Am Wochenende sprach ich mit Aurelia über Nachnamen. Sie hatte festgestellt, dass in Oma, Mama und alle drei Schwestern den gleichen Nachnamen haben, Papa und Opa aber einen anderen. Ihre Schlussfolgerung war, dass „immer die Frauen gleich heißen und die Männer auch, aber anders“.

Ich musste dem Kind erklären, dass das Namensrecht leider etwas komplizierter ist und früher alle Frauen, jetzt immer noch die meisten Frauen bei der Hochzeit ihren Geburtsnamen aufgeben. Sie konterte „Und warum du nicht? Du warst doch auch schon verheiratet! Haben die Männer dir deinen Namen zurück gegeben?“

Okay, ich musste also noch weiter ausholen:

  • Bis zurück zu meiner ersten Ehe, die einen Bräutigam mit Nachnamen Peters betraf. Könnt ihr euch noch an die Sängerin Ingrid Peters erinnern. Allein bei dem Gedanken, ich könnte so heißen, schüttelte es uns so sehr, dass er spontan vorschlug, meinen Namen anzunehmen (er wollte und durfte im Gegenzug die Traukirche auswählen).
  • Bis zurück zu meiner zweiten Ehe, bei der wir trotz großer Liebe so sehr über einen gemeinsamen Ehenamen stritten, dass wir beide lieber auf die Ehe verzichtet hätten, als den Namen des anderen anzunehmen. In Deutschland war zu diesem Zeitpunkt noch die Einigung auf einen gemeinsamen Familiennamen Pflicht, also heirateten wir in Wales. Wir mussten dazu unseren Wohnsitz im Einzugsbereich des Standesamtes nehmen und dort mindestens 15 Tage wohnen. Unsere Wahl fiel auf einen Campingplatz in der Nähe von Caernarfon (für die Royalisten unter euch: dort steht das Schloss, in dem Charles zum Prince of Wales gekrönt wurde). Die Standesbeamtin hatte noch einige Diskussionen mit ihrer übergeordneten Stelle, weil Wohnsitznahme nur in einem festen Gebäude akzeptiert wurde. Sie nahm den Campingplatz in Augenschein und entdeckte das winzige Wasch- und Toilettenhäuschen. Ein kurzes Klopfen auf die unverputzten Porenbetonsteine, ein Nicken und alles war klar. Wir verbrachten einen herrlichen Wanderurlaub in Snowdonia und heiraten am letzten Tag unserer Reise. Die Trauzeugen holten wir uns von der Straße, denn wir kannten ja niemanden dort.

Das fand mein Kind klasse und sagte „Ich will ja auch nicht Strick heißen, wenn ich Jonas heirate, das merke ich mir!“

Doch schon ergab sich die nächste Frage: „Wie kommt es, dass wir alle Nachnamen haben und wofür brauchen wir die denn?“

Dass man die Leute unterscheiden muss, leuchtete ihr ein. „Ja, ich wüsste sonst ja auch gar nicht, welcher Tim gemeint ist, wenn wir in der Schule über Tim sprechen!“

Sehr spannend fand sie die Herkunft der Nachnamen.

