Cari kommt leider beim Sehen auf mich: Schon seit etwa zwei Jahren sind ihre Werte immer auf der Kippe. Jedes Mal überlegten die Dame in der Sehschule und die Augenärztin, ob das Kind eine Brille haben soll oder es noch ohne geht.

Wir kamen also jedes Quartal einmal dort hin und es änderte sich nichts. Die Werte blieben stabil grenzwertig.

Beim Septembertermin stemmte meine Kleine nun die Hände in die Hüften und fragte: „Bekomme ich denn jetzt endlich meine Brille?“. Auch mit getropften Augen wurde das Ergebnis nicht eindeutiger. Aber sie blieb stur und forderte „ihre“ Brille ein. Ja, die Werte ließen es zu.

Also kam sie vor Glück strahlend mit einer Verordnung aus der Praxis, flitzte damit gleich nebenan in die Apotheke und war ganz enttäuscht, als der Apotheker bedauernd die Hände hob.

„Was ist denn ein Optiker?“, fragte sie mich, als sie mit hängenden Schultern wieder heraus kam. – „Na, der Herr Vollmer*, der Oma, Papa und mir auch immer die Brillen macht.“, antwortete ich. – „Ach, deeeeeeer! Warum hat der Mann in der Apotheke das nicht gleich gesagt?!“ – „Er weiß ja nicht, dass wir immer zu diesem Optiker gehen.“ – „Ach, sooooo!“

Es brauchte eine Weile, bis sie damit einverstanden war, jetzt erst einmal in die Schule zu fahren, weil wir für die Brillenanpassung einen Termin ausmachen sollten. Aber am vorletzten Montag war es endlich so weit.

Nele wollte unbedingt mitkommen. Sie ist neidisch auf ihren Zwilling und will auch eine Brille. Beide verbinden Brillen wohl mit Reife, denn die meisten Erwachsenen aus ihrem Umfeld tragen ja Brillen. Also muss Brillentragen und Erwachsensein irgendwie zusammen hängen.

Die Entscheidung für ein Gestell war schnell getroffen, auch die Farben waren ruckzuck festgelegt. Bei allen Messung hielt das Kind geduldig still.

Nun folgte der „doofe Teil“, das Warten, bis die Brille fertig ist. Wenn dann aber jedes Mal, wenn der Optiker anruft, ein Kind ans Telefon geht, das nicht richtig zuhört, kommt es zu weiteren Verzögerungen. Die Große hatte nämlich mehrere Anrufe entgegen genommen, nach denen sie mir nur sagte: „Der Herr von deiner Firma hat angerufen wegen deiner Brille“. Damit konnte ich gar nichts anfangen, denn ich habe ja gar keine Firma, aus der mich ein Herr anrufen könnte, schon gar nicht wegen meiner Brille!

Cari wurde in den letzten Tagen richtig unwirsch, also rief ich heute beim Optiker an und erfuhr, dass er mehrfach mit Aurelia telefoniert hatte. Wörtlich hat er gesagt: „Hier ist der Herr Vollmer. Sagst du bitte der Mama, dass die Brille fertig ist.“ Okay, wenn dann aus „Vollmer“ eine „Firma“ gemacht wird, erschließt es sich ganz gut.

Egal. Gleich nach der Schule fuhren wir weiter, um die Brille abzuholen. In kürzester Zeit waren die Bügel richtig angepasst und das Kind hatte endlich seine Brille. Auch die Zwillingsschwester ging nicht leer aus. Beide sind nun glücklich. Seht selbst:

2 thoughts on “Endlich eine Brille!

  1. Coole Gestelle. Neles sieht ähnlich aus wie meine Lesebrille. Planglas?
    Braucht Aurelia keine? Könnte ein versteckter Grund sein, warum sie nicht gerne liest.

    Ich hatte jetzt die Schnauze voll von Hääää? und habe einen Termin beim HNO. Allerdings erst im November. Und dabei geht es um endlich ein Hörgerät?
    Unklar ist, ob ich damit auf die Matte kann, denn das Dojo ist genau der Ort, an dem es das meiste Häää? gibt. Noch vor Supermarktkasse mit Plexiglas und Mundschutz.

    1. Ja, das war auch meine Vermutung, aber sie bekommt stets Adleraugen oder Luchsaugen diagnostiziert.

      Für das Thema „Hääää?“ drücke ich dir die Daumen, dass es inzwischen auch mattentaugliche Teile gibt.

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