Hirten im Sperrgebiet4 DWGestern habe ich einen Fehler gemacht. Bei der Suche nach Fotos meiner Rechercheweste für meine Ausrüstungsseite habe ich mir alte Fotos von Recherchen in Tunesien angesehen. Nun sitze ich hier mit Fernweh im Herzen.

1998 war ich das erste mal mit „Glump-Tours“ – offiziell: Daily Adventure – in Tunesien. Heinz Glump, ein Arbeitskollege von Stephan, hatte damals dessen Landy auf dem Parkplatz stehen gesehen und ihm einen Zettel hinter den Scheibenwischer geklemmt „Wir fahren über Ostern mit fünf Fahrzeugen in die tunesische Sahara. Interesse?“. Hm, eigentlich (mein Lieblingswort!) waren wir beide nicht so für die warmen Länder, Schottland und Wales waren eher Ziele auf unseren Reisewunschzetteln.  Außerdem hatte ich Steph fast so weit, dass er mit mir meinen Traum wahr werden ließ, eine Reise nach Kanada. Andererseits lockte uns beide das Abenteuer. Also gab es ein Kompensationsgeschäft: Wir machen beides!

15 Personen, ein Hund und sechs Geländewagen waren bei dieser Tour unterwegs. In Marseille ging es auf die Fähre, in La Goulette wieder runter, dann über Karthago durch ganz Tunesien in den größten Sandkasten der Welt, die Sahara. Schon nach wenigen Stunden war mir klar, dass mich der Afrika-Virus befallen hatte. In diesem vollkommen fremdartigen Land fühlte ich mich zuhause, bevor wir den Fährhafen verlassen hatten. Die Tour war gut vorbereitet, die Mitreisenden bildeten ein gutes Team und wir hatten viel Spaß. Nie werde ich die Gesichter der Pauschalreisenden im Hotel auf Djerba vergessen, als wir – eine Horde gröhlender Dreckspatzen nebst Hund nach 9 Wüstenübernachtungen – mit Anlauf und voller Montur in den Pool sprangen und sich das Wasser vom Saharasand orange färbte. (Das war von Heinz Glump mit dem Hotelier vorher besprochen worden, für den nächsten Tag stand ohnehin ein Wasserwechsel auf dem Plan.)

TataouineGleich im Folgejahr waren wir wieder mit Heinz unterwegs, diesmal nur sechs Personen, der Hund und drei Fahrzeuge. Wieder schön, aber anders. Bei beiden Touren hatte ich Notizen gemacht, die ich dem Reise-Know-How-Verlag Peter Rump für den Tunesienführer schickte. Die Autorin Ursel Eckert antwortete mir und bedankte sich aufs Herzlichste für meine Zuarbeit, denn ihr Mann war sehr krank, sodass sie keine Recherchen mehr in Tunesien machen konnten. Sie lud mich ein und wir verstanden uns so gut, dass wir den Tunesienführer gemeinsam fortsetzten. Ich hatte also guten Grund, nun jedes Jahr mindestens einmal nach Tunesien zu reisen und kaufte mir selbst einen Landy. In der Gruppe, allein und zu zweit erkundete ich jeden noch so entlegenen Winkel des Landes bis in den äußersten Süden des militärischen Sperrgebiets, wo Algerien, Libyen und Tunesien ein Dreiländereck bilden. Besonders detailliert erforschte ich Djerba und Zarzis, weil dazu ein eigenes Buch entstand. Dort brachte ich meine Mutter sogar zum Fahrradfahren. Die schöne Zeit der Tunesienrecherchen war mit meiner letzten Tour Ostern 2009 vorbei. Weder für den Verlag noch für mich rechnete sich diese Titel, Peter Rump wollte keine neuen Auflage herausbringen. Hinzu kamen in den vorausgegangenen 11 Jahren beobachtete Veränderungen, die mich daran zweifeln ließen, ob es gut ist, weitere europäische Touristen ins Land zu locken. Gespräche mit Einheimischen bestätigten mir diesen Eindruck. Mit dem Arabischen Frühling hatte es sich dann erledigt. Für das Sperrgebiet gab es keine Ausnahmegenehmigungen mehr, die Individualreisenden suchten sich neue Ziele in der Sahara, meist in Marokko.

Was bleibt, ist die Erinnerung an unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen. Nie werde ich die zweistündige Führung durch das jüdische Viertel von Djerba einschließlich Synagoge vergessen, geführt von Mounir (Muslim) durfte ich (Christin) viel über das friedliche Zusammenleben der Religionen erfahren. Wenn ich in einmal Zeit finde, meine Erlebnisse bei Recherchereisen in Buchform zu  veröffentlichen, wird Tunesien häufig vertreten sein. Ich wünsche mir, dass ich mit meinen Töchtern gemeinsam eines Tages durch Tunesien reisen kann. Sicherlich wird vieles verändert sein, aber Sand, historische Bauwerke, Naturschauspiele und nette Menschen wird es immer noch reichlich geben…

Midoun Marriage Berbere4 Guellala Töpfer2 Plage Sidi Mahres4 Ras Taguermess1 Ras Taguermess3 Zarzis Markt Ingrid Retterath (bei Aghir) Ingrid Retterath (in Guellala mit Findelkamel) Fallschirmflug am Plage Sidi Mahrès13 In Sabeur3 Larich Sahara1 CIMG0247 CIMG0248 Douz Markt1 Zarzis Markt Kerkennah Zarzis Braut Ras Taguermess1 Midoun Teppichknüpferei Midoun Kinder Houmt Souk Markt1 Houmt Souk Jugendherberge Ajim Marabout

4 thoughts on “Fernweh nach Tunesien

  1. Diese Farben….ein Traum….Ja man sollte keine Urlaubsbilder unbedarft ansehen. Mir ging es ähnlich , heute früh, als ich einen Bericht von in100Tagen gelesen habe….
    Bei mir war es Australien, da war für mich auch ein großer Wunsch war geworden. Outback, Flying Doctors, die Tierwelt…

    *seuf* auch schon wieder 17 Jahre her

    1. Okay, ich habe verstanden. Wir planen ein gemeinsames Buchprojekt irgendwo mit Sonne, Sand und vielen Tieren. Das ist ja insbesondere für Nele und dich wichtig. Sie war ganz außer sich, als sie beim Hochladen der Fotos die Trampeltiere sah.

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