Silke forderte Ende September zu einer Blogparade auf. Thema war:

Die Quartierfrage

Sie lautete konkret:

…wandern von Ort zu Ort…oder festes Quartier. Zelt, Hotel oder Wohnmobil?

Puh, was für eine Frage, macht es euch gemütlich, da muss ich weiter ausholen:

I. Camping:

Ich bin gebürtiger Camper. Durch und durch. Das ist ein Geburtsschaden oder ein Gendefekt oder so etwas in der Art.

  1. Schlafsack:Als Segelhelferin in Frankreich reichte mir der Schlafsack, wenn wir jeweils am Ende der Segelwoche mit den Jugendlichen einen Segelturn mit Übernachtung machten. Die Freiheit, unmittelbar vor dem Einschlafen in den Sternenhimmel zu schauen, war für mich immer das Größte.
    Dies wiederholte ich auch später in Südindien auf der Terrasse der Schule, die unser Patenkind besuchte. Und in der tunesischen Sahara, wo ich oft auf dem Landydach neben (!) dem Dachzelt schlief, um in die Sterne blicken zu können.
    Wenn ich die Wahl habe, ist dies immer noch meine Übernachtungsmethode Nummer 1. In diesem heißen Sommer haben ich mich mehrfach aus dem Haus geschlichen, als die Kinder schliefen,  lag mit dem Schlafsack auf dem Trampolin und schaute in die Sterne.
  2. Biwaksack:
    Brotpfadhütte, nach einer Biwaknacht im März

    Auf Pilgerwegen allein unterwegs habe ich mich stets mit dem Biwaksack begnügt. Der Schlafsack allein war mir zu kalt für die Strecken in Nordfrankreich, mit dem Zelt wollte ich mich nicht abschleppen. War es windig oder regnerisch, half oft eine Schutzhütte oder Kapelle. Auch die Fallschutzmatten auf Spielplätzen waren ideal zum Biwakieren, darauf liegt es sich nicht ganz so hart.
    Nie habe ich mich einem Weg so nah gefühlt wie bei den Biwaksack-Touren. Das wäre heute nicht mehr möglich, denn ich muss ja stets die gesamte Strecke als GPS-Track einreichen, sodass eine solche Lebensweise fernab jeder Steckdose undenkbar ist.

  3. Kriechzelt:
    Wintercamping in der Eifel

    Meine erste Wanderung auf dem Offa’s Dyke Path machte ich mit Zweimann-Kriechzelt und komplettem Kochgeschirr.
    Da war ich  noch jung und leistungsstark. Auch sonst waren wir viel mit diesem Minizelt unterwegs.
    Es hatte den Vorteil, dass wir es überall aufbauen konnten, aber stets die Privatsphäre und den Witterungsschutz hatten, die uns beim Biwakieren fehlten.
    Heute würden mir die Knochen vom harten Liegen auf der Isomatte und vom schweren Tragen an der Zeltausrüstung so sehr schmerzen, dass ich die Wanderung nicht mehr genießen könnte.

  4. Dachzelt:Ein weiterer Sprung Richtung Glamping war die Anschaffung eines Dachzelts. Nachdem wir uns dafür entschieden hatten, dem Landy die Dünen der Sahara zu zeigen, überwog die Angst vor Schlangen und Skorpionen. Die Vorstellung, Exemplare dieser Spezies könnten sich in unsere Kriechzelt einschleichen, raubte uns schon Wochen vor der Tour den Schlaf. Also musste ein Dachzelt her.
    Aber wir waren zu geizig, es fachgerecht vom Händler montieren zu lassen. Wir waren doch handwerklich fit, also montierten wir es selbst. Der letzte Rütteltest vor der Abfahrt zur Einschiffung in Marseille ergab auch: knallfest! Trotzdem stoppte ein enormer Knall unsere Fahrt schon in der Überleitung der A555 zur A565. Steph hielt sofort an, sprang aus dem Wagen schlug die Hände vors Gesicht und lachte sich fast tot: Das Zelt hatte sich während der Fahrt selbst aufgeklappt, weil wir Dösbaddel (1) es falsch herum montiert hatten und (2) die Abdeckplane mit zu schwachen Zurrgurten gesichert hatten. Auf diese Weise hörten wir Nachrichten von uns selbst im Radio („Achtung auf der A555: in der Überleitung zur A565 befinden sich Menschen auf der Fahrbahn“), denn Herr Ordentlich flitzte natürlich grade ‚mal eben gut 200 m zurück, um die Plane einzusammeln.

