Wir wandern gerne und sind tierlieb. Die besten Voraussetzungen für Lamatrekking. Dazu muss man gar keinen Langstreckenflug nach Südamerika buchen. Das ist gleich hier um die Ecke auf dem Balsamhof in Engelskirchen-Oberhollenberg möglich.

Aurelia verzichtete auch ihren geliebten Disco-Club in der Schule, Oma und Mama holten Nele und Cari früher aus dem Kindergarten, so konnten wir schon am frühen Nachmittag bei Familie Ost sein. Noch ganz gehetzt suchten wir einen Parkplatz am Feldrand, denn wir wollten keinen Anwohner oder Bauern behindern. Hinter dem Balsamhof ist die Straße zu Ende und führt als Wirtschaftsweg in den Wald. Landidylle pur!

Während ich noch rangierte, kreischten Nele und Cari „Kuh, Kuh, Kuh!“ und „Esel, Esel!“, Aurelia maulte „Quatsch! Das sind Kamele!“

Tja, das kommt davon, wenn man die Kinder mal überraschen will und sie bewusst nicht auf das Reiseziel vorbereitet, um authentische Reaktionen zu bekommen. Also erst einmal alle drei beruhigt, die Kleinen für die gute Aussprache der Tiernamen gelobt, der Großen versichert, dass sie im weitesten Sinne Recht hat, schnell alle Gurte gelöst und erleichtert aufgeatmet, als alle drei aus dem Auto purzelten und sprangen.

Einen Kurzvortrag über Altweltkamele, Neuweltkamele, Zahl der Höcker und Verwendung der Wolle pfiff ich dann lieber als fröhliches Liedchen. Das wollte hier keines meiner Kinder hören. Wenn irgendwann einmal Bedarf sein sollte, können sie es ab Anfang nächsten Jahres in unserem Ausflugsführer nachschauen oder mich fragen.

Bernd und Sandra Ost empfingen uns herzlich. Sie hatten alle Zeit der Welt, sich mit uns bekannt zu machen und ließen sich von den Kindern helfen, die Lamas und Alpakas von der Weide in den Stall zu treiben. Während die Tiere an uns vorbei trotteten, stellte Sandra jedes mit Namen vor. Schon jetzt war zu spüren, welche Ruhe von den Neuweltkamelen ausgeht. Sie lassen sich nicht hetzen, haben ihr eigenes Tempo und nahmen bei uns auch sofort das Tempo heraus. Jedes sieht unverwechselbar aus und schon im Vorbeilaufen waren neugierige, müde, ängstliche und desinteressierte Persönlichkeiten bei den Tieren zu merken.

Wir durften aber (noch) nicht mit in den Stall, denn das war ja der Hintereingang. Die Gastgeber baten uns zum Hoftor, begrüßten uns förmlich und öffneten fröhlich die beiden Torflügel. Wir betraten einen Traum von Hof. Alles passte zueinander und erinnerte an eine „gute alte Zeit“, die es in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht gab.

Sandra weiß, was Städter nach einer Fahrt durch die Hitze benötigen: Die Kinder wurden sofort mit Apfelschorle versorgt, wir Großen nahmen einfaches Wasser.

Noch während wir tranken kam eine Überraschung: Sie hatte Andenbrot für uns gebacken, aus demselben Teig bekamen die Kinder Mini-Lamas und Mini-Alpakas. Dazu reichte sie Mini-Rohwürstchen vom örtlichen Metzger und selbst gemachte Dips. Hmmm, köstlich! Die Brotreste durften wir am Ende mitnehmen. Ich habe noch drei Tage später bei meinen weiteren Recherchen von den Resten des Andenbrots gegessen, es hält sich sehr gut frisch durch die lustige Berg- und Tal-Form.

So gut gestärkt ging es nun endlich zu den Lamas und Alpakas. Unser Trekkingpartner war Cyrus, ein junger weißer Alpaka-Wallach. Wir lernten, wie wir einem Kamel „Guten Tag“ sagen und durften ihn streicheln. Nun bekam er sein kunterbuntes Halfter mit den zwei Leinen. Dann ging es los. Unsere tierliebe Nele lief allen voran mit einem Führstrick, Cari teilte sich den anderen lieber mit der großen Schwester.

             

 

 

Weit wanderten wir nicht mit dem guten Cyrus.

