Ich muss euch noch schnell erzählen, was uns auf der Anreise nach Wales passiert ist:

Eigentlich sollten wir erst abends auf die Fähre, kamen aber unverschämt gut durch und waren viel zu früh in Calais. Die nette Dame im Ticketoffice prüfte unsere Tickets, die Pässe und Bathidas Heimtierausweis. Hier schaute sie nach dem Zeitpunkt der tierärztlich bestätigten Entwurmung und freute sich: ach, schon 24 Stunden her, dann können Sie sofort mit der nächsten Fähre fahren.

Einige Stunde zu früh ist besser als fünf Minuten zu spät

Alles lief gut, wir waren früh an Deck und fanden kurz darauf einen schönen Platz in der Bar direkt neben der Kinderspielecke. Die Großen tranken einen Kaffee, die Kleinen aßen saftige Schokomuffins und wir genossen die Überfahrt.

Als die weißen Felsen von Dover in Sicht kamen, hielt es meine Mutter nicht mehr in der Bar. Wir gingen nach hinten zum Sonnendeck und genossen den Anblick dieser Steilküste. Eine Durchsage nach der anderen wies in Englisch und Französisch auf die Schließung des Duty Free Shops hin, sortierte die Fußpassagiere und machte auf ein verloren gegangenes Kind namens Kevin aufmerksam. Noch während ich darüber nachdachte, was Eltern gesoffen oder geraucht haben müssen, um ein Kind Kevin zu nennen, folgte die nächste Durchsage.

In der Bar war ein „unaccompanied“ Rucksack gefunden worden, der SOFORT abgeholt werden müsse. Diese Durchsage erfolgte nicht nur in Englisch und Französisch, sondern auch in Niederländisch und Deutsch. Doch schon während der englischen Version war mir aufgefallen, dass Aurelia ihren Rucksack nicht mehr auf dem Rücken hatte. Auf meine Frage: „Wo hast du deinen Rucksack?“ hob sie nur die Schultern, auch meine Mutter schüttelte nur bedauernd den Kopf. „Das ist dein Rucksack, der da in der Bar gefunden wurde!“ rief ich Aurelia zu. Mit einem „Renn so schnell du kannst, um ihn zu holen!“ griff ich mir ihre Hand und wir flitzten über das Deck, quetschten und zwischen den Fußpassagieren durch und rannten im gestreckten Galopp zur Bar. Meine Güte, war das Schiff beim Ablegen auch schon so lang?

Vor der Bar kamen uns Fahrgäste entgegen, der Saal war vollkommen leer bis auf zwei Mitarbeiter. Ein Securitymann erklärte uns, wir dürften die Bar nicht mehr betreten. Mein sonst so scheues Mädchen stieß aus: „But I need my bag!“ und flutschte an ihm vorbei, während ich ihm wortreich erklärte, dass es ein Kinderrucksack sei, den sie da gefunden haben – und keine Bombe. Zum Glück konnte ich ihn gut beschreiben (den Rucksack, nicht den Mann) und er glaubte mir. Naja, zumindest so sehr, dass ich meiner Tochter folgen konnte und wir vor seinen Augen gemeinsam den Rucksack öffnen und ihm beweisen konnten, dass darin nur Spielzeug, Süßigkeiten und Malstifte waren.

Doch uns blieb nur wenig Zeit für Entschuldigungen und Dank, denn die nächste Durchsage wies uns an, zu den Fahrzeugen zu gehen. Und wir mussten ja wieder genau ans andere Ende der Fähre, um Oma und die Zwillinge abzuholen.

Puh, Vergesslichkeit kann einen ganz schön auf Trab halten. Ach nee, es war ja Galopp!

3 thoughts on “Bombige Anreise

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