    Dachzelt-Camping in Namibia

    Kurzer Zwischenhalt an der nächsten Ausfahrt, wo wir die gesamten Spanngurtvorräte einer Tankstelle aufkauften. Im Fährhafen hatten wir dann Zeit genug, das Zelt mit dem Eingang nach hinten zu montieren, damit es in einem vergleichbaren Fall nicht mehr vom Fahrtwind aufgeweht werden konnte. An jedem Abend unserer Tunesientour saß ich ein bis zwei Stündchen im Schneidersitz auf dem Dach und nähte die bei dem Knall gerissenen Nähte des Zeltes.
    Auch bei Recherchen in Europa und bei Urlauben in Namibia, Botswana und Simbabwe war Dachzeltcamping für mich die Unterkunft der Wahl und der ideale Kompromiss zwischen Naturnähe und Sicherheit.
    Ich schwöre euch: Sobald ich kann, kaufe ich mir wieder einen Landy – mit Dachzelt natürlich!

  5. Wohnzelt:Als wir mit dem Auto in Großbritannien unterwegs waren, kauften wir uns nach einem 12-tägigen Dauerregen in Schottland ein größeres Zelt. In dem Kriechzelt trockneten die Klamotten nicht, alles war klamm und kalt. Wir husteten um die Wette, wollten aber partout die Reise nicht abbrechen. Wir stritten und zitterten, grantelten und dachten in allerlei Mordgelüsten über die ideale Todesart füreinander nach. Die Entsorgung der Leiche wäre in den vollkommen durchweichten Highlands kein Problem gewesen. Letztendlich fanden wir aber bei einer unserer Wanderungen einen winzig kleinen Outdoorladen, in dem wir ein ziemlich großes Zelt kauften, in dem wir sogar fast aufrecht stehen konnten. Nach zwei Tagen waren die darin aufgehängten Kleidungsstücke fast trocken und wir nutzten das Zelt bei späteren Reisen auch zu dritt, viert und fünft.
    Der Vorteil, sich darin bewegen zu können, steht dem Nachteil gegenüber, erheblich länger beim Aufbau zu brauchen und ziemlich viel Stauraum damit zu verschwenden.
    Dafür war aber sogar meine damals schon Mitte 70-jährige Mutter sogar bereit, darin zu schlafen, nachdem ich ihr ein Feldbett gekauft hatte. Sie fühlte sich sehr wohl darin und erzählte stets von meiner frühesten Kindheit, die ich in einem Steilwandzelt in der Eifel und in schier endlos langen Sommern in Südfrankreich verbrachte. Mein Vater nahm nämlich immer seinen gesamten Jahresurlaub nebst Überstundenausgleich am Stück, sodass wir zwei Monate in den Süden reisen konnten.
  6. Wohnmobil:
    Mit dem Wohnmobil im Apennin-Gebirge

    1998 waren wir einen Monat lang mit einem geländegängigen Wohnmobil unterwegs. Es war der Traumurlaub schlechthin. Wir fuhren, bis wir keine Lust mehr hatten, stellten den Motor ab, zogen die Handbremse an – und wohnten! Wir sparten viel Zeit, die wir mit dem Auf- und Abbau eines Zeltes verbracht hätten und nutzten diese lieber zum Wandern und für Lagerfeuer. Eigentlicher Grund für diese Wahl war Geiz, denn damals kostete für einen solchen Ausleihzeitraum bei Meyers Weltreisen ein normales geländegängiges Fahrzeug das gleiche wie ein geländegängiges Wohnmobil. Also konnten wir unerwartet Reisekosten einsparen und entdeckten erst viel später die weiteren Vorteile eines Wohnmobils in den Nationalparks der Rocky Mountains, nämlich als wir eines Morgens erfuhren, dass vom Duft köstlicher Lebensmittel ein oder mehrere Bären das Zelt unserer Campingplatznachbarn aufgerissen hatten.
    Im Mai 2012 und Dezember 2015 war ich mit Wohnmobilen unterwegs, als ich für die Via Francigena recherchierte. Auf diese Weise musste ich meinen Minimäusen, die damals jeweils noch sehr sehr Mini waren, den ständigen Quartierwechsel von Hotel zu Hotel nicht antun. Sie hatten den ganzen Tag ihre gewohnte  Umgebung – und ich sparte mir die Schlepperei des Gepäcks zwischen Auto und Hotel.

