Es klingelt. Die Briefträgerin nennt mir die Tageszeit, fragt nach meinem Namen und hält mir ihr Smartphone für eine Unterschrift hin. Ich frage zaghaft nach, was ich da unterschreibe und sie knurrt „Einschreiben Rückschein.“

„Von wem ist es denn?“ – „Bitte erst unterschreiben!“ – kritzelkratzel – „Danke. Und jetzt noch Name, Vorname, Datum und Unterschrift auf den Rückschein!“ – „Von wem ist es denn?“ – „Bitte erst ausfüllen und unterschreiben!“ – kritzelkratzel – „Danke! Tschö!“

Da stehe ich nun und weiß gar nicht, ob ich den Brief überhaupt umdrehen will, um den Absender zu sehen. Da meldet sich wohl die Juristin in mir. Mit Einschreiben, vor Allem mit der Rückscheinvariante, verbinde ich automatisch etwas Negatives.

Mir gehen etliche potentielle Absender durch den Kopf, aber außer dem blöden Gefühl, das ich bei jedem Einschreiben habe, stellt sich kein konkreter Verdacht ein.

Also drehe ich den Briefumschlag um und lese Lidl. Bathida hebt den Kopf, weil ich laut auflache. Ja, Lidl hat mir geschrieben und ich freue mich über den Inhalt.

Rückblende:

Im Januar fuhr ich an einem Nachmittag nach der Schule mit allen drei Mädels zum Lidl. Wir benötigten etwa fünf Viertelstunden, weil es so viele spannende Sachen zu erkunden gab, wir über den Lunchboxinhalt der nächsten Tage diskutierten, die Kinder noch dreimal für Kaninchenkohlrabiblätter in die Gemüseabteilung zurückrannten und wir am Ende noch länger an der Kasse warten mussten.

Zurück am Auto erwartete uns eine böse Überraschung: Der private Sicherheitsdienst, der seit einiger Zeit die Parkraumbewirtschaftung der Lidl-Filialen übernommen hat, hatte uns ein „Knöllchen“ geschrieben. Ein Zettelchen hinter dem Scheibenwischer informierte mich darüber, dass ich wegen Parkzeitüberschreitung eine Vertragstrafe von 19,90 Euro zu zahlen hätte.

Den ganzen Hickhack, den ich daraufhin mit der Firma und mit dem Filialleiter der betreffenden Filiale in mehreren Telefonaten, Mails, Mahnungen und Erhöhungen der Forderung hatte, erspare ich euch an dieser Stelle.

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig: Bei knappem Parkraum ist es gut, eine Parkzeitbefristung einzuführen, um Fremdparker fernzuhalten, die nicht zwischen Lidl-Parkplatz und P&R bzw. Tanzschulparkplatz unterscheiden. 60 Minuten Einkaufszeit reichen für einen schnellen Einkauf als Einzelperson, können aber bei einem Wocheneinkauf mit drei kleinen Kindern nur zu einem Desaster führen.

Der Herr von SafePlace sagte mir eine Rückzahlung meiner inzwischen 31,90 Euro Strafgeld zu – auf die ich aber immer noch vergeblich warte.

Lidl reagierte nun mit dem Eingangs erwähnten Einschreiben: Darin werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Karenzfrist beim Parken nun von 60 auf 90 Minuten erhöht wurde. Ferner lag – und das ist der Grund für den Versand als Einschreiben – ein Einkaufsgutschein über 20 Euro im Umschlag. Ich freue mich über beides, wobei mir die gewonnene 30 Minuten sogar wichtiger sind.

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