Vor sieben Jahren las ich bei Vorablesen das Buch „Wohin der Fluss uns trägt“. Beim Ausladen unserer Grünabfälle auf dem städtischen Bauhof (warum ausgerechnet dort?) erinnerte ich mich heute wieder an das Buch.

Es blieb mir in zweierlei Hinsicht im Gedächtnis: Zum einen spielte das Buch bei Rückblicken im Jahr 1992. Der Protagonist sagte zu der Protagonistin, einer Berühmtheit „Ich habe dich bei Google nachgeschlagen!“, obwohl Google erst 1998 ans Netz ging. Er war seiner Zeit also weit voraus…

Zum anderen fiel mir ein, dass die Protagonistin schwer krebskrank war und vor ihrem Tod noch 10 Dinge erleben wollte. Dazu passend fallen mir in letzter Zeit überall Bucket-Listen auf. (kick the bucket = den Löffel abgeben). Es scheint grade modern zu sein, die „10, 100, 1000 oder 10.000 besten Dinge, bevor du stirbst“ oder die „10, 100, 1000 oder 10.000 besten Dinge für die nächsten 100 Tage“ aufzulisten und abzuarbeiten.

Ich selbst habe Anfang des Jahres eine solche Wunschliste für mein Leben aus dem Jahr 1997 gefunden, die ich danach vollkommen vergaß.  Das hieß noch nicht Bucket List, aber war genau dasselbe. Ich war also auch meiner Zeit voraus und hatte mir während eines langweiligen Lehrgangs eine Liste gemacht, die mit der Überschrift „Erfahrungen, die ich vor meinem Tod machen will“ überschrieben war. Wahnsinn!

Nach dem Schock, mit Aurelia in die Onkologie bestellt worden zu sein und nach der Erleichterung, dass es dann doch „nur“ ein seltener Virus war, habe ich mir am Wochenende meine mehr als zwei Jahrzehnte alte Liste angesehen. Wie schnell kann sich die Gesundheit verschlechtern und man kann vieles nicht mehr machen. Ich merke täglich an meiner Mutter und mir, wie sehr die Lebensqualität bei manchen Erkrankungen und täglichen Schmerzen leidet – und wie schön es ist, davon abgelenkt zu werden. Durch eine Wanderung durch schöne Landschaft, durch eine Begegnung mit zutraulichen Tierparkgewohnern oder durch einen Tag im Garten mit unseren Mädels. Aber auch durch die Erfüllung von langjährigen Wünschen. Trotz aller Alltagsaufgaben sollte man daher Ziele und Träume nicht aus dem Auge verlieren.

Ich saß lange da und habe die Liste betrachtet. An vielen Stellen war ich überrascht über so viel Unveränderliches in meinem Leben – obwohl mir mitunter vorgeworfen wird, ich sei planlos. Das trifft jedenfalls nicht auf meinen Lebensplan zu. Obwohl viele der Punkte ziemlich kurios waren. Seht selbst:

  1. Kanada bereisen → 1998 vier Wochen mit dem Geländewohnmobil, Westküste und Rockies. Ein Traum!

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    Meine drei Glückssternchen von Punkt 3
  2. Heißluftballon fahren → das war 2003 ein Geburtstagsgeschenk. 
  3. Mindestens ein Kind erziehen (selbst wenn es nicht das eigene ist) → zwei Jahre vor dieser Liste hatte ich erfahren, dass ich keine Kinder bekommen kann, nun sind es sogar drei eigene!
  4. Eine ordentliche Wohnung haben → scheint der einfachste Punkt zu sein, davon bin ich aber trotz Aufräumen und Entrümpeln am weitesten entfernt
  5. Neuseeland bereisen → Dazu müssen die Mäuse noch etwas größer sein, steht weiterhin noch ganz oben auf der Liste
  6. Die Viktoriafälle ansehen → 2008 bei einer Tour durch Namibia und Botswana als kleinen Abstecher nach Simbabwe
  7. Ein Buch schreiben und veröffentlichen → erledigt, und nicht nur eins
  8. Ohne Angst den Kopf unter Wasser nehmen → 2001 und 2002 habe ich mehrere Tauchscheine gemacht und seither keine Angst mehr
  9. Vier Kilo abnehmen → Ich lach mich tot, damals habe ich 63 kg gewogen und wollte unbedingt unter die 60 kg-Marke. Jetzt wäre ich froh, wenn ich unter 80 kg komme
  10. Mit einem Hund leben → 2004 zog Balou bei mir ein, gefolgt von Carl, Torro, Maxim und Bathida.
  11. Mir Köln als Touristin ansehen → noch nicht geschafft, immer noch reizvoll
  12. Weniger DRK → oh?! Meinte ich wirklich sooo wenig, wie ich jetzt fürs DRK mache?
  13. Meinen Stammbaum zeichnen → noch nicht geschafft, mit Kindern noch reizvoller

