{"id":2453,"date":"2017-04-30T22:50:57","date_gmt":"2017-04-30T20:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2453"},"modified":"2024-01-10T18:46:53","modified_gmt":"2024-01-10T17:46:53","slug":"ehre-und-ehrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2453","title":{"rendered":"Ehre und Ehrungen"},"content":{"rendered":"<p>Quasi gegen meinen Willen wurde ich am Samstag geehrt. F\u00fcr meine 25. Blutspende. Zusammen mit Menschen die auch 25 Spenden z\u00e4hlen. Oder auch 50, 75, 100 oder gar 125! Hut ab vor solch einer Leistung! In der Rede des Ortsvereinsvorsitzenden erfuhren wir, dass jeder von uns damit schon mindestens 25 Menschenleben gerettet hat und wir stolz auf uns sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ja? MUSS ich das? Es ist f\u00fcr mich ein Akt der N\u00e4chstenliebe und Mitmenschlichkeit. Ich \u00e4rgere mich eher dar\u00fcber, dass ich wegen meiner vielen Reisen nach Gro\u00dfbritannien und ins au\u00dfereurop\u00e4ische Ausland so oft von der Blutspende zur\u00fcckgestellt wurde. Sonst w\u00e4re ich jetzt vielleicht schon bei der 50. Spende. F\u00fcr die Plasmaspende sind meine Adern leider nicht robust genug. Mir wurde bereits im zarten Alter von 19 Monaten das Leben durch eine Bluttransfusion gerettet. Dass ich selber auch Blut spende, stand nie in Frage. Es ist mir eine Ehre, wenn ich mich mit meinem Blut n\u00fctzlich machen kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2504 alignright\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183138_resized-e1493585002521-300x169.jpg\" alt=\"20170430_183138_resized\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183138_resized-e1493585002521-300x169.jpg 300w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183138_resized-e1493585002521-768x432.jpg 768w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183138_resized-e1493585002521-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183138_resized-e1493585002521.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Zahl 25 stimmt auch gar nicht. Das sind nur die Blutspenden beim DRK Landesverband Nordrhein. Ich habe zwei weitere Blutspendeausweise f\u00fcr die Uniklinik K\u00f6ln und f\u00fcr den DRK Landesverband Th\u00fcringen, auf denen weitere 23 Spenden verbucht wurden. Hinzu kommt eine &#8222;Sofortspende&#8220; in einer Krankenstation in S\u00fcdindien, weil ich f\u00fcr einen verungl\u00fcckten Amerikaner weit und breit die einzige Spenderin mit B negativ war. Wenn ich keine \u00fcbersehen habe, bin ich also schon bei 49 Vollblutspenden. Aber ist das wichtig? Wenn nur eine davon objektiv lebensrettend war, bin ich tief zufrieden mit mir.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich habe ich auch einen Organspenderausweis. Ihr auch?<\/p>\n<p>Meine Mutter behauptet ja immer, ich sei im letzten Leben Hanseatin gewesen. Und das nur, weil ich mir aus Orden und Ehrenzeichen nicht allzu viel mache. Zu dieser Veranstaltung fuhr ich auch nur, weil Karl (der Stadtverbandsvorsitzende des DRK) mich so nachdr\u00fccklich darum gebeten hatte und ich ihn nicht entt\u00e4uschen wollte. Au\u00dferdem bat er darum, meine Mutter mitzubringen, die sich als Blutspendehelferin auch eine Teilnahme an diesem Essen verdient hatte, aber nach dem Kollaps immer noch etwas mit Schwindel zu tun hat und deshalb nicht gerne Auto fahren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Sie selbst ist ja Zeit ihres Lebens eine flei\u00dfige Arbeitsbiene gewesen und sammelte Ehrungen, wie andere Briefmarken sammeln. Bei den Naturfreunden ist sie Ehrenmitglied, beim DRK hat sie etliche Medaillen und Abzeichen f\u00fcr langj\u00e4hrige Treue und flei\u00dfige Mitarbeit erhalten. Zu Zeiten, in denen sie au\u00dferdem noch im katholischen Kindergarten kochte\u00a0bzw. Schiedsfrau war, wurden ihr sogar die Bundesverdienstmedaille und das Bundesverdienstkreuz am Bande zuteil.