Wir wachten heute morgen auf und dachten, es sein ein ganz normaler Tag. Oma schnappte sich den Hund für einen kleinen Spaziergang. Die Kleinen stritten sich um ein Spielzeug, das wir in vierfacher Ausführung haben. Ich war etwas mürrisch, weil eigentlich Papa-Wochenende wäre, die Kinder aber schon seit gestern wieder hier sind und mich um ein leckeres Mittagessen brachten. Aurelia klagte über Kopfweh, musste sich nach dem Aufstehen mehrmals die Nase putzen und hustete.

Die erste Kerze am Adventskranz wurde entzündet und sofort wieder ausgepustet, das Ganze 16 mal, bis Oma aufgab. Wir machten Hausaufgaben, putzten drei Fenster und hängten Weihnachtsbeleuchtung auf. Wir entdeckten den Unterschied zwischen auf den Boden fallenden Weihnachtskugeln aus Glas und aus Kunststoff. Wir bastelten Adventskalender, pinselten in einem Malbuch herum und prötschten als Schulhausaufgabe einen Kaiserschmarrn. Der Tag lief ganz normal, bis ich um 18 Uhr auf mein Smartphone schaute: WhatsApp zeigte mir 69 Nachrichten aus 5 Chats!

Ein kurzer Blick in die e-Mails genügte: Die beiden Kleinen hatten Kontakt zu einem positiv getesteten Kind und sind ab sofort in Quarantäne, voraussichtlich 14 Tage lang.

Symptome: Keine Ahnung, ob Aurelias Husten etwas mit Covid-19 zu tun hat. Alle anderen sind fit.

Stimmung: Prima, denn ich habe es allen erst zwischen dem Baden und dem Tatort die Botschaft überbracht.

Gedanken: Darf ich denn die Kleinen jetzt überhaupt aus dem Haus holen, um mit ihnen einen Covid-Test machen zu lassen? Muss ich den wieder selbst zahlen? Warum gibt es bei den Tests Unterschiede von bis zu 150 Euro? Wie sinnvoll ist es denn, dass schulpflichtige Kinder weiter zur Schule gehen müssen, wenn sie das ganze Wochenende mit ihren Geschwistern geschmust und getobt haben, die jetzt in Quarantäne müssen?

Gefühle: wir sind gedrückter Stimmung. Zwar freuen wir uns darüber, einen Garten zu haben. Aber wir würden natürlich lieber auch in den Wald und auf die Spielplätze gehen. Wie es meine Mutter treffend formulierte: „Ich dachte, es würde an uns vorbei gehen.“ Der Kopf sagt, dass es ja nur Quarantäne und kein positiver Test ist. Aber das mulmige Gefühl bleibt.

Handlungen: Info an die beiden Personen, mit denen die Zwillinge am Wochenende außerhalb der Familie Kontakt hatten. Kontaktaufnahme mit Aurelias Zahnärztin, die den Termin am Dienstag erwartungsgemäß lieber streicht. Absage aller meiner Termine. Bestätigungsmail an die Schule, dass ich von der Quarantäne Kenntnis habe.

Entscheidungen: Aurelia bleibt morgen zuhause, egal wie die Schule dazu steht. Ich kann sie nicht mit Erkältungssymptomen aus einem Quarantänehaushalt zur Schule schicken.

Hilfe: Eine Mutter in derselben Lage bot mir sofort Einkaufshilfe an und kramt grade in Umzugskisten nach einem alten Rechner, den ich vielleicht für das Homelearning einsetzen kann.

4 thoughts on “Quarantäne, Tag 1

  1. Anfang Oktober wurde ich bei meinem HA gestested weil ich eine laufende NAse hate (ich war aber wegen Magentabletten da), jetzt scheinen sie mit den Tests rigoroser zu sein. Schnelltest würde erst ca 5 Tage nach der potentiellen Infektion sinn machen. Good Vibes from Braunschweig

      1. Also ich habe auch heute erst mal beim HA angerufen, das wäre da auch mein Rat. Der soll entscheiden. Wobei ich befürchte, dass es keinen „Entlastungstest“ gibt, das war bei einer Freundin und derem Sohn (7) auch. Er sollte 10 Tage in Quarantäne. Die Eltern waren aber nicht in Q sollten sich aber von ihm fernhalten…. *Augenroll*

        1. Ja, Abstand halten innerhalb des Haushalts, getrennte Räume und getrennte Bäder. Klappt bestimmt prima in reichen Familien mit erwachsenen Kindern. Aber das wurde vorige Woche auch befreundeten Eltern mit einem dreijährigen bzw. einem fünfjährigen Sohn gesagt. Und wer zahlt die Psychotherapie für ein so kleines Kind, von dem sich die Eltern zwei Wochen ferngehalten haben??? Das kann sich doch nur jemand ausdenken, der keine Kinder hat!

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