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In Deutschland ist jede dritte Frau von Blasenschwäche betroffen, wenn ich den Statistiken glauben darf. Das heißt nicht unbedingt, dass sie unter Blasenschwäche leidet (!), aber lästig ist es in jedem Fall.

Nicht ganz dicht

Der Absturz vom Hormonhoch meiner Zwillingsschwangerschaft ins Hormontief der Wechseljahre war eine brutale Umstellung für meinen ganzen Körper. Während ich nach der ersten Schwangerschaft noch über die Warnungen anderer Mütter schmunzelte, traf es mich nach der Geburt der Zwillinge mit voller Wucht. Husten? Niesen? Lachen? Hüpfen? Ich hatte Phasen, in denen ich mir auch ohne diese Erschütterungen nicht ganz dicht vorkam. Auf einmal wurde mir klar, was ungewollter Harnverlust tatsächlich bedeutet.

Das schränkte mich mehr und mehr ein: Wenn Aurelia mich zum Trampolinspringen aufforderte, hatte ich immer – ganz dringend – ganz wichtig – etwas anderes zu erledigen. Bei Wanderungen und anderen Recherchen suchte ich viel zu oft – rein vorsorglich – nach einem Busch oder einer Toilette, aus lauter Sorge, der Rest der Tour könnte sonst in die Hose gehen.

Vielleicht erinnert ihr euch: Vor etwa anderthalb Jahren hatten wir das Thema hier im Blog schon einmal: Nicht ganz dicht – Lasst uns über Inkontinenz sprechen. In euren Kommentaren hattet ihr diese Problematik bestätigt – und mir auch gedankt.

Ich danke dir für deine offenen Worte. Es ist in der Tat noch ein Tabu Thema. Wenn aber Mütter unter sich zusammen sitzen und die erste sich outet, erzählen auch die anderen von „Unfällen“ beim Lachen, Husten, Nieren und Hüpfen. Du bist nicht allein damit, aber weit und breit die Einzige, die offen darüber schreibt. Danke! <3

Eva in einem Kommentar

Ja, liebe Eva, damit hast du ganz Recht. Ich bin nur nicht der Typ für Tabus. Slipeinlage, Binden, Wöchnerinnenmull und sonstige Vorlagen haben durchaus ihre Existenzberechtigung. Binden finde ich bei langen Radtouren sogar sehr praktisch, weil mir mein Po nicht so weh tut. Aber für diese Form der Undichtigkeit und die im weiteren Verlauf zu erwartenden Piesel-Pannen suchte ich eine andere Lösung.

Deshalb freute ich mich sehr, als kurz nach dem Erscheinen meines Artikels die Möglichkeit bekam, genau das Teil auszuprobieren, von dem ein Fred in seinem Kommentar schrieb, als er (ob es wirklich ein er war?) mir ein Beckenboden-Trainingsgerät mit Elektrostimulation empfahl – just als ich zeitgleich das unwiderstehliche Angebot bekam, INNOVO zu testen.

Elektrostimulation mit dem Innovotraining

Im Sommer 2017 ging es also los: Ich erhielt ein Paket mit dem Trainingsgerät, bestehend aus einem Bedienelement zum Umhängen, an das zwei Beinmanschetten angestöpselt werden. In den Manschetten befinden sich Haftpads, durch die gleichmäßig gesteuerte Elektroimpulse fließen, 180 Stück an der Zahl je Anwendung. Die Stärke lässt sich selbst regeln und wird langsam gesteigert.

Anfangs war ich skeptisch. Was sollte dieses Gerät erreichen, was mit Beckenbodengymnastik nicht erreichbar war? Der Gynäkologe hatte eine Senkung diagnostiziert, die eben oft mit solchen Symptomen einher geht. Die Muskeln und das Bindegewebe waren nun einmal nachgiebiger geworden.

