Am Montag standen eine Boulderhalle und eine Rheinschifffahrt auf unserem Rechercheprogramm. Wir sind weder geklettert noch mit dem Schiff gefahren. Dennoch hatten wir einen schönen Tag und gewannen wichtige Erkenntnisse.

Zwar ist es ein Unterschied, ob ich als Autorin eines Reiseführers oder als Privatperson unterwegs bin. Einige Schlüsse kann ich aber trotzdem aus den Erlebnissen ziehen. Höflichkeit dem Kunden gegenüber ist unterschiedlich ausgeprägt, der Umgang mit ungeplanten Ereignissen auch.

Warten ist langweilig, besonders wenn die Schwester den Liegestuhl blockiert

In der Boulderhalle war ich mit einer Dame verabredet, die mir in unserer Korrespondenz mehrfach versicherte, dass sie an diesem Tag in der Halle sei und Zeit für mich habe. Als wir um 10:30 dort ankamen, wusste die Rezeptionistin nichts von der Verabredung und teilte mir mit, meine Ansprechpartnerin sei in einer Besprechung. Ich solle doch schon einmal Fotos machen, die Kollegin komme gleich. Die Kinder sollen aber bitte nicht auf die Matte oder an die Wände. Nach einer Stunde fragte ich noch einmal nach und erfuhr, das dies das Montagsmeeting sei. Manchmal könne dies sehr sehr lange dauern. Sie wolle noch einmal nachfragen, ob ein Ende in Sicht sei.

Spannende Experimente mit Trinkhalm, Schorle und Glas

Währenddessen lud ich meine Mutter zu einem Kaffee und die Kinder zu Apfelschorle ein. Als wir fast ausgetrunken hatten, liefen auf einen Schlag ganz viele Menschen mit Notizbüchern und Telefonen am Ohr herum. Niemand gab sich mir gegenüber zu erkennen, auch die Rezeptionistin sprach keine der Frauen auf mich an. Meine Ansprechpartnerin war wohl immer noch nicht aus der Besprechung zurück. Wir leerten unsere Gläser und Tassen. Ich teilte der Rezeptionistin mit, dass die Kinder unruhig werden und unsere 90-minütige Maximalparkzeit abgelaufen ist. Sie reagierte schulterzuckend und grußlos. Bis heute habe ich keine Nachricht, warum man uns warten lassen hat. Ich muss also davon ausgehen, dass diese Boulderhalle nun doch nicht ins Buch soll. Auch in Ordnung, dann bleibt mehr Platz für andere Ausflugsziele.

Noch guter Dinge in der Warteschlange am Kai

Nachmittags hatten wir eine Akkreditierung für eine einstündige Panoramafahrt auf dem Rhein. Am Agenturbüdchen am Rheinufer wurden wir ebenso herzlich empfangen, wie beim Betreten des Schiffes. Mein Akkreditierungsschreiben musste ich nicht einmal vorzeigen, denn man war informiert. Voller Vorfreude schauten wir uns das Schiff an. Die Kinder und meine Mutter bestellten sich Eis, während ich Fotos machte.

Geht es jetzt los?

Fünf Minuten nach der geplanten Abfahrt kam eine Durchsage des Kapitäns: „Wegen eines technischen Defekts kann diese Fahrt nicht stattfinden. Bleiben Sie noch an Bord, so lange Sie mögen und lassen Sie sich nach Verlassen des Schiffs den Fahrpreis am Schalter erstatten!“ Der Crew-Chef kam extra an unseren Tisch und entschuldigte sich für diese Panne. Der Anlasser sei defekt, die Handwerker seien verständigt, aber er könne nicht sagen, wie lange es dauern werde. Selbstverständlich könnten wir am Dienstag oder Mittwoch ohne erneute Akkreditierung wiederkommen. Ich sprach noch ein paar Worte mit der Restaurantleiterin (die uns sogar auf das Eis einlud), machte Notizen und fotografierte meine zufrieden Eis essende und das Schiff erkundende Familie.

Bei der Straßenbahnfahrt nuschelte Cari: „Oma, das war ein schöner Tag!“, lächelte selig und schlief auf ihrem Schoß ein. Auch Nele und Aurelia sprachen den ganzen Abend voller Begeisterung von der Bahnfahrt und dem Schiff.

Nichts richtig recherchiert und trotzdem zufriedene Kinder – und zwei Recherche-Ergebnisse: Die Boulderhalle kommt nicht ins Buch, die Panoramafahrt auf jeden Fall.

So geht es mir öfters. Für ein Buch mit zwanzig Rundwanderungen laufe ich mindestens 25-30 Touren. Bei den Kinderausflugsführern habe ich geschätzte 25 Prozent Ausschuss: Vor Ort erweist sich das Ziel als fad oder es passt nicht zur angepeilten Altersgruppe, oder der Anbieter gibt mir zu verstehen, dass ihm Kunden im Alter meiner Zielgruppe gar nicht Recht sind, oder ich erfahre in einem Nebensatz, dass das Museum voraussichtlich für 4 Jahre wegen Umbau geschlossen wird, oder oder oder. Aber das gehört eben auch zur Recherche: Ich berate meine Leser, das bedeutet auch, dass ich Ziele weglasse, von denen ich abrate.

5 thoughts on “Auch Pleiten sind gute Recherche-Ergebnisse

  1. Ja, wer nicht ins Buch will, ist selber Schuld.
    Ich habe dazu das Pendant: Wer kein Trinkgeld will, bekommt auch keins.

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