An manchen Tagen denke ich es wäre das Beste, ich würde aufhören mit dem Bücherschreiben.

Letzte Woche habe ich wieder einen Leserbrief für meinen Pilgerführer nach Rom bekommen, über den ich sehr traurig bin. Zwei Damen waren unterwegs von San Gimignano nach Rom und nach ihrer Aussage stimmt „nichts – aber auch gar nichts – “ von dem was ich geschrieben hatte.

Nach ihrer Ansicht habe ich durchgängig die Strecken viel zu ungenau beschrieben. Ich hätte neben der eigentlichen Wegbeschreibung wesentlich exakter schreiben müssen, wo ein Abweichen (!) von der offiziellen Strecke sinnvoll ist, um den Weg abzukürzen. Sie machen mich für die Unfreundlichkeit von Busfahrern, schlechtes Essen in einem 8 km von der Strecke entfernten Restaurant und im Dezember geschlossene Pilgerherbergen verantwortlich. In Siena kritisieren sie, dass ich „längst nicht alle Hotels“ aufgeführt habe. In Lucca empfanden sie es als Unverschämtheit, dass am Samstagnachmittag einige Läden schon um 15 Uhr schlossen. Ach, und das Wetter in der Toskana ist im Dezember auch an einigen Tagen einfach nur schrecklich.

Nichts von dem, was ich geschrieben habe, passt ihnen in den Kram.

Das passiert mir auffällig oft bei diesem Pilgerführer, aber auch bei einigen anderen langen Fernwegen und Pilgerstrecken.

An solchen Tagen denke ich: vielleicht kann ich es ja wirklich nicht und sollte es lieber bleiben lassen. Vielleicht sollte ich nicht länger die Leute in die Irre führen. Vielleicht sollte ich nicht so viel Geld für Recherchereisen ausgeben, was ich nachher über die Honorare der Verlage ohnehin nicht zurückerstattet bekomme. Vielleicht sollte ich stattdessen einfach nur Urlaub machen – in der Zeit in der ich sonst recherchiere. Vielleicht würde ich mich dabei zu Tode langweilen. Vielleicht aber auch nicht.

Dann siegt der Verstand und ich finde gute Gründe dafür, warum ich es eben nicht genau so gemacht habe, wie die Beschwerdeführerinnen es wohl erwartet hatten. Der schwerwiegendste Grund: All die zusätzlichen Informationen hätten ein 362-bändiges Kompendium aus dem ohnehin schon von anderen Pilgern als zu schwer kritisierten Büchlein gemacht und ich weiß nicht, ob der Verlag dann noch den Preis halten kann und bereit ist, einen geländegängigen Pilgerrollkoffer zu sponsern, in dem dann all die Informationen transportiert werden können. Bei diesem Werk könnte z.B. Band 15 „Die zwölf verschiedenen Möglichkeiten, den Großen Sankt Bernhard Pass abseits des markierten Pilgerweges zu überqueren“ heißen oder der Doppelband 123/124: „Alle Hotels, Pensionen, Gasthäuser, Herbergen, Hostels, Campingplätze und Notschlafstellen in Siena“. Ich freue mich schon auf die Recherchen für den Band 289 „Essen und Trinken in Lucca, um Lucca und um Lucca herum“ und bin gespannt auf Band 301 „Lebensmittelgeschäfte entlang der Via Cassia“.

Aber wisst ihr was ich nach unserer Rückkehr mache: ich rechne mal ganz genau aus, ob es sich für mich finanziell lohnt weiter Reiseführer zu schreiben, insbesondere Pilgerführer und Führer für Fernwanderungen.

Sollte es, wie das Bauchgefühl es mir im Moment für einige Titel sagt, ein Verlustgeschäft sein, gebe ich (es) auf. Eine schwarze Null ist okay für mich, aber keine Verluste.

Ich werde mir dann noch ganz genau überlegen, ob ich weiter Kurzwanderungen und andere Reiseführer schreibe – oder mir ein neues Hobby suche.

Denn wenn ich bei sich wirtschaftlich nicht lohnt, muss ich ganz genau hinsehen, ob es mir Freude macht. Also nicht das Schreiben allgemein, sondern jedes einzelne Buchprojekt.

Mit diesem Schritt nach hinten kann ich es mir besser anschauen. Wer weiß, wohin es mich trägt, wenn ich mehr nach dem Lust-Prinzip gehe.

Ob ich wohl das Angeln lerne? Einen professionellen Grill-Kurs besuche? Einem Karnevalsverein beitrete? Wohl kaum.