  7. Wohnwagen:
    Beim Camping macht sogar das Spülen Spaß

    Im Mai/Juni diesen Jahres dann der Aufstieg in die absolute Luxusklasse des Camping: der Wohnwagen.Damit habe ich für meine jetzige Lebenssituation die ideale Unterkunft gefunden: Anders als beim Wohnmobil lässt sich das Zugfahrzeug abkoppeln und zur Anreise zum Startpunkt der Wanderung nutzen – während der Rest der Familie entspannt einen Urlaub in gewohnter Umgebung auf dem Campingplatz verbringt und sich wie zuhause fühlt.
    Das Rangieren ist zwar nicht so der Brüller für mich, aber zum Glück gibt es ja auf den Campingplätzen immer mitleidige Seelen, die mir helfen.

    Meine fleißige Helferin Cari

    Und die Kinder werden ja auch größer und stärker, sodass sie irgendwann auch mit schieben können.
    Gestern erst stellte meine Mutter einmal wieder die Ähnlichkeit zwischen meinem Vater und mir fest. Bei einer Tasse Tee erzählte sie mir, dass mein Vater kurz vor seinem Tod unmittelbar vor dem Kauf eines Wohnwagens stand. Er war in Vertragsverhandlungen für einen Kauf im Frühjahr 1969 und er starb im Oktober 1968 – ja, es jährt sich nun schon zum 50. Mal 🙁

  8. Longboat:In Wales habe ich eine besondere Art des Quartiers kennen und lieben gelernt: Das Longboat. Auf dem Llangollen Canal, dem Shropshire Union Canal und einigen anschließenden Kanälen tuckerten wir gemütlich mit unter 10 km/h durch die Landschaft. Wo es uns gefiel, hielten wir an und machten für eine Teepause, eine Besichtigung, einen Einkauf oder für die ganze Nacht fest. Das ist wie Camping in einem Wohnmobil, aber die Wellen tragen wundervoll in den Schlaf. Die Fahrtgeschwindigkeit ist ideal zum Entschleunigen. Und das hantieren mit Motor, Ruder & Co. herrlich zur Selbstbestätigung.

II. Einfachunterkunft:

Leider lassen mein Rücken und meine Knie es nicht mehr zu, dass ich mit Zelt auf dem Rücken wandern gehe. Bei Wanderreisen ist deshalb eine einfache Unterkunft die zweitbeste Wahl.

In der kann ich oft zumindest noch essen, wann und was ich will. Es gibt keine Kleiderordnung und der Umgang miteinander ist zwischen Gastgeber und Gästen bzw. zwischen den Gästen untereinander sehr entspannt und offen.

  1. Bothy:In Schottland habe ich einige Male in solchen unbewirtschafteten Hütten geschlafen. Sie sind unverschlossen und stehen jedem Wanderer zur Verfügung. Das ist etwas mehr Witterungsschutz als in einer offenen Schutzhütte im Kottenforst, aber selbst mit Schlaf- und Biwaksack trotzdem ziemlich kalt. Wie gut, dass es dort oft eine Feuerstelle oder sogar einen Kamin gibt. Oft kommt man nett ins Gespräch mit anderen Wanderern, die froh sind, ‚mal eine Nacht nicht im Zelt schlafen zu müssen. Ganz allein bei Wind ist es darin ziemlich gruselig, noch gruseliger war es für uns nur, uns die Bothy mit einer Jagdgesellschaft teilen zu müssen.
  2. Bunkhouse:Bunkhouses sind das, was der Name ahnen lässt: Gebäude mit bunk beds = Etagenbetten. Das sind Einfachunterkünfte, die im Niveau deutlich unterhalb von Jugendherbergen liegen. Oft sind die Gebäude unbewirtschaftet oder gar unbeheizt. In abgelegenen Bergregionen in Schottland und Wales haben wir in Bunkhouses sehr nette andere Menschen kennengelernt, mit denen wir dann am nächsten Tag gemeinsam die nächste Etappe des Offa’s Dyke Path bzw. Whisky Trails wanderten. Gemeinsames Kochen ist dort selbstverständlich.
  3. Naturfreundehaus:Ich bin quasi in Naturfreundehäusern groß geworden. All unsere Naturfreundefahrten führten in diese Häuser und Hütten, die meisten waren unbewirtschaftet. Mein Favourit war die Eisenwaldhütte bei Siegen, zu der wir vom Parkplatz erst noch eine ganze Weile wandern mussten und in der es nicht einmal Strom gab. Als Kind war ich vollkommen fasziniert davon, mit Gas zu kochen und mit einer Petromax-Laterne zum Klo zu gehen. Hier haben wir immer gemeinsam gekocht und gegessen, ohne die Selbstkocherküchen der Naturfreundehäuser hätte ich viele Gerichte gar nicht oder viel später erst kennengelernt.
  4. Pilgerherberge:Das gemeinsame Kochen ist auch eine der angenehmsten Erinnerungen, die ich an Pilgerherbergen auf dem Jakobsweg und auf der Via Francigena habe. Außerdem genoss ich es immer, mit anderen Pilgern ins Gespräch zu kommen.
    Pilgerherberge in Cavaglia