Ich las, dass eine zu schwache Beckenbodenmuskulatur eine der Hauptursachen von Blasenschwäche ist, aber in der Regel gut behandelbar sei, ohne dass eine OP nötig wäre. Okay, das war mir einen Versuch wert, mit Operationen habe ich es nicht so…

Die Anwendung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich schaffte es von Tag zu Tag besser, die Pads an den richtigen Stellen anzubringen. Das Gerät zeigt die Fehlerstellen an und ist auch stur genug, um erst mit dem Training zu beginnen, wenn alles korrekt sitzt. Eins meiner Handicaps war, dass ich keine Stringtangas trage, die Pads aber an Beinen und Po auf nackter aufliegen müssen.

Dann folgte eine halbe Stunde volle Entspannung. Denn die Anwendung ist auch im Stehen, z.B. beim Bügeln oder Spülen möglich. Die besten Ergebnisse erzielte ich aber in halbsitzender Position. Das war mir auch lieber, denn in diesen Manschetten fühlte ich mich immer etwas nackt. Also legte ich mich auf das Sofa oder in die Hängematte, den Kopf erhöht und die Knie angezogen. Dazu las ich ein Buch, daddelte auf dem Smartphone herum oder döste vor mich hin. Trotz der Elektrostimulationen war dies ein gemütlicher Ausklang meines Tages.

Anfangs hatte ich nicht das Gefühl, dass das tägliche Training etwas bewirkt. Ich hatte sogar den Eindruck, dass sich die Situation verschlechtert. Weil der Hersteller in der Anleitung aber betont, dass sich erste Erfolge unter Umständen erst nach vier Wochen einstellen, habe ich weitergemacht. Und siehe da: Meine Muskeln wussten auf einmal, was sie tun sollten. Wie auch in der Reha nach Verletzungen, so kann durch zielgenaue Elektroimpulse die Beckenbodenmuskulatur trainiert und gestärkt werden. Von diesem Zeitpunkt an wurde meine Blasenschwäche Schritt für Schritt weniger, und am Ende hatte ich wieder das Vor-Schwangerschaftsgefühl.

Nach etwa drei Monaten Training konnte ich husten, niesen, lachen und hüpfen, so viel ich wollte, ohne dass etwas passierte. Bei der Köln-Maus-Recherche sprang ich tatsächlich mit Aurelia anderthalb Stunden im Jump House von Trampolin zu Trampolin – ohne überhaupt an meine Blase zu denken!

Alle paar Wochen nahm ich mir noch Zeit für ein Erhaltungs-Training in meiner Happy Hour (= die Stunde, nachdem die Kinder eingeschlafen sind, bevor mir selbst die Augen zufallen).

Das Problem schien gelöst.

Die schwachen Momente meiner schwachen Blase melden sich zurück

Doch von wegen: nun meldete sich meine Haut an den Auflagepunkten der Pads. Ein Besuch bei der Hautärztin bestätigte mir, dass es eine allergische Reaktion auf den Kleber ist. Also war der Kauf neuer Klebepads keine Option.

Das Trainingsgerät verschwand in einem Beutel in einer Ecke – und aus meinem Bewusstsein. Bis ich beim Radfahren hart über eine Wurzel fuhr. Hoppla, da war sie wieder. Meine alte Blasenschwäche!

Mein Gynäkologe verordnete mir daraufhin erneut Beckenbodengymnastik. Tja, nur meint meine Physiotherapeutin, dass meine Probleme im Rücken und Fuß höhere Priorität haben. Wir sind deshalb bislang noch nicht dazu gekommen. Und sind beide auch nicht hundertprozentig überzeugt davon, sie ist nämlich auch eine „jede dritte Frau“ und hält Beckenbodengymnastik allein für unzureichend.

Neuer Anlauf mit INNOVO Shorts

Wahrscheinlich war ich nicht die einzige Anwenderin, die (1) mit dem schlabberigen Anlegen der Manschetten Schwierigkeiten hatte, (2) ungern mit einem nackig-Gefühl auf dem Sofa saß oder gar in der Küche herumstand und/oder (3) allergisch reagierte.

Jedenfalls meldete sich meine Ansprechpartnerin im Dezember mit der fantastischen Nachricht, dass es ab Mitte 2019 Shorts für das Beckenbodentraining geben wird.

Doch damit nicht genug: Sie hatte sofort ein Exemplar für mich in England geordert, also noch weit vor der Markteinführung in Deutschland. Ich hätte sie knutschen können!

