Ein Recycling-Spiel, auf das meine Mutter stolz sein darf.

Mein erster Kontakt:

Meine Mutter hat dieses Spiel schon immer in Petto gehabt. Als Kochfrau bei Skifreizeiten der Naturfreunde. Als Herbergsmutter im Villehaus. Als Begleiterin von Seniorenfahrten. Als Betreuerin bei der Stadtranderholung. Und nun als Oma bei Kindergeburtstagen und an langen Ferienabenden. Vielleicht habe ich schon als Baby das erste Mal mitwürfeln dürfen. Ich weiß es nicht.

Das Spiel:

Ziel des Spiels:

Jeder Spieler ist bestrebt, möglichst oft eine Sechs zu würfeln, um ein Geschenk auspacken und behalten zu dürfen.

Spielvorbereitung:

Rettet nach einem Geburtstag/Weihnachten oder anderen Geschenkanlässen das bereits benutztes Geschenkpapier vor oder aus der Altpapierkiste.

Das kommt zusammen, wenn Vater und Oma unabhängig voneinander beteuern „zu Ostern gibt es für die Kinder aber keine Geschenke!“

Sucht nun im ganzen Haus kleine Dinge zusammen, über die sich ein Mitspieler freuen könnte. Nein, nicht kaufen! Bei genauem Hinsehen findet sich genug für mehrere Spielrunden. Bei Senioren nahm meine Mutter dafür Parfümproben, Miniseifen, Hotelduschgel, Erfrischungstücher, Streichhölzer,… Für Kinder und gemischte Gruppen kommen Flummis, Radierer, Plastikfiguren, Kreisel, Buntstifte, Modeschmuck, Luftballons, Kinderzahnpastaproben,… hinzu. Diesen Krimskrams packt ihr einzeln in das Geschenkpapier ein.

Material:

Die vorbereiteten Päckchen und ein Würfel.

Spielregel:

Jeder Spieler erhält drei Päckchen. Die restlichen Päckchen werden in die Mitte gelegt. Der jüngste Spieler würfelt zuerst:

  • 1: nimm ein Päckchen aus der Mitte!
  • 2: gib eins deiner Päckchen nach rechts!
  • 3: gib eins deiner Päckchen nach links!
  • 4: nimm dir ein Päckchen von deinem linken Mitspieler!
  • 5: nimm dir ein Päckchen von deinem rechten Mitspieler!
  • 6: öffne eins deiner Päckchen! Dan Inhalt darfst du behalten

Durch das ständige Abgeben und Wegnehmen kann man sich das schönste Päckchen ausgesucht haben, das dann aber durch alle Hände wandert und nach einer 6 auf Nimmerwiedersehen in der Hosentasche eines Mitspielers verschwindet. Auch kann es dazu kommen, dass ein Spieler ein Dutzend Päckchen vor sich liegen hat, aber keine einzige 6 würfelt – während ein anderer Spieler eine 6 nach der anderen würfelt, aber keine Päckchen vor sich liegen hat, die er öffnen könnte.

Das Spiel kann endlos gespielt werden oder bis das letzte Päckchen ausgepackt ist. Wir vereinbaren zu Spielbeginn eine feste Zeit, z.B. „Punkt 17 Uhr beginnt die letzte Würfelrunde.

Macht’s uns allen Spaß?

Ja. Das hat viele Gründe:

