Während ich dies schreibe, bekomme ich einen heftigen Fernweh-Anfall. Hach, wie gerne würde ich selbst einmal nach Marokko reisen, doch bislang fehlte es anfangs an Geld, später an Gelegenheiten, dann an Reisepartnern und inzwischen erneut an Geld. Meine Mutter schwärmt immer noch von den Marokkoreisen in den 1950er Jahren, die sie mit meinem Vater in einem alten Lloyd* unternahm.

Kulinarisch konnte ich in den letzten Wochen dieses Marokko-Fernweh besänftigen. Und zwar mit einer Chamsbox* und mit allen Sinnen. Das ist eine ganz besondere Kochbox:

Die Idee

Niklas und Ghita leben in Münster. Beide reisen, essen und kochen leidenschaftlich gerne. Sie essen nicht nur für ihren Stoffwechsel, sondern um neue Esskulturen kennenzulernen. Diese Leidenschaft teilen sie seit Mitte 2021 mit anderen Menschen, indem sie Kochboxen zusammenstellen, die sich deutlich von den üblichen Boxen von HelloFresh* & Co unterscheiden.

Die Chamsboxen enthalten

  • 9-10 hochwertige, landestypische Delikatessen zum Naschen, Probieren und Kochen. Diese sind haltbar und kommen unmittelbar aus der Region.
  • 8 authentische Rezepte, erstmalig ins Deutsche übersetzt von unseren Botschaftern. Die Botschafter stammen jeweils aus dem Land, das vorgestellt wird.
  • Ein 30-seitiger Kulturguide, mit Bildern, Geschichten, Infos und einer lokalen Musikliste.
  • Eine Postkarte zum Sammeln.
  • Eine Entdeckerbroschüre für Kinder mit Länderquiz

Der Name

Chams ist der Name eines Tukans aus einer Legende** : Dieser exzentrische Tukan wurde in Costa-Rica geboren. Seine Kindheit verbrachte er im Dschungel, wie jeder andere Tukan. Eines Tages entdeckte er zwischen den Büschen etwas, das sein Leben für immer verändern sollte. Einen Hut! Einen weißen Hut mit breiter Krempe, um genau zu sein. Während die anderen Tukane ihn nicht beachteten und ihre normalen Tukan-Kram fortsetzten, war Chams fasziniert von dem Hut.

In den folgenden Tagen schossen Millionen Fragen durch seinen kleinen Tukan-Kopf. Was war das? Warum konnte man so gemütlich darin schlafen? Warum war es weiß? Die Fragen hielten ihn die ganze Nacht wach, während alle anderen Tukane schliefen. Der Mond stand hoch über dem Dschungel, als ihn die Neugier schließlich aus seinem Nest trieb.

Er flog! Er flog zwischen den silbernen Ästen hindurch, die der Mond beleuchtete. Natürlich käme er zurück, aber zuerst brauchte er Antworten.

Am nächsten Morgen wachten alle anderen Tukane von den ersten Sonnenstrahlen auf, die in die Bäume fielen. Alle außer einem. Chams Nest war leer. Er war verschwunden, so wie der weiße Hut.

So weit die Legende. So ganz ist er aber nicht verschwunden, denn Niklas und Ghita bauen auf ihrer Homepage immer wieder ein.

Meine Box

Die erste Box habe ich leider verpasst, mit ihr ging die Reise nach Spanien. Umso glücklicher war ich, dass ich die Marokkobox testen durfte.

Schön das Auspacken war das wahre Vergnügen. Mit persönlichen Notizen, liebevoll eingepackt.