Sofort nach unserer Rückkehr aus dem Neujahrsurlaub konnte ich wieder mit dem Training beginnen und kann berichten:

  • Die Shorts lassen sich auch nicht wirklich leicht anziehen. Sie müssen ja, um später ihre Aufgabe erfüllen zu können, ziemlich eng sitzen. Beim ersten Anziehen knackten die Nähte schon ein wenig beängstigend.
  • Ich fühle mich mit den Shorts „angezogener“. Wenn also während des Trainings eins der Kinder wach wird, und nach mir ruft, weil es sich nicht allein auf die Toilette traut, ziehe ich nur kurz die Stecker ab. Müde Kinderaugen sehen dann nur eine Mama in Shorts.
  • Das Training funktioniert wie vorher, mein Körper erinnerte sich schnell wieder daran und reagierte prompt. Ich bin deshalb auch jetzt schon wieder in der reinen Erhaltungsphase.

Ich bin also – wieder einmal – mit dem Schrecken davon gekommen.

Fazit

Was bleibt sind diese Fragen:

Erstens

Warum war auf der Packung der Manschetten ein schmusendes Paar zu sehen, obwohl das Produkt ausschließlich für Frauen konzipiert war?

Zweitens

Warum ist auf der Unisex-Packung ein knackiger Kerl nebst eindeutiger Grafik der Wirkweise zu sehen? Und warum war der Mann im Lieferumfang nicht enthalten?

Drittens:

Ist es gut oder schlecht für den Hersteller, wenn ich darauf hinweise, dass die Stimulation je nach eingestellter Stärke auch andere Nebenerscheinungen mit sich bringt? Und darf ich in diesem Zusammenhang allen Frauen ungestraft den Tipp geben, dass jeder Orgasmus den Beckenboden kräftigt?

Ergänzung 11 Uhr: Grade werde ich darauf hingewiesen, dass aktuell bei Fit for Fun sogar zwei dieser Geräte verlost werden

7 thoughts on “Entdeckt und ausprobiert: Innovo und Innovo Shorts

  1. Liebe Ingrid,

    Ich lese deinen Blog so gerne, auch wenn ich nicht oft zum kommentieren komme.
    Du schreibst so herrlich offen, das würde ich mir von vielen meiner Mitmenschen auch wünschen.
    Zu Fazit punkt 3=> einfach genießen .

    Liebe Grüsse aus dem Schwabenland
    Susanne

  2. Neulich im Drogerie-Markt bemerkte ein Älterer Herr, dass es unendlich viele Sorten Slipeinlagen und Windeln für die Damen, aber nur eine für den Herrn gibt.
    Stimmt! Frauen werden immer als Auslaufmodell mit blauer Testflüssigkeit bezeichnet, die Herren nie.
    Insofern ist der knackige Kerl auf der Verpackung wahrscheinlich das, was in der Autowerbung, die Blondine auf der Motorhaube ist.
    Das mit dem Orgasmus muss ich mir merken.

  3. Danke für diesen Bericht.
    Müssen bei den Shorts die Pads auch ausgetauscht werden oder sind die dauerhaft? Ich glaube, die werde ich mir holen. Ich schleiche schon lange um Inovo rum, aber dieser Bericht überzeugt mich.

    Liebe Grüße

    1. Nein, die Pads bei den Shorts müssen nicht ausgewechselt werden (also wie bei Smartphones: zuerst lose, dann fest verbaut). Man sprüht sie immer mit einem Kontaktspray ein, das sicherlich irgendwann einmal leer ist und nachgekauft werden muss. Aber das dürfte preiswerter sein als die Ersatzpads.

      Danke für den Hinweis, das muss ich im Artikel noch genauer formulieren.

  4. Danke für deine Antwort. Ich hab noch eine Frage: das Gerät blieb das gleiche, oder? Du hast nur die Manschetten gegen die Shorts getauscht?

    1. Das Gerät ist gleich bei Manschetten und Shorts, alle bisherigen Funktionen blieben gleich und alle Tasten an derselben Stelle. Ich hatte deshalb keine Probleme bei der Umstellung.

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