Es war einfach zu warm für Mensch und Tier.

Die drei Mädchen fanden es auch viel schöner, mit ihm zu schmusen und ihn zu kraulen. Ja, sogar Cari traute sich immer näher an den großen Kerl heran. Mutig, mutig, meine Süße!

 

 

 

Wieder zurück am Balsamhof wurde ihm dies aber von Alegra streitig gemacht. Die dunkle Lama-Dame ist so sanft und schmusig, dass sie sofort Caris Vertrauen gewann. Wegen ihrer ruhigen und liebevollen Art ist sie auch die Spezialistin für Seniorenheimbesuche, erzählten die Osts. Nele hätte die große Schwarze am liebsten mit nach Hause genommen. Was da wohl unsere kleine Braune gesagt hätte?

   

Mein Highlight war ein Spaziergang über die obere Weide. Dort weideten Tiere, die noch nicht lange auf dem Hof leben. Die Lama-Stute Nana war zu dieser Zeit schon trächtig, keiner ahnte den Geburtstermin. Und so waren die Balsamhofler ganz überrascht, als der Nachwuchs kam. Der Ausruf „Nanu!“war bestimmt mehr als einmal zu hören, deshalb wundere ich mich nicht über den Namen des Fohlens.

Es fiel uns allen schwer, die Menschenmädchen von dem kleinen Lamamädchen fern zu halten. Aber in den ersten sechs Lebensmonaten dürfen Lamas nicht von Menschen berührt werden. Womit niemand rechnete: Nanu war genauso neugierig auf die kleinen Menschen und tastete sich vorsichtig immer näher an Aurelia heran. Diese blieb auch ganz ruhig sitzen und hielt ihr die Hand zur Schnupper-Begrüßung hin. Ja, nur mit Ruhe kommt es zu solchen Kontakten.

Auch meine beiden anderen Wirbelwinde blieben nun ganz still, denn sie wollten auch von Nanu besucht werden. Sie kuschelten sich bei Oma ein, hörten ihrem Gespräch mit Bernd zu und warteten geduldig. Sie sollten belohnt werden: Nanu kam auch sie besuchen.

Ein Tag voller Eindrücke neigte sich dem Ende zu. Während Aurelia mit Sandra in den Stall ging und ihr beim Ausmisten und Füttern half, saßen wir noch lange auf der Hangwiese, schauten über den hübschen Hof ins Tal und erzählten. Wir sprachen über Lebensträume, über Ziele, über gesellschaftliche Zwänge, über Reisen, über Tierliebe und viele andere Themen.

Mit welchem Elan, welcher Ausdauer und welcher Zielstrebigkeit dieses Paar den Balsamhof umgestaltet, fasziniert mich. Trotz der vielen Arbeit sind es glückliche Menschen, die uns an ihrem Glück teilhaben lassen. Das ist fantastisch!

Die glänzenden Augen, mit denen wir alle zum Auto gingen, fielen den Kindern schon am Ortsende zu. Und das will etwas heißen, dieses Oberhollenberg ist wirklich winzig. Aber durch den Balsamhof ist es einer der schönsten Orte, die ich kenne, im Bergischen Land und weit über dessen Grenzen hinaus.

Nun wurde mir auch die Bedeutung des Hofnamens klar: Dieser Hof ist durch seine tiefenentspannten Bewohner

Balsam für die Seele

Wir waren nicht das letzte Mal dort. Meine Liste der Fernweh-Ziele ist um einen Punkt länger geworden. Die an diesem Nachmittag mit nach Hause genommene Ruhe und Ausgeglichenheit konnte ich noch einige Tage durch den Alltag retten. Immer wenn eines der Kinder von „Na-Nuuu“ spricht oder ich ein Foto sehe, bin ich wieder in Gedanken dort. Meine Mutter erzählte mir das Gleiche von sich.

Nun wisst ihr, warum ich von all unseren Ausflügen ausgerechnet vom Balsamhof Fotos für die Fotogeschenke für meine Mutter und Aurelia ausgewählt habe.

Beim nächsten Mal denke ich hoffentlich auch daran, Sandra nach ihrem Hofladen zu fragen. Ich vermute, dass es dort feinste Alpakawolle zu kaufen gibt, denn Cyrus war frisch geschoren, als wir mit ihm wandern gingen.

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