Die Köln-Recherche liegt nun fast komplett hinter uns. Seit Mitte März haben wir alles ausprobiert, was für Grundschulkinder in Köln spaßig, interessant und/oder lehrreich sein könnte. Der Text ist fertig, die Lektorin war begeistert und das WDR-Team liest schon fleißig. Nun kleckern nur noch ein paar Fototermine nach, für die kein früherer Termin gefunden wurde.

Erfahrungen

Von meinen Erfahrungen zu Beginn der Recherche hatte ich euch ja zum Teil schon berichtet. Mitunter wurde mir gar nicht geantwortet, mitunter ablehnend oder vertröstend. Ein Herr bestand darauf, den Text selbst zu schreiben, ließ sich vom Verlag extra noch einen Mustertext zum Vergleich mit Düsseldorf schicken – und lieferte trotz etlicher Erinnerungen nicht. Eine Dame brachte es erst nach neun (!) Mails und zwei Besuchen fertig, mir zu sagen, dass sich im Herbst in der Ausstellung des Museums so ziemlich alles ändern wird, über das wir bei unseren Besuchen und in den Mails gesprochen hatten – und der Text damit völlig unbrauchbar ist. Von einem Museum bekam ich zunächst keine Besuchserlaubnis für journalistische Zwecke, nach längerem Quengeln nur eine ohne Fotoerlaubnis. Erst vorgestern dann war der Marketingleiter imstande, mir auch einen Besuch mit Fotoerlaubnis zu ermöglichen. Manchmal dachte ich, diese Leute hätten noch nie mit einer Publikation zu tun gehabt.

Wir haben auch im Sommer vor Ort viele verschiedene Erfahrungen gemacht. Manches war okay – nicht mehr und nicht weniger. Einiges war so grauslig, dass ich es gestrichen habe, obwohl Verlag und WDR es im Buch haben wollten. Aber dann bitte ohne mich!

Aber der absolute Großteil unserer Recherchetouren war weder okay noch grauslig, sondern fantastisch. Und dafür bin ich sooo dankbar. Ich wusste vorher gar nciht, wie schön Köln ist. Vielleicht ist sie auch erst durch die Freude der Kinder so schön geworden. Jedenfalls hätte ich ohne dieses Buchprojekt Köln niemals so intensiv erforscht.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass dreijährige Kinder in einer öffentlichen Sauna einen ungezwungenen und gut gelaunten Vormittag verbringen könnten. Das Rathaus hätte ich mir nie und nimmer von innen angesehen. An einen Konzertbesuch mit meinen Minimäusen hätte ich auch im Traum nicht gedacht. „Escape Room“ hielt ich Anfang des Jahres noch für ein Synonym für „Panic Room“. Unter 3D-Schwarzlicht-Minigolf konnte ich mir absolut gar nichts vorstellen.

Hättet ihr gewusst, dass ihr im Sommer Wechselklamotten für eure Kinder mitnehmen solltet, wenn ihr zum Rheinauhafen fahrt? Oder dass es an der Orgel im Kölner Dom eine „Loss Jonn“-Register speziell für die Karnevalsmesse gibt? Wo wir grade beim Dom sind: Wo müsst ihr stehen, um die Uhr zu sehen?

Gefühle

Resümee meiner Erkundungen, Besuche, Führungen und Erlebnisse: Köln ist eine liebenswerte Stadt. In allen Stadtteilen gibt es etwas zu erleben, egal ob es alte Bauwerke und Museen, sportliche Aktivitäten, Natur oder schieres Vergnügen ist.

Ich habe mich verliebt. Zuerst am Stadion in Heinz Zwölf. Dann in seine Kumpels, die wir im gesamten Stadtgebiet trafen. Und schließlich in die Stadt selbst.

Vorher hatte ich ein ambivalentes Verhältnis zu ihr. Doch nun weiß ich so viel über die Heilige Ursula, das Stapelrecht, die Büdchenkultur und Tausend andere Details, dass ich erstmals in meinem Leben das Gefühl von Heimat habe, wenn ich von Köln spreche.

Hürth ist zwar meine Geburts- und Wohnstadt, aber eher ein Vorort. Wir leben nur 1 km von der Stadtgrenze entfernt und näher am Dom als viele Kölner. Aus meinem Dachfenster kann ich ihn sogar sehen. Schon immer habe ich im Auto laut „Isch möösch ze Fooß noh Kölle jonn“ gegrölt, wenn ich auf der A4 von Westen auf Höhe der Rastanlage Frechen bergab auf den Dom zu rollte oder – ebenfalls auf der A4 – von Osten im Stadtgebiet von Bergisch Gladbach die Domspitzen erspähte. Aber über den Spruch „Liebe deine Stadt“ an der Unterführung am Opernhaus habe ich immer geschmunzelt. Wie konnte man nur auf die Idee kommen, eine solch große, enge, heiße, stinkende, dreckige, laute, unsortierte, klüngelige, knüsselige, korrupte und hässliche Stadt zu lieben?

Wo die Liebe hinfällt – ist es um die Vernunft geschehen.

Köln ist immer noch eine große, enge, heiße, stinkende, dreckige, laute, unsortierte, klüngelige, knüsselige, korrupte und hässliche Stadt. Aber ich habe so viele schöne, saubere, leise, faszinierende, bezaubernde und einfach nur rundherum liebenswerte Stellen kennengelernt, dass sich mein Gefühl geändert hat. Und mit dem Gefühl änderte sich meine Einstellung zu vielem.

Mir ist inzwischen egal, dass ich selbst als Ureinwohnerin immer noch nicht auf Anhieb das richtige Stadtbahnticket erwische. Gegen den Gestank hat Johann Maria Farina schon vor über 300 Jahren ein Bergamotte-Duftwässerchen erfunden, das ich nach unserem Recherchebesuch zu meinem Lieblings-Eau de Cologne ernannt habe. Ich kann mich nicht mehr darüber aufregen, dass es in Köln scheinbar zum guten Ton gehört, nicht (!) auf Presseanfragen zu antworten. Ich weiß, dass es für Leute mit VW-Bus keine Parkplätze in den Innenstadt gibt und bin darüber nicht sauer, sondern freute mich wie bekloppt, als ich am Agrippabad problemlos auf das Parkdeck passte. Ja, es gibt in einigen Museen, Kletterhallen und anderen Ausflugszielen ziemlich verschrobene Gestalten. Manch eine Begegnung wäre im Suff leichter zu ertragen gewesen. Aber dies sehe ich nur noch als Beweis für die Vielfalt, das Multikulti, die Offenheit für jede Sorte Mensch, die diese Stadt ausmacht.

Über diese Entwicklung bin ich erstaunt. Nicht die Stadt hat sich geändert, sonder ich habe meine Einstellung zu dieser Stadt geändert. Nun gefällt sie mir. Ich möchte mehr erleben. Mit meinen Töchtern alle Kindertheater Kölns besuchen. Mit der Großen auf den Kölner Dom steigen. In Kölner Schwimmbädern platschen und rutschen gehen statt immer nur in unserer Bütt. Und – stellt euch vor – vielleicht sogar häufiger allein oder mit einem netten anderen erwachsenen Menschen durch Köln ziehen. Wer mich sonst kennt, kann sich niemals vorstellen, dass ich bei tropischen Temperaturen auf einem mit Menschen vollgestopften FoodMarket im Rheinauhafen eine eiskalte Green B herunterkippe und einen Lachanfall nach dem anderen bekomme.

Meine Gefühle wurden sogar schon von den Höhnern vertont. Seit Jahren singe ich das Lied in der Karnevalszeit mit, aber jetzt meine ich auch, was ich singe:

Hey Kölle! Do bes e Jeföhl!

Hey Kölle – do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

Ich han die Städte der Welt jesin,
ich wor in Rio, in New York un Berlin!
Se sin op ihre Aat jot un schön,
doch wenn ich ierhlich ben, do trick mich nix hin!
Ich bruch minge Dom, dä Rhing – minge Strom –
un die Hüsjer bunt om Aldermaat!
Ich bruch dä F. C., un die Minsche he,
un die jode, echte kölsche Aat!

Hey Kölle – do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

Do häss em Kreech fas‘ mem Levve bezahlt,
doch se han dich widder opjestallt.
Die Zick, die määt och för dir nit halt,
hück häste Ecke, die sin jrau un kalt!
Do weed römjebaut un vell versaut,
un trotzdem eines, dat es jeweß:
Dat dä Ärjer vun hück – un dat jeiht flöck –
die jode ahle Zick vun murje es!

Hey Kölle – do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

[ 2x ]

Ich blieve he, wat och passeet!
Wo ich die Lück verstonn,
wo ich verstande weed!
Hey, hey, hey!

Hey Kölle – do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

[ 2x ]

(Quelle: www.songtexte.com)

Der Blick zurück

Recherchieren mit Kindern bei Tropenklima ist anstrengend. Ich bin seit der Walesreise gesundheitlich ziemlich angeschlagen und es ist keine Besserung in Sicht. Es gab Tage, an denen ich zu nervenschwach für organisierten Kindertrubel war: Bei der Kinderfahrt auf dem Rhein musste Rebi das Ruder in die Hand nehmen, weil mir alles zu viel wurde.

Aber bei der Durchsicht der Fotos wird deutlich: Das überwiegende Gefühl bei den Recherchetouren war Freude. Ich spreche dabei nicht von gestellten Fotos für den Reiseführer, sondern von denen, die es wahrscheinlich gar nicht ins Buch schaffen werden. Seht selbst – und wenn ihr ortskundig seid: ratet, welches Foto wo aufgenommen wurde:

Danke

Mein allergrößter Dank gilt dir, liebe Rebi. Eigentlich wolltest du nur an einem Sonntag im März mit uns in den Zoo fahren. Daraus sind so viele gemeinsame Recherchen geworden, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann. Du hast bei diesen Touren das Fotografieren übernommen und ich konnte mich auf die Notizen, den Gesprächspartner und die Kinder konzentrieren. Danke auch an meine Mama – und an Diana, Edyth, Kerstin, Klaus, Petja und Stephie, die mich mit ihren Kindern begleiteten.

Die Hauptpersonen sind aber die Kinder Aurelia, Ben, Ben, Cari, Carlotta, Dana, Irena, Janick, Jonas, Lenni, Levi, Lia, Lotta, Lucca, Max, Max, Milli, Nele, Titus und Tori. Ihr habt die Recherchen so wundervoll gemacht, dass ich es kaum abwarten kann, euch im März das fertige Buch zu überreichen.

 

8 thoughts on “Ich liebe meine Stadt

  1. ❤ Glückwunsch zum fertigen Projekt! Wir sind sehr gespannt und stolz, Teil daran gehabt zu haben
    Danke!

  2. Ja, es braucht oft einen Anlass, die Stadt zu erkunden. Damals, als ich noch in Hamburg wohnte, und noch nicht gebloggt habe, haben wir mal Bookcrossing-Monopoly gespielt. Die Felder eines Standard-Monopoly-Bretts mussten mit Büchern belegt werden. Also nicht die des Bretts, sondern man musste den real existierenden Ort finden und dort das Buch ablegen. Damals war ich auch begeistert, welche tollen Orte es in Hamburg gibt, die ich sonst nie gefunden hätte. http://www.bookcrossing.com/journal/5741400/
    Seit ich in Köln wohne, wollte ich das Spiel immer mal wieder neu aufleben lassen. Mal sehen, vielleicht nächstes Jahr ab März.

  3. DANKE dir!!! Ich hab beim lesen des Artikels herzlich gelacht, laut gesungen, mich erinnert und auch sehr gefreut. Gefreut darüber, das wir dich ein paar male begleiten durften und darüber das du uns alle hier in deinem Blog hinter die Kulissen blicken lässt. Ich bin schon so mega auf das Buch gespannt, das es jetzt schon kribbelt wenn ich daran denke, es nächstes Jahr in meinen Händen halten zu dürfen!! Danke auch für die vielen Bilder, die es wahrscheinlich nicht ins Buch schaffen werden, das „Schönste“ nehme ich dann als Kontaktbild für dich…. 😉 Also Danke dir, für deine umfangreichen, witzigen und Augen öffnenden Beträge, doe das Gefühl fördern, genau da RICHTIG zu sein – wo wir alle gerade sind! Mit herzlichen Grüßen Diana :o)

  4. Huhu!
    Die Bilder sind ja herrlich! Offenbar hatten die Kinder großen Spaß. Toll, dass ihr euch trotz der tropischen Hitze nicht habt abhalten lassen. Hoffe es geht dir gesundheitlich bald wieder besser!

    LG Iris

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