Die Traumpfade in der Osteifel werden seit September durch Traumpfädchen ergänzt. Einen davon wollte ich mir ‚mal ansehen, als ich gestern zur Überprüfung und Ergänzung meiner Recherche zum Rollstuhlwanderweg nach Mayen-Kürrenberg fuhr. Eines dieser Pfädchen verläuft nämlich eine Weile auf dem Rolli-Weg.

Genau in dieser Tasche stecken meine Leckerli, ich komme nur nicht dran!

Das Traumpfädchen Eifeltraum trägt einen Namen, der viel verspricht, dies aber nicht hält:

  • Traum-: Naja, ein ganz schöner Weg, aber ein Traum von Weg ist es nicht
  • -pfäd-: Nein, definitiv ist es kein Pfad. Dieser Rundweg führt über breite Waldwege, Forstwege,…
  • chen: Das -chen kann sich nur auf die Länge beziehen, der weg ist familienfreundliche 5,3 km lang
  • Eifel-: Stimmt, Mayen-Kürrenberg liegt in der Eifel und der Weg führt durch schöne Eifellandschaft
  • -traum: gleich zweimal in zwei Worten. Das halte ich für arg übertrieben!

„Au weia“, werdet ihr vielleicht denken. Das ist aber nicht nötig. Bathida und ich hatten gestern einen herrlichen Wandertag. Wir starteten bei Frühnebel in Köln, ließen auch die über dem Rhein- und Ahrtal noch von Saharastaub und Waldbrandasche verschleierte Sonnenscheibe hinter uns und blinzelten in die klaren Strahlen der Eifelsonne, als wir auf dem Waldparkplatz starteten.

Der auf der Homepage der Traumpfade angepriesene Hofladen in der Laachstraße war für mich übrigens eine Enttäuschung. Ich hatte dort kurz Halt gemacht, um uns Marschverpflegung zu beschaffen. Von allen Obstsorten flogen Fliegenschwärme auf, wenn man sich annäherte. Die Inhaberin war  muffig und kompliziert. Da wunderte es mich kaum, dass ich bei der Rast Schokoweckchen aus der Tüte zog, die ich gar nicht bestellt hatte. Naja, kann ja passieren. „Ein Körnerbrötchen und ein Rosinenwecken bitte!“ hört sich ja fast genauso an wie „Zwei Schockoweckchen bitte!“

Barrierefrei: Weg und Kommunikation

Witziges Detail am Startpunkt: Die Macher des Weges nennen den Parkplatz am Start „Wanderparkplatz Rhododendron“. Wenn man auf der B258 unterwegs ist, findet man aber nur ein Wanderparkplatz-Schild mit dem Namen „Reiningweg“. Hier ist noch eine Feinabstimmung der Namensgeber nötig.

Der Parkplatz bietet Platz für mehr als ein Dutzend Fahrzeuge. Im Sommerhalbjahr (auch jetzt im Oktober noch) befindet sich sogar eine Behindertentoilette auf diesem Parkplatz. Laut lachen musste ich über ein niederländisches Paar, das ein solches Häuschen wohl noch nie gesehen hatte und mutmaßte, was das deutsche ToiToi wohl in der Muttersprache bedeutet. Sie kraulte noch meinen Hund, während er die Tür aufriss und uns lachend zurief: „ToiToi is Dixi, dat is en Handicap-Dixi!“ Sehr leicht verständlich, das Rheinische steht dem Niederländischen dann doch sehr nahe.

Müll im Wald – ausnahmsweise absichtlich

Ich absolvierte also zunächst meine Rolli-Tour, eine barrierefreie kleine Runde ohne touristische oder geografische Höhepunkte. Sie führt an einem – zwischen Laub und Wurzeln nicht auszumachenden – Keltenwall entlang zu einem anderen Wanderparkplatz.

Dort fasziniert mich jedes Mal ein uraltes steinernes Kruzifix. Außerdem gibt es einen kleinen Waldlehrgarten. So nenne ich das Beet, in dem Müll-Muster – von der PET-Flasche über Batterien bis hin zu Edelstahlstangen – vor sich hin verrotten. Davor stehen Täfelchen und man darf raten, wie viele Jahre ein Zigarettenfilter, eine Aludose oder ein Lederschuh benötigen, bis sie sich zersetzt haben.

