Bei unseren Touren im Bergischen Land trafen wir an einigen Stellen auf ehemalige Bahnstrecken, die nicht mehr für den Güter- und Personentransport benötigt wurden. Man legte sie still. Das wiederum fanden andere Menschen sehr schade und suchten nach einer sinnvollen Anschlussnutzung.

 

Drei schöne Ideen möchte ich euch vorstellen:

 

1.) Wenn es denn nicht mehr die Reichsbahn/Bundesbahn/Deutsche Bahn AG ist, kann ja ein anderer Betreiber zumindest am Wochenende touristische Fahrten anbieten. So wurde es auf der Strecke der Wiehltalbahn bemacht.

Der Bergische Löwe, ein Dampfzug, fährt etwa alle drei Wochen am Sonntag zweimal zwischen dem Eisenbahnmuseum in Gummersbach-Dieringhausen und dem Bahnhof Wiehl hin und her.

Herrlich, so eine Fahrt mit gemäßigter Geschwindigkeit durch das Wiehltal.

Holzklasse selbstverständlich!

2.) In Solingen wurden sogar die Schienen der Korkenzieherbahn abgebaut und auf der verbleibenden Trasse entstand ein Weg für Freizeitsportler. Besonders beliebt ist die Solinger Korkenziehertrasse bei Radlern.

Eine Weile lang gab es an der Korkenziehertrasse sogar ein Café in einem alten Eisenbahnwaggon. Das musste aber aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Heute dient der Waggon als Klassenzimmer für Sprachkurse.

 

Eine rasante Fahrt, wenn zwei kräftige Burschen in die Pedale treten

3.) Der Mittelweg wurde zwischen Wuppertal und Radevormwald beschritten. Dort blieben die Schienen liegen, es fahren zwar keine Bahnen mehr, aber Fahrraddraisinen von Wuppertrail. Aurelia und ich hatten viel Spaß bei der Fahrt. Wir starteten am Beyenburger Stausee fuhren durch ein Naturschutzgebiet bis kurz vor die Wuppertalsperre.

Unterwegs konnten wir uns von der Qualifikation der Techniker überzeugen: Auf Höhe des Wülfing-Museums wurde die Draisine kurzerhand von den Schienen gelupft und an der Bremsanlage repariert. Auf der ersten Strecke fiel das Treten nämlich sehr schwer, es stellte sich heraus, dass die Bremsen leicht angezogen waren. Aurelia und ich verbrachten die Wartezeit mit dem Genuss herrlich reifer Walderdbeeren. Wir mussten nicht einmal teilen, denn die anderen Draisinengäste waren weiter gefahren, ohne auf uns zu warten und die uns begleitenden Herren von Wuppertrail auf unserer Draisine hatten (1) eine Fruktoseintoleranz, (2) wegen der Reparatur keine Zeit zum Ernten bzw. (3) Angst vor dem Fuchsbandwurm.

Schade, dass Oma und die Zwillinge nicht dabei waren, sie hätten die Fahrt bestimmt auch genossen. Aber Oma hatte zu viel Angst, dass sie selbst in die Pedale treten muss.

Wir kommen wieder, wenn Aurelias Beine gewachsen sind und sie kräftiger mitradeln kann. Bei diesem Mal kam sie auch in der kleinsten Einstellung nur mit den Zehenspitzen an die Pedale, das war anstrengend und wackelig.

Noch lange nach der Fahrt haben wir davon gesprochen, wie lustig es war, wie eine Bahn auf Schienen zu fahren. „Aber“, so betont Aurelia jedes Mal, wenn wir davon sprechen, „eine Bahn hat Vorfahrt, eine Draisine nicht!“ Sie hat sich nämlich immer köstlich amüsiert, wenn einer der Fahrtbegleiter von der Draisine sprang und eine Kreuzung der Schienen mit einer Straße mit Warnweste und Fahne absicherte.

5 thoughts on “Stillgelegte Bahnstrecken und ihre Anschlussnutzung im Bergischen Land

  1. Toll! Ich habe mich gerade beim Karte gucken mit stillgelegten Bahnen im Bergischen befasst, die zu Radwegen wurden. Die Balkantrasse scheint sogar ziemlich lang zu sein.
    Von Leverkusen bis Hattingen

      1. Da müsste ich mit dem öffentlichen Verkehr anreisen und/oder eine Übernachtung mit einplanen. Mache ich bestimmt mal.
        Ich plane ja zur BC-Convention in Mainz 2018 mit dem Rad zu fahren.

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