Engelbert ist bei mir eingezogen. Nach einer unerhört langen Reise habe ich endlich mein Mini-Bilderbuch in den Händen.

Ich freue mich sehr über mein erstes Bilderbuch. Es ist etwas ganz besonderes für mich.

Zunächst einmal musste ich aber besonders lange auf dieses Büchlein warten: Manuskript, Illustrationen und das fertige Layout waren ja termingerecht eingereicht worden, ich musste noch einmal Text und Bilder getrennt voneinander nachreichen, dann hörten wir lange gar nichts von Engelbert.

Wir schickten die Honorarrechnungen. Zunächst passierte gar nichts. Dann wurde meine Rechnung beglichen. Verständlich, denn die Rechnung des Texters fällt stets deutlich geringer aus als die des Illustrators und die knappen Kassen der öffentlichen Hand sowie die damit verbundenen Versuche, hohe Überweisungen möglichst lange herauszuzögern, sind uns ja bekannt. Als dann auch die Rechnung des Illustrators nach einigen Nachfragen beglichen war, machte sich Erleichterung in mir breit.

Aber es gab in unseren beiden Verträgen noch die Nebenabrede über Belegexemplare. Eigentlich war ich nach den netten Telefonaten mit meinem Auftraggeber davon ausgegangen, dass er mir sofort einen ganzen Stapel druckfrische Exemplare zuschickt.

Stattdessen passierte über Monate hinweg nichts. Auf unsere Rückfragen hieß es, Engelbert sei – fast fertig – fertig – gedruckt – fertig. Von einer Vertreterin hörte ich, sie müsse im Keller nach dem Heftchen suchen.

Das kam mir komisch vor. Beim Verteilen der Selbstzweifel habe ich ja ohnehin ganz besonders laut „Hier!“ gerufen und eine dreifache Portion erhalten. Entsprechend dachte ich, dass wir zwar unser Honorar erhalten hatten, aber der Auftraggeber das Heftchen nun doch nicht in die Druckerei gegeben haben könnte. Oder hatte der Oberbürgermeister, der auf der Rückseite erwähnt wird, keine Druckfreigabe erteilt? Ein anderer Gedanke war, dass die Jugendamtsmitarbeiter sich geweigert haben könnten, das fertig gedruckte Heft zu verteilen. Wir wurden immer wieder vertröstet.

Traurig darüber, dass es wohl doch keinen gedruckten Engelbert geben könnte, gab ich unser Bilderbuch als Fotobuch in Auftrag. Das kleinste quadratische Format war 20 x 20 cm, also wählte ich es einmal mit Klebebindung und einmal mit Ringbindung. Ich hatte ja schon nicht mehr so richtig daran geglaubt, dass die Stadt Solingen das Büchlein wirklich gedruckt hatte…

Just an dem Tag, an dem ich Engelbert in den Händen des Illustrators als Mailanhang zu sehen bekam, kam auch das Päckchen mit meinen Fotobüchern an.

Der Herr Illustrator war extra nach der Arbeit zig Kilometer bis nach Solingen gefahren, um dem Herrn Auftraggeber 10 Exemplare (in Worten: zehn) abschwatzen zu können, die für uns beide bestimmt waren. Zu Gunsten des letzteren Herrn kann ich nur davon ausgehen, dass er beruflich sehr angespannt ist. Schade, dass dieses Projekt, das so fröhlich und harmonisch begann mit einem leicht bitteren Beigeschmack endet.

Die gute Laune beim Anschauen der Geschichte überwiegt aber bei mir. Es gibt den kleinen Engelbert wirklich gedruckt. Nun also kann ich ein Foto mit dem kleinen offiziellen Engelbert zwischen den beiden großen privaten Engelberts posten und freue mich wie Bolle.

@Freddy: ohne deinen Einsatz hätte ich immer noch keins unserer Büchlein in der Hand. Vielen Dank!

@Sabrina: mail mir bitte nochmal deine Adresse, ich möchte dir dein Privatlektorenexemplar schicken.

1 thought on “Engelbert zieht ein

  1. Liebe Ingrid,
    Die Freude ist größer als der Gramm … wir hätten beide mehr Hefte vertragen können aber egal . Strich drunter !
    Freuen wir und über das Erstlingswerk!
    Sende Liebe Grüße
    Freddy

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