{"id":7004,"date":"2020-02-17T14:26:43","date_gmt":"2020-02-17T13:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=7004"},"modified":"2020-02-17T14:26:43","modified_gmt":"2020-02-17T13:26:43","slug":"britische-huegel-und-berge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=7004","title":{"rendered":"Britische H\u00fcgel und Berge"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute Abend kann ich mit dem Gedanken &#8222;Wieder was gelernt!&#8220; Bett gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Gespr\u00e4ch mit einem nette Nordiren kamen wir auf das Thema Hills &amp; Mountains. Wir sprachen \u00fcber den liebenswerten Kinofilm <em>The Englishman Who Went Up a Hill But Came Down a Mountain<\/em> (Der Engl\u00e4nder, der auf einen H\u00fcgel stieg und von einem Berg herunterkam), den er 1995 (und ich 1996) gesehen hatte. Ich war damals eigentlich wegen Hugh Grant ins Kino gegangen &#8211; und kam mit einem schweren Anfall von Wales-Fernweh wieder heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Kennt ihr diesen Film oder das Buch zum Film? Kurz zusammengefasst: 1917 kommt ein m\u00fcrrischer alter englischer Landvermesser mit seinem jungen Gehilfen (Hugh Grant) in ein kleines walisisches Dorf. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihren Hausberg, aber es stellt sich heraus, dass es gar kein Berg, sondern nur ein H\u00fcgel ist, weil ihm eine Winzigkeit an H\u00f6he fehlt. Damals wurde die Grenze zwischen H\u00fcgel und Berg bei 1000 feet (= ungef\u00e4hr 305 m) gezogen. Damals waren die Feindseligkeiten zwischen Engl\u00e4ndern und Walisern st\u00e4rker als heute. Die Dorfbewohner zogen alle Register und schafften es mit einer so waghalsigen wie anstrengenden Gemeinschaftsarbeit, den Gipfel um einige Meter h\u00f6her zu legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere gemeinsam Lieblingsstelle im Film ist der Punkt, an dem der Dorf-Automechaniker dem Kartografen ein (vorgeblich) defektes Autoteil zeigt und sagt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIch wei\u00df nicht, wie es auf Englisch hei\u00dft&nbsp;\u2013 auf Walisisch nennen wir es ein&nbsp;<em>bethyngalw<\/em>.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im Deutschen entspricht das  walisische Wort <em>bethyngalw <\/em>(gesprochen: beth-in-galu) etwa dem deutschen <em>Dingsbums<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Definitionen-Wirrwarr<\/h4>\n\n\n\n<p>Danach kamen wir auf Hills und Mountains zu sprechen. Er pers\u00f6nlich sammelt Furths &amp; Munros. Aha. Hier verlie\u00dfen mich kurz meine Englischkenntnisse, bis mir wieder einfiel, dass ich in Schottland einige Munro-Mads getroffen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten Zeit, also erfragten wir uns ein Blatt Papier und erstellten eine Liste zur verwirrenden Vielfalt der britischen Gipfel. Es kommt bei der Benennung nicht nur auf die absolute H\u00f6he (height) an, sondern auch auf die relative H\u00f6he = Schartenh\u00f6he (prominence), also darauf, wie hoch sich der Gipfel aus der umgebenden Landschaft erhebt. Denn wer selbst wandert, wei\u00df ja, dass es weitaus anstrengender ist, an der K\u00fcste mal eben auf einen 300 m hohen H\u00fcgel zu steigen, als im Bergland von einer 800 m hohen Hochebene auf einen 880 m hohen Berg ;o)<\/p>\n\n\n\n<p>Sortiert haben wir die Begriffe in drei Kategorien, bei denen es nur auf die absolute H\u00f6he, nur auf die Schartenh\u00f6he oder auf beides ankommt:<\/p>\n\n\n\n<p>1.) absolute H\u00f6he <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Furths<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 3000 feet (= 914,4 m)<\/li><li><strong>Munros<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 3000 feet (= 