Weil wir grade beim Thema Höhlen waren: zu den regionalen Höhlen noch ein internationaler Nachtrag:

Ich kann euch in der Warteschlange der Drachenhöhle sofort sagen, wer schon einmal in Festland-Europa  in einer Höhle war. Der fällt nämlich genauso auf, wie wir bei unserem Besuch. Wir kennen die Warnungen deutscher und britischer Höhlenführer, uns bei der Kleiderwahl auf Temperaturen von 6-9 Grad gefasst zu machen. Also mummelten wir die Kleinen gut ein und nahmen für Oma, Mama und Aurelia etwas Langärmeliges mit.

Zwar taugt ein Besuch der mallorquinischen Höhlen an einem heißen Tag auch ein Wenig zum Abkühlen, aber lange Hosen und Jacken hätten wir uns sparen können! Die ungeheuren Menschenmassen, die im Stundentakt durch diesen riesigen Höhlenkomplex getrieben werden, erwärmen die Höhlenluft auf Zimmertemperatur.

Der letzte Satz lässt auch schon erkennen, was ich von dieser Höhlenführung halte: wenig!

Die Höhle ist wirklich schön, sie ist groß und umfasst einen unermesslichen Schatz an Tropfsteinen. Aber man kann sie nicht in Ruhe ansehen. Hunderte von Menschen werden gleichzeitig über die Wege gescheucht. Überall stehen Aufpasser, die zum Weitergehen auffordern, damit alle Besucher zur gleichen Zeit in der größten Höhle ankommen.

Dort wird dann klassische Musik gespielt. Die eine Hälfte der Zuhörer findet das langweilig und quatscht, die andere Hälfte hätte es gerne andächtig gehört und ist mürrisch, weil sie um den Kunstgenuss gebracht wird. Schade, die Kinder mochten die Musik und lauschten andächtig. Dabei hatte ich mir so große Sorgen gemacht, dass sie die anderen Besucher stören könnten.

Ganz geheuer ist es den Mäusen nicht im Boot.

Auf demselben Weg geht es zurück. Außer man hat die Geduld, sich in eine endlos lange Schlange zu stellen, um mit einem Ruderboot über einen unterirdischen See gefahren zu werden. Dieses Abenteuer wollten wir den Kindern gönnen, also warteten wir. Die Wärme dort unten hat eine sehr unangenehme Nebenwirkung: Jedes handelsübliche Antitranspirant versagt! Wir standen also dicht gedrängt mit Menschen, die nach (1) frischem, (2) nicht ganz so frischem und (3) eilig mit Eau de Toilette/Deo übersprühten Schweiß rochen.

Warum ich mich so gut daran erinnere? Ich wurde gestern nach Caris erstem Zweiwortsatz gefragt. Und der lautete „Puuuh, stink!“ Auch wenn er einen anrüchigen Inhalt hatte, musste er doch angesichts seiner Länge gelobt werden. Das bekamen auch die um uns herum stehenden Wartenden mit und stimmten ihr zu. Mein Kind strahlte wie eine Olympiasiegerin angesichts so viel Lob und Aufmerksamkeit von wildfremden Menschen.

Eigene Lampe ist schöner als Massenabfertigung

Das ändert aber nichts daran, dass ich mit gemischten Gefühlen zurück auf diesen Höhlenbesuch schaue. Die Menschenmasse und die Hetze waren nicht schön. Aber die Kleinen waren erstmals in ihrem Leben in einer Höhle, liefen angstfrei auf den Wegen und hatten ihren Spaß. Nur im Boot war es ihnen etwas mulmig.

Blick in die tosende Brandung der Außenhöhle

Aurelia erzählte ihnen währenddessen von einer kleinen Höhle, die wir bei einer unserer Recherchewanderungen beim Cachen gefunden hatten. Wir beide fanden sie viel schöner, weil wir erst all unseren Mut zusammen nehmen mussten, um durch das kleine Loch in die Felsen zu schlüpfen. Die Höhle lag nah an den Klippen und hatte einen kleinen Durchstieg zu einer größeren Brandungshöhle. Die war an diesem Tag für uns nicht zugänglich, weil die Wellen zu hoch waren. Aber wir wollen wiederkommen und sie uns ansehen.

