Tür 2 ist die Tür zu meiner Dusche im Keller.

Nur wer bei mir übernachtet oder mit mir in die Sauna geht, kennt diese Tür. Die Glastür führt zu einem meiner Lieblingsplätze im Haus. Denn hier offenbart sich dem Betrachter, für welche Männer mein Herz schlägt.

Ja, ich bekenne ganz offen: Ich ♥ liebe ♥ Asterix, Obelix, Majestix, Miraculix, Troubadix, Verleihnix, Methusalix, Gutemine und all die anderen. Ich mag diese Art von Humor, die Zeichungen, die liebenswerten Figuren – und die versteckten Anspielungen, die sich mitunter erst beim vierten Lesen ergeben.

Allein die Namen sind hinreißend: egal ob gallisch (Grautvornix, Nullnullsix, Augenblix, Osolemirnix, McTeefürzweifix, Kokolorix), römisch (Taubenus, Keinentschlus, Pontius Penatus, Feistus Raclettus, Lapsus) oder normannisch (Maulaf, Dompfaf) –  ich muss beim Aufzählen meiner Lieblingsnamen schon wieder kichern.

Mit Idefix könnte ich jedes Mal gemeinsam den Kopf in den Nacken legen und Jaulen, wenn wieder ein Baum umfällt oder ausgerissen wird. Ich gackere jedes Mal los, wenn das Piratenschiff sinkt. Ich leide mit Obelix, wenn er die schöne Falbala anhimmelt. Mir geht die Bardin Maestria gehörig auf den Wecker und ich könnte ich totlachen über die vornehmen Briten, die mit der Nagelschere ihren Golfrasen schneiden und Punkt 5 Uhr nachmittags ihr heißes Wasser mit einem Tröpfchen Milch genießen. Asterix bei den Briten ist ohnehin mein Lieblingsband. Kenn  ihr die Stelle, an der Brite  sich den Legionären, die seinen Rasen betreten wollen, mit den Worten entgegenstellt: „Mein Garten ist kleiner als Rom, aber mein pilum ist solider als euer sternum!“ Ich kenne nicht viele Knochen im menschlichen Körper mit lateinischem Namen, aber das Brustbein blieb durch diese grundkomische Szene fest ins Gedächtnis gebrannt.

Mit Asterix habe ich Latein gelernt, denn ein Vertretungslehrer las mit uns die lateinische Version. Das war so ziemlich das Einzige, was ich mir aus dem Lateinunterricht gemerkt habe. Ansonsten laufe ich zwar mit dem Großen Latinum durch die Gegend, kann aber im Kreuzworträtsel bei „lat. vor“ nur deshalb „ante“ eintragen, weil ich den Loriot-Film „Papa ante Portas“ kenne.

Mit Asterix habe ich Französisch gelernt, denn bei meiner ersten Jakobswegrecherche lernte ich ich einer Klosterherberge französische Pilger kennen, die mir erklärten, was denn Asterix (= Asterisk = *), Falbala (= Rüschen) und Idefix (= Idée fixe = fixe Idee) bedeuten.

Mit Asterix habe ich Englisch gelernt, denn meine Gastfamilie in Bath bei Bristol teilte meine Liebe zu diesen wehrhaften und witzigen Galliern. Dadurch, dass ich die Bände alle schon in Deutsch kannte, erschlossen sich beim Lesen der englischen Ausgaben etliche Worte, die ich vorher nicht kannte.

Ende Oktober kaufte ich mir mein erstes 1000-Teile-Puzzle nach der Geburt meiner Kinder (als Aurelia ins Krabbel- und Kletteralter kam, musste ich mich leider vorübergehend von dieser Entspannungstechnik verabschieden). Natürlich trägt es ein Asterix-Motiv.

Ich habe mir als Studentin die Leder-Edition aller bis dato erschienenen Bände vom Munde abgespart. Auch Mundart-Ausgaben sind in meinem Regal zu finden. Da war es nur konsequent, mir diese streitbaren Gallier in meine Kellerdusche zu holen und gemeinsam mit ihnen Wellness zu machen.

Asterix-fernes Detail in dieser Dusche: Halter für eine Stange, also die Möglichkeit, tropfnasse Sachen aufzuhängen, wurde montiert, als ich noch tauchte. Sie ist aber auch für Schwimmzeug oder triefende Hunderundenjacken prima einsetzbar.

4 Gedanken zu „Adventskalender 2017 – Tür 2

  1. Oh, so ein Asterix-Fries würde meinem Bad des Grauens auch gut stehen. Derweil müssen Postkarten reichen.
    Kannst Du mir mal Aurelias Adresse schicken? Ich habe heute das perfekte Buch für Euch gefunden. Vielleicht ist sie noch zu klein, aber die nächste Recherche kommt bestimmt.

  2. Da denkt man, man kennt sich…und dann sowas…..Deine Asterix-Liebe kannte ich nicht. Bei mir ist sie nach dem „Sohn des Asterix“ oder „Der Große Graben“ etwas eingeschlafen, aber wir hatten bis dahin auch alle Bände. ZU meiner Schande muss ich gestehen , dass ich nicht weis ob sie bei mir, meiner Schwester oder meinen Eltern liegen.
    Meine Lateinkenntnisse haben mir nur das kl. Latinum eingebracht, aber auch bei mir waren es „Gallus apud Gothos“ (oder so ähnlich) die neben „De Bellum Gallico“ und dem lateinschen „Pater Noster“ meine Lateinkenntnisse begründeten. Viel ist nicht hängen geblieben. „Pater noster qui est in caelis, santificetur nomen tuum, adveniat regnum tuuum….“ oder „Gallia est divisa in partes tres….“
    Beim Englischen war es eher Shakespeare “ O Juliet, I already know thy grief. It strains me past the compass of my wits. I hear thou must, and nothing may prorogue it, On Thursday next be married to this county.“
    Danke das Du das Pflänzchen der Erinnerung gegossen hast.

    • Och, wusstest du das echt nicht? Klasse! Schon allein dafür hat es sich gelohnt, diesen Türchenkalender zu machen. Siehste mal, dann muss ich dich mal auch einen Übernachtungsbesuch und/oder einen Saunagang einladen.

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