Nirgendwo im Netz werdet ihr einen subjektiveren Vergleich finden, wenn es um Akupressurmatten geht. Ich hatte bei einer Bekannten mehrere ausprobieren können, zwei weitere bestellt (und wieder zurück geschickt) und mir am Ende zwei ganz andere zugelegt. Das sind meine Erfahrungen:

Akupressurmatten allgemein

Akupressur ist die fernöstliche Kunst, durch gezielten Druck auf bestimmte Punkte einen Schmerz zu lösen oder ein Leiden zu lindern. Obwohl auf diesen Matten die Nagelrosetten gleichmäßig verteilt sind, man sich willkürlich auf einen bestimmten Bereich der Matte legt – und damit auch kein bestimmter Punkt stimuliert wird, heißen Sie zu Recht Akupressurmatten, finde ich. Denn irgendeine der vielen Spitzen trifft immer die Punkte, die dringend einen neuen Impuls benötigen.

Die meisten dieser Matten sind zwischen 65 und 77 cm lang, zwischen 40 und 50 cm breit und haben 145 bis 350 dieser Nagelrosetten, die wiederum mit etlichen (6000 – 11.000) einzelnen Nägeln nur darauf warten, in mein verhärtetes, verspanntes Rückengewebe einzudringen. Bei den meisten sind ein Akupressurkissen und eine Tasche vom Preis umfasst. Üblicherweise bestehen die Rosetten aus Kunststoff und der Bezug aus Baumwolle. Der größte Unterschied liegt bei den Füllungen, bei denen die Bandbreite von zertifizierten Naturmaterialien über Schaumstoff bis hin zu Recyclingmaterial geht oder sogar überhaupt keine Auskunft dazu gegeben wird.

Die Idee, sich wie ein Fakir auf eng aneinander liegende Spitzen zu legen, kam mir vollkommen widersinnig vor, bis eine Bekannte mir eine Matte auf den Boden legte, mich bat, das Shirt auf dem Rücken hochzuziehen und mich auf die Matte zu legen.

Ja, das ist zuerst ein wirklich fieses Gefühl, sich auf diese kleinen Nägel zu legen. Das weicht aber schon nach Sekunden einem wohltuenden (!) Schmerz. So wie bei der Massage oder Manuellen Therapie, wenn der Therapeut einen Triggerpunkt genau erwischt. Nach einer Gewöhnungszeit beginnen meine schlimmsten Schmerzbereiche zu jucken.

Lässt das Jucken wieder nach, weiß ich, dass ich die Matte bald verlassen muss. Nun folgt nämlich bei mir die Phase absoluten Genusses, bei der ich schon mehr als einmal einfach auf der Matte eingeschlafen bin. Das stundenlange Liegen in Rückenlage auf einem solchen Nagelbrett kann dann aber nicht gesund sein, also stelle ich mir in der Tat inzwischen einen Wecker auf etwa 40-45 Minuten, um die Entspannungsphase nicht zu übertreiben.

Ich habe sechs Matten ausprobiert und zwei davon tatsächlich für den häuslichen Gebrauch angeschafft und behalten. Zwei brauche ich, weil meine Mutter und meine Kinder auch manchmal „aufs Nagelkissen“ wollen und ich festgestellt habe, dass ich selbst dann auf Farben reagiere, wenn ich mit dem Rücken darauf liege. Ich nutze sie mit nackten Füßen darauf stehend für meinen Fersensporn, in Rückenlage zur Entspannung im Nacken, Schulter, Lendenbereich sowie bei Dehnübungen für mein Impingementsyndrom in der Schulter.

Und nun zu meinen Erfahrungen mit konkreten Matten:

ShaktiMat*

Diese Matte hat einen gewissen Ruf in der Szene, denn ich habe mehr als einmal den Begriff Shaktimatte* gehört, wenn allgemein über Akupressurmatten gesprochen wurde.

+ Mir gefällt an der Matte sehr gut, dass sie aus umweltfreundlichen Materialien unter Beachtung humaner Arbeitsbedingungen gefertigt wird. Indien mag ich als Reiseland, also freute ich mich auf eine Matte mit Fernwehpotential. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben und in drei Varianten für Anfänger, Geübte und Profis (je weniger Nägel, desto größer der Druck auf dem einzelnen Punkt).

