Und wieder einmal stehe ich etwas frustriert vor den Ergebnissen meiner Recherchen. Was ich bei der Hausarbeit zu faul bin, das bin ich bei den Wanderführern wohl zu fleißig.

Für die Wanderungen in der Südeifel habe ich 160 Seiten zur Verfügung. Das hört sich zunächst viel an. Wenn man aber Titel, Einleitung, Inhaltsverzeichnis und Index abzieht, Fotos, Karten und Höhenprofile berücksichtigt und nicht im Telegrammstil schreiben will, ist diese Seitenzahl der echte Horror.

Obwohl ich schon vor Fertigstellung des Manuskripts vier Touren ausgemustert hatte, die mit nicht ganz so gut gefielen und laut Reihenkonzept insgesamt 25-30 Touren vorstellen soll, passt es hinten und vorne nicht. 31 Touren, ein Drittel zu viel Text! Die Eifel, insbesondere der südliche Teil, ist einfach zu schön. Was tun?

1.) Streichen!

Es sollen ja sowohl anstrengende Ganztagestouren, als auch Halbtagestouren und Kurzwanderungen dabei sein. Ein paar für Kinder, für Hunde, für Buggys und/oder für Geocacher. Eher sonnig, halb/halb und eher schattig. Mit Panoramablicken, Maaren, Felsen, Flüssen, Wäldern, Klöstern, Burgen, Schlössern, Schmetterlingswiesen und Vulkankraterseen. Möglichst mit Einkehrmöglichkeiten und/oder Wanderhütten, Rastplätzen, Sitzbänken und Ruheliegen. Breite Wege, Pfade und Steige. Mit Gras, Waldboden, Fels, Steinen und möglichst vielen anderen Bodenarten. Für trittsichere und für tappige Wanderer. Undsoweiterundsofort.

Durchs Rost fielen deshalb:

  • Ulmen. Dort recherchierten wir eine ganz nette Wanderung auf den Spuren von Hexen, Henkern und Halunken, über die ihr vielleicht auch bei unterwegsmitmir gelesen hattet. Wir waren schon damals nicht vollends von der Tour überzeugt. Sie war eben nur „ganz nett“. Zudem liefen wir damals die Tour verkehrt herum und ich musste noch einmal für eine neue Beschreibung raus.
  • Vianden. Hier hatte ich eine unausgewogene Strecke: Die erste Hälfte rund um die Burg Vianden bis hinab zur Ourtalsperre war alpin, die zweite barrierefrei. Also wäre jede Art von Wanderer unzufrieden gewesen. Mein zweiter und dritter Anlauf brachten zwar längere, aber immer noch nicht stimmige Runden mit sich, einmal auch nur eine Streckenwanderung. Und mein Fersensporn ließ es nicht zu, noch einmal vor Ort nachzubessern.
  • Prümzurley: Pleiten, Pech und Pannen waren ohnehin alles, was ich von den beiden Recherchewanderungen an den Irreler Wasserfällen in Erinnerung hatte: Ich vergaß den Fotoapparat und hatte nur Smartphonebilder, der Buggy hatte einen Plattfuß,die Destillerie hatte geschlossen, im Wasserspielplatz gab es kein Wasser und Bathida verknackste sich die Pfote. Auch beim Schreiben konnte ich der Strecke nicht so viel abgewinnen, also flog sie raus.
  • Schwarzer Mann: Die Winterwanderung muss das Manuskript verlassen, weil es eben eine Winterwanderung ist. Das ist im Winter prima, wenn die übrigen Wanderwege in der Schneifel nicht gangbar sind, weil man bis zum Hals im Schnee versinkt. Auf diesem Wanderweg wird der Schnee so verdichtet, dass man nicht versinkt uns sogar mit robusten Buggys durchkommt. Aber das ist eben nur im Winter interessant und wir wollten lieber einer ganzjährig schönen Wanderung den Vorzug geben.

Das Frustrierendste daran? Für drei dieser Touren habe ich viele und schöne Fotos! Und bei der Winterwanderung könnte ich sogar meinem Maxim noch ein Denkmal mit einem Foto setzen.

