Wir haben die Aufnahmeprüfung für den Club der jungen Detektive bestanden! Nein, wir zeigen euch kein Foto unserer Ausweise, denn sie unterliegen der Geheimhaltung!

Ich hatte ja schon in meinem Monatsrückblick auf unseren Dezember kurz davon geschrieben, aber dieses gut durchdachte Spiel verdient eine ausführlichere Erwähnung.

Der Club der jungen Detektive* hatte uns als Rätselraum-Profis ausfindig gemacht (Gute Detektivarbeit!) und darum gebeten, ein neues Outdoor Adventure für Kinder zu testen, das als digitale Schnitzeljagd durch die Kölner Altstadt führt. Wer könnte zu einem solchen Angebot „nein“ sagen? Wir jedenfalls nicht! Denn wir sind ja auch immer auf der Suche nach guten Tipps für die nächste Auflage unserer Kinderausflugsführer.

Das Spiel:

Ziel des Spiels:

Wir wollen Mitglied im Club der jungen Detektive werden. Ziel ist es, die Aufnahmeprüfung zu bestehen, für die wir an verschiedenen Orten in der Kölner Innenstadt in unterschiedlichen detektivischen Disziplinen geprüft werden.

Material:

Benötigt wird ein Smartphone, auf dem die Telegram-App installiert ist. Zweckmäßig ist außerdem ein kleiner Rucksack mit Proviant, Stift und Papier. Vielleicht zur Sicherheit noch eine Powerbank, wir sind aber ohne ausgekommen.

Spielregel allgemein:

Wir buchen das Spiel online beim Club der jungen Detektive*. Wichtig ist, dass wir die richtige Stadt anklicken, denn alle Spiele sind exakt auf die Städte zugeschnitten, in denen wir spielen. Wer in Bonn steht, kann das Kölner Spiel nicht spielen.

Über Telegram nehmen wir Kontakt zu Hannah-Agatha Hudson auf. Sie heißt uns in einer Textnachricht willkommen bei der Prüfung und fragt zunächst unseren Standort und den Geheimcode ab, den wir bei der Anmeldung erhalten hatten. Danach geben wir uns einen Teamnamen und erklärt uns die Funktionen des Bot-Programms. Die Kinder merken gar nicht, dass es ein Programm ist, sondern gehen fest davon aus, dass am anderen Ende der Leitung eine echte Hannah auf unsere nächste Eingabe wartet.

Hannah ist die Enkelin der alten Mrs. Hudson, die 1974 den Club gegründet hat, es aber nicht so mit modernen Komunikationswegen hat. Die alte Mrs. Hudson wohnt in der Baker Street. Ja, richtig gesehen, dort hat schon einmal ein ganz berühmter Detektiv gewohnt.

Hanna führt uns mit Textnachrichten, Videos, Sprachnachrichten, Fotos und Zeichnungen durch unsere neun Prüfungen. Mit wenigen Klicks und Wischen können wir unsere Antwort senden. Sollten wir auf dem Schlauch stehen oder uns verlaufen, wäre Hannah bereit, uns zu helfen. Aber das ist gar nicht nötig. Die Kinder lösen die meisten Aufgaben ohne Probleme, an einer kniffeligen Stelle reicht es, dass ich eine Verständnisfrage stelle. Ansonsten hetzen sie mich quer durch die Altstadt von Platz zu Platz, von Brunnen zu Brunnen, denn sie wollen Hannah nicht unnötig waren lassen. Nur 1:03 h benötigen wir, um alle Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Hannah gratuliert und schickt uns Blanko-Detektivausweise, die wir zuhause ausdrucken können.

Unsere Tour ganz konkret:

Eleonore und Basti haben erlaubt, dass ich auch einige Details von unserer Tour erzähle, damit ihr besser nachempfinden könnt, was wir in dieser Stunde erlebt haben.

