Vorweg zur Klarstellung: Ich liebe das Einkaufen und Stöbern in Baumärkten. Ich weiß mich leichter drei Stunden in einem Baumarkt zu beschäftigen als 30 Minuten in einem Schuhgeschäft.

Doch die Firma Bauhaus hat in dieser Woche ziemlich an meinen Nerven gespielt.

Alles begann ganz harmlos: Für Karfreitag hatten wir uns mit unseren Freunden Melanie und Stephan verabredet. Wir haben sie vor knapp sieben Jahren bei Berner Sennenhunde in Not kennengelernt. Sie hatten dort ihre Venus adoptiert, als wir Maxim und Bathida bekamen. Venus und Maxim sind zwischenzeitlich über die Regenbogenbrücke gegangen, aber Bathida versteht sich auch mit den neuen Schlappohren Maik und Cleo sehr gut. Deren Menschen machen momentan ihren Garten hundeausbruchsicher und baten mich um Hilfe. Hier mein Tagebuch in Kurzfassung:

  • Freitag, 23. März: Stephan versucht im örtlichen Bauhaus Zaunfundamentsteine in der Größe 19x19x25 cm zu kaufen. Sie sind dort nicht mehr vorhanden und er wird aus Internet verwiesen. Online findet er heraus, dass im Hürther Bauhaus noch ein größerer Bestand lagert. Zur Sicherheit ruft er dort an und bekommt bestätigt, dass die Steine in der Bestandsliste vermerkt sind.
  • Samstag, 24. März: er bittet mich darum, in unserem Bauhaus fünf dieser Steine zu kaufen und am Karfreitag mitzubringen.
  • Montag, 26. März: ich denke bei unserem Besuch im Odysseum kurz „Mensch, das Bauhaus hier in Kalk ist ja noch viel größer als das bei uns in Hürth!“ und fahre nachmittags für die Steine ins Hürther Bauhaus. Ich gehe in die Gartenabteilung, suche den kompletten Außenbereich ab, frage einen Mitarbeiter und erfahre „So etwas haben wir hier nicht!“ – „Ja, aber…“ – „Fahren Sie besser nach Kalk, dort haben Sie eine größere Auswahl.“
  • Dienstag, 27. März: ich fahre nach Kalk, zwei Mitarbeiter suchen mit mir in der Gartenabteilung und in der Baustoffabteilung, und zwar vergeblich. Ein Blick in den Rechner ergibt, dass in dieser Filiale wohl wirklich keine dieser Steine vorrätig sind. Ein zweiter Blick bestätigt aber, dass in der Hürther Filiale noch 64 Stück im Bestand geführt werden.
  • Mittwoch, 28. März: ich fahre nach Hürth und werde in der Gartenabteilung abgewiesen. Als ich widerspreche, verspricht mir der Mitarbeiter, alles abzusuchen und mich anzurufen. Ich schleppe den restlichen Tag das Telefon vergeblich durch alle Räume und alle Etagen unseres Hauses. Natürlich ruf er nicht an.
  • Donnerstag, 29. März, vormittags: ein mir noch unbekannter Mitarbeiter in der Gartenabteilung des Hürther Bauhauses erklärt mir „Nein, haben wir keine!“. Als ich aber darauf bestehe, bekomme ich ein überheblich-patziges „Haben Sie es denn schon in unserer Baustoffabteilung probiert? Steigen Sie in Ihr Auto und fahren Sie in den Drive In!“ Ich tue, wie mir befohlen, fahre in den Drive In Bereich, lasse mich bei meiner vergeblichen Suche zwischen allen Regalen eine Viertelstunde nass regnen, frage einen Mitarbeiter, werde von diesem zum nächsten geschickt. Beide schütteln mit dem Kopf und verneinen, suchen im Computer, schütteln wieder mit dem Kopf, rufen in der Gartenabteilung an, schütteln wieder mit dem Kopf. Ich darf mir aussuchen, ob ich in meinem Auto oder an der Kasse auf sie warte, denn sie wollen nun in dem für Kunden nicht zugänglichen Lager suchen, inzwischen sind sie zu dritt. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich meine Suche abbrechen muss. Meine Mutter und Aurelia sitzen zuhause auf heißen Kohlen, weil wir um 11 Uhr einen Termin im Deutschen Sport- und Olympiamuseum haben. Ich steige ins Auto und werde von einem der Suchenden gestoppt: „Fahren sie bitte raus und parken Sie vor der Gartenabteilung. Der Kollege hat die Steine dort im Außenbereich gefunden!“ Ich bedanke mich artig, fahre aber nach Hause und lasse mir fünf Stück zurücklegen. Ich weiß zwar, dass ich mit meinem Schicksal spiele, aber die Recherche geht vor.
  • Donnerstag, 29. März, nachmittags: Ich parke vor der Gartenabteilung und frage nach den zurückgelegten Steinen. Die Mitarbeiterin weiß von nichts, erklärt mir, dass gar nichts zurückgelegt wird und geht ans klingelnde Telefon. Nach längerer Warterei gebe ich die Hoffnung auf, von ihr Hilfe zu erhalten und gehe in den Außenbereich der Gartenabteilung. An einer Stelle, an der ich in den letzten Tagen schon mindestens viermal vorbeigegangen bin, entdecke ich etwa 20 dieser Steine. Fünf davon wandern sofort auf meinen Wagen. Auf dem Weg zur Kasse frage ich mich unentwegt, ob ich sie wirklich übersehen hatte oder ob sie erst später dort abgeladen wurden, nachdem die Nachfrage nach diesen Steinen (durch Stephan und mich) in dieser Woche so drastisch in die Höhe geschnellt war. Doch nicht einmal das Bezahlen ist einfach: Preisschildchen oder Strichcodes gibt es natürlich nicht auf den Steinen, in der Steinliste findet Kassiererin die Steine nicht und ich kann ihr auch den Preis nicht verbindlich sagen, weil Stephan von 6,05 Euro pro Stück geschrieben hatte, auf dem Schild am Lagerplatz aber 5,90 Euro steht. In der wachsenden Schlange hinter mir werden vier – fünf – sechs – sieben Kunden immer ungeduldiger, während die Kassiererin erst mit einem Mitarbeiter der Gartenabteilung telefoniert, dann mit dem persönlich herannahenden Leiter dieser Abteilung spricht und schließlich von ihm per Telefon den erlösenden Zahlencode für die Kasse diktiert bekommt. Sie hat aber die Ruhe weg, schenkt mir noch ein Bauhaus-Osterei, amüsiert sich darüber, dass es perfekt in eins der Zaunpfostenlöcher in dem Zaunfundamentstein passt („Oh, in Wirklichkeit haben Sie ja Eierbecher aus Beton gekauft!“) und wünscht mir „Frohes Schaffen und erholsame Ostertage!“ – „Danke gleichfalls!“