2.) Zusammenfassen

  • Gerolstein: In Gerolstein gibt es zwei fantastische Touren unter 10 km: Den Keltenweg und den Felsenweg. Beide nahm ich ins Manuskript auf, weil ich mich nicht zwischen ihnen entscheiden konnte. Neuerdings werben die Touristiker mit einer Gesamtrunde namens Gerolsteiner Acht. Prima! Genau so fasse ich die beiden nun auch zusammen. Das spart etwa zwei Seiten, weil ja nur noch eine Einleitung, eine Karte und ein Höhenprofil nötig ist.
  • Einige Touren tauchen als Wegvariante bei einer anderen Tour auf, z.B. enthält nun die Wanderung durch die Teufelsschlucht einen Hinweis auf den Weg entlang der Prüm.

3.) Kürzen

  • Der Rotstift kreiste besonders heftig über dem Einleitungsteil, in dem ich die Region vorstelle (andererseits findet man dort nun einen kleinen Hinweis auf die Winterwanderung am Schwarzen Mann)
  • Toureinleitungen wurden aufs Wesentliche beschränkt
  • Einige Exkurse fielen weg. Dann kann sich der Leser leider nicht mehr bei der Tourvorbereitung zuhause informieren, sondern erst vor Ort an einer Infotafel.
  • Ich überlegte bei jedem Satz, ob ich ihn nicht kürzer fassen kann. Das ist der schwerste Teil, langwierig noch dazu!

4.) Jammern

  • jetzt
  • grade
  • hier
  • bei
  • euch
  • *schnief*

5.) Verwahren

  • Zwei Kurztouren hatte ich ausgemustert, weil ich sonst zu viele Touren für Familien und zu wenige für gestandene Wanderer beschrieben hätte. Diese beiden lassen sich prima für die neue Auflage von Eifel mit Kindern verwenden.
  • Zwei Touren werden den in Absprache mit meiner Lektorin als Schmankerl zum Download angeboten.
  • Die noch nicht gelaufenen Tourideen warten nun auf ihre Chance, in die zweite Auflage zu rutschen, wenn die aktuellen Touren bei den Lesern nicht alle gleich gut ankommen.

6 thoughts on “Zu viel recherchiert in der Eifel

  1. Ich glaube Dein Verlag will zu viel und sollte sich mal entscheiden, ob man nun Familien mit Kindern ansprechen will oder lieber nur erwachsene Wanderer und ob man nun barrierefreie Wege will oder nicht. Wer alles abdeckt, der spricht eben letztendlich niemanden gezielt an.

    1. Das sehe ich etwas lockerer als du: Es gibt Wanderführer, z.B. für die Alpen, in denen alle Touren sich an Spitzensportler wenden, die voller Kraft, Ausdauer und Erfahrung stecken. Andere wenden sich an Menschen, die beim Wandern die Seele baumeln lassen wollen, z.B. mein letztes Wanderprojekt. Es gibt auch spezielle Kinderwanderführer, die verkaufen sich aber sehr schlecht.

      Die absolute Mehrzahl aller Wanderführer bietet eine Mischung aus leichten, mittelschweren und schweren Wanderungen an, lang, kurz, schattig, sonnig, usw. Das ist dem Käufer/Leser gar nicht so bewusst, wenn er im Laden danach greift oder im Internet darauf klickt.

      Ich mache es in diesem Blog einfach etwas deutlicher und transparenter. So wie der Verlag eben auch Wert darauf legt, dass ich schon in der Einleitung mit eindeutigen Symbolen klar stelle, ob es eine ein kurzweiliger Sonntagnachmittagspaziergang für die ganze Familie oder eine anstrengende Tageswanderung ist, die für Kinder, Buggys und Hunde gänzlich ungeeignet ist.

  2. Ja, wenn man so einen Wanderführer in der Hand hat, ist einem selten bewusst, wie viel Arbeit es dem Autor macht. Sicher hast du auch Freude an den Wanderungen aber die Arbeit alles zusammenzustellen zu korrigieren und aufzubereiten ist doch immens. Meine Hochachtung!!!

  3. Huhu Ingrid
    Ich bin jetzt auch im Ruhestand und Anselm und ich wandern auch gerne. Wann kommt dein Wanderführer raus?
    Grüße an Gerda
    Monika

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