Wenn ich in den letzten Wochen in den Wäldern der Eifel unterwegs war, kamen mir immer wieder Bilder aus dem Westerwald in den Kopf. Hier (in der Eifel) sehe ich vereinzelte kranke Bäume in einem Wald, der Laien wie mir gesund vorkommt. Dort (im Westerwald) muss man blind und taub sein, um den Zustand des Waldes ignorieren zu können.

Schon bei der ersten Wanderung entdeckten wir rund um Mehren ganze Waldstücke, die sich schaurig-schwarz vom restlichen Wald abhoben. Hier hatte der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet.

In allen Teilen des Westerwaldes stießen wir auf Wälder mit Borkenkäferbefall. Manch eine Strecke, die wir ins Auge fassten, war wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Wir mussten bereits erwanderte Strecken ein zweites Mal gehen, weil uns neue Hiobsbotschaften von Einheimischen ereilten.

Unendlich traurig über den Tod so unermesslich vieler Bäume, aber auch wütend über die dämlich angelegten Monokulturen und genervt vom 24/7 währenden Motorkettensägenlärm, brachte ich meine Wanderungen hinter mich.

Neue Gefühle kamen hoch:

Wir rissen Witze darüber, dass der Westerwald in absehbarer Zeit in Westerrode umbenannt werden muss. Wir genossen die nach den Baumfällarbeiten entstehenden Panoramablicke und Rundum-Aussichten. Ich amüsierte mich über die uralten Schautafeln, auf denen die unterschiedlichen Arten von Borkenkäfern erklärt wurden. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe, Form und Aussehen. Nein, sogar die Muttergänge und die Fraßgänge der Larven sehen je nach Art vollkommen unterschiedlich aus.

Und – ja, lacht ruhig – wo wir grade von Art sprechen: ich begann, mich für Käferkunst zu interessieren.

Schaut euch doch bitte diese Kunstwerke an:

Hier kommt meine philosophische Frage an euch: darf ich denn eigentlich diese Bug Art schön finden, obwohl sie das Grauen sterbender Wälder nach sich zieht?

3 thoughts on “Käferkunst in Westerrode

  1. Darfst Du! Im gesunden Mischwald tun die ja nix.
    Im Nationalpark Eifel haben sie übrigens auch gründlich aufgeräumt. Ironie des Schicksals: Noch vor ein paar Jahren wurden dort Fichten gerodet, damit einheimischer Mischwald nachwächst. Den Rest erledigen die Käfer.
    HIer im Königsforst hat es auch ganze Kiefernbestände hingerafft, sogar in Rath die Gartenbäume, nur meine drei Fichten (die ich eigentlich gern los wäre) stehen noch.

    1. So etwas blödes! Soll ich bei der nächsten Tour mal schauen, ob ich nicht nur die Kunstwerke vor die Linse bekomme, sondern einen der Künstler zu dir nach Hause einlade? 😉

  2. Der Harz sieht in vielen Bereichen auch sehr schlecht aus, nicht nur der Windbruch der letzten Stürme sondern auch die Borken Käferplage hat zugeschlagen. Beide Schadenstypen haben aber auch ihre Ursachen in der schon erwähnte Monokultur. In Bereichen wo mittlerweile ein Mischwald oder ein ortstypische Buchenwald entstanden ist gibt es diese Probleme nicht.
    Ja, man darf alles in der Natur schön und hübsch finden, der Begriff Schädling oder auch Unkraut liegt ja nur im Auge des Betrachters. Beim Thema Waschbär und Nutria sind meine Gefühle etwas gemischt. Da es ja klassische Einwanderer sind. Aber auch die geliebte Kartoffel ist ursprünglich hier nicht heimisch.

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