    In Frankreich auf dem Jakobsweg war dies für mich mitunter sehr anstrengend, denn Franzosen nehmen auch als Pilger bei ihrer Sprechgeschwindigkeit keine Rücksicht auf meine mittelprächtigen Sprachkenntnisse. Nach einem heißen Diskussionsabend mit vier französischen Pilgern in einer Pilgerherberge im Zentralmassiv war ich so fertig, dass ich am nächsten Morgen absichtlich langsam machte, um nicht auch noch auf der nächsten Tagesetappe mit ihnen in ihrer Sprache über den Ausstieg aus der Atomenergie, das Essen von Kaninchenbraten und die Aufnahme neuer Staaten in die EU diskutieren zu müssen…
    Das war aber noch nichts gegen viele schlaflose Nächte in überfüllten Schlafsälen mit mehr als zwei Dutzend schnarchenden Pilgerbrüdern und-schwestern, wie ich es mehrfach auf dem Weg nach Le Puy-en-Velay erlebte. Dies schreckt mich auch davor ab, den Camino Frances zu laufen – und die unangenehmen Krabbeltierchen, die ich in diesen Schlafsälen antraf und erst ergooglen musste.

  5. Jugendherberge:Mit den Jugendherbergen ist es so eine Sache. Da gibt es am unteren Ende der Skala Herbergen, die nicht weit von Bunkhouse und Naturfreundehaus entfernt sind. Einzelwanderer treffen sich in der Selbstkocherküche, über allen Bettgestellen hängen dampfende Stinkesocken zum Trocknen und alle duzen sich. Die Kinder spielen sofort miteinander, die Erwachsenen tauschen sich über Wanderrouten und Blasenpflaster aus.
    Besonders mag ich es, dass in England und Wales vergibt der Warden Duties vergibt. Jeder Gast bekommt eine Aufgabe, die er – zusätzlich zu seinem Übernachtungspreis – auszuführen hat. Das hält ihn nur 10 Minuten auf, spart aber Personalkosten. Mir als Gast schenkt ein Duty auch eine besondere Nähe zu der Herberge. Wenn ich bei der Anmeldung den Zettel „clean the kitchen floor“ erhalte, achte ich schon  beim Kochen darauf, nicht zu viel zu kleckern. Als Duties half ich bei allen Aufräum- und Putzarbeiten, hackte Holz, nähte einen Vorhang, reinigte eine Regenrinne in 5 m Höhe, mähte das einzige Mal in meinem Leben mit einem Traktorrasenmäher einen Rasen und ging mit dem Herbergshund Gassi.
    Am anderen Ende der Skala rangieren die Jugendgästehäuser, die sich durch nichts von einem Hotel unterscheiden, außer durch die Mitgliedschaft im nationalen Jugendherbergsverband. In eine solche Luxusherberge gerieten wir im Oktober 2015 am Genfer See. Zwar hatten meine Mutter, die Kinder und ich ein Vierbettzimmer mit Etagenbetten, aber auch ein eigenes Badezimmer und Keycards statt Schlüssel. Es gab keine Gemeinschaftsräume, weil dies „nicht mehr zeitgemäß für eine Herberge wie unsere“ sei, erklärte man mir beim Einchecken. Die Menschen hinter der Rezeption taten stets so cool und geschäftig, dass wir uns gar nicht so wohl fühlten wie in typischen Jugendherbergen. Auch die Gäste benahmen sich so distanziert wie in einem Hotel.
  6. Kirche & Kloster:Eine besonders typische Einfachunterkunft ist die Kirche oder das Kloster. Auf Pilgerreisen habe ich oft nur mit dem Schlafsack auf dem Boden der Kapelle, im Biwaksack im Kreuzgang oder auf dem Sofa im Büro der Schwester Oberin geschlafen. In Qualität und Ausstattung  sind Klosterunterkünfte breit gefächert. Deshalb lernte ich auch Einzelzimmer mit eigenem Waschbecken kennen, die es mit jedem Hotelzimmer hätten aufnehmen können.