In der hübschen Box (die Kinder rangeln schon jetzt darum, wer sie haben darf, wenn ich sie nicht mehr brauche) enthalten waren:

  • 1 Paket Couscous
  • 1 Glas Salzzitronen
  • 1 Glas Feigenkonfitüre
  • 1 Dose Sardinen
  • 1 Flasche Orangenblütenwasser
  • 1 Tüte mit 5 verschiedenen Keksen
  • 2 unbeschriftete Päckchen (wir sind gespannt…)
  • 1 Päckchen Ras el Hanout (eine marokkanische Gewürzmischung, leider mit meinen Lieblingsallergenen Fenchel/Kümmel/Anis, meine Familie erlebte mich also bei jedem zweiten Gericht mit tauber Zunge)
  • 1 Päckchen Gunpowder-Tee
  • 1 dazu passendes typisches Teeglas
  • 1 Faltblatt, das sich wohl an Kinder richtet
  • 1 Postkarte zum Sammeln
  • 1 Din A 5 Heft mit Infos zu Marokko, Erläuterungen zu dem Boxinhalt und typisch marokkanischen Rezepten

Gefällt es uns?

Ja, wir alle haben zuerst nur staunend in die Box geschaut, dann ganz vorsichtig die dick eingepackten Gläser ausgepackt und immer wieder durch das Rezeptheft und das Faltblatt geblättert.

In dem Rezeptheft schmökert meine Mutter und erzählt mir Souk-Geschichten aus Fes und Casablanca. Ich schmökere darin und kann mich nie entscheiden, welches Rezept ich als nächstes ausprobiere. Und die Kinder blättern es durch, weil die Landschaftsfotos darin so schön sind und das Essen so lecker fotografiert ist. Deshalb geht das Heft leider auch schon aus der Bindung, es ist wohl für solch eine Dauerbelastung nicht geheftet worden. Ich kann ihnen das spezielle Kinderfaltblatt immer wieder vorlegen, das spricht sie nicht so an und ist nur mit viel Hilfe zu verstehen, z.B. gibt es eine Quizfrage „Wie viele Einwohner hat Marokko?“ auf die als Antworten (a) 45m, (b) 37m und (c) 28m zur Wahl stehen. Statt nach einer Antwort zu suchen, fragen sich die Kinder, was „45 Meter“ für eine Antwort auf die Frage sein soll… Erwachsene verstehen das problemlos, aber meine Kinder wenden sich leider einfach ab.

Eine echte Überraschung war das Teeglas, war ich doch davon ausgegangen, dass die Box nur Lebensmittel enthält. Ein Tee, selbst der langweiligste Beutel-Pfefferminztee, schmeckt aus einem solch exotischen Glas gleich doppelt so gut.

Etwas enttäuscht war ich darüber, dass die auf der Homepage gezeigten Dinge nicht alle genau so in der Box waren. Dort wirkt es so, als seien die Sardinen in einem kleinen Glasgefäß verpackt und als enthalte das Paket auch eine Dose mit Harissa, das wir so aus Tunesien lieben. Die Sardinen liegen aber in einer normalen Metalldose und Harissa war gar nicht enthalten. Natürlich ist mit solchen Änderungen zu rechnen, z.B. wenn die Nachfrage die bereits georderte Bestellmenge übersteigt oder etwas nicht lieferbar war. Das ist auch nicht wirklich schlimm für mich, aber enttäuscht war ich trotzdem etwas.

Und – neben dem leckeren Essen natürlich – ist die Playlist auf der Rückseite des Kinderfaltblatts (warum dort und nicht in dem Heft mit den Infos?). Die Musik entführt uns noch tiefer in ein modernes, lebenslustiges Marokko, als es die Texte, Fotos und Leckereien können. Beispiele gefällig: Zina – Babylone oder Lazywall – I raise my hand.

Schmeckts?

Leute! Unfassbar! Sowas von köstlich!

Mit Silke haben wir die Plätzchen gemümmelt. Marokkaner lieben wohl Sesam beim Backen. Einige waren okay, andere richtig gut.

Das Bakoula haben wir mit Blattspinat statt Malven verwendet. Das war so lecker, dass wir es noch einmal mit Grünkohl versuchen, wenn draußen Grünkohlwetter ist.