Vier Löcher für verschiedene Pfostenformen…

…oder einfach nur ein unhandlicher Eierbecher?

6 Gedanken zu „Kunde droht mit Kauf

  1. Das Bauhaus Kalk ist eine Katastrophe, und offensichtlich ist das Bauhaus Hürth nicht besser.
    Bauhaus Kalk ist der laden an den ich am besten mit der Bahn komme, aber ich hatte jedes Mal Probleme damit, jemanden zu finden, der berät und was verkaufen will. Das Personal scheint grundsätzlich nicht geschult zu sein. Einmal wollte ich nur was fragen zu Gasheizgeräten und keiner war dafür zuständig. Irgendwann bin ich völlig frustriert wieder abgezogen und hatte innerhalb von 5 Minuten Internet-Recherche das gewünschte Ergebnis. Kein Wunder, dass alle nur noch im Internet bestellen.

  2. Wir haben uns vor Lachen kaum auf den Stühlen halten können. Ich bin gerade zum Oster Besuch bei meinen Eltern und auch meine Schwester ist hier. Ich habe deinen Bericht im Stil “ neues aus Stenkelfeld“ vorgelesen. Nicht nur dass wir vieles wiedererkannten, auch sonst konnten wir uns Alles, dank deiner guten Beschreibung, bildlich vorstellen. You made our day!

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