Tür 10 ist eine Kleiderschranktür.

Und zwar ist es die Glastür an dem Kleiderschrank, in dem die Schuluniformen der Kinder liegen. Nichts anderes. Nur die Schuluniformen und die dazu passenden Socken und Strumpfhosen.

Diesem Schrank bin ich sehr verbunden – und zwar in tiefer Dankbarkeit für jede nicht geführte Diskussion mit meinen Töchtern. Sie sehen nur die Uniformteile und ziehen sie ohne Murren an. Wenn keine gemusterten Strumpfhosen zu sehen sind, muss auch nicht darüber diskutiert werden, warum die Kleiderordnung einfarbige Strumpfhosen vorsieht. Die Große hat montags und dienstags die Wahl, ob sie zum Sport die Trainingshose oder den Skort nimmt, sonst ist das Thema schnell erledigt.

Ansonsten müsste ich morgens bestimmt eine halbe Stunde mehr einplanen. Meine Töchter, ja, Plural, auch schon die beiden kleinen Mäuse, wollen selbst entscheiden, was sie anziehen. Lege ich zwei verschiedene Kleidungsstapel für die Zwillinge heraus, kann ich sicher sein, dass sich Cari auf die hübschere, verspieltere, mädchenhaftere Kombination stürzt. Sie konnte noch nicht stehen, als sie sich schon am Spiegel abstützte und kokett von einer Seite zur anderen drehte. Nele fordert Kleidungsstücke, die sie möglichst leicht „anleine“ an- und ausziehen kann. Also Socken statt Strumpfhosen, Schlupfhosen ohne Reißverschluss oder Knopf, Gummistiefel oder Schuhe mit Klettverschluss, Jacken mit Kapuze. (Der Trick ist so einfach wie genial: sie zieht die Kapuze auf den Kopf, dann hängt die Jacke genau richtig und sie muss nur noch mit den Armen hinein schlüpfen.)

Aurelia würde am liebsten jeden Tag ein Kleid anziehen, das sie zur Prinzessin macht – bodenlang, am besten noch mit Schleppe und Diadem. Wenn es ein eindeutiger Außentermin ist schlägt sie ins andere Extrem um: Gummistiefel, fledderige Outdoorhose, Wilde-Kerle-Kapuzenpulli und Parka. Dabei ist es egal, ob ihr bei 35 °C der Schweiß in den Gummistiefeln zusammen läuft oder ein eisiger Winterwind durch die inzwischen sehr dünne Lieblingshose pfeift.

Alle drei können sich stundenlang in Kleidergeschäften aufhalten und alle angebotenen Teile durch die Finger gleiten lassen. Ich bin nach einer Viertelstunde entweder fertig oder fertig (mit dem Einkaufen oder mit den Nerven). Ich habe noch als Zwölfjährige angezogen, was meine Mutter mir herauslegte – falls sie daran gedacht hatte. Ich kenne solche Einkaufsbummel nicht. Wir hatten kein Geld, die Klamotten waren also fast ausschließlich Second (oder Third oder Fourth) Hand von älteren Kindern aus der Naturfreunde-Motorwandergruppe. Deshalb ist es für mich auch vollkommen selbstverständlich, den Mädels auf Flohmärkten gekaufte oder weiter gegebene Sachen anzuziehen und ihre Sachen ebenso weiter zu geben.

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