– Ausgerechnet dieses hochpreisige Produkt (ab 62 Euro) kommt ohne Kissen, das ich dann noch extra kaufen müsste. Auf meine konkreten Fragen zu dem Produkt wurde mit einer Verzögerung von 12 Tagen auf eine allgemeine FAQ Seite verwiesen. Ich empfand sie als überteuert, wenn ich die Qualität in Relation setze. Trotz des Hinweises auf die Herstellungsbedingungen kann ich eigentlich erwarten, dass die Nägel alle genau gleich spitz sind. Bei meiner Lieferung waren aber einige stecknadelspitz – weil abgebrochen – und andere verbogen. Ich glaubte an einen Transportschaden, stellte aber nach Reklamation, Rücksendung und Neulieferung fest, dass die neue Matte sogar noch schlechter verarbeitet war, denn beim ersten Ausrollen fielen gleich zwei Rosetten ab. Also ging sie wieder zurück.

BACKLAxx*

Meine Idee nach dieser Erfahrung war: „Oh, dann ist Shakti* also billiger Kram, den man mit Arbeitsbedingungen und Umweltfreundlichkeit gut vermarktet.“. Die Öko-Dörthe in mir startete einen zweiten Versuch mit dem Deutschen Startup und „8-fachen Preissieger“, der natürliche Materialien verwendet. 10.727 Spitzen (Matte 6960, Kissen 3312).

+ Der Bezug ist zu 55 % aus Leinen und 45 % aus Baumwolle, die Füllung enthält Naturkokosfaser. Klingt angenehm für mich, ich mag Leinen und Kokos. Hier wird sogar noch ein Tuch mitgeliefert, das der werte Anfänger zwischen sich und die Matte legen kann, damit es nicht so sehr piekst.

– Made in China. Ich bin nicht feinfühlig genug für diese Matte. Bereits ohne Tuch haben die Nägel keinen für mich erkennbaren Effekt in meinem verspannten Schulter-Nacken-Bereich, die Form des Kissens passt nicht zur Form meines Nackens. Mit Tuch spüre ich so gut wie nichts… Gedacht ist sie wohl für Kleidergröße 34 oder Kinder, denn mit ihren Maßen von 38×65 cm ist sie vergleichsweise klein. Großartig angekündigt waren ein dazu passendes eBook und zwei Hörbücher, doch gab es auch nach mehrfachen Nachfragen keine Antwort auf meine Frage, wo ich dies herunterladen kann. Dafür sind mit 94 Euro einfach zu teuer. Auch diese Matte trat den Rückweg an.

BREEVIN*

Diese Matte hatte ich ausprobieren dürfen und fand sie angenehm und hilfreich in meinen Problemzonen. Ob das als Eco-Baumwolle beworbene Material wirklich Biobaumwolle ist, vermag ich nicht zu beurteilen. 8181 Spitzen.

+ Der Preis ist prima: zwischen 25 und 40 Euro. Die Matte wird in drei Farben angeboten, ausprobiert habe ich hellblau, was beruhigend auf mich wirkte.

– Das Material roch ziemlich komisch. Das lag nicht an der netten Person, bei der ich probeliegen durfte. Denn als ich im Fachgeschäft genau diese Matte fand und schon fast gekauft hatte, stieg mir die gleiche Mischung aus Chemie und Muff entgegen.

Mysa*

Wirbt damit, „das schwedische Original“ zu sein. Gefiel mir beim Ausprobieren auch gut, allerdings spürte ich weniger Wirkung, das leigt wahrscheinlich daran, dass über 10.000 Spitzen verbaut sind.

+ Made in Sweden. Naturmaterialien und gute Anleitung. Das Fotomodell liegt nicht nur auf dem Rücken, sondern es wird auch die Anwendung bei Cellulite und Fußreflexzonenmassage erklärt.

– Mit 65-110 Euro eindeutig im Hochpreissegment. Die Verarbeitungsqualität lässt aber zu wünschen übrig: unsaubere Nähte, Klettverschlüsse sind gegengleich vernäht und pieksen.

Wellax*

Bestellt und behalten habe ich die orange Matte von Wellax*.

+ Bespannt ist sie mit Leinen, gefüllt mit Kokosfasern, alles aus fairer Produktion. Sie ist ihre 35 Euro wert und die fröhliche Farbe lässt mich hellwach in den Tag starten. Beim Auspacken roch sie gut – kenne ich sonst kaum noch bei „Made in China“. Die Nägel sind wirkungsvoll, aber nicht übertrieben spitz. Das Kissen ist so geformt, dass es viele schmerzende Stellen im Nacken erreicht.

– Made in China. Es gibt keine Benutzungsanweisung. Abends werde ich auf dieser Matte unruhig. Ob es an den vergleichsweise festen Kokosfasern liegt? Oder an der Farbe? Ich habe noch keine genaue Vorstellung, wie ich die Matte nebst Kissen wieder zurück in die Transporttasche bekommen soll. Wie gut, dass die Konstrukteure dieser Tasche nicht für die Ergonomie der Matte und des Kissens zuständig waren.

