002Ich wohne nur einen Steinwurf vom Jakobsweg entfernt. Wer von Köln über Trier zum Apostelgrab pilgert, läuft durch Efferen. In meinem Pilgerführer zur Via Coloniensis habe ich daher in Efferen im Anschluss an die offiziellen Unterkünfte auch mich selbst als Gastgeber aufgeführt.

Immer wieder haben wir auf diese Weise netten Besuch. Die meisten Pilger starten morgens am Kölner Dom, schauen daher nur auf eine Tasse Tee bei mir herein, weil sie hier erst 7 1/2 km auf dem Tageskilometerzähler haben. Nach 2-3 Tassen Tee/Kaffee, einem Update für die Strecke, vielleicht mit einem schnellen Besuch meines WLAN, manchmal auch auch mit fehlender Ausstattung wie Blasenpflaster oder Papiertaschentüchern geht es dann weiter Richtung Eifel, um dann in Walberberg, Weilerswist oder Groß-Vernich zu übernachten.

Aber etwa einmal pro Monat haben wir das Vergnügen, einen Pilger bei uns als Übernachtungsgast beherbergen zu dürfen. Dafür wird dann immer das Spielzimmer mit einem großen Luftbett ausgestattet.

20170325_082751_resizedAm Freitagabend durften wir den Pilger W.W. willkommen heißen, er startete in Bochum und will Ende Juli in Santiago de Compostela ankommen. Seine Frau ist nicht sehr glücklich darüber, dass er sie vier Monate allein lässt, aber ihm ist der Pilgerweg ein Herzensbedürfnis. Wir hatten viel zu erzählen, denn Anfang März war er auf Mallorca auf dem Fernwanderweg GR221 unterwegs, den ich ja auch von meinen Recherchen kenne. Unterwegs war er mit seinem Schwiegersohn und dessen Vater. Eine echte Männerkameradschaft ergab sich aus dieser Hüttentour über zum Teil schwierige Steile und Grate. So gestärkt kann ich der Jakobsweg auf deutschem und französischem Gebiet sicherlich nicht schocken. Beim Abmarsch konnte es sich kaum von unserer Magnolie trennen, die seit Freitag blüht. Ich kann ihn verstehen. Ich liebe diesen Anblick auch jedes Jahr aufs Neue.

A20170325_073453_resizedurelia liebt diese Besucher schon lange, die Zwillinge kommen auch in dieser Saison auf den Geschmack. Die Pilger kommen mitunter von weit her und wollen noch weit laufen, sie haben Zeit für sie, sie erzählen mit ihr und hören ihr zu, sie stoßen die Schaukel an, singen mit ihr, lesen ihr vor und bringen als Gastgeschenk Gummibärchen mit.  Die Gummibärchen sind damals im Manuskript netterweise von der Lektorin im Text gelassen worden und damit zum offiziellen Zahlungsmittel für unsere Pilgerunterkunft geworden. Voller Eifer deckt sie deshalb immer den Frühstückstisch und wartet schon darauf, dass der Pilger in die Küche kommt und sie ihm den Pilgerstempel in den Pilgerpass drücken kann.

003Manche sind schüchtern, andere redselig, manche fromm, andere re ligionskritisch, manche etwas schrill, andere sehr angepasst. Die meisten nutzen einen Schnitt im Lebenslauf für diesen Weg: Das kann das Abitur sein, plötzliche Arbeitslosigkeit, eine überstandene schwere Krankheit, eine Scheidung, der Tod des Partners, die Verrentung oder auch der Wunsch, aus der Kirche auszutreten.

Mir gefallen die Gespräche mit all diesen Menschen, die ihre Ideen und Weltanschauungen in unseren Alltag hinein tragen.

Außerdem kann ich mich auf diese Weise indirekt dankbar dafür zeigen, dass ich so oft auf Pilgerwegen von Privatleuten aufgenommen wurde oder andere Hilfe bekam.

 

 

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