Heute habe ich etwas ziemlich Abenteuerliches: Ich habe eine Schulranzenmesse besucht. Eigentlich wollte ich etwas für meine Mädels kaufen, ging aber mit leeren Händen wieder zum Auto. Und das ist gut so.

Messe

Die Bezeichnung passt gut, wenn man bei diesem Begriff eine Verkaufsmesse vor Augen hat. Es geht bei dieser Veranstaltung zu gefühlten 80 Prozent um Verkauf und nur zu etwa 20 Prozent um Beratung & Information.

Location

Die Messe fand in der großen Vorhalle des Kölner Karnevalsmuseums statt. Das war ganz nett, die Größe der Halle passte ungefähr zu den Besuchermassen.

Mein neuer Wanderrucksack ist von ergobag ;o)

Parken

Geworben hatte der Veranstalter seit Wochen in all ihren Zeitungsanzeigen mit „ausreichend Parkraum am Museum“. Als ich um kurz nach 9 Uhr dort ankam, war der Parkplatz wegen Überfüllung geschlossen – nicht anders als ich kurz vor 12 Uhr wieder ging. Die Werbung mit Parkraum ist also eher ein Marketinginstrument, denn sie fand heute zum achten Mal statt, man müsste also schon aus den Vorjahren das Parkproblem kennen. Zum Glück kenne ich mich vor Ort aus und fand einen legalen Parkplatz keine fünf Laufminuten entfernt. Ich sah aber etliche schlecht gelaunte Familien bei der Parkplatzsuche, sah eine Politesse mit glühenden Wangen in ihr Gerät tippen, hörte Familienväter lautstark um den letzten Parkplatz hupen und streiten, sah Mütter mit müden Kleinkindern auf dem Arm schwere neue Ranzensets und deren stolze Besitzer durch die Straßen zerren.

Mein Tipp: Anreise mit Fahrrad oder Bahn. Bei Anreise mit dem Auto längere Laufwege einplanen, also für das Geschwisterkind vielleicht einen Buggy mitnehmen und während der Ranzenauswahl im Foyer stehen lassen.

Veranstalter

Die Messe wurde von einem großen Lederwarenladen aus Köln veranstaltet, der auch am Ausgang für alle Ranzen und Schulrucksäcke, die in der Halle ausgesucht wurden, den Kaufpreis kassierte.

Vertreter einiger großer Ranzenhersteller und des Lederwarenhändlers standen an langen Tischen, die gesteckt voll mit Ranzen und Schulrucksäcken standen.

Mein Anliegen

Ich war ohne Kinder dort und hatte daher die Ruhe und Gelassenheit, mit jedem der Aussteller zu sprechen und mich beraten zu lassen. Bei den Ranzenherstellern lies ich mir etwas für die Zwillinge und etwas für Aurelia empfehlen.

Ich erklärte jedem Aussteller,

1.) dass die Kleinen bald vier Jahre alt werden und im August in die Reception = Vorschule kommen. Dort benötigen sie weiterhin

2.) ein Gepäckstück wie den aktuell genutzten Scouty, in den sie ihre Frühstücksdose, ihre Trinkflasche und ihre Lunchbox stecken können.

3.) Sie sind für ihr Alter noch sehr klein und ich möchte sie nicht mit einem Schulranzen für sechsjährige losschicken.

4.) Aber sie müssen außerdem eine Plastikmappe in Din A 4 Format für Arbeitsblätter und Erstlesehefte transportieren.

5.) Wenn ich sie mit einem Rucksack für die Verpflegung und einer Bookbag für die Bücher losschicke, wie ich es bei Aurelia gemacht hatte, kann ich sicher sein, dass sie sich auch ständig in den vielen Trägern verheddern und mindestens einmal pro Woche das eine oder das andere in der Klasse vergessen wird.

6.) Die Große wünscht sich einen neuen Ranzen/Rucksack, weil ihr alter Scout Ranzen nicht mehr richtig sauber wird, Ranzen uncool sind und ich nun eine Lösung oder Argumente suche.

