Drei Jahre ist es her, dass Aurelia ins Year One kam. Jetzt sind die Zwillinge so weit.

Im Sommer 2017 waren wir Eltern zufrieden damit, dass uns schulseitig gestattet wurde, beim Abholen Schultüten mitzubringen und Fotos zu machen. Ihr erinnert euch vielleicht sogar noch an meinen Bericht hier im Blog.

Nun ist eine andere Generation von Eltern „nachgewachsen“.

Hier wird gefordert, dass es „eine vernünftige Einschulung“ gibt, am liebsten mit „Einschulungsgottesdienst“ und einer anschließenden „Einschulungsfeier“, die von der Schule organisiert werden müsse. Man wollte Tafeln mitbringen, auf denen in verschiedenen Sprachen „Mein 1. Schultag“ steht und schon vor Unterrichtsbeginn die Kinder daneben fotografieren. Nach der Schule sollte es eine „richtige Zeremonie“ geben. Immerhin beginne nun „der Ernst des Lebens“ und es sei „der wichtigste Tag im Leben der Kinder“. Man geriet in Panik, als es zwei Tage vor diesem wichtigen Tag noch keine Information zum Ablauf der Veranstaltung gab, denn man hatte sich ja extra im Büro freigenommen und brauchte „Vorlaufzeit, um ihre Termine zu organisieren“. Als dann am letzten Ferientag der Ablauf des „Schultüten-Events“ gemailt wurde, waren fast alle enttäuscht, weil es sich auf etwas klassische Musik, eine Sonnenblume für jeden Erstklässler und eine Rose für jeden Zweitklässler beschränkte.

Eine britische Mutter, deren Tochter mit Aurelia befreundet ist, sprach mich am letzten Ferientag an und fragte mich aus: „What is a Schultüte?“ – „How do you use a Schultüte?“ – „Where do I buy a Schultüte?“ – „What do I put into a Schultüte?“ – „What is an Einschulung?“ – „Why do the German parents insist to do this event?“ – „And why at the beginning of Year One? Didn’t you tell me, they celebrate it in Germany when the children are schulpflichtig? So Why now and not at the beginning of Reception when they start reading and writing oder in Year 2, when they are 6 years old?“ Ihr könnt euch vorstellen, wie ich den Fremdsprachenteil meines Hirns verrenken musste, um diese Fragen einigermaßen zufriedenstellen zu beantworten.

Ja, es ist eine multikulturelle Schule, der es gut zu Gesicht stehen würde, deutsche Traditionen zu adaptieren. Dann müsste man aber den (britischen) Verantwortlichen alles auch so erklären, dass sie alle Eltern rechtzeitig informieren. Und gibt es in Zeiten von Corona nicht wichtigere Themen als Schultüten? Mir jedenfalls brannten am Ende der Ferien etliche Fragen mehr unter den Nägeln als eine „vernünftige Einschulung“.

Bin ich Rabenmutter oder Kulturbanause? Denn ich hatte mir für diesen Tag nicht freigenommen, sondern war so froh wie meine Kinder, dass sie endlich wieder in die Schule können. Vieles war in den Coronamonaten und in den Sommerferien auf dem Schreibtisch und im Haus liegengeblieben und ich stürzte mich mit Gebrüll in die Arbeit. Für die Kinder war es ein gewohnter Ablauf in einem bekannten Umfeld, sie kennen ihre neuen Lehrer schon lange und verhielten sich morgens wie an jedem anderen Schultag.

Meine beiden Mäuse haben die Musik, die beim Abholen gespielt wurde, gar nicht wahrgenommen. Ihnen war vollkommen egal, dass einige Eltern (und sogar Großeltern, Onkel und Tanten) aufgebrezelt vor der Schule herumlungerten. Sie rannten an den dicht gedrängten Erwachsenen mit ihren Plakaten und Luftballons auf mich zu, umarmten mich, erzählten von der neuen Lehrerin und zeigten Geschenke und Gebasteltes. Danach durfte ich ihnen die Schultüten geben und ein paar schnelle Fotos schießen.

Auch Julia gelangen ein paar schnelle Fotos von uns allen.

Dann drängten die Kinder ins Auto, um dort die Tüten auszupacken.

Zuhause packten wir die schönen Tüten der Klassenlehrerin aus, erforschten alles ausführlich und spielten entspannt.

Für sie braucht der Ernst des Lebens noch nicht zu beginnen, sie dürfen weiterhin Freude am Lernen haben ;o)

Morgen folgt dann eine „Einschulungsparty“ bei lieben Freunden. Bei ihnen weiß ich, dass sie ohne den Beginn in Year One eine „Schuljahrstartparty“ gefeiert hätten, sie feiern einfach nur, weil sie sehr gastfreundlich sind.

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