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    Zu Punkt 14: erledigt!
  14. Retterath besuchen → im Sommer 2015 mit den drei Mini-Retteraths
  15. Dampflok fahren → Ehrendampflokführer in Meiningen 1999
  16. Eine B&B in Wales aufmachen → immer noch eine gute Idee
  17. Wieder Tagebuch schreiben → Bloggen ist ja fast so
  18. Hypnotisieren lassen → dafür fehlt mir (noch?) der Mut
  19. Kilimandsharo besteigen → sobald ich ‚mal in der Nähe bin
  20. Falklandinseln bereisen → siehe Neuseeland
  21. Filzen lernen → letzten Winter drei Taschen (Strickfilzen)
  22. Alle meine Vorräte aufbrauchen → leider noch nicht
  23. Einen Sandsturm erleben → 2003 zu Fuß in Tunesien, unvergesslich!
  24. Einen Elefanten waschen→ im Elefantenwaisenhaus auf Sri Lanka
  25. Ein Kamel küssen → Es war ein Trampeltier im tunesischen Sperrgebiet
  26. Mit einer Raubkatze spielen → mit zwei Gepardenjungen auf einem Farmcampingplatz in Namibia
  27. Fotografieren lernen → wer bringt es mir bei?
  28. Auf der Weltkarte alle Plätze markieren, wo ich war → bald!
  29. Polarlichter sehen → wer kommt mit?
  30. In einer isländischen heißen Quelle baden → siehe Neuseeland
  31. Einen Pilgerweg gehen → erledigt, sogar drei!
  32. Eine komplette Nacht durchwandern → mache ich bestimmt noch.
  33. Jemanden mit einem Geschenk überraschen → zwei nette Bookcrosserinnen, eine Erzieherin von Aurelia und einige andere nette Menschen, die überhaupt nicht damit rechnen,  bekommen in dieser Woche mein Weihnachtsbuch. Einfach so. Im September.

Gut die Hälfte habe ich bereits erledigt und genossen, obwohl ich die Liste aus den Augen verloren hatte. Das ist ein guter Schnitt bei aufwändigen Wünschen wie meinen. Eine solch Liste ist keine ToDo-Liste, auf der alles steht, was erledigt werden MUSS. Sie ist der rote Faden durch mein Leben und zugleich eine echte Wohlfühlliste. Sie tut sogar gut, wenn sich darauf etwas befindet, das unrealistisch ist. Denn auch Träume können kuschelig sein. Und manchmal erfüllt sich ganz unerwartet sogar ein scheinbar unerfüllbarer Wunsch. Es heißt ja immer so schön „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!“

Kurz hatte ich den Impuls, mir eine aktuelle Bucketlist aufzuschreiben. Ich bin ihm aber nicht nachgekommen, denn es stehen noch zu viele spannende Dinge auf der alten Liste. Vielleicht stelle ich in ein paar Jahren mit meinen Minimäusen eine Familienliste auf.

6 thoughts on “Der Zeit voraus

  1. Beim Thema Stammbaum kann ich helfen, nicht für Euren, sondern mit der „Technik“ und der Rat jetzt schon mal Onkel Tanten, Eltern… befragen alte Photos sichten, Kontakte zu Verwandten auffrischen.

    1. Oh, super, da komme ich gerne drauf zurück. Ist aber bestimmt zeitintensiv, oder? Ich habe hier sogar noch ein 1993 in Wales gekauftes Stammbaumbuch liegen. Machst du das online oder mit Zetteln und Papier?

  2. Ich liebe solche Listen, ich nenne Sie aber „Bestellungen beim Universum“ oder Wunschzettel! Schon einige Jahre schreibe ich mir diese. Auch ich vergesse, trotz der Regelmäßigkeit, mich bewusst an meinen Bestellungen im alltäglichen Leben zu orientieren und bin dann immer wieder erstaunt, was sich doch an Wünschen bereits erfüllt hat wenn Sie mir in die Hände fallen!!!!!! LG Diana – Lilliqueen

    1. Dann lass uns mal über deine Liste sprechen, wenn du nachher vorbeikommst. Vielleicht nahmen wir ja etwas gemeinsam in Angriff, weil es auf beiden Listen steht.

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