  • Wir sprachen über Berufe als Nachnamen (Fischer, Müller, Schneider, Schuster, Zimmermann, Schäfer, Burggraf, Bauer …) und waren froh, dass heutzutage keine neuen Nachnamen kreiert werden. Denn wir würden beide nicht gerne Ingrid Autorin oder Aurelia Schulkind heißen und würden uns sehr wundern, einer Hanni Friseuse, einem Max IT-Techniker, einer Claudia Stewardess, einem Andreas Animateur oder einem Klaus Hundetrainer zu begegnen.
  • Wir sprachen über Äußerlichkeiten als Nachnamen (Klein, Groß, Alt, Jung, Hübsch, Enkel, Kind, Pickel, Nase,…), wie schnell sich das ändern kann und überlegten, ob Engel eher in die erste oder zweite Kategorie gehört.
  • Wir sprachen über Charaktereigenschaften als Nachnamen (Stumm, Prahl, Still, Kühn, Klug, Frühauf,…) und waren uns einig, dass das doof ist, wenn die Nachkommen ganz anders sind, z.B. Lena Frühauf eine ausgesprochene Langschläferin ist.
  • Wir sprachen über lustige Nachnamen (Klopfleisch, Grabsch, Herrgott, Holzklau, Anders, Lücke, Pfeifer, Rosentreter, Schade, Zahn,…), bei denen unsere Fantasie mit uns durchging: Hatte der Herr Möhrenschläger einen Vorfahren, der mit Möhren auf andere Leute eindrosch oder schlug er diese unschuldigen Gemüsepflänzchen? Außerdem erzählte ich ihr von einem DRK-Seminar, in dem zwei Teilnehmer namens Rothe und Kreutz nebeneinander saßen.
  • Wir sprachen über Namen, die aus anderen Sprachen kommen. Sicherlich wissen unsere DRK-Kollegen mit dem Namen Over, was das auf Deutsch heißt. Aber ob die anderen DRK-Kollegen mit dem Nachnamen Glaw wissen, dass das der walisische Begriff für Regen ist?
  • Wir sprachen über Vornamen als Nachnamen (Thomas, Fritz, Dietrich, Georg, Peter,…) und fanden es sehr einfallslos.
  • Wir sprachen über die Herkunft als Nachname, allgemein (Wald, Nussbaum, Stein, Bergs,…) und geografisch (Retterath, Zündorf, Brehmer, Böhm, Adenauer, Lindenberg, Inden, Rheinfelder,…). Diese Art der Bildung von Nachnamen gefällt meiner Tochter am besten. Nicht nur, aber natürlich auch, weil unser Nachname in diese Kategorie gehört. Wir Retteraths wissen, dass unsere Vorfahren aus Retterath in der Eifel kommen. Genauso wissen dies alle Zündorfs, Herkenraths, Freiburgers, Richraths, Frechens, Rheindorfs,…

Die Retteraths in Retterath, August 2017

Auch wenn ich (noch) keine Ahnenforschung betreibe, erdet dieses Wissen mich. Wann immer ich in der Nähe des Nürburgrings bin, mache ich einen Schlenker nach Retterath. Dort kenne ich keinen Menschen, aber ich habe das Gefühl von Heimat.

Wisst ihr auch, wo euer Name herkommt? Ist es euch wichtig oder egal?

 

 

13 Gedanken zu „Retterath – mehr als nur ein Nachname

  1. Ich weiss es nicht,obwohl ich mich mit dem spannenden und intensiven Thema der ahnenforschung beschäftigte (bevor du damit beginnst sei dir bewusst,dass es dich fesseln kann!!!).
    Ich weiss aber aus einer täglichen kleinen Sondersendung im örtlichen Radio dass der Nachnahme nicht immer die gleiche Bedeutung wie das Wort hat. Ein Namensforscher klärt dort täglich über Nachnamen auf.Letztes habe ich gelernt,dass Familie Kaiser keine kaiserlichen Vorfahren hat…..

    Aber viel Spaß bei dem spannenden Forschungsthema!

    • Danke für deinen Rat, du bestätigst eine Aussage, die ich von anderer Seite gehört habe. Dann lasse ich besser och ein paar Jahre die Finger von der Ahnenforschung und freue mich einfach nur an unserem Nachnamen.

  2. Ich finde hübsch, daß mein Nachname naturverbunden ist – wahlweise bedeutet er nämlich „junger Buchenstamm“ (besonders fein, da rings ums jetzige Haus große Buchen sind) oder aber, hier im norddeutschen, „Elster“ (und die wohnen in den großen Buchen)
    Aber nuja, natürlich kann mein Nachname auch ganz profan regionaler Herkunft sein, denn im Rheinland, aus dem ich komme, gibt es auch ein paar Ortsteile, die so heißen wie ich.
    Ich habe mir ausgesucht, daß mein Nachname von den Buchen stammt, wissen tut’s eh Niemand *g*

