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Eine meiner großen Leidenschaften neben dem Schreiben von Reiseführern ist das Lesen von Reiseerzählungen. Vor zwei Wochen bekam ich von Stephan Fürst eine ganz besondere Reisegeschichte in die Hand gedrückt:

Sybille hakt nach. Eine Begegnung in Weyerbusch zur Raiffeisenzeit.

Obwohl Raiffeisen selbst in dem Stück nicht auftritt, wird ein lebendiges Bild dieses außergewöhnlichen Menschen gezeichnet. Ohne belehrend zu wirken, lehrt mich dieses Büchlein einiges über Raiffeisens Genossenschafts-Idee. Ich lese über Hungerwinter und Kindersterblichkeit, aber auch den Bau eines Dorf-Backes (Backhaus) und einer neuen Schule, über Schuldscheine und Schwierigkeiten mit übergeordneten Behörden. Es orientiert sich eng an den historischen Fakten und lockert den Text durch Abbildungen von Raiffeisen und den Gebäuden am Schauplatz auf.

Stephan beschreibt die Zufallsbegegnung des Westerwälder Bauern Hans mit einer durchreisenden französischen Gräfin und ihrem Sekretär Daniel vor dem Haus des jungen Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Weyerbusch.

An vielen Stellen muss ich beim Lesen schmunzeln: Wenn der Bauer Hans immer wieder ins Wäller Platt verfällt und noch einmal neu mit Hochdeutsch ansetzt. Wenn er darüber staunt, dass sich solch eine feine Dame mit ihm unterhält und sogar bei Details gezielt nachhakt. Wenn er
sich am Klang der französischen Sprache erfreut:

„Merssi, danke!“, sagt der Begleiter, und wieder wandern meine Worte leichtfüßig ins Französische hinüber. Dass meine einfachen Worte den Weg in diese große Sprache finden, macht mir feuchte Augen,…

Stephan Fürst: Sybille hakt nach

Ursprünglich war dies der Text eines szenischen Stücks, das 2018 bei einem Jubiläum im internationalen Austausch von EDL (Evangelischer Dienst auf dem Land im Rheinland), KLB (Katholische Landvolk-Bewegung im Erzbistum Köln) und MAR (Mouvement d’Action Rurale) entstand.

Nun hat er dies der Öffentlichkeit auf höchst originelle Weise zugänglich gemacht. Es erschien als Lesarette® vor einigen Wochen im Ossolit Verlag. „Als was?“ werdet ihr fragen.

Lesaretten® haben das Format einer Zigarettenschachtel und stecken mitunter auch in ehemaligen Zigarettenautomaten namens Ossomat. Liebevoll von einer Banderole umschlossen und gut geschützt in einer farbigen Schiebeschachtel ist das Büchlein ein erfreulicher Gegenpol zu der Flut von in Plastikfolie eingeschweißten Büchern. Es wird von Messingnieten gehalten und wird aufgefächert statt umgeblättert!

5 thoughts on “Sybille hakt nach – Eine Reisegeschichte aus dem Jahr 1847

  1. Liebe Ingrid,
    Kannst du uns mehr über diese Lesaretten verraten? Das klingt spannend.

    1. Mach ich! Hatte vor 10 Minuten Nachschub in der Post, dazu schreibe ich dann nochmal separat etwas.
      Wenn du dir die Herstellung ansehen willst: Lena hat auf der Verlagshomepage entdeckt, dass man sich die Herstellung der Lesaretten Ende Mai auf einer Messe in Mainz ansehen kann

  2. Welch ungewöhnliche Idee. Endlich kann man mal etwas sinnvolles mit einem Zigarettenautomaten anfangen.
    Danke für die Verlinkung, auf der Verlagsseite habe ich nicht nur die Standorte der Automaten entdeckt, sondern auch noch gesehen, dass ich mir auf der Mainzer Miniaturpressen Messe sogar ansehen kann, wie die niedlichen Büchlein hergestellt werden.

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