Die Salzzitronen haben wir nur aus dem fertig gelieferten Glas gegessen, aber (noch) nicht selbst hergestellt. Das kommt noch, sobald wir irgendwo schöne kleine Zitronen finden. Unser türkischer Gemüsehändler hält schon die Augen für uns offen.

Barba kenne ich auch aus Tunesien. Da hier aber niemand Rote Beete mag, muss ich mit diesem Rezept warten, bis ich mal Besuch habe, der dieses Wurzelgemüse zu schätzen weiß.

Das beste Rezept in diesem Heft ist das Couscous von 7 Gemüsen. Es ist angelegt für 4-5 Personen, die werden aber sogar mit Bärenhunger bestimmt satt davon, ansonsten reicht es auch für 8-10 Personen. Einzig die Tfaja (ein süßes Topping) ist im Rezept ziemlich knapp bemessen. Ich zeige euch das Rezept noch einmal genauer, wenn Ghita und Niklas es mir erlauben, denn dabei hatte ich sogar Zeit zum Fotografieren. So lecker es war, so sehr hätte ich mir ein Rezept gewünscht, bei dem die unterschiedlichen Garzeiten besser berücksichtigt werden.

Gut gefallen hat mir der Vorschlag, bei den Kefta Sardinen Rinderhack statt Sardinen einzusetzen, denn das trifft eher unseren Geschmack, wie wir nach zwei Kochrunden mit Sardinen und Rindfleisch feststellen konnten.

Vegetarier und Veganer werden sicherlich das Djaj m’qualli auslassen, weil darin ein ganzes Huhn verarbeitet wird. Doch die Botschafterin achtet darauf, dass ein Huhn aus guter Haltung, am besten ein freilaufendes Exemplar, verwendet wird.

Sie scheut auch nicht vor luftigen, löchrigen Baghrir zurück, kennzeichnet das Rezept aber netterweise als schwer, weil bei diesen leckeren Pfannkuchen in der Tat einiges schief gehen kann, selbst wenn man sich grammgenau an die Anleitung hält.

Mulhalbia erinnert nicht an die Creme Brulee aus Frankreich, wie Ghita in ihrem Rezeot schreibt. Nein, sie ist viel besser als Creme Brulee.

Auch bei der Avocadomilch nimmt die Botschafterin Rücksicht auf Menschen, denen das nicht so gut schmecken könnte. Das Alternativrezept mit Mandeln und Datteln schmeckt uns allen besser als mit Avocado.

Und zum Abschluss noch einen Gunpowder Tee. Heiß. Süß. Mit frischer Minze. Hmmm, großartig. Je länger er köchelt, desto mehr erinnert er mich an Tunesien und desto mehr Fernweh bekomme ich nach Marokko

Die Rezepte

In aller Regel funktionieren die Rezepte. Zumindest, wenn man das Gehirn während des Kochvorgangs eingeschaltet lässt. Unbedingt hilfreich ist es, das Rezept komplett durchzulesen und auf die Garzeiten zu achten. Das war bei uns nicht der Fall, als wir das Couscous gekocht haben, also mussten wir improvisieren. Das Gericht besteht aus vier Komponenten: (1) Brühe, (2) Gemüse, (3) Couscous und (4) Tfaja. In der Zutatenliste stehen sie in dieser Reihenfolge, in der Kochanleitung sind sie anders aufgeführt: (1) Gemüse & Brühe, (2) Tfaja und (3) Couscous. Das hat uns schon etwas verwirrt, aber wir dachten, es habe einen Grund. Also haben wir uns erst um Gemüse und Brühe gekümmert. Als die Brühe köchelte und wir das ganze Gemüse drin hatten, stellten wir fest, dass die Tfaja 30-60 Minuten köcheln soll. Bis dahin wäre das Gemüse aber vollkommen matschig gekocht. Also haben wir schnell Couscous gemacht und mit dem Gemüse gegessen, die Tfaja gab es dann quasi als Nachtisch. Nächstes Mal versuchen wir bei diesem Gericht die Reihenfolge (1) Tfaja, (2) Brühe, (3) Gemüse, (4) Couscous.