Dabei führte ich Buch. Das war extrem spannend und aufschlussreich für mich.

Meine Resultate

1.) Lederwaren Voegels: Die Verkäuferin rät mir zum Ranzen Ergobag Cubo Light, der nur 780 g wiegt. Er lässt sich nicht auf eine bestimmte Körpergröße einstellen. Das sei aber nicht schlimm, weil er ja so leicht sei. Das Set kostet 239 Euro und besteht aus Schulranzen (19 l), Sportbeutel, gefülltem Federmäppchen, Schlamperrolle und fünfteiligem Klettie-Set. Ohne den Zusatzschnickschnack kann ich den Ranzen nicht käuflich erwerben.

2.) Ergobag: Der ersten Ergobaglerin rutscht spontan ein „Schniek“ heraus, sie nimmt dies aber sofort wieder zurück mit den Worten „Die gibt’s hier nicht“. Beim Blättern im Ergobag Prospekt stelle ich fest, dass sie mir eigentlich den Ergobag Mini vorschlagen wollte. Diese Rucksäcke für Kindergartenkinder und Vorschüler mit so lustigen Namen wie Schniekobello, Schniekabussi und Schniekozamba sind aber laut Prospekt wahrscheinlich genau das, was ich suche: 500 g leicht, Din A 4 Format und kosten nur 44,90 bzw. 29,90 Euro.

Was mir diese Dame dann vorschlägt, ist der Cubo Light, den mit auch die Kollegin von Voegels genannt hatte. Ein Ergobag-Kollege, der gerade nebenan berät, verzieht das Gesicht. Als ich ihn später spreche, lehnt er den Cubo Light rundheraus ab, er sei viel zu groß für zwei zarte Vierjährige und lässt sich nicht auf unterschiedliche Körpergrößen einstellen. Entweder wir sollen die Zweitaschen-Lösung ernsthaft ins Auge fassen oder den Rucksack Ergobag Pack nehmen. Der wiegt zwar 1100 g, ist aber kompakter und man hat beim Anschauen nicht das Gefühl, das Kind werde von der Schultasche erdrückt. Auch den Rucksack (20 l) gibt es nur als Set für 239 Euro , zum Sportbeutel, gefülltem Federmäppchen, Schlamperrolle und der fünfteiligem Klettie-Set kommt hier noch eine Heftebox.

3.) Scout: Das hätte ich vom Marktführer nicht erwartet. Die Dame, die ich zuerst ansprach, riet mir, es bei den Scouty-Rucksäcken zu belassen, bis die Kinder 6 Jahre alt sind.

Als ich etwa eine Stunde später ihren männlichen Kollegen ansprach, betonte auch er, dass die Zwillinge mit 4 Jahren noch zu klein für einen Schulranzen von Scout sind. Er – als Scout-Vertreter – kannte die Scouty-Kindergartenrucksäcke gar nicht. Auch als ich ihn konkret auf das nächstgrößere Produkt seiner Firma, den Scout VI Rucksack (400 g, 11,5 l, 39 Euro) ansprach, der Din A 4 tauglich ist, wiegelte er ab und empfahl mir stattdessen den Ergoflex von DerDieDas für 229 Euro. Dieser Schulrucksack (20,5 l) ist nur im Set mit einer Sporttasche, einem Schüleretui, einem Faulenzermäppchen und einer Heftebox zu haben. Das sei günstiger als Scout, mit 800 g auch leichter, man habe zwar etwas am Material gespart, das mache sich aber nur beim Gewicht und bei der kürzeren Garantiezeit bemerkbar.

4.) Sammies von Samsonite hatte es nicht einmal für nötig befunden, einen Vertreter zu entsenden. Auch die Vögeles berieten zu diesen Produkten nicht einmal auf Nachfrage. Die Schulrucksäcke sehen zwar sehr hübsch aus, wiegen nur 900 g, sind so hoch wie die anderen Ranzen und Rucksäcke, dennoch passte unsere Lunchbox nicht, die ich extra mitgenommen hatte.