    Hier macht mir das gemeinsame Essen überhaupt nichts aus. Es gibt einfache, bodenständige Kost, genau wie ich es mag.
    Zu einem gemeinsamen Gebet braucht mich in einer solchen Unterkunft niemand überreden. Das ist für mich selbstverständlich, wenn ich die Gastfreundschaft des Klosters wahrnehme.
    Besonders eindrucksvoll habe ich die Pilgermeditation in der Abtei Himmerod in Erinnerung, zu der uns der Gästebruder schon um 5 Uhr weckte. Wir lauschten den frühen Vögeln beim Morgengesang und liefen barfuß durch das eiskalte Gras eines ungemütlichen Tages Mitte März, er nannte dies „Tautreten“ – und wir „fantastisch“!

  7. Privatleute:Auf Pilgerwegen bieten auch Privatleute Unterkünfte an, oft sogar spontan. Mitunter ist mir das zu nah, zu persönlich und zu einengend, weil ich mich ja in den Tagesablauf meiner Gastleute einfügen muss. Noch schlimmer für mich: ich muss essen, was sie mir vorsetzen und mich sogar noch darüber freuen, selbst wenn ich es überhaupt nicht mag.
    Aber bevor ich an einem windigen Regentag den Biwaksack aufsuchte, habe ich so manch ein Angebot „kommen Sie doch mit zu mir“ oder „kommen Sie rein“ in Anspruch genommen, wenn ich Einheimische nach dem Weg zu einem geschützten Eckchen fragte. Ich wurde auf Matratzen, Sofas, einem superweichen Teppich untergebracht, auch über drei ausrangierte Wohnwagen im Garten, einen Schlafplatz in einer Scheune und eine Hängematte im Dachgeschoss kann ich berichten.
  8. Ferienwohnung:Sehr reizvoll ist für mich auch die Ferienwohnung. Man ist unter sich und isst unter sich. Es ist wie zuhause, nur in schönerer Umgebung. Ferienwohnungen mag ich als zentrales Quartier bei der Recherche von Tageswanderungen, wie z.B. mit Silke vor zwei Jahren in der Nähe von Bitburg oder immer wieder bei meiner Freundin Maria in Leudersdorf. Aber auch bei Streckenwanderungen sind wir schon in Ferienwohnungen geraten, wenn die Vermieter grade eine Buchungslücke hatten und sogar für eine Nacht Wanderer/Pilger aufnahmen.

III. Unterkunft mit Service:

Natürlich schlafe ich auf meinen Reisen auch in Pensionen und Hotels. Aber nicht besonders gerne, muss ich zugeben. Mit so viel vermeintlichem Luxus kann ich oft gar nichts anfangen. Was hilft mir ein unendlich großes Frühstücksbuffet mit Räucherlachs und Leberpastetchen, wenn ich dafür ein halbes Vermögen ausgeben muss und mir am Ende doch nur ein Marmeladenbrot mache? Die Kinder haben immer dann Hunger, wenn grade keine Essenszeiten sind und meine Mutter kann ja nur kleine Portionen essen, die den teuren Essenspreis nicht rechtfertigen. Es gibt unsinnige Höchstbelegungszahlen für Zimmer, um das Ganze für uns noch teurer zu machen und der Kontakt zu anderen Gästen ist wesentlich schwieriger als beim Camping und in Einfachunterkünften

