Zwei ganze Kerle sind bei uns eingezogen: Jan und Henry.

Hübsch, schmusig und unkastriert.

Oma hatte Aurelia schon im Sommer versprochen, dass sie zum Geburtstag ein Kaninchen bekommt. Sie wünschte sich ein weißes Kaninchen und wollte es Romy nennen. Also bekam ich den Auftrag, ein weißes Kaninchen zu suchen, das meine Mutter am 15. Oktober verschenken kann. In einem Zooladen, im Tierheim, bei einem Züchter oder im Internet, egal. Hauptsache am 15. Oktober.

Über Kaninchen weiß ich wenig. Sicher war ich mir nur, dass Einzelhaltung nicht gut für das Tier ist. Also suchte ich nach zwei Tieren. Am liebsten ein Weibchen mit kastriertem Bock, diese Kombination ist nach Aussage von Kaninchenfachleuten aus meinem Umfeld am zufriedensten mit dem Partner.

Zweimal war ich im Zooladen und kam mit mulmigem Gefühl wieder heraus. Die verschüchterten Tiere in den Ausläufen ohne Versteckmöglichkeit taten mir zwar unendlich Leid, aber zum einen empfand ich sie zum einen als verhaltensauffällig und zum anderen als ziemlich teuer. Unser Tierheim vermittelt keine Kaninchen. Versehentlich entstandene Würfe gab es in meiner Bekanntschaft nicht. Tiere vom Züchter haben momentan keine Saison. Einer von ihnen wollte mir zwei Tiere abgeben, die „eigentlich erst Anfang November von der Mutter getrennt werden dürften.“ Sie waren noch so klein, dass das Geschlecht nicht ermittelt werden konnte. Nein, Danke!

Blieb also eBay-Kleinanzeigen. Das mag ich noch aus Zeiten, als es kijiji hieß. Meine ersten beiden Suchen Anfang und Mitte September blieben erfolglos. Die meisten Kaninchen lebten in der Wohnung und hätten so spät im Jahr kein Fell für die Außenhaltung aufbauen können. Doch bei meiner gestrigen Suche war eine Anzeige, die zu uns passte. Eine Familie mit drei Kindern aus Eitorf hatte ein braunes Zwergkaninchen und einen weißen Zwergwidder abzugeben. Es eilte nicht, für die Mutter war es vollkommen in Ordnung, wenn wir erst einmal zum Kennenlernen kommen, zuhause in Ruhe einen Stall kaufen/ein Gehege bauen und die Tiere am 15. Oktober abholen.

Also fuhren wir los und es kam, wie es kommen musste: Kaum hatte meine Mutter die Tierchen gesehen, war es um sie geschehen. „Können wir sie auch sofort mitnehmen?“ war ihre erste Frage nach dem „Guten Morgen!“ Es stellte sich heraus, dass unser Gegenüber sehr froh über diese Frage war, weil sie sich trotz Krankheit allein um Haus, Hof, Kinder und Kaninchen kümmern musste. Also gestand ich mir ein, dass jede Gegenwehr zwecklos ist und holte die Kiste aus dem Auto, die bei unserer Abfahrt …zufällig… in den Kofferraum geladen worden war.

Sogar den Stall und einen Ballen Stroh gab die Vorbesitzerin uns noch mit. Die Kiste mit den Kaninchen stand während der Heimfahrt zwischen Oma und Aurelia. Ich habe beide lange nicht mehr so entspannt und zufrieden gesehen. Meine Mutter hatte also nicht nur ihrer Enkelin, sondern auch sich selbst einen großen Wunsch erfüllt. Oma mit ihrer langjährigen Kaninchenerfahrung ist auch Garant dafür, dass es den Tieren gut geht. Ich bin ja sogar unsicher, was ich ihnen zu fressen geben darf und was nicht.

Ich war dann dafür zuständig, den Stall aufzustellen, eine Bathida-sichere Barriere um den Stall zu konstruieren und meine Neu-Kaninchen-Besitzerinnen durch diverse Baumärkte und Zoogeschäfte zu fahren, bis vom Fressnapf über Heu, Futter und Leckerli bis hin zum Freilaufgitter alles Notwendige eingekauft war.

Ferner wurde ich als Außenposten eingeteilt, um die Neuankömmlinge vor Bathida zu schützen. Sie hat ja einen für Neufis ungewöhnlich starken Jagdtrieb und rennt im Grüngürtel jedem Kaninchen und Feldhasen hinterher. Eine geschlagene Stunde brachte sie gestern damit zu, in der Ecke mit dem Kaninchenstall zu erkunden, was da so spannend riecht. Die Kaninchen hatten sich so gut im Stall versteckt, dass sie sie nicht sehen konnte. Also rannte sie auf der Terrasse, in der Garage und im Garten auf und ab, fand aber kein Kaninchen. Erst als ich sie sachte an den Stall führte, erkannte sie die Urheber des neuen Geruchs und legte sich wedelnd vor den Stall. Ich bin gespannt, wie lange sie benötigt, um sich an die beiden zu gewöhnen. Meine ersten beiden Hunde, Balou und Carl, hatten ja jeweils nach 2-3 Tagen kein Interesse mehr an dem Kaninchenstall, den meine Mutter damals noch im Garten stehen hatte.

Übrigens wird nun doch keines der Karnickel Romy heißen, auch wenn ich das als Spitznamen für Romeo vorgeschlagen habe. Jan und Henry hat Aurelia die beiden getauft, weil alle drei Kinder diese beiden Pelztierchen beim Sandmännchen so gerne mögen. (Ich glaube, der Weiße heißt Jan und der Braune ist Henry, bin aber nicht sicher, weil ich bei der Taufe nicht zugegen war.)

Und Aurelias Liebling ist nicht das lange gewünschte weiße Kaninchen, sondern sein brauner Freund. So kann es gehen. Wo die Liebe hinfällt, funktioniert kein Plan und kein Wunsch.

3 Gedanken zu „Jan und Henry

    • Oh, ja, könnte ich als Männerquote verkaufen. War aber Zufall. Zwei verträgliche Weibchen oder ein Pärchen wären uns genauso lieb gewesen. Es passte einfach: (1) zwei aneinander gewöhnte Tiere, (2) ein weißes Exemplar, (3) Außenhaltung, (3) vor Aurelias Geburtstag umzugswillig.

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