Nach einem steilen Anstieg geht es gleichförmig über 11 km leicht bergauf. Man sieht Stellen, die man erst in zwei Stunden erreicht

Bei einer Fernwanderung mag ich nicht immer alle Etappen gleich gerne. Es gibt landschaftlich, eher hässliche, ziemlich anstrengende, unsäglich langweilige und extrem fordernde Etappen.

Die Hatterhall Ridge zwischen Pandy und Hay-on-Wye ist eine Etappe, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, vor der aber auch etwas gebibbert hatte. Nun liegt sie hinter mir – und war fast ein Spaziergang.

Die Strecke über die Ridge ist nicht zu unterschätzen. 28 km läuft man ohne Einkehrmöglichkeit, davon über 20 km ohne Schatten und 18 km mehr oder weniger steil bergauf. Das hat an manchen Tagen etwas sehr eintöniges. An anderen Tagen ist der fehlende Windschatten lästig. An wieder anderen Tagen bekommt man es mit der Angst zu tun, wenn bei brütender Hitze das Moor dampft oder die Gewitterwolken über Gras, Moor, Wildpferde und Wanderer hinwegfegt.

Ich kannte die Hatterhall Ridge bislang bei Nebel, Regen, Hagel und in einem Gewitter, das uns damals zu einem überstürzten Abstieg zwang. Ich bin dort schon bei zwei Wanderungen überknöcheltief im Moor versunken. Dieses Mal trug ich einen Sonnenbrand davon und war froh, als gegen Mittag einige Wolken aufzogen.

Der Abstieg nach dreiwöchiger Trockenheit. Auf eine Regenperiode hochrechnen könnt ihr alleine, oder?

Noch dazu hatte ich nette Unterhaltung, denn ich traf am Einstieg in den baumlosen Teil der Strecke eine nette Schweizerin, die von Lands End nach John o’Groats wandert. Für sie ist der Offa’s Dyke Path nur eine kurze Zwischenetappe auf einem insgesamt mehr als 2000 km langen Weg. Chapeau!

Entsprechend war ich viel früher als angekündigt am Wohnwagen und wurde von meinen Mädels gefeiert wie ein Rockstar. Oma hatte ihnen gesagt, dass ich eine lange und anstrengende Etappe vor mir habe und sie lobten mich mit „Fein gemacht!“ und „Großartig!“. Sie schienen sich daran zu freuen, mich loben zu können, denn Nele sagte abends beim Einschlafen: „Du bist heute so gut gewandert. So gut. Fein gemacht. Ich war heute ganz brav und hab keinen Quatsch gemacht. Oma sagt, das habe ich auch fein gemacht. Wir beide ist gut heute. Fein gemacht!“, hob die Hand und gab mir ein High Five, bevor sie sich umdrehte und einschlief.

2 thoughts on “Hatterhall Ridge

  1. Super gemacht!! Ich bin stolz auf dich! Ich konnte heute nicht mit Strecke glänzen, nur damit, das ich ein paar noch wunderschön blühende Blümchen, vor dem sicheren Trockentot gerettet habe. Auch gut, Oder! 😀 ☉

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