  1. Pension:In einer Pension finde ich ein gemachtes Bett vor und bekomme das Frühstück serviert. Da ich zum Frühstück am liebsten Haferbrei oder Nutellabrot esse, sitze ich morgens in einer Pension immer vor meinem Frühstück und beschränke mich darauf, es eine Weile frustriert anzustarren, um mir dann ein Marmeladenbrot zu schmieren.
    Ist es eine sympathische Pensionswirtin, frage ich, ob ich mir mit der angebotenen Wurst und dem Ei ein Lunchpaket machen darf. Honig, Butter und Käse gehen unbenutzt wieder in die Küche. Aber mir ist es noch nie, bei all meinen Pensionsübernachtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wirklich noch nie gelungen, morgens nur das hingestellt zu bekommen, was ich wirklich mag. Egal, wie intensiv ich am Vorabend darum gebeten habe, Käse und Butter wegzulassen. Egal, wie sehr ich um eine zweite Portion Marmelade/Konfitüre/Gelee statt Wurst/Käse/Ei/Honig/Butter gebeten habe. Ich werde dann als Veganer abgestempelt und bekomme irgendwelchen fürchterlich riechenden Sojapasten oder Tofuwurst hingestellt. Welch eine Verschwendung!
  2. Bed & Breakfast:Jaja, sagt ihr vielleicht, das ist der britische Gegenentwurf zur Pension. Falsch! Das ist die ideale Pension für mich! Hier bekomme ich bei der Ankunft eine Tasse Tee angeboten, habe Tea & Coffee making facilities im Zimmer und werde gefragt, was ich zum Frühstück essen möchte. Oft schon abends, sonst aber spätestens morgens, wenn ich mich an den Frühstückstisch setze.
    Hier bietet man mir mein geliebtes Porridge an und ist nicht böse, wenn ich danach einfach nur 1-2 Scheiben Toast mit Jam, Jelly or Marmelade essen will. Ist mir nach mehr, bekomme ich nur das serviert, was ich wirklich mag, hier geht nichts ungegessen zurück und wandert in den Müll. Großartig!
  3. Hotel Garni:ist gar nichts für mich. Das Unpersönliche eines Hotels kombiniert mit dem Wegwerffrühstück einer Pension. Dazu mag ich mich gar nicht weiter äußern.
  4. All Inklusive Hotel:AI-Urlaub war jahrelang so ziemlich das Letzte, was ich mir vorstellen konnte. Mit meinem damaligen Lebensgefährten, der bis dato nur diese Art des Reisens von seinen Eltern kannte, war ich vor etlichen Jahren einmal in einem All Inclusive Hotel in der Türkei. Fünf Sterne, weil er nicht gerne AI-Armbändchen trug. Uns wurde nicht nur einfach Zucker in den A…. geblasen, nein, es war Puderzucker, noch dazu vorher fein gesiebt. Frühstück – Spätaufsteherfrühstück – Poolsnack – Mittagessen – Poolsnack – Kaffee & Kuchen – Abendessen – Mitternachtssnack. Ein Termin (aus seiner Sicht) jagte den anderen. Er mochte gar nicht aus dem Hotel gehen, weil er ja dann eine der vielen Mahlzeiten verpasst hätte, für die der doch mitbezahlt hatte. Egal ob wir aßen, auf der Terrasse saßen oder zum Zimmer gingen, es dauerte nie länger als zwei Minuten, bis der nächste aufdringliche Animateur einen von uns ungefragt am Arm packte und zu einem der albernen Spielchen, zur Wassergymnastik, zur Probe für den Karaoke-Wettbewerb oder sonstigen nervig lauten Aktivitäten zerren wollte.
    Mir wurde das schon am zweiten Tag zu doof. Ich mietete mir noch vor dem Spätaufsteherfrühstück ein kleines Auto und erkundete die Gegend. Ohne vom Hotel oder Reiseveranstalter organisierten Gruppenausflug. Einfach privat. Me, myself and I. Und ich war glücklich. Ja, genauer gesagt, hungrig und glücklich, denn ich hatte mir nichts vom Buffet mitgenommen. Der Herr hatte sich von Mahlzeit zu Mahlzeit geschleppt und Durchfall bekommen. Das festigte meine Einstellung zu All Inclusive und ich war sicher, dies zukünftig nicht noch einmal buchen zu wollen.
    Nun mit Kindern ist es anders. Wenn wir bei den Mallorcarecherchen die Wahl hatten, fand ich All Inclusive praktisch, weil es keine Diskussionen über das Bestellen von Getränken gab. Auch im Urlaub im Familienhotel ist es bequemer, wenn ich weiß, dass meine Kinder und meine Mutter genug trinken, weil sie es nicht immer extra bestellen und bezahlen müssen. Aber auf Mallorca und im Fichtelgebirge gibt es auch „nur“ vier Mahlzeiten am Tag, also grade einmal die Hälfte der türkischen Völlereiangebote.

Fazit: Es gibt für mich nicht das ideale Quartier, es ist immer von der Situation abhängig, in der ich einen Schlafplatz benötige.

 

…und ihr so?

Nachtrag: Nun will ich grade meinen Link in Silkes Blogparade eingeben, da sehe ich, dass sie die Kommentare dafür schon geschlossen hat. 🙁 Schade, zu langsam. Wie so oft.

2 thoughts on “Die Quartierfrage

  1. Nachdem ich die Einschränkung, die mir gar nicht mehr bewusst war, raus genommen habe, ging es ja nun doch mit dem Kommentar. Vielen Dank für die ausführlichen Gedanken.

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