Traumwetter auf dem Traumpfädchen Eifeltraum

Die Traumrunde führt parallel zur B258 auf dem Rolli-Rundweg, biegt dann aber rechts ab zur Reining-Hütte, die für die Rollstuhlfahrer schon auf dem Rückweg liegt. Über eine Wiese gelangten wir in ein Waldstück mit Buchenhochwald, in dem auch immer wieder hoch gewachsene Fichten zu sehen waren. Entsprechend raschelte das Laub unter den Füßen und Pfoten, während wir auf dem durch die Fichtennadeln streckenweise angenehm weichen Wanderweg stetig bergab wanderten.

Mehrere Bächlein in tiefen Kerbtälern lockten Bathida zum Saufen. Der Weg führte nun wieder bergauf durch lichter werdenden Wald. Ungewöhnlich kleine Eichen und riesige Kiefern lösten die Buchen und Fichten ab. Nach links öffnete sich der Blick ins Nitztal und wir erreichten die Bleiberghütte. Neben der Schutzhütte stehen ein Picknicktisch und eine Sonnenliege. Auf ihr verbrachte ich meine Mittagspause und war nun bereit, den Wegnamen „Eifeltraum“ zu unterschreiben. Mit Blick auf den bunten Herbstwald konnte ich mir den Indian Summer in Kanada kaum schöner vorstellen. Die einzelne Kiefer direkt an der Hütte bildete einen Kontrapunkt, quasi ein Ausrufezeichen zur Bekräftigung der Eifelschönheit, das mich aus Kanada zurück nach Europa holte und Reiseerinnerungen an die Toskana weckte.

Kneipp-Gänge sollen gesund sein. Vielleicht ja auch für Hunde.

Hätte ich mir die Tourbeschreibung vorher besser durchgelesen, hätte ich gewusst, warum Bathida auf dem weiter bergauf führenden Weg plötzlich verschwand und ich es platschen hörte. Sie hatte das Natur-Kneippbecken entdeckt! Eigentlich gingen die Planer sicherlich davon aus, dass nur Zweibeiner eine erfrischende Runde durch dieses Becken drehen, aber das große Becken war für meinen Wasserhund zu einladend.

Unterhalb des Dorfes führte der Weg nun zurück zum Parkplatz. Immer so breit, dass ich mich fragte, was daran „Pfad“ sein soll. Aber durch abwechslungsreiche offen Landschaft mit Blicken nach Kürrenberg und ins Tal. Beeindruckt hat mich einmal wieder das Durchhaltevermögen der Landwirte in der Eifel. In manch einem Acker ist vor lauter Steinen kaum Erde zu sehen. Auf solch kargen Böden Ackerbau zu betreiben ist bestimmt kein Vergnügen.

Fazit: Wir hatten einen sehr schönen Wandertag bei fantastischen Herbstwetter und können dieses Traumpfädchen jedem empfehlen, der eine kurze Runde durch abwechslungsreiche Eifellandschaft drehen will. Wir waren trödelige zweieinhalb Stunden unterwegs. Das wäre aber auch 45-60 Minuten schneller gegangen, ohne dass wir das Gefühl gehabt hätten, uns zu hetzen.

Wer auch für kleinere Steigungen kräftig genug zum Schieben ist, kann den kompletten Weg auch mit dem Buggy wandern. Sitzbänke, Schutzhütten und Rastplätze gibt es unterwegs reichlich.

Bathida vergibt für die Tour die volle Punktzahl auf der Hunderundenskala: sie kam nicht außer Puste, musste nicht an die Leine und fand unterwegs genug Wasser, um ihren Durst zu löschen.

 

5 Gedanken zu „Traumpfädchen Eifeltraum bei Mayen-Kürrenberg

  1. Ja als entspannende Hunderunde und lockeres dahin spazieren sind sie gedacht und so empfinde ich auch diesen Zweck erfüllt. Bathida ist der Brüller, das Gesicht – göttlich!

    Liebe Grüße aus dem herbstlichen Leverkusen
    Elke und Spike

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