Unsere Wünsche

Wir wünschen uns, dass es noch viele weitere Boxen gibt, mit denen wir alle 2-3 Monate eine Reise in die weite Welt unternehmen können. Wenn wir Wünsche äußern dürfen: Indien, Sri Lanka, Neuseeland, Namibia, Botswana, Kanada, Wales, Irland, Mexiko und Österreich würden uns besonders locken.

Für die Kinder war das Faltblatt leider nicht so ansprechend, wie die Macher sich erhofft hatten. Aber bestimmt gibt es für das nächste Land schon eine spannendere Idee für die Kinder.

Wir wünschen den beiden sympathischen Machern viel Erfolg mit ihrer Idee und eine nie abreißende Auswahl guter Botschafter für weitere Ziele.

Eine Bekannte, mit der ich darüber sprach, ist Vegetarierin. Sie war sehr angetan, stieß sich aber an den Sardinen in der Box. Wir wiederum hätten die Box auch ohne die Sardinen prima gefunden. Ich kann mir vorstellen, dass eine vegetarische Box (sprich: ohne die Ölsardinen) bei Allesfutterern, Vegetarieren und Veganern gleich gut ankommen würde, aber den Kundenkreis erweitern würde. Dann lassen eben die Vegetarier und Veganer in den Rezepten alles Fleischliche und tierische weg bzw. ersetzen es nach ihren Regeln.

Ausblick

Wir werden diesen erfrischend anderen Start-Up weiter unterstützen, indem wir in Zukunft die Boxen nicht nur ausprobieren, sondern auch bezahlen. Der Inhalt, insbesondere die Hintergrundinformatioen und die Rezepte, sind ihr Geld wirklich wert. Wir wollen versuchen, die momentan ausverkaufte Spanienbox zu bekommen, wenn es davon eine Neuauflage gibt und wissen schon, dass die nächste Reise nach Asien geht (@Ghita & Niklas: Darf ich verraten, wohin genau?)

*Werbung? Ja, unbedingt. Die Chamsbox Marokko habe ich von Ghita und Niklas kostenlos erhalten, sie kostet normalerweise 29,95 €. Und zwar mit der ausdrücklichen Bitte, ehrlich über unsere Erfahrungen mit der Box zu schreiben.Was ich über die Box schreibe, entspricht also den Tatsachen und ist keine Gefälligkeits-Rezension.

**Die Legende habe ich aus dem Blog der Chamsbox übernommen und übersetzt

2 thoughts on “Entdeckt und ausprobiert: Die Chamsbox Marokko

  1. Ja die (meisten) Kekse waren lecker und nach kurzer Überlegung habe ich mich auch angemeldet und die erste Box ist unterwegs. Soll wohl in der nächsten Woche ankommen.

    So stilvoll wie Ihr, werde ich den Inhalt nicht zubereiten können aber ich freue mich schon auf dieses kulinarische Abenteuer.

    Ich denke ich bekomme auch noch Tunesien, obwohl mir auch schon das asiatische Land angekündigt wurde. Auch wenn ich selber noch nicht dort war, kenne ich durch eine Freundin aus Studienzeiten die Küche recht gut.
    Tunesien kenne ich auch (noch) nicht aber ich habe in Lokalen schon mal tunesisch gegessen.

    1. Nee, nee, du bekommst sicher nicht Tunesien, sondern Marokko. Tunesisch koche ich dann mal für dich. Lecker Brik à l’Oeuf als Vorspeise, Couscous mit Merguez als Hauptspeise und einen leckeren Nachtisch suche ich auch raus

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