Ohne es zu wissen, teilt Aurelia also meine Vorliebe für unvermarktete Höhlen. Ich gebe lieber 100 Pfund für einen Höhlenführer in Wales aus, als 4,50 Euro für einen kommerzielle Höhlenbesuch. Die rustikalen Höhlentouren der Briten sind in sportlicher Hinsicht mein größtes Glück. Caving nennen sie das. Bei fast jeder Walesreise habe ich mir einen Tag Auszeit für Caving gegönnt. Das ist nicht billig, weil die Höhlenführer nur für mich und meine Reisepartner da sind. Eine auf uns passende Tour wird überlegt, man trifft sich in alten Klamotten, bekommt einen Helm mit Lampe verpasst, wandert ein paar hundert Meter, dann schlüpft der Guide nach dem Prinzip „Wiese auf – Guide rein – Wiese zu“ in ein kleines Loch im Boden oder in einem Hang. Man klettert hinterher und sitzt in einer kleinen Höhle. Nun wird gekrabbelt, geklettert, gerutscht, gerobbt, manchmal sogar durch Wasser oder mit einem „duck“, bei dem der Kopf kurz unter Wasser ist, um einen Überhang zu untertauchen. Für richtiges Höhlentauchen bin ich trotz einiger Tauchscheine aber zu schissig.

Besonders gefällt mir bei den Touren die absolute Ruhe und Dunkelheit im Berg. Solch eine vollkommene Dunkelheit habe ich sonst nirgendwo erlebt. Pechschwarz, nicht einmal die Augen flimmern. Automatisch werde ich ruhiger und höre meinen Atem, dann sogar meinen Herzschlag und am Ende auch den Atem der anderen. Ein Genuss! Ich hoffe, meinen Mäusen diese Art von Höhlenerlebnis auch in einigen Jahren zeigen zu können. Bei Aurelia scheint es ja nicht mehr lange zu dauern. Sie hat eine Ahnung davon, was eine Höhle ausmacht.

5 thoughts on “Bootfahrt in der Drachenhöhle

  1. Oh ja, eine richtige, unbeleuchtete Höhle ist schon etwas anderes. Auf Lanzarote gibt es in der Nähe der der offiziellen cueva de los verdes noch so einen recht großen Höhleneingang. Ich erinnere mich an irgend etwas schleimig-grünes im Eingangsbereich. Wir sind ein Stück rein gegangen, aber mit nur einer Taschenlampe von zweifelhafter Batteriekapazität dann doch lieber wieder raus. Außerdem nimmt das Superschwarz der Lava auch viel Licht.
    Auf Neuseeland (Südinsel) gab es ebenfalls eine frei zugängliche Höhle, in die wir einfach so reingeklettert sind, mit einer Taschenlampe von zweifelhafter Batteriekapazität. Die war toll, weil wir auch etwas sehen konnten. Trotzdem, ohne Guide, der sich auskennt, und ohne ordentliche Stirnlampen sind wir schnell wieder zurück gegangen. Obwohl wir nicht weit drin waren sind wir an einer anderen Stelle wieder rausgekommen, als dort, wo wir reingegangen sind.
    In Deutschland ist wohl das Sicherheitsbedürfnis ausgeprägter. Wenn hier 50 m neben der Straße oder einem Wanderweg ein großer Höhleneingang läge, würde das entweder kommerzialisiert, oder so abgeriegelt, dass niemand reinklettern kann. Andererseits behaupte ich mal: Ein öffentlich frei zugänglicher Höhleneingang in Deutschland wäre in kürzester Zeit vermüllt und verschissen. Das war weder Auf Lanzarote, noch in Neuseeland der Fall.
    Ich kann bei Dir nicht gefällt mir drücken. Gefällt mir.

  2. Also ich den Titel las war ich erstmal verwirrt….den auf Thasos gibt es auch eine Drachenhöhle, die wir aber noch nie besichtigt haben, aber vor kurzem gab es dort wohl wieder archaeologisch Ausgrabungen.
    Diese Höhle wird in jedem Reiseführer erwähnt aber meist heist es “ das Dorf ist bemerkenswerter als die Höhle“. Bezogen auf das Dorf kann ich zustimmen, es ist sehr schon und ein wenig Urtümlich..trotz uns Touristen.
    Dann sind wir auch schon beim Thema, weniger ist hier sicher mehr. Nicht ohne Grund gehe ich gerne früh morgens durch Orte, sind auf meinen Bildern selten Menschen zu sehen. Für unsere Afrika Safari haben wir extrem tief in unsere Geldbeutel gegriffen und hatten so einen Fahrer, einen Jeep und einen Koch nur für uns.

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