Am Wochenende hatte Max seine beiden Freundinnen Nele und Cari zum Waffelessen eingeladen. Aurelia und ich durften sie begleiten und sie freute sich sogar darauf, obwohl sie keine Waffeln mag (lieber rohen Teig). Sie verabredet sich selbst gerne zu solchen Playdates, zu denen sie inzwischen allein geht, sie weiß also, wie schön es ist, von einem Freund eingeladen zu werden.

Meine sonst ziemlich trödeligen Töchter waren schon eine halbe Stunde vor der angekündigten Abfahrtzeit fertig. Und das, obwohl wir nach dem Frühstück noch spontan eine Dose Knetgummi für Max herstellten. Ich konnte sie noch ein paar Minuten hinhalten, dann aber mussten wir endlich fahren und waren zu früh da. Hm, gehen wir schon rein oder warten wir die zehn Minuten bis zur verabredeten Zeit. Eine schwierige Entscheidung. Denn hier im Rheinland reagiert man auf einen zu-früh-unpünktlichen Gast mit schlechterer Laune als auf einen zu-spät-unpünktlichen Gast. (Viele Gastgeber warten lieber eine halbe Stunde vor einem fertig gedeckten Tisch als dass sie auch nur eine Viertelstunde vor der verabredeten Zeit vom Klingeln unter der Dusche hervor gezerrt werden oder der Besuch durch den frisch geputzten Flur läuft.)

Meine Töchter beendeten diese Überlegung und zeigten mir, dass sie selbst ihre Gurte lösen und die Autotüren öffnen können, wenn es ihnen wirklich wichtig ist. Prima, wieder ein paar Handgriffe, bei denen ich „Das kannst du schon alleine!“ sagen kann. Zum Glück waren Max und seine Mama schon bereit, Besuch zu empfangen.

Es war ein vollkommen entspannter Vormittag, alle vier Kinder spielten fantastisch miteinander, was nicht selbstverständlich ist. Denn (1) einem Einzelkind fällt ja oft das Teilen seiner Spielsachen mit den Besuchern schwer, (2) Besucherkindern fällt es oft schwer, sich an die Regeln ihrer Gastgeber zu halten, (3) manchmal finden Jungs und Mädchen einfach kein für alle interessantes Spiel und (4) hätte der Altersunterschied zwischen Aurelia und den drei Kleinen auch zu Schwierigkeiten führen können.

Doch dieses Grüppchen hatte Spaß aneinander und miteinander: Alle rannten zuerst mit Feuerwehrhelmen, dann mit Dino-Masken kreischend durch das Haus. Der inzwischen auch anwesende Papa stellte erstaunt fest, dass meine Mädchen beim Kreischen lauter sind als sein Sohn mit der Trillerpfeife. Sie spielten Verstecken und Fangen, fachsimpelten über Feuerwehrmann Sam und bildeten am Ende ein unschlagbares Team beim Waffelbacken.

Volle Konzentration beim Mehlabmessen

Wie schön, dass auch andere Mütter beim Backen mit Kindern vollkommen entspannt sind. Steffi setzte kurzerhand alle vier Kinder auf die Arbeitsplatte und teilte die Zubereitung in so viele Einzelschrittchen auf, dass jeder reichlich zu tun hatte. Auch wenn Milchtüten umkippten und Eierschalen im Teig landeten, alle fanden es klasse. Aurelia und Cari trauten sich sogar an den Mixer. Den fassen sie zuhause nicht einmal an, aber als sie sahen, dass Max den Teig allein damit rühren kann, wollten sie es auch einmal probieren. So können auch sechsjährige Mädchen von dreijährigen Jungs lernen.

Soo lecker, dass Puderzucker genügt, obwohl Nutella auf dem Tisch steht

Hmm, uns schmeckt es in allen Varianten gut

Übrigens, das Waffelrezept war großartig, wir werden unser bisheriges Rezept wohl damit ersetzen. Und die kleine Eierschale in meiner Waffeln nenne ich einfach Crunch, dann passt es zu der köstlichen Aprikosensauce, die meine Meinung zu US-amerikanischer Küche ins Wanken kommen ließ. Die Kleinen wählten einfache Waffeln mit Puderzucker. Erstaunlich, weil auf dem Tisch auch Marmelade und Nutella stand. Und Aurelia bekam sogar ein Schälchen, um daraus den rohen Teig zu löffeln – noch dazu ohne ängstlichen Hinweis auf Salmonellen & CO.

Danke, liebe Steffi, für diesen bezaubernden Vormittag.

3 Gedanken zu „Kleine Kinder = Große Bäcker

  1. „Einem Einzelkind fällt ja oft das Teilen seiner Spielsachen mit den Besuchern schwer.“ Das ist, Sorry, ein dummes Vorurteil.
    Ganz im Gegenteil, die Wissenschaft hat festgestellt:
    Ein Einzelkind ist weniger durchsetzungsfähig und kann schlechter Lügen als Gleichaltrige mit Geschwistern.
    Warum sollte ein Einzelkind, seine Spielsachen nicht teilen, wenn es andere Kinder zum Spielen hat? Da sind die anderen Kinder allemal interessanter.
    Abgesehen davon gehen die meisten Kinder heutzutage schon in die Kita, bevor das nächste Kind überhaupt ausgetragen sein kann. Da schleift sich der Unterschied noch mehr weg.
    Aurelia war vor der Geburt von Nele und Cari schließlich auch Einzelkind.

    • Liebe Bibo, ich muss dir widersprechen.

      Das ist kein Vorurteil, das ist meine persönliche Erfahrung.

      Ich habe das schon ganz anders erlebt, zum Teil ging es so weit, dass wir den Besuch abbrechen mussten oder ich für meine Mäuse im Auto nach einem eigenen Spielzeug gekramt habe. Aurelia hat vor der Geburt der Zwillinge bei Playdates auch ein Riesentrara gemacht, wenn ihr Gast eins ihrer Spielzeuge anfasste oder gar damit spielte. Es mag sein, dass ein Einzelkind weniger durchsetzungsstark ist, aber in dem Alter heulen sie dann einfach herzzerreißend, bis die beiden Mütter angerannt kommen und zu vermitteln versuchen. Die anderen Kinder sind natürlich interessanter als das eigene Spielzeug, aber sobald sich die anderen Kidner für das Spielzeug interessieren, kann es schwierig werden. Und das Kita-Argument greift auch nicht zu Einhundert Prozent. Da sind es ja „nur“ die Kita-Spielzeuge und nicht die eigenen.

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