{"id":3784,"date":"2017-12-05T08:17:17","date_gmt":"2017-12-05T07:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/fernwehkinder.de\/?p=3784"},"modified":"2017-11-08T14:32:32","modified_gmt":"2017-11-08T13:32:32","slug":"adventskalender-2017-tuer-5-fotos-und-text-fehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fernwehkinder.de\/?p=3784","title":{"rendered":"Adventskalender 2017 \u2013 T\u00fcr 5"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3762 alignleft\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051356-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051356-300x225.jpg 300w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051356-768x576.jpg 768w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051356.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>T\u00fcr 5 ist der <strong>Schrank in meinem Arbeitszimmer<\/strong>.<\/p>\n<p>Nach meinem ersten Staatsexamen Ende 1990 hatte ich gut einen Monat frei, bis das Referendariat begann. In dieser Zeit baute ich mir einen Raum zum Arbeitszimmer um. Von meinen ersten beiden Referendarbez\u00fcgen kaufte ich mir einen Schreibtisch, einen Schrank und zwei Regale aus massivem Kirschholz. Bis heute sind diese M\u00f6bel in Gebrauch, der Schreibtisch kennt inzwischen jeden Quadratzentimeter meines Arbeitszimmers. So oft habe ich ihn schon hin und her geschoben.<\/p>\n<h4>Penpals wanted! Any Language<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3763 alignright\" src=\"http:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051357-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051357-300x225.jpg 300w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051357-768x576.jpg 768w, https:\/\/fernwehkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PB051357.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Hinter der einen T\u00fcr des dazugeh\u00f6rigen Schranks stapelt sich Briefpapier. Ich habe n\u00e4mlich schon als Kind gerne Briefe und Postkarten geschrieben und erhalten. Als Elfj\u00e4hrige tauschte ich mich mit Brieffreunden \u00fcber unseren Schulalltag aus: Julie in Middleton bei Manchester, Claire in Bath bei Bristol, Nikos in Griechenland, Petra in Koblenz. Sp\u00e4ter kamen Brieffreunde in Indien, Italien, Frankreich, S\u00fcdkorea, Eritrea und Th\u00fcringen hinzu. Wilde Mischung, oder? Ich empfand es immer als sehr spannend, Einblick in das Leben Gleichaltriger zu bekommen, die weit weg leben.<\/p>\n<p>Leider schliefen diese Kontakte nach und nach ein, nur Nicoletta ist geblieben. Sie war 1991 sogar zu meiner Hochzeit eingeladen. Diese treue Seele hat mir immer wieder geholfen, wenn ich bei italienischen Projekten in Schwierigkeiten kam.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren hatte ich versucht, neue Brieffreunde zu finden. Doch die Zeit unbeschwerter Brieffreundschaften ist unwiederbringlich vorbei. Die Frauen wollten Kochrezepte austauschen, die M\u00e4nner ein Techtelmechtel anbahnen. Briefschreiber beiderlei Geschlechts wollten mich zum Veganismus, Mormonentum, Auswandern \u00fcberreden. Mehrfach kamen schon im zweiten oder dritten Brief jammervolle Berichte \u00fcber schwer kranke Familienangeh\u00f6rige, die ich bitte finanziell unterst\u00fctzen solle. Ein junger Mann wollte sich gar von mir adoptieren lassen, um einer Zwangsheirat mit einer Cousine zu entgehen. Ein anderer Versuch war die Mitgliedschaft bei Postcrossing, das dann aber zu sehr in einen Wettbewerb abglitt, wer die meisten Postkarten schickt und wo die anderen Teilnehmer gar nicht am Austausch \u00fcber den Lebensalltag interessiert waren.