<\/p>\n<p>Vorgeschlagen wurde ich zwar schon einmal f\u00fcr eine solche Auszeichnung, als ich im DRK noch aktiver war, aber der Antrag verlief im Sande, nachdem ich davon erfahren und meine Ablehnung deutlich zum Ausdruck gebracht hatte. Meine Kollegen fanden dann ein anderes Opfer, das eine Ehrung duldete und angemessen feierte.<\/p>\n<p>Diese Auszeichnungen haben f\u00fcr mich einen schalen Beigeschmack. Am eigenen Leibe musste ich erfahren, dass meine Mutter jahrelang von morgens bis abends ehrenamtlich das Villehaus (Naturfreundehaus &amp; Jugendherberge) bewirtschaftete, w\u00e4hrend ich allein zuhause war. Sie kochte, sp\u00fclte, putzte f\u00fcr andere Kinder und nicht f\u00fcr mich. Wenn ich Sorgen in der Schule oder mit Freunden hatte, musste ich mit dem Fahrrad 5 km den Berg hoch fahren, um mit ihr zwischen Kartoffelsch\u00e4len und Schnitzelpanieren zu sprechen, immer wieder unterbrochen von eintreffenden G\u00e4sten und eingehenden Anrufen. Das will kein Vorwurf sein. Meiner Mutter gefiel es, ihrem Verein zu helfen, G\u00e4ste zu beherbergen und stets das Gef\u00fchl zu haben, wichtig zu sein. Die Ehrungen waren dann noch einmal eine Best\u00e4tigung der regelm\u00e4\u00dfigen Anerkennungen durch dankbare G\u00e4ste. Gleiches gilt f\u00fcr das DRK. So lange sie noch Begleiterin von Seniorenfahrten war, Sanit\u00e4tsdienste und Kocheins\u00e4tze mitmacht und bei der Blutspende hilft, f\u00fchlt(e) sie sich jung und gebraucht. Die Ehrungen des DRK waren auch da wieder eine sch\u00f6ne Best\u00e4tigung.<\/p>\n<p>Okay, ich w\u00fcrde es in meinem Leben nie zu so vielen Auszeichnungen bringen wie sie, selbst wenn ich sie nicht ablehnen w\u00fcrde. Dazu verbringe ich nicht genug Zeit mit ehrenamtlicher T\u00e4tigkeit. Meine ehrenamtlichen Leistungen als Leiterin von Kinder- und Jugendgruppen, im Jugendhilfeausschuss der Stadt H\u00fcrth, im Villehaus und beim DRK liegen schon lange zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Meine Reisef\u00fchrer schreibe ich gegen Honorar, meine Kinder versorge ich aus Liebe. Daf\u00fcr gibt es keine Medaillen oder Urkunden. Die brauche ich aber auch nicht, um zufrieden mit mir zu sein. Ich trage lieber die Arme einer meiner T\u00f6chter um den Hals als eine Ordenskette.<\/p>\n<p>Ich glaube, das hat insgesamt etwas mit der Art der Motivation zu tun. Meine Mutter ist extrinsisch motiviert. Sie ben\u00f6tigt Anerkennung von au\u00dfen, um zufrieden mit sich selbst zu sein. Ich bin eher intrinsisch motiviert: wenn mir eine T\u00e4tigkeit Freude macht, ist mir ziemlich egal, ob ich daf\u00fcr gelobt werde oder nicht. Mir ist solch eine Anerkennung oft eher l\u00e4stig, weil sie Druck auf mich aus\u00fcbt, beim n\u00e4chsten Mal wieder so gut, so flei\u00dfig, so zuverl\u00e4ssig zu sein &#8211; oder sogar noch besser!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2507 alignleft\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183306_resized-169x300.jpg\" alt=\"20170430_183306_resized\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183306_resized-169x300.jpg 169w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183306_resized-768x1365.jpg 768w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183306_resized-576x1024.jpg 576w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183306_resized.jpg 918w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/>Es machte mich gl\u00fccklich, wenn meine \u00dcberredungsk\u00fcnste eine alte Dame dazu brachten, ihr Haus hinter dem aufgeweichten Damm zu verlassen und in das Rettungsboot der DLRG einzusteigen. Ersch\u00f6pft