914,4 m), in Schottland stets, in Wales und Irland oft statt Furth verwendet<\/li><li><strong>Mountains<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 2000 feet (= 609 m), fr\u00fcher nur 1000 feet<\/li><li><strong>Hills<\/strong>: Gipfel auf unter 2000 feet<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>2.) Schartenh\u00f6he<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Majors<\/strong>: Schartenh\u00f6he von mehr als 600 feet (= 183 m), der bekannteste ist sicherlich Ben Nevis in Schottland, mein liebster ist Yr Wyddfa (Mount Sowdon in Wales)<\/li><li><strong>P600s<\/strong>: anderer Name f\u00fcr Majors<\/li><li><strong>Marilyns<\/strong>: Schartenh\u00f6he von mehr als 150 m. Ja, hat der Snowdon auch, aber man kann relativ hoch vom Pass einsteigen. Viel anstrengender ist z.B. der Pen y Fan in den Brecon Beacons, der zwar &#8222;nur&#8220; 886 m hoch ist, aber eine Schartenh\u00f6he von 672 m hat, die mich beim Aufstieg jedes Mal ziemlich aus der Puste bringt.<\/li><li><strong>HuMPs<\/strong>: Schartenh\u00f6he von mehr als 100 m (<strong>H<\/strong>undred<strong> U<\/strong>pward <strong>M<\/strong>etres <strong>P<\/strong>rominence)<\/li><li><strong>TuMPs<\/strong>: Schartenh\u00f6he von mehr als 30 m  (<strong>T<\/strong>hirty <strong>U<\/strong>pward <strong>M<\/strong>etres <strong>P<\/strong>rominence) <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>3.) absolute H\u00f6he und Schartenh\u00f6he<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Murdos<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 3000 feet + mehr als 30 m Schartenh\u00f6he (nur in Schottland)<\/li><li><strong>Hewitts<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 2000 feet + mehr als 30 m Schartenh\u00f6he <\/li><li><strong>Nutalls<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 2000 feet + mehr als 15 m Schartenh\u00f6he <\/li><li><strong>Simms<\/strong>: Gipfel auf \u00fcber 600 m + mehr als 30 m Schartenh\u00f6he (<strong>Si<\/strong>xhundred <strong>M<\/strong>etre <strong>M<\/strong>ountain)<\/li><li><strong>Deweys<\/strong>: Gipfel zwischen 500 m und 2000 feet + mehr als 30 m Schartenh\u00f6he<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>4.) au\u00dferdem:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Hardys<\/strong>: Der h\u00f6chste Punkt einer Bergkette, absolute H\u00f6he und Schartenh\u00f6he sind unrelevant. Mein liebster ist der Moel Fammau auf der Clwydian Range, den ich bei jeder Offa&#8217;s Dyke Path Wanderung erklommen habe.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das ist keinesfalls eine abschlie\u00dfende Aufz\u00e4hlung, aber alles, was uns spontan einfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein sowohl Deutsch als auch Franz\u00f6sisch sprechender Sohn kam hinzu und wir stellten fest, dass wohl nur die Briten so viel klangvolle Namen f\u00fcr ihre Gipfel haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was haben wir denn? Nicht einmal &#8222;Berg&#8220; ist definiert. Was in Norddeutschland als Berg bezeichnet wird, wird in S\u00fcddeutschland nicht einmal als H\u00fcgel wahrgenommen. Und wie langweilig klingt selbst das Wort Achttausender im Vergleich zu Munros &amp; Marilyns?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Betragsfoto zeigt \u00fcbrigens meine M\u00e4dels beim Aufstieg auf den Garn Fawr. Er ist 213 m hoch, also ein Hill, aber brachte meinen kleinen Bergsteigerinnen ein unvergleichliches Gipfelgl\u00fcck, als sie ihn mit weichen Knien und verbl\u00fcffend gutem Teamgeist erklommen hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Abend kann ich mit dem Gedanken &#8222;Wieder was gelernt!&#8220; Bett gehen. 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