  3. Vor einigen Jahren fielen mir Dokumente in die Hände und ich „malte“ eine PowerPoint aus den Daten, erkannte aber bald, dass ich damit nicht weiterkomme. In der Familie einer Freundin hat sich schon der Großvater mit Ahnenforschung beschäftigt und ihr Bruder führt es fort. Den kontaktierte ich und er empfahl mir „Ahnenblatt“ eine schöne, einfache, blodinentauglich Anwendungen um Familiendaten einzugeben und darzustellen.
    So saß ich nun an Abenden und Wochenenden und tippte Namen und Lebensdaten in das Programm und freue mich wie Bolle wenn ich was Neues raus finde. Von meines Vaters Seite gibt es einen Arier-Nachweis mit vielen Daten, bei meinem Großvater mütterlicherseits brachte mich ein Hinweis einer Kirchgemeinde (Ortsfamilienbücher) weiter, aber auch Ancestry und my heritage halfen mir. Auch habe ich mal „Geld in die Hand genommen “ und eine Recherche bei dem Archiv Limburg in Auftrag gegeben und konnte dadurch zwar nur hauptsächlich schon bekannte Informationen bestätigt bekommen aber dann auch mit den Kopie aus den dazugehörigen Dokumenten.
    Aktuell suche ich nicht aktiv aber ich werde das versuchen weiterzuführen. Die Kinder waren ganz angetan als ich ihnen mal einen Auszug ihres persönlichen Stammbaumes gemacht habe.

  4. Mein Nachname ist ausgedacht und wurde vor zwei Generationen geändert, weil mein Urgroßvater mit dem Nachnamen Piep immer gehänselt wurde und das meinem Großvater nicht antun wollte. Damals war meine Familie die einzige in Deutschland mit diesem Namen. Als ich etwa 18 war entdeckte ich online eine weitere Familie mit diesem Namen im äußersten Osten Deutschlands. Meine Tante brachte in Erfahrung, dass diese Familie aus Polen eingewandert war und wegen der leichteren Aussprache einen Buchstaben in ihrem Nachnamen offiziell streichen ließen. Uns hat keiner gefragt 🙁

    Als ich mit 27 Jahren hierher ins Rheinland zog, fiel mir auf, wie viele Menschen so heißen wie Ortschaften. Ich empfinde das als etwas Besonderes in der Region. Im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin, war das nicht so.

    • Welch fürsorglicher Urgroßvater! Auf ihn kannst du stolz sein. Ich hatte ein Mädchen namens Hahn in der Stufe, stell dir vor, sie hätte einen Herrn Piep geheiratet!

  5. P.S. Just am Tag nach diesem Blogbeitrag bekam ich Leserpost von einer Frau Mausehund. Ich erzählte ihr von meinem Gespräch über Nachnamen und sie schrieb mir Folgendes:

    >>>schnipp>>>
    Zu meinem Nachnamen. 🙂
    Ja, ich werde sehr häufig darauf angesprochen, zumindest hier in Berlin, wo ich lebe. In meiner Heimat, einer ländlichen Gegend in Hessen, jedoch eher seltener. Dort ist der Name geläufig und es gibt viele Tier-Nachnamen (z.Bsp. Otterbein, Ziegenbein, oder Wurmnest. Da habe ich es doch noch ganz gut getroffen 😉

    Vor etwa einem Monat hatte ich recht überraschend ein Telefoninterview mit einem Professor, der Namensforscher ist und bei bei Radio Brandenburg arbeitet. Aus über 10.000 Zuschriften war es u.a. mein Nachname, der gezogen und dessen Herkunft geklärt wurde. Hier die Kurzfassung, damit Sie und Ihre Kindern noch den Mausehund Ihrer Sammlung hinzufügen können:
    Früher bezeichnete man Wildkatzen auch als Mausehunde, da sie deutlich größer sind, als die gewöhnliche Hauskatze und Hunden ähneln können. Allerdings gibt es den echten Mausehund ja nicht wirklich und somit ist das nicht der Namensgeber.
    Ein Mensch, der nichts tat, keinem Beruf nachging und eher faul war, sich mit Unnützem beschäftigte nannte man einen Mausehund. Warum? Weil es dieses Tier nicht gibt und es somit nichts tut, also unnütz ist.

    Letztlich deuten Tier-Nachnamen immer auf eine Herkunft aus einer ländlichen Gegend hin. Der erste Eintrag meines Namens ist tatsächlich nur ca. 60km von meinem Heimatort entfert. Meine Eltern und Bruder mit Familie leben dort somit ganz unauffällig als Mausehunde. Es sei denn, man verlässt unseren Landkreis, dann sind Schmunzler, Lacher oder fragende Gesichter garantiert.
    <<

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Webseite