5.) McNeill: Der Vertreter maulte mich an, warum ich die Kinder nicht mitgebracht hatte. Auch meine Antwort, dass ich erst einmal die Funktionalität entscheiden lassen will, bevor ich mit Dreijährigen über Einhorn-, Prinzessinnen- und Pferde-Motive diskutiere, wischte er mit einer abfälligen Bemerkung beiseite. Er setzte noch einen drauf, indem er alle Ranzen in dieser Halle für zu groß erklärte. Als er merkte, dass es mir trotzdem ernst ist mit meinem Beratungswunsch, fiel ihm „zufällig“ ein, dass er im Auto noch einen 900 g leichten Ergo Light 912 S habe, der genau zu meinen Anforderungen passe, aber im Sortiment des Veranstalters nicht vertreten sei. Dafür koste er als Set (Ranzen 18,5 l, Sportschuhbeutel, Etui und Schlamperrolle) auch nur 209 Euro, während die normalen Ranzensets 249 Euro kosten. Er zeigte echten Einsatz für mein Anliegen und ging mit mir zum Auto, um mir sein Muster zu zeigen, betonte aber noch zweimal, dass ich die Kinder besser hätte mitbringen sollen, damit man den Ranzen hätte anpassen können und das Kind das Motiv aussuchen könne.

6.) Step by Step: Sofort nach Ende meiner Schilderung schlug mir die nette Dame den Cloud vor: Die 990 g seien weniger entscheidend, wichtig sei der Tragekomfort und die leichte Verstellbarkeit beim Mitwachsen. Sie zeigte mir einige nette Details: zum Beispiel lässt sich das Federmäppchen im Deckel befestigen und sind die abnehmbaren Motive magnetisch „Magic Mags“, während sie bei allen anderen Herstellern aus Klett sind. Auch dieses Produkt gibt es nur als Set mit einem Sportbeutel, einem Febdermäppchen und einem Schlamperetui, Kostenpunkt 249 Euro.

An dieser Stelle kam ein Kollege hinzu, dem einfiel, dass im nächsten Monat der A4-taugliche Kindergartenrucksack KID bzw. KID Schleich auf den Markt kommen wird. Er riet mir dazu, auf diesen zu warten, weil er besser zu uns passt. Als ich grade auf der Homepage nachsah, gab es dazu schon Beschreibungen (13 l, 380 g) und Preise: 44,99 – 49,99 Euro! Und das inklusive Magic Mags und Sitzkissen!

7.) Affenzahn: was mir als Marke bislang vollkommen unbekannt, scheint der Kindergartensektor von Ergobag zu sein, aber mit sehr engagiertem Vertreter. Er erkannte meine Schwierigkeit sofort. Das ist ihm vom französischen Markt vertraut, wo auch schon mit fünf Jahren die Schule beginnt und ein Jahr vorher in der Vorschule schon Raum für Din A 4 benötigt wird. Er kennt diese Problematik aus französischen Schulen und Vorschulen, in denen die Kinder ja auch schon in diesem Alter ihre Hefte transportieren. Er zerrte mich von seinen superniedlichen Rucksäckchen weg, die so viele neckische Details haben, dass ich sie fast einfach so als Reise- und Wanderrucksäckchen für meine Mädels gekauft hätte, die aber leider zu klein für die Schulhefte sind.

Stattdessen erzählte er mir, dass im Sommer eine Neuheit auf den deutschen Markt kommt, die bei französischen Vorschuleltern sehr beliebt ist: Ein Schulranzen im Din A 4 Querformat, so wie unsere alten Tornister waren, namens Cartable. Ein genaues Datum und ein Preis stehen noch nicht fest, leider konnte ich auch nicht prüfen, ob neben den Heften auch noch eine Trinkflasche und zwei Boxen für Frühstück und Mittagessen passen. Aber wenn die genau so süß sind wie die Großen Freunde und es auch nur halbwegs passt, stehen sie in der ganz engen Wahl für mich.

