinnerungsst\u00fccken. Sie alle bilden zusammen mit Kleidung, die mir nach den zwei Schwangerschaften nie wieder passen wird, seit Jahren ungelesenen B\u00fcchern und anderen Staubf\u00e4ngern ein Gespinst aus Forderungen, denen ich mich nicht l\u00e4nger ausgesetzt sehen will. Jedes Teil sagt: &#8222;benutz mich!&#8220;, &#8222;lies mich!&#8220;, &#8222;pfleg mich!&#8220; oder &#8222;sortier mich!&#8220;.<\/p>\n<p>Die einzig wirkungsvolle Methode f\u00fcr mich ist mein Kistenspiel. Ich habe mir in der Silvesternacht vorgenommen, jeden Tag den Inhalt einer Kiste zu sichten. Es muss nicht unbedingt eine Kiste sein, manchmal ist es auch eine Tasche, ein Karton, eine Schublade, ein Regalfach, die Gartenh\u00fctte, die \u00a0SandKISTE oder das Auto.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser war der Song &#8222;Leichtes Gep\u00e4ck&#8220; von Silbermond. Wie wahr! Es reist sich besser mit leichtem Gep\u00e4ck. Auf Recherchetouren komme ich mit dem Inhalt eines Rucksacks wochenlang aus, ohne etwas zu vermissen. Warum sammelt sich also zuhause so viel &#8222;Pr\u00fcll&#8220; an?<\/p>\n<p>Seither sortiere ich stur jeden Tag meinen Krams, meine Mails, mein Leben.<\/p>\n<p>Unendlich viel habe ich schon aussortiert. An einem Tag bin ich dreimal mit leeren Kartons zum Bauhof gefahren. Ich hatte die Dinger verwahrt, weil ich ja irgendwann einmal damit irgendetwas an irgendjemanden verschicken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich habe in der ersten Schwangerschaft ein 5000-Teile-Puzzle\u00a0begonnen. Das habe ich nie zu Ende gebracht. Gestern sah ich, wie Cari auf einem Teil dieses Puzzles herum kaute, das ich vor vier Jahren wohl nicht ordentlich genug wegger\u00e4umt hatte. Also: weg damit! Und mit der Illusion, in den n\u00e4chsten 12 Jahren ein Puzzle mit mehr als 100 Teilen zu Gesicht zu bekommen.<\/p>\n<p>Ungelesene B\u00fccher sind mir inzwischen eher eine Belastung als eine Freude, an manchen Tagen h\u00f6re ich sie f\u00f6rmlich nach mir\u00a0rufen, ich solle sie nicht nur kaufen, sondern auch lesen. Ungez\u00e4hlte B\u00fccher sind seither bei Bookcrossing, Booklooker, Freunden, im B\u00fccherregal bei Ikea und in unserer Mitnehmkiste gelandet.<\/p>\n<p>Die Mitnehmkiste ist ohnehin klasse. Seit etwa vier Jahren haben meine Mutter und ich eine Kiste in meinem Flur stehen, in die wir alles werfen, was wir nicht mehr wollen, was aber &#8222;eigentlich&#8220; zu schade zum wegwerfen ist: Kinderspielzeug, K\u00f6lschgl\u00e4ser, B\u00fccher, Schl\u00fcsselanh\u00e4nger, Aschenbecher, Werbekugelschreiber, Blument\u00f6pfe und vieles mehr. Durchschnittlich 3-4 Tage im Monat steht sie morgens prall gef\u00fcllt in unserer Einfahrt und ist abends leer. Wir kennen die Menschen nicht, die etwas herausnehmen. Aber es ist ein ganz gemischtes Publikum, jeder w\u00e4hlt sorgf\u00e4ltig nur ein oder zwei Dinge, manchmal wird beim Weggehen gewunken oder gedankt, wenn ich zuf\u00e4llig im Hof oder Vorgarten bin.<\/p>\n<p>Ein Ende meines Kistenspiels ist nicht in Sicht. Regale, Kisten und Schubladen f\u00fcllen sich immer wieder neu mit unsinnigen Geschenken, un\u00fcberlegten Eink\u00e4ufen und anderen \u00dcberfl\u00fcssigkeiten. Umso gl\u00fccklicher bin ich dar\u00fcber, dass mir diese t\u00e4gliche Kiste so zur Routine geworden ist, dass sie mich gar nicht mehr belastet, sondern Teil meines Alltags geworden ist.<\/p>\n<p>Freude\u00a0macht mir das Ganze au\u00dfer dem Ordnungseffekt auch noch. Ich finde Dinge, an die ich ewig nicht mehr gedacht habe. Mein lange verloren geglaubtes Adressheft fand sich zwischen den Pappbilderb\u00fcchern meiner \u00a0T\u00f6chter. \u00a0Hinter zwei Umzugskartons tauchte ein Kleiderst\u00e4nder auf, den ich nun bei Flohm\u00e4rkten f\u00fcr Kleidchen und Jacken meiner M\u00e4use mitnehme. Der Knaller letzte Woche: Das Kreuz, das mein Vater\u00a0zu seiner ersten Heilgen Kommunion erhielt tauchte in einem Karton mit uralten Dias auf. Hach, ich liebe mein Kistenspiel!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ein &#8222;Altr\u00e4ucher&#8220;, wie man im Rheinland so sch\u00f6n sagt. Ich verwahre sehr viele Sachen. 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