Heute Abend kann ich mit dem Gedanken „Wieder was gelernt!“ Bett gehen.

In einem Gespräch mit einem nette Nordiren kamen wir auf das Thema Hills & Mountains. Wir sprachen über den liebenswerten Kinofilm The Englishman Who Went Up a Hill But Came Down a Mountain (Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam), den er 1995 (und ich 1996) gesehen hatte. Ich war damals eigentlich wegen Hugh Grant ins Kino gegangen – und kam mit einem schweren Anfall von Wales-Fernweh wieder heraus.

Kennt ihr diesen Film oder das Buch zum Film? Kurz zusammengefasst: 1917 kommt ein mürrischer alter englischer Landvermesser mit seinem jungen Gehilfen (Hugh Grant) in ein kleines walisisches Dorf. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihren Hausberg, aber es stellt sich heraus, dass es gar kein Berg, sondern nur ein Hügel ist, weil ihm eine Winzigkeit an Höhe fehlt. Damals wurde die Grenze zwischen Hügel und Berg bei 1000 feet (= ungefähr 305 m) gezogen. Damals waren die Feindseligkeiten zwischen Engländern und Walisern stärker als heute. Die Dorfbewohner zogen alle Register und schafften es mit einer so waghalsigen wie anstrengenden Gemeinschaftsarbeit, den Gipfel um einige Meter höher zu legen.

Unsere gemeinsam Lieblingsstelle im Film ist der Punkt, an dem der Dorf-Automechaniker dem Kartografen ein (vorgeblich) defektes Autoteil zeigt und sagt:

„Ich weiß nicht, wie es auf Englisch heißt – auf Walisisch nennen wir es ein bethyngalw.“

Im Deutschen entspricht das walisische Wort bethyngalw (gesprochen: beth-in-galu) etwa dem deutschen Dingsbums.

Definitionen-Wirrwarr

Danach kamen wir auf Hills und Mountains zu sprechen. Er persönlich sammelt Furths & Munros. Aha. Hier verließen mich kurz meine Englischkenntnisse, bis mir wieder einfiel, dass ich in Schottland einige Munro-Mads getroffen hatte.

Wir hatten Zeit, also erfragten wir uns ein Blatt Papier und erstellten eine Liste zur verwirrenden Vielfalt der britischen Gipfel. Es kommt bei der Benennung nicht nur auf die absolute Höhe (height) an, sondern auch auf die relative Höhe = Schartenhöhe (prominence), also darauf, wie hoch sich der Gipfel aus der umgebenden Landschaft erhebt. Denn wer selbst wandert, weiß ja, dass es weitaus anstrengender ist, an der Küste mal eben auf einen 300 m hohen Hügel zu steigen, als im Bergland von einer 800 m hohen Hochebene auf einen 880 m hohen Berg ;o)

Sortiert haben wir die Begriffe in drei Kategorien, bei denen es nur auf die absolute Höhe, nur auf die Schartenhöhe oder auf beides ankommt:

1.) absolute Höhe

  • Furths: Gipfel auf über 3000 feet (= 914,4 m)
  • Munros: Gipfel auf über 3000 feet (= 914,4 m), in Schottland stets, in Wales und Irland oft statt Furth verwendet
  • Mountains: Gipfel auf über 2000 feet (= 609 m), früher nur 1000 feet
  • Hills: Gipfel auf unter 2000 feet

2.) Schartenhöhe

  • Majors: Schartenhöhe von mehr als 600 feet (= 183 m), der bekannteste ist sicherlich Ben Nevis in Schottland, mein liebster ist Yr Wyddfa (Mount Sowdon in Wales)
  • P600s: anderer Name für Majors
  • Marilyns: Schartenhöhe von mehr als 150 m. Ja, hat der Snowdon auch, aber man kann relativ hoch vom Pass einsteigen. Viel anstrengender ist z.B. der Pen y Fan in den Brecon Beacons, der zwar „nur“ 886 m hoch ist, aber eine Schartenhöhe von 672 m hat, die mich beim Aufstieg jedes Mal ziemlich aus der Puste bringt.
  • HuMPs: Schartenhöhe von mehr als 100 m (Hundred Upward Metres Prominence)
  • TuMPs: Schartenhöhe von mehr als 30 m (Thirty Upward Metres Prominence)

3.) absolute Höhe und Schartenhöhe

  • Murdos: Gipfel auf über 3000 feet + mehr als 30 m Schartenhöhe (nur in Schottland)
  • Hewitts: Gipfel auf über 2000 feet + mehr als 30 m Schartenhöhe
  • Nutalls: Gipfel auf über 2000 feet + mehr als 15 m Schartenhöhe
  • Simms: Gipfel auf über 600 m + mehr als 30 m Schartenhöhe (Sixhundred Metre Mountain)
  • Deweys: Gipfel zwischen 500 m und 2000 feet + mehr als 30 m Schartenhöhe

4.) außerdem:

  • Hardys: Der höchste Punkt einer Bergkette, absolute Höhe und Schartenhöhe sind unrelevant. Mein liebster ist der Moel Fammau auf der Clwydian Range, den ich bei jeder Offa’s Dyke Path Wanderung erklommen habe.

Das ist keinesfalls eine abschließende Aufzählung, aber alles, was uns spontan einfiel.

Sein sowohl Deutsch als auch Französisch sprechender Sohn kam hinzu und wir stellten fest, dass wohl nur die Briten so viel klangvolle Namen für ihre Gipfel haben.

Was haben wir denn? Nicht einmal „Berg“ ist definiert. Was in Norddeutschland als Berg bezeichnet wird, wird in Süddeutschland nicht einmal als Hügel wahrgenommen. Und wie langweilig klingt selbst das Wort Achttausender im Vergleich zu Munros & Marilyns?

Das Betragsfoto zeigt übrigens meine Mädels beim Aufstieg auf den Garn Fawr. Er ist 213 m hoch, also ein Hill, aber brachte meinen kleinen Bergsteigerinnen ein unvergleichliches Gipfelglück, als sie ihn mit weichen Knien und verblüffend gutem Teamgeist erklommen hatten.

7 thoughts on “Britische Hügel und Berge

  1. Ahhhh Ihr seid mal wieder in Good Old Britain, das erklärt die ausstehende Antwort auf meine Frage über die Digitalen Medien zu unserem Eifelplan.

    Viel Spass und besseres Wetter als hier…obwohl die Wetterberichte sagen anderes.

  2. Da fehlen mindestens noch:
    – Corbetts (= Gipfel in Schottland zwischen 2500 und 3000 ft mit einer Schartenhöhe über 500 ft)
    – Grahams (= Gipfel in Schottland zwischen 2000 und 2500 ft mit einer Schartenhöhe von mindestens 490 ft)
    – Donalds (= Gipfel in den schottischen Lowlands über 2000 ft + ein paar weitere, komplizierte Kriterien)
    – Wainwrights (= die Fells im Lake District, die in Alfred Wainwrights Führer ein Kapitel haben)
    – Birketts (= die Fell Tops über 1000 ft innerhalb des Lake District National Park)
    – Dodds (= Hügel in England, Wales und Schottland zwischen 1600 und 2000 ft mit einer Schartenhöhe von 100 ft)

    Ich bin nicht mal sicher, daß die Liste damit dann vollständig wäre 😀

      1. Also, das verstehe ich ja jetzt ü-ber-haupt nicht! Wir kennen uns offensichtlich zu gut 😀

        Die Iren haben auch noch ein paar Sonderbezeichnungen, die habe ich aber nicht so auf dem Schirm 😉

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