Aber bestimmt finde ich etwas, bei dem ich keine blöden Bemerkungen von Lesern lesen muss, denen ein fast 300 Seiten dickes Buch (288 plus Umschlag) immer noch nicht dick und ausführlich genug ist. Das muss ich mir nicht länger antun.

7 thoughts on “Leserbriefe und ihre Folgen

  1. Du hast alles Recht der Welt, auf dein Bauch und Glücksgefühl zu hören… abgesehen von möglicherweise roten Zahlen!
    Mach das was dich glücklich macht. Wenn du vielleicht eventuell bald einen neuen Weg einschlägst, dann doch bestimmt deswegen, weil dich das Neue, glücklicher macht. Manchmal brauchen wir auch mal neue Wege. Ob du bald neue Wege gehst, vielleicht, aber vielleicht auch nicht. Denn die Hauptsache ist doch, dass DU glücklich dabei bist. Du bleibst eh die gleiche, bei egal was du machst. 😉 Ich bin gespannt, wohin dich deine Pfade bringen, ob Neu oder Alt. Von Herzen liebe Grüße Diana 🙂

  2. Du machst das schon richtig. Es gibt immer Leute, die das Gehirn beim Reiseleiter, Tourenleiter oder Reiseführer abgeben und dann nur am nölen sind, wenn sie es doch mal für 2 Minuten benutzen sollten.

  3. Oh je, das hört sich nach einem großen Anfall von Autoren Depression an. Aber sei dir gesagt, es gibt viele hunderte Leser die mehr als zufrieden sind mit Deinen Beschreibungen, dankbar für jede Information aber leider keinen Leserbrief schreiben. Es liegt in Natur des Menschen, leider, sich immer nur zu melden, wenn etwas nicht so gut ankommt. (Habe ich ja auch gemacht, da ich von den Beschreibungen im Wanderführer auf den Kungsleden enttäuscht war; dieser hat sich die Autor hat es sich aber so wenig zu Herzen genommen, dass er nicht mal geantwortet hat)
    Es wäre schade, wenn du wegen einer Handvoll Lesern, Nutzern, Wanderern aufhören würde diese Wegbegleiter zu schreiben. Vielleicht musst du dein Vorwort/Einleitung noch etwas erweitern mit Hinweisen zu fehlenden den Fähigkeiten der Autorin das Wetter zu beeinflussen , deutlichere Bemerkung dazu, dass es sich bei Einschätzung um den persönlichen Eindruck handelt und das nur Quartiere und Restaurants beschrieben werden die direkt am Weg liegen. Denn gerade diese Punkte scheinen die Leser falsch einzuschätzen. Fühle dich gedrückt von einem deiner Lieblingsleser..

  4. Liebe Ingrid,
    Ich hoffe der letzte Absatz war eine Ironie der ich zum.frühen Morgen nicht folgen kann….du wirst doch nicht von ein paar Nörgelziegen das in Frage stellen was dir Freude macht (und du sicherlich auch gut machst denn sonst hätten die Verlage nach wenigen Führern jmd anderes gesucht!)
    Du weisst doch wie schnell negative Kritik raus geht, zu einem Lob ist heute doch kaum noch jemand im.Stande. So in der Art wurde das mir mal mitgeteilt als ich bei meinem Lieblingsgeschäft für Gartenbedarf nach einem großen Kundenevent eben jenes über die „Lob und Kritik“-Seite dafür positive Kritik geäußert habe.Hat mir zu denken gegeben. Denk doch auch (noch)mal drüber nach….

    Ein positives Feedback oder ein Lob wird doch immer seltener. Online findest zu vielen Themen/:Produkten und auch Reisezielen mehr negative Rezessionen….warum?Weiss einfach ist…

    In dem Sinne-vertau auf dich und „lass sie reden“!

    Schöne Feiertage noch!

    Sabrina

  5. Ich freu mich einfach mal über die Idee mit dem 362bändigen Führer incl Rollkoffer – vielleicht solltest Du den zu schreiben den Damen mal ans Herz legen, damit sie selbst merken, was sie da so zusammengefrustelt haben….
    Antwortest Du auf solche Leserbriefe???

    1. Ja, ich antworte auf jeden Leserbrief. Auf die meisten innerhalb einiger Stunden. Wenn ich etwas nachforschen muss, können auch einige Tage vergehen. Ein solcher Briefschreiber erhält zunächst lediglich eine Eingangsbestätigung. Ich brauche dann manchmal Wochen, bis ich dazu in der Lage bin, den richtigen Ton zu treffen.

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