ins Bett zu fallen, nachdem ich Dutzende von Doppelstockbetten aufgebaut und Kilometer von Stromleitungen verlegt hatte, war herrlich! Es befriedigte mich, einen Streit zwischen verkrachten DRK-Helfern aus D\u00fcsseldorf und Duisburg geschlichtet zu haben. Es machte Spa\u00df, f\u00fcr die frustrierten Helfern des THW, die fernab von jeder Zivilisation im Rohbau eines AKW fest sa\u00dfen, quasi als Sozialstation t\u00e4tig zu werden, indem ich Kontakt zu ihren w\u00fctenden Arbeitgebern herstellte, die gar nicht verstanden, warum ihre Mitarbeiter nicht mehr in Bayern hauptberuflich arbeiteten, sondern in Sachsen-Anhalt ehrenamtlich B\u00f6tchen fuhren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2506 alignright\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183220_resized-169x300.jpg\" alt=\"20170430_183220_resized\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183220_resized-169x300.jpg 169w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183220_resized-768x1365.jpg 768w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183220_resized-576x1024.jpg 576w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/20170430_183220_resized.jpg 918w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/>Mir liefen die Tr\u00e4nen, als ich einfach aus einer Laune heraus an einem Sonntag auf dem R\u00fcckweg von der AKW-Ruine an einem Gottesdienst in Stendhal teilnahm und die Pastorin alle Helfer in Uniform danach zu Kaffee und Kuchen einlud. Tags drauf sah ich bei McDonalds, dass es dort Leute gab, die ein &#8222;Helfermen\u00fc&#8220; bezahlten, ohne etwas ausgeh\u00e4ndigt zu bekommen. Als ich meinen Hamburger in Empfang nahm, durfte ich nicht bezahlen, weil sich die dankbaren Einheimischen und der McDonalds-Chef darauf verst\u00e4ndigt hatten, dass die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten ehrenamtlichen Helfer hier kostenlos essen durften. Tief zufrieden mit meinen Leistungen &#8211; und etwas besch\u00e4mt angesichts der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Dankbarkeit &#8211; kehrte ich nach dem Hochwassereinsatz zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Doch als mir kurz darauf eine gerahmte Urkunde des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily in der DRK-Zentrale \u00fcberreicht werden sollte, bat ich darum, sie mir doch einfach per Post zuzuschicken. F\u00fcr mich war dieser Einsatz eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Es war wahrscheinlich DER Einsatz, auf den ich jahrelang in all meinen Ausbildungen hingearbeitet hatte, da gab es doch nichts, worum ein solcher Wirbel gemacht werden musste. Mir w\u00e4re es peinlich gewesen, zur Entgegennahme der Urkunde vor die Mitgliederversammlung treten zu m\u00fcssen. Nein, nicht weil ich scheu bin. Ich kannte die meisten Teilnehmer und war es aus meiner Zeit als Kreisbereitschaftsleiterin gew\u00f6hnt, vor diesen Menschen zu sprechen. Es war die Ehrung, die mich fern hielt.<\/p>\n<p>Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich mich dann im Januar \u00fcber den <a href=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=2075\">Liebster Award<\/a> gefreut habe. Tja, sind wir doch ehrlich: Das ist ja gar keine echte Auszeichnung, sondern einfach nur eine Weiterempfehlung meines Blogs durch eine andere Bloggerin. Eine Nettigkeit. Nicht mehr und nicht weniger. Und keinesfalls zu vergleichen mit dem Bundesverdienstkreuz meiner Mutter, hinter dem jahrzehntelange kontinuierliche Arbeit steckte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasi gegen meinen Willen wurde ich am Samstag geehrt. F\u00fcr meine 25. Blutspende. Zusammen mit Menschen die auch 25 Spenden z\u00e4hlen. 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