<\/p>\n<p>So ganz habe ich aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Warum sonst ist mir das 1986 mit selbst geschnitzten Stempeln bedruckte Papier oder das 1987 gekaufte Umweltschutzpapier noch heute zu schade, um es als Schmierpapier zu verwenden?<\/p>\n<h4>\u00d6kod\u00f6rthe<\/h4>\n<p>Entweder ich hoffe doch immer noch auf Brieffreunde. Oder ich bin eine schlimmere \u00d6kod\u00f6rthe, als mir je vorgeworfen wurde. Ja, dieser Begriff wurde mir &#8218;mal als Schimpfwort an den Kopf geworfen &#8211; und ich f\u00fchlte mich geadelt. Auch, als mich im Zorn jemand &#8222;militante M\u00fclltrennerin&#8220; nannte.<\/p>\n<p>Ich liebe meine Umwelt. Von meiner Geburt an war ich Naturfreundemitglied und habe meine Kindheit (abgesehen von Schule und Schlafen) fast ausschlie\u00dflich drau\u00dfen verbracht. Als Grundsch\u00fclerin trennte ich den M\u00fcll, als Gymnasiastin benutzte ich nur Recyclingpapier, als 15-j\u00e4hrige wollte ich KEIN Mofa fahren, obwohl meine Mutter mir eins kaufen wollte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter machte ich in etlichen Umweltschutzbereichen Kompromisse, bin eben keine Dogmtikerin. Nach sexuellen \u00dcbergriffen auf dem Radweg zur Uni kaufte ich mir f\u00fcr den Winter ein Motorrad. Nachdem ich einen viel zu hei\u00dfen Sommer und einen bibberkalten Winter in vollkommen \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcgen nach Th\u00fcringen gependelt war und dabei mehrfach eine Nacht in einem zugigen Bahnhof verbringen musste, weil ein Anschlusszug nicht auf einen versp\u00e4teten Zug wartete, kaufte ich mir ein Auto.<\/p>\n<p>Aber im Kleinen bleibe ich \u00d6kod\u00f6rthe und : Ich habe mir noch nie in meinem Leben einen Fernseher oder ein Sofa gekauft. Briefumschl\u00e4ge werden wiederverwendet, neue Umschl\u00e4ge von Direktrecycling bestellt, R\u00fcckseiten von nicht mehr ben\u00f6tigtem Papier als Mal- und Schmierpapier verwendet. Bioabf\u00e4lle wandern auf den Komposthaufen und geben nach einem Jahr als Ruhekompost den perfekten Humus f\u00fcr die Blumenbeete. Nicht mehr ben\u00f6tigte, aber noch essbare Lebensmittel finden ihren Weg ins Tauschregal. B\u00fccher werden verkauft und als Bookcrossingb\u00fccher auf den Weg zu neuen Lesern geschickt. Nicht nur aus Kostengr\u00fcnden kaufe ich viele Sachen f\u00fcr meine M\u00e4use und mich Second Hand. Das ist mir auch aus Umweltschutzgesichtspunkten wichtig &#8211; und weil die vielleicht darin enthaltenen Schadstoffe schon vom Erstbesitzer heraus geschwitzt und heraus gewaschen wurden.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass ich damit die Welt nicht retten kann. Aber vielleicht geht sie elf Minuten sp\u00e4ter unter &#8211; und das ist doch auch schon ein Gewinn, wenn man wei\u00df, dass die meisten Sachen, die Spa\u00df machen, weniger Zeit ben\u00f6tigen: Eis am Stiel, Achterbahnfahrt, Riesenrutsche im Schwimmbad, Schlittenfahrt, Orgasmus, Fallschirmsprung, T\u00fcrkischer Mokka,&#8230;<\/p>\n<p>Was w\u00fcrdet ihr machen, wenn ihr eure letzten elf Minuten verplanen w\u00fcrdet?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mich mit meinen T\u00f6chtern und meiner Mutter auf Madeira mit dem Korbschlitten auf der Stra\u00dfe von Monte nach Funchal ins Tal rutschen lassen. Wir w\u00fcrden vor Freude lachen und kreischen &#8211; und k\u00e4men mit vollkommen zerzausten Haaren in den Himmel!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcr 5 ist der Schrank in meinem Arbeitszimmer. 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