Ich bin seit meiner Einschulung absolute Leseratte und denke, dass ich ziemlich viele Bücher in ziemlich vielen Romangattungen und Genres und ziemlich vielen Schreibtechniken gelesen habe. Sogar Briefromane, Handyromane und eMail-Romane waren dabei. Aber frei nach dem Motto „Man wird alt wie ’ne Kuh – und lernt immer noch dazu!“ gibt es immer wieder neue Lese-Erfahrungen. Eine davon bescherte mir Susi.

Meine Schulfreundin Susanne Zimmermann hat sich schon immer für den Garten interessiert und ist nach einer Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin als Gartenberaterin tätig.

(Wenn ich ‚mal mehr Geld habe, muss ich mich auch dringend von ihr beraten lassen, was meinen vollkommen konzeptlosen Garten angeht.)

Neben Beruf, Kindern, Haushalt,… hat sie einen „Gartenroman“ geschrieben. Kein anderes Thema hätte ich von ihr erwartet.

Ganz unverhofft schenkte sie mir ein Exemplar, es lag an einem Sonntag im Juni im Briefkasten. Wer auf der Klappe oder in der Amazon-Vorschau liest:

Susanne Zimmermann: Haus mit Garten

Ein Gartenroman in Dialogen über das Leben, Gärten und die Liebe. Daniela, 38, ist Abteilungsleiterin in einem Unternehmen in München. Ihre Eltern, Irma und Walter, leben in einem kleinen Haus mit großem Garten in der Nähe von Köln. Sie sind Rentner und lieben Gartenarbeit. Als die alte Nachbarin eines Abends verwirrt vor ihrer Tür steht, ahnen sie nicht, wie sehr dieses Ereignis ihr aller Leben verändert.

denkt sich noch nichts. Eben ein Gartenroman. Habe ich auch gedacht, schlug das Buch auf und begann mit dem Lesen. Etwa auf der dritten Seite stutzte ich. Nur Dialoge. Kein einziger erzählender Satz. Nur Dialoge.

So ganz ohne Personenbeschreibungen und ohne Erläuterungen à la „sagte er“ und „erwiderte sie“ ist es ziemlich ungewohnt. Ich wollte wissen, wie die Protagonisten aussehen, wo sie sich befinden und all die anderen Rahmenbedingungen, die ich sonst von Romanen gewöhnt bin. Selbst bei Brief-, Mail- und Handyromanen ist es anders, weil die geschriebenen Dialoge dem abwesenden Adressaten ja auch die Befindlichkeiten und Gefühle des Absenders nahe bringen. Ich schüttelte mich und begann noch einmal auf der ersten Seite. Nun fiel es leichter. Alles ist eben eine Frage der Einstellung.

Die Beteiligten sprechen sich sehr oft mit dem Namen an, damit ich als Leser erkenne, wer grade angesprochen wird. Das ist gewöhnungsbedürftig für mich. In meiner Umgebung sprechen wir uns kaum mit Namen an, gemeint ist derjenige, den ich beim Sprechen ansehe.

Die Geschichte ist flott erzählt, ein netter Roman für den Strandkorb – nein, besser: für die Gartenbank -, aber für meinen Geschmack zu sehr mit Gartentipps gespickt. Mit fast jedem Absatz zerrt sie mich als Leserin in die Staudenbeete ihres Englischen Gartens. Da bin ich aber vollkommen fehl am Platze. Ich kann im Garten nur mich Mühe Traubenhyazinthe und Tulpe, Rose und Radieschen, Flieder und Feldsalat unterscheiden. Meine Mutter sagte mir vor Jahren einmal, als ich ihr beim Einpflanzen unserer Gartenmarktbeute half „Das Grüne nach oben!“. Wenn Susi also von Pennisetum, Spinnenblumen, Camassia und Prachtstorchschnabel schreibt, bin ich außen vor.

Sie hat netterweise zwar eine Pflanzenliste für ihr Beet in Indian Summer Farben in den Anhang gepackt. Das entdeckte ich aber zu spät. Dort gibt es auch eine Übersicht über die handelnden Personen, wie sie bei manchen anderen Werken vorgesetzt sind. Erst nach Ende des Buchs habe ich kapiert, dass Brigitte nicht nur Irmas Cousine, sondern auch Ingrids Mutter ist.Meine Mutter hätte es sofort entdeckt, denn sie liest immer erst den Anfang eines Romans, schaut dann hinten nach, wie es ausgeht und liest dann den Rest. Ich mag mir die Spannung beim Lesen nicht nehmen und lese stur von vorne nach hinten. Blöde Angewohnheit in diesem konkreten Fall.

Dass eine der Beteiligten Ingrid heißt, gefällt mir gut. Sicherlich kennt Susi noch eine Handvoll anderer Ingrids, ich will es gar nicht so genau wissen. Denn ich bilde mir nach dem Lesen einfach ein, sie hätte mich mit dieser Namensvergabe grüßen wollen. Ihren eigenen Namen hat sie auch eingebaut, zuhause wurde sie nämlich immer Suse genannt.

Na, wer mag das Buch haben?

Bibo? Silke? Ihr kennt euch doch besser mit so einem Grünkram aus. Vielleicht als Buchring bei Bookcrossing?

 

3 thoughts on “Eine neue Lese-Erfahrung: Ein Dialog-Roman

  1. Mit Grünkram ja, mit nur Dialog ohne Personenbeschreibung komme ich nicht zurecht. Ich habe schon Probleme mit Briefromanen.

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