Andere Aussteller

Ein Schulranzenset allein macht noch nicht rundherum glücklich. Deshalb konnte man sich bei dieser Messe auch über Schülersparkonten und Krankenkassenmitgliedschaften informieren, Frühstücksboxen, Turnbeutel, personalisierte gestickte & genähte Schultüten, Trinkflaschen und einige andere Sachen kaufen.

Muss eine Schultüte wirklich genäht und bestickt sein?

Ganz hinten wurden erschöpfte Väter und Großväter mit Waffeln und Getränken aufgepäppelt und es gab sogar einen Lachspezialisten namens Lachulus, bei dem die Kinder malen und die Eltern quizzen konnten. Ich hatte sogar so viele Fragen rund ums Lachen richtig beantwortet, dass ich neben einem Reiseführer über Jordanien auch noch eine Fotofreigabe von ihm geschenkt bekam.

Fazit

Ich ging nach Hause mit den Erkenntnissen,

  • dass meine Zwillinge vorerst keinen echten Ranzen brauchen können und in der Schule gegen den Strom schwimmen werden
  • dass Schulranzen unverschämt teuer sind, aber jeder klaglos zahlt und deshalb die Veranstalter von Schulranzenmessen gar nicht daran interessiert sind, preiswertere Alternativen anzubieten, obwohl es diese gibt und sicherlich auch einige Erstklässler mit einen leichteren Scout VI, KID, Cartable oder ähnlichen Lösungen besser beraten wären.
  • dass Eltern und Großeltern schon im März zu Panikkäufen neigen. Mehr als einmal habe ich gehört, dass man sich ja heute entscheiden müsse, weil man sonst nur noch das nehmen müsse, was übrig sei.
  • dass keiner eine Erklärung dafür hat, warum ein Erstklässler zu seinem gefüllten Federmäppchen noch ein leeres Schlampermäppchen haben muss. Aber jeder bietet es an, weil allen anderen es auch anbieten
  • dass man schon ziemlich genau wissen muss, was man will, weil man sonst vollkommen verwirrt einfach nur nach dem erstbesten Stück greift, bei dem das Kind sich ins Motiv verliebt hat.
  • dass es allen Anbietern wichtiger ist, mir mitzuteilen, wie viele arme kleine 0,5 l PET-Flaschen für diesen Rucksack sterben mussten als mir einen Tipp zu geben, wie ich einen verdreckten Ranzen sauber bekomme. Passt zwar nicht, ist aber nachhaltig…
Material: recycelte PET-Flaschen, 50% bei Affenzahn bis 100 % bei Ergobag

5 thoughts on “Schulranzenmesse

  1. Hi,
    Wir hatten für den Zweck einen Deuter Rucksack. Brustgurt und A4 tauglich und unter 30€. Den hat der Große zum dritten Geburtstag bekommen und heute mit 8 benutzt er den immer noch als Rucksack für Events, wandern und co.

    Das Schlampermäppchen braucht man tatsächlich für Schere, Kleber und co.

    1. Oh, gut zu wissen, beides, unsere Wanderrucksäcke sind zu klein für dieses Unterfangen und Aurelia benutzt nicht einmal das normale Mäppchen, weil Stifte, Scheren, Kleber & Co. in der Klasse vorhanden sind.

  2. Ja, die Zwillinge sind noch zu klein für den deutschen Markt. Also ich hätte ja auch spontan den Oktopus und die Eule genommen.
    Du kannst aber wirklich mal alternativ bei Deuter schauen. Ich habe ja zweimal hintereinander baugleiche Deuter-Säcke (für Erwachsene) als Werbegeschenk bekommen und mag die gar nicht wieder Ausziehen. Als Daypack superleicht und bequem.
    Jetzt habe ich natürlich zu viele Taschen und Rucksäcke. Also hat Nachtgeier neulich meinen ehemaligen Sportrucksack bekommen. Und ich habe noch welche übrig. Einer davon ist ein kleiner Deuter, der mir immer etwas zu klein war. Passt zwar als Daypack alles rein, aber eben nicht zusätzlich eine Spiegelreflex-Kamera.
    Ich stecke verdreckte Rucksäcke übrigens gnadenlos mit in die Waschmaschine und einen Tennisball dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.