  • Würfelspiel ist Glücksspiel: Es kommt nicht auf das Können an, schon die kleinsten können vollwertig mitspielen.
  • Spannung: Keiner weiß, was sich unter dem Geschenkpapier verbirgt. Es sind zwar alles nur goldene Nixchen, aber die Vorfreude und Spannung ist viel wichtiger als der spätere tatsächliche Besitz.
  • Spaß: Das Jubeln bei einer 6. Die Schadenfreude, wenn mein Nachbar mir etwas wegnimmt und schon im nächsten Zug selbst weggeben muss. Beim Auspacken ist das Gelächter mitunter groß, wenn z.B. Oma die frisch gewonnenen pinken Glitzerspangen in ihrem Herrenhaarschnitt zum Halten bringen will oder ich mich frage, an welcher Stelle meines Körpers sich ein lila Einhorn-Tattoo am besten machen würde.
  • Loslassen: Jeder von uns gibt Kleinigkeiten her, die dann eingepackt werden. Selbst die Kleinen kommen mit Buttons, Badekugeln, Muschelschalen, Schneckenhäusern, hübschen Steinen, gemusterten Papiertaschentüchern und Murmeln an, die ich verpacken soll.
  • Entrümpeln und Recyclen: Meine Mutter und ich packen außerdem Minispielzeug ein, das schon eine längere Zeit achtlos herumlag. Besonders gerne lasse ich Minifiguren in den Päckchen verschwinden, nachdem ich nachts barfuß draufgetreten bin. Wenn all dieser unnütze Überfluss dann ausgepackt wird, jubeln die Kinder, als wäre es neu angeschafft worden.
  • Lernen: Beim Würfeln lernen die Kinder, die Würfelpunkte 1 bis 6 mit einem Blick zu erkennen. Sie müssen wissen (oder fragen), wo rechts und links ist. Wir trainieren geduldiges Warten bis zum nächsten eigenen Zug. Wir rollen die Augen und stöhnen „ist ja nur ein Spiel“, wenn der Würfel uns einfach keine 6 schenkt oder uns ständig Päckchen von links und rechts abgenommen werden. Und wir lernen, dass ein bestimmter Gegenstand für den einen Mitspieler unnütz ist, aber für den nächsten ein echter Schatz ist. Ich erfreue mich seit dem vergangenen Herbst an einem Schlüsselanhänger in Form eines Gartenzwergs, der gleichzeitig Einkaufswagenchip ist. Den hatte Cari ‚mal im Bauhaus von einem Mitarbeiter geschenkt bekommen und Nele beim Päckchenspiel gewonnen.
  • Tauschen: Genau hier setzt dann spätestens bei Spielende das große Tauschen ein. Shampoo-Portion gegen IKEA-Eisgutschein, Elsaring gegen Maschafigur, Porzellankätzchen gegen Vanilleteelicht oder Klappkugelschreiber gegen bunte Büroklammern.
  • Varianten: Das beste an diesem Spiel sind die spontanen Varianten, die man einbauen kann, wenn die Stimmung zu kippen droht. In einer Runde mit Dreijährigen haben wir den Farbwürfel genommen, weil die anderen Kinder die Punkte noch nicht zählen konnten. Wir hatten eine Spielrunde mit Aurelias Freundinnen, in der wir automatisch immer ein Päckchen nachlegten, wenn jemand keins vor sich liegen hatte. In einer anderen Spielrunde hatte ein Kind 8 Päckchen öffnen dürfen, ein anderes kein einziges. Das glichen wir aus, indem sich am Ende des Spiels jeder noch so viele Päckchen nachziehen durfte, bis jeder 8 Kleinigkeiten vor sich liegen hatte.

Steckbrief:

  • Name: Päckchenspiel
  • Hersteller: Du selbst
  • Spieler: beliebig
  • Alter: beliebig
  • Dauer: beliebig
  • Spielart: Würfelspiel
  • Warnung: Je jünger die Spieler, desto kleiner die Zahl der Mitspieler, damit die jüngsten nicht ungeduldig werden.
  • Preis: in einem chaotischen Haushalt wie unserem vollmommen kostenneutral, weil stets Geschenkpapierreste, Päckcheninhalte, Klebefilm und Würfel vorhanden sind. Bei Neuanschaffung kann es teuer werden, z.B. wenn USB-Sticks, 100-Euro-Scheine und Brillantringe eingepackt werden…
  • Resümee: Resteverwertung mit Pfiff.

4 thoughts on “Unser Päckchenspiel: selbstgebasteltes Spielvergnügen

  1. Man nennt es auch Schrottwichteln. Nur dass beim Schrottwichteln niemand 8 Päckchen ansammeln kann.
    Ich glaube es liegt daran, dass nur Päckchen getauscht werden können, aber nicht einfach genommen.
    Am Anfang liegen alle Päckchen in der Mitte.
    Es heißt dort also: tausche mit Deinem linken, tausche mit Deinem rechten Nachbarn, tausche mit einem beliebigem Mitspieler, mit Deinem Gegenüber nenne zwei Mitspieler, die tauschen sollen. Mit der sechs am Anfang ein Päckchen genommen von der Mitte oder einem Mitspieler. Wenn alle verteilt sind, wird mit der sechs ausgepackt. Und dann noch eine Weile weiter gespielt oder der „Beschenkte“ scheidet aus.
    Die Regeln für’s Wichteln gehen gegen unendlich https://www.experto.de/hobby-freizeit/kreativitaet/wichteln-an-weihnachten-spiel-mit-los-und-wuerfel.html
    https://www.experto.de/hobby-freizeit/kreativitaet/spiel-kreativ-schrottwichteln-das-partyspiel-teil-1.html

    1. Ja, Schrottwichteln kennen wir auch. Aber wie du schon richtig sagst, da hat jeder immer genau ein Paket vor sich liegen und nicht 0 – 99 kleine Päckchen.

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