Wir starteten an einem bitterkalten, aber strahlend sonnigen Tag im Advent. Unser Startpunkt war der Heumarkt und genau dort wartete die größte Hürde auf uns. Etwas, dass ihr bei uns sicher nicht erwartet hättet: Wir hatten Probleme mit dem Lesen! Die Telegram-App hatte ich mir zwar schon am Vortag auf das Smartphone geladen, aber in der gleißenden Sonne konnten wir gar nicht lesen, was Hannah uns schrieb. Also suchten wir uns einen Platz im Schatten und stellten fest, dass es immer noch nicht viel besser war. Wegen meiner Alterssichtigkeit konnte ich die winzige Schrift nicht lesen und wir hatten keine Ahnung, ob (und falls ja: wie) man bei Telegram die Schrift vergrößern kann. Die beiden Erstklässler konnten die Buchstaben zwar sehen, aber nicht zu sinnvollen Worten zusammensetzen. Die Zehnjährige erinnerte mich an ihre Lese-Rechtschreib-Schwäche und überflog sie nur. Das reichte aber aus, um ins Spiel zu finden.

Hannah machte es uns mit ihrer Prüfung nicht leicht. Wahrscheinlich wusste sie, dass wir gerne knobeln und hatte einen Mordsspaß daran, dass wir mit Schwierigkeiten konfrontiert wurden, die andere Spieler nicht haben werden. Denn auf dem Heumarkt war grade Weihnachtsmarkt mit lauter Wham-Last-Christmas-Musik und wir mussten uns wieder in eine Seitengasse zurückziehen, um Hannahs Sprachnachricht überhaupt hören zu können. Die erste Prüfung verlangte, dass wir uns das Reiterstandbild auf dem Heumarkt genau ansahen. Also wieder zurück zum Heumarkt! Auf dem Weg zur Statue bremste uns die Security mit der Forderung “ 2 G Nachweis!“. Ich legitimierte mich per QR-Code und wir betraten den Markt. Noch während ich das Smartphone wegpackte, stöhnten meine Teammitglieder auf. Rund um das Reiterstandbild hatte man eine Eislaufbahn aufgebaut, wir kamen also gar nicht nah genug heran. Also echte Detektive hätten wir uns natürlich auch Schlittschuhe ausgeliehen, um den Auftrag zu erfüllen, aber die Warteschlage war endlos lang und uns sollte nicht schon bei der ersten Prüfung die Zeit weglaufen. Also verließen wir den Markt wieder und wir versuchten unser Glück von der anderen Seite der Einzäunung. Mit vielen Verrenkungen und einem Kind auf den Schultern der Mama konnten wir einen Teil der Antwort zusammen buchstabieren, für den Rest befragte die Große die Kollegin Google, weil sie nicht einmal ahnte, dass dies Teil meines Allgemeinwissens ist.

Auf dem Alter Markt warteten die nächsten Securityleute auf uns. Auch sie wollten meinen 2 G Nachweis sehen, damit wir die dort verorteten Aufgaben lösen konnten. Die Aufgaben selbst waren gut lösbar, hier verloren wir kostbare Zeit mit der (für die Prüfung vollkommen unwichtigen) Diskussion über den Unterschied zwischen Bienen- und Wespenköpfen sowie an einem Stand mit Schokofrüchten, Spekulatius und gebrannten Mandeln. Die Kinder jubilierten. Ich hatte mich den ganzen Advent standhaft gegen Weihnachtsmarktbesuche gewehrt, nun standen wir innerhalb von zehn Minuten schon auf dem zweiten Markt.

Nächster Halt war der Heinzelmännchenbrunnen. Wie schön, dass an ihn gedacht wurde. Ich konnte Eindruck bei meinen Kindern schinden, indem ich drei Strophen aufsagte und versprach, ihnen zuhause das vollständige Buch vorzulesen.

Oh nein! Auf dem nächsten Platz wartete nicht nur ein weiterer Brunnen, sondern auch ein weiterer Weihnachtsmarkt auf uns. Und wie konnte es anders sein? Diesmal hatte ich den 2 G Nachweis parat – und niemand wollte ihn sehen!

Vom Roncalliplatz liefen wir einmal ganz um den Dom herum zur Philharmonie. Die Kinder lachten laut, als ich sogar dort von Menschen in gelben Westen gestoppt wurde. Diese hier wollten aber keinen 2 G Nachweis sehen, sondern auf ein Konzert in der Philharmonie hinweisen, während dessen ja dieser Teil des Platzes nicht betreten werden darf. Danke, Hannah – oder danke Schicksal, – ich hätte doch sonst glatt vergessen, den Kindern von dieser architektonischen Glanzleistung zu erzählen, die mal wieder typisch Köln ist. In Hamburg bauen sie eine Philharmonie, die unserem Dom den Rang in der Gunst der ausländischen Deutschlandtouristen abläuft. Hier steht direkt neben dem Dom eine Philharmonie, bei der man zu dusselig war, zwischen dem Dach der Konzerthalle und dem darüber angelegten Platz eine Trittschalldämmung vorzusehen!!!

Am Paolozzibrunnen entlang ging es nun zur Abschlussprüfung. Sie hatte es in sich, war herrlich kniffelig und dennoch gut lösbar. Dass wir trotz der vielfältigen Verzögerungen und Trödeleien nur 63 Minuten benötigten, machte uns sehr stolz.

Es hat uns nicht gestört, dass die Tour über drei Weihnachtsmärkte führte. Das machte es noch spannender und detektivischer. Flexibilität und Improvisationsbereitschaft sind eben ganz wichtige Fähigkeiten für junge Detektive. Und wer weiß, ob das nicht doch Teil der Prüfung war? Beim zweiten 2 G Securitymann raunte mir eine Teamkollegin zu: „Den hat doch auch wieder Hannah geschickt!“

Macht’s uns allen Spaß?

Ja! Die Tour ist so lang, dass sich eine Anreise lohnt, aber kurz genug selbst für lauffaule Teammitglieder. Die abwechslungsreichen Aufgaben sind so konzipiert, dass schon aufgeweckte Sechsjährige mitknobeln können. Der Humor spricht auch ältere Kinder und Erwachsene an. Für uns eine runde Sache!

Steckbrief:

  • Name: Club der jungen Detektive*
  • Anbieter: Outdoor Ad.ventures*, das ist ein gemeinsames Projekt von Rätselraum Ruhrpott* und Escape Stories*
  • Orte: In Bonn (Rheinaue), Dortmund (Rombergpark), Duisburg (Landschaftspark Nord), Düsseldorf (Japanischer Garten), Düsseldorf (Schloss Benrath), Hamburg (Speicherstadt), Hattingen (Altstadt), Köln (Altstadt), Königswinter (Drachenfels), Odenthal (Altenberger Dom), Potsdam (Sancouci), Solingen (Schloss Burg) und Wuppertal (Barmer Anlagen) finden solche Aufnahmeprüfungen bereits statt oder sind in der Planung/Testphase.
  • Spieler: 2-6 (plus 1 Erwachsener, der auf den Verkehr und die Sicherheit achtet)
  • Alter: offiziell 8-12 Jahre, nach unserer Erfahrung als Mitspieler gut ab 6 Jahre (Es gibt auch Spiele für Erwachsene, die heißen Lucifers Erben, dauern etwa 2 h und kosten 39,95 Euro)
  • Dauer: 60-90 Minuten
  • Länge: Keine Tour ist länger als 3 km
  • Spielart: digitale Schnitzeljagd
  • Warnung: Danach mag man nicht mehr an normalen Innenstadttouren teilnehmen
  • Preis: 29,95 Euro
  • Resümee: Eine spannende Idee, um seine Heimat besser kennenzulernen und dabei an der frischen Luft Rätsel zu knacken

*Werbung? Eindeutig: ja, denn ich stelle einen Anbieter und seine Produkte vor. Das Spiel selbst haben wir nicht bezahlt, weil wie ja als Testspieler eingesetzt waren und dem Anbieter eine Rückmeldung gegeben haben. Mehr war nicht verabredet. Wenn ich darüber hinaus hier von unseren Erfahrungen berichte, ist das aus purer Überzeugung und ich erhalte dafür keine Gegenleistung.

1 thought on “Spieltipp: Club der jungen Detektive (Outdoor Adventures)

  1. Oh, wie schön, das probieren wir auch mal aus. Wobei mir auch das Installieren von Telegram als größte Prüfung vorkommen wird. ..

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