Ergotopia*

Warum ich diese Matte bestellt habe? Vollkommen irrational: Ich habe über eine Erklärung gelacht. Auf die Frage: „Welche Kunststoffe sind darin enthalten?“ antwortete der Hersteller: „Die Kunststoffspitzen bestehen aus ABS-Kunststoff, der frei von Schadstoffen ist (wird zum Beispiel auf für Legosteine verwendet – aber keine Sorge, das Drauflegen tut nicht so sehr weh, wie auf selbige zu treten ;-)) Matte: 6210 Spitzen, Kissen 1782 Spitzen.

+ Preis um 40 Euro, aktuell im Angebot für 25 Euro. Beruhigendes Blau für den Abend. Gedruckte Anleitung und begleitende Anleitung per eMail. Medizinprodukt mit hohen Sicherheitsstandards, Bezug Baumwolle, Füllung Polyurethan. Die 60 Tage Rücknahmegarantie werde ich nicht in Anspruch nehmen, denn diese Matte gebe ich nicht mehr her.

– Der Hersteller verrät an keiner für mich aufspürbaren Stelle, wo die Matte hergestellt wird. Morgens nutze ich sie nicht gerne, weil ich dann nicht in die Gänge komme. Vielleicht ist sie dafür zu weich. Die Tasche ist groß genug und wie ein Sportbeutel mit Kordelzug versehen, wirkt aber in der Verarbeitung viel billiger als die Matte.

Also:

Ich brauche zwei Matten, um glücklich zu sein. Je nachdem, ob ich morgens oder abends Zeit dafür finde, darf die Ergotopia* mit dem Schaumstoffkern oder die Wellax* mit dem Kokosfaserkern mit mir kuscheln.

Beim genauen Vergleich ist die blaue auch kürzer und hat eine reihe Dornen weniger:

Es gibt noch (gefühlt) 100 andere Akupressurmatten am Markt, ab Montag dann sogar als Sonderaktion bei Aldi Süd*. Aber vielleicht hilft euch mein kleiner Erfahrungsbericht, wenn ihr euch dafür interessiert und auf die Suche macht.

Mir ist wichtig, dass ihr nach einem ersten Versuch, der euch vielleicht nicht behagt hat, nicht das Thema Akupressurmatte sofort für euch abschreibt. Vielleicht war es einfach nur die falsche Matte. Was stinkt oder juckt, ist nicht zu retten und kann nur retour gehen. Ist es zu schmerzhaft, kann es helfen, das T-Shirt anzulassen oder die Matte aufs Sofa oder Bett zu legen. Spürt ihr keine Wirkung, zieht das Shirt aus, legt die Matte auf eine festere Unterlage oder gebt mehr Gewicht drauf. (Ihr könnt euch vorstellen, wie ich ans Quieken komme, wenn ich ganz entspannt auf der Matte liege und eins der Kinder legt sich ungefragt zu Kuscheln auf mich!!!)

Sorry, wenige Fotos diesmal. Keiner von euch will wirklich meinen roten Rücken oder meine Knubbelsfüße sehen. Und esoterisch-ayurvedisch-ganzheitliche Werbefotos mit Klangschale, schwimmenden Blüten auf Duftwasser und im Mondlicht hergestellte Entspannungskerzen würdet ihr mir ohnehin nicht glauben.

*Werbung? Ja, durch Nennung von Marken und Produkten. Keine der Firmen zahlt mir Geld für die Vorstellung ihres Produkts.

3 thoughts on “Entdeckt und ausprobiert: Akupressurmatten

  1. Der erste Absatz erinnert an meine Ersten Erfahrungen mit Kückelhaus. https://www.erfahrungsfeld.de/kuekelhaus.html Damals in den 80ern so’n Hype und mein damaliger Freund hatte eine Diaschau zum Thema: Die Wiederverzauberung der Welt gebastelt. Die Barfußpfade enthielten auch immer ein „Nagelbrett“ zum entsetzen derjenigen, die sie begehen wollten. Allerdings sind Kiefernzapfen viel unangenehmer als Nägel, wenn sie dicht genug genagelt sind.

  2. Von solchen Matten habe ich bisher noch nie gehört. Ich habe für mich erst mal beschlossen alle 14 Tage mir eine Massage zu gönnen. Aber vielleicht werde ich mich Anfang nächsten Jahres auch mal mit dem Thema beschäftigen.

  3. Outsch. Das klingt brutal. Aber wenn es deinem Rücken hilft, kannst du ja froh sein, diese Matten für dich entdeckt zu haben.

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