The Kymin bei Monmouth

Ich bin nun schon zum vierten Mal auf dem Offa’s Dyke Path unterwegs. Das erste Mal 1996 privat, dann 2000 und 2005 für die ersten beiden Auflagen meines Wanderführers. Zweimal war ich mit einem Mann unterwegs, wobei ich mich einam ständig gescheucht fühlte und einmal die Scheucherin war. Einmal starteten wir zu vier Frauen, erreichten aber nur zu zweit das Ziel.

Dieser Weg ist kein leichter für mich.

Ich laufe ihn jetzt allein und das ist gut so. Ich brauche diese Einsamkeit, denn die Erinnerungen überrollen mich. Bei jedem Schritt werden mir die Fehlentscheidungen meines Lebens deutlich. Ich bin hier nicht nur Grenzgängerin zwischen England und Wales, sondern auch zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Entsprechend langsam komme ich voran und entsprechend groß ist meine Angst vor der Hatterhall Ridge und einigen anderen ausgesetzten Etappen.

Total kurios, denn ich kenne mich ja aus, bin gut vorbereitet und sollte eher beim Gespannfahren ein mulmiges Gefühl haben. Aber das klappt bislang noch problemlos.

Es ist eben doch leichter, sich den praktischen Anforderungen des Alltags zu stellen und einen VW Bus nebst 7.82 m langem Anhänger zwischen den Hecken der Single Track Roads zu manövrieren, als sich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Mit meiner Vergangenheit, meinen Fehlern, meinen Enttäuschungen, meinen Verlusten, meinen Sehnsüchten, meinen Träumen.

Aber jeder Schritt auf dem Offa’s Dyke Path ist ein Schritt zu mehr Klarheit. Ich habe ein Thema sogar schon am dritten Wandertag mit meinem damaligen Gegenüber klären können. Viele Jahre haben wir darüber geschwiegen und nun in der Rückschau einen Strich ziehen können und gemeinsam gelacht. Welch eine Erleichterung auf beiden Seiten!

Ich bin gespannt, was der Weg mir noch bereit hält. Eigentlich müsste ich Glück haben, den ich habe auf den Sedbury Cliffs bei der Selbstauslöseraufnahme am Startstein in frische Vogelkacke gepackt und meine Oma sagte immer, dass man Glück hat, wenn man in die Scheiße fasst.

Ich hoffe also, mit Hilfe einer britischen Möve, den depressiven Phasen entkommen zu können und gestärkt in Prestatyn anzukommen…

5 Gedanken zu „Offa’s Dyke Path, mein ewiger Grenzgang

  1. Gerade gestern sprachen meine Freundin hier auf Thasos und ich über Lebenswege und Entscheidungen. Wir beide wollten Wissenschaftler werden und Biologie studieren. Sie arbeitet jetzt hier auf der Insel als „Reiseverkehrskauffrau“, hat auch ein Zwillingspärchen und ein Haus voller Tiere und einen riesen Garten. Ich arbeite bei einem IT Dienstleister und kann mir alles leisten was ich mir so wünsche…naja nicht alles.
    Wir haben beide festgesetllt, dass es gut so wie es ist auch wenn der Weg nicht immer der erträumte war. Zurück können wir nichts ändern. Nur vorraus.

  2. Ich wünsche dir gute Gedanken und Erkenntnisse auf deinem Weg, gutes Wetter und guten Tritt! Bis bald, Aurora

  3. Zu sich selbst zu finden ist immer etwas Positives ….. auf alten Wegen zu gehen und zu Erinnern um das was vor uns liegt dann klarer zu sehen ist eine gute Idee …. weiterhin einen guten Weg